Bachelor Thesis, 2009, 20 Pages
Author: Natalja Vienstroeer
Subject: Economics / Business: Trade and Distribution
Details
Tags: Bullwhip-Effekt, Bullwhip Effect, Peitscheneffekt, Beer Game
Year: 2009
Pages: 20
Grade: 2.0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-44877-7
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Abstract
Der Bullwhip-Effekt ist ein zentrales Problem des Supply Chain Managements. Der Begriff besagt, dass in Lieferketten, im Englischen Supply Chain, oftmals eine marginale Nachfrageänderung seitens des Endverbrauchers zu Schwankungen in den Bestell- und Liefermengen der übrigen Akteure (Einzel- und Großhändler, Fabrik, Distributor) führt. Als Folge können Lagervorräte, Produktionsabläufe, Kapazitäten sowie Kundenservice nicht optimal geplant werden. Erstmals hat Forrester im Jahr 1961 den Peitscheneffekt (engl. Bullwhip-Effekt)beschrieben, aus diesem Grund wird der Effekt oft auch Forrester-Effekt genannt. Er hat die Zusammenhänge zwischen Bestellmengen und Lagerbeständen erforscht und festgestellt, dass eine marginale Veränderung in der Nachfrage auf der Ebene des Einzelhandels zu immer mehr steigenden Schwankungen entlang der ganzen Lieferkette führte. Solche Schwankungen riefen den Eindruck eines Peitschenschlags hervor, weswegen das Phänomen als Peitscheneffekt definiert wurde. Dieser, aus der Literatur bekannter Fall wurde in der Realität bei dem Unternehmen Procter & Gamble erst später nachgewiesen. Der Peitscheneffekt wird oft anhand des Beer-Game simuliert, das verdeutlicht, welche Nachteile eine lokale Information für die Bestellpolitik und Planung mit sich bringt. Durch die Simulation wird zum Ausdruck gebracht, dass die Probleme in der Supply Chain nicht unbedingt auf externe Einflüsse zurückzuführen sind, sondern von System selbst bzw. durch das Systemverhalten selbst geschaffen werden. Die Hauptursachen für diesen Effekt sind unsichere Nachfrageprognose, Zeitverzug, Auftragsbündelung, Preisschwankungen und Engpasspoker. Dabei wird das Verfügen über nur die lokalen Informationen als wichtigster Einflussfaktor, der auf alle Ursachen Auswirkung hat, angesehen. Zahlreiche Gegenmaßnahmen, wie z. B. Vendor Managed Inventory (VMI), das Konzept Everyday Low Prices oder Consumer Response Strategie zielen auf die Verringerung des Bullwhip-Effektes. Die bedeutendste Gegenmaßnahme ist die Bereitstellung von Informationen sowie partnerschaftliche Zusammenarbeit. Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft der Unternehmen zur Kooperation und Informationsteilung. Trotz aller Maßnahmen ist keine vollständige Vermeidung des Bullwhip-Effektes möglich. Nur wenn die zugrunde liegenden Ursachen vollständig untersucht und verstanden werden, können die einzelne Gegenmaßnahmen erfolgreich eingesetzt werden.
Excerpt (computer-generated)
Universität Bielefeld
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Thema:
Bullwhip-Effekt
Bachelor-Arbeit
im Fachgebiet Supply Chain Management
am Lehrstuhl für Controlling und Produktionswirtschaft
Vorgelegt von: Natalja Vienstroeer
Abgabetermin: 12.06.2009
Inhalt
1
Einleitung
2
2
Bullwhip-Effekt. Entstehung und Folgen
2
2.1
Folgen
3
2.2
Das Beer Game
4
3
Ursachen
5
3.1
Unsichere Nachfrageprognose
5
3.2
Zeitverzug
6
3.3
Bündelung von Aufträgen (Order Batching)
6
3.4
Preisschwankungen (Price Fluctuation)
7
3.5
Engpasspoker (Shortage Gaming) und Mengenkontingentierung
7
4
Gegenmaßnahmen
8
4.1
Kommunikation und Informationsaustausch
8
4.2
Auftragsbündelung
9
4.3
Vermeiden von Preisschwankungen
10
4.4
Engpasspoker
11
5
Fazit
13
6
Abkürzungsverzeichnis
14
7
Literaturverzeichnis
15
8
Internetquellen
16
9
Anhang 1
17
10
Anhang 2
18
2
1 Einleitung
Der Bullwhip-Effekt ist ein zentrales Problem des Supply Chain Managements. Der
Begriff besagt, dass in Lieferketten, im Englischen Supply Chain, oftmals eine marginale
Nachfrageänderung seitens des Endverbrauchers zu Schwankungen in den Bestell- und
Liefermengen der übrigen Akteure (Einzel- und Großhändler, Fabrik, Distributor) führt. Als
Folge können Lagervorräte, Produktionsabläufe, Kapazitäten sowie Kundenservice nicht
optimal geplant werden.
Diese Probleme haben die Wissenschaft dazu veranlasst, den Bullwhip-Effekt näher zu
analysieren. Hau Lee (1997) beschäftigt sich insbesondere mit den Ursachen des Effektes und
den Maßnahmen zur dessen Beseitigung. Eine ausführliche quantitative Analyse für jede
einzelne Stufe in der Supply Chain führen (Keller, S., 2004) und (Metters, R., 1996) durch.
Eine Arbeit von Simchi-Levi, D., Kaminsky, P., Simchi-Levi, E. (2000) untersucht weitere
Beispiele aus der Praxis und stellt insbesondere Gegenmaßnahmen vor.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist vor allem die Hauptursachen des Bullwhip-Effektes
zu untersuchen. Die Simulation des Beer-Games verdeutlicht besonders gut, welche Faktoren
diesen Effekt verursachen bzw. beeinflussen. Zunächst wird in dieser Arbeit jedoch die
Erkenntnis der Problematik, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, und die Folgen des
Peitscheneffektes kurz erläutet. Abschließend werden einige praxisbezogene Maßnahmen zur
,,wirkungsvollsten" Beseitigung bzw. Verringerung des Effektes vorgestellt.
2 Bullwhip-Effekt. Entstehung und Folgen
Erstmals hat Forrester im Jahr 1961 den Peitscheneffekt (engl. Bullwhip-Effekt)
beschrieben, aus diesem Grund wird der Effekt oft auch Forrester-Effekt genannt. Er hat die
Zusammenhänge zwischen Bestellmengen und Lagerbeständen erforscht und festgestellt, dass
eine marginale Veränderung in der Nachfrage auf der Ebene des Einzelhandels zu immer
mehr steigenden Schwankungen entlang der ganzen Lieferkette führte. Solche Schwankungen
riefen den Eindruck eines Peitschenschlags hervor, weswegen das Phänomen als
Peitscheneffekt definiert wurde. Weiterhin hat Forrester bewiesen, dass dieses Aufschaukeln
auf externe Faktoren zurückzuführen ist, insbesondere auf zeitliche Verzögerungen1.
1 Vgl. Forrester (1969), S. 21 ff. (Die 1. Auflage stammt aus 1960)
3
Dieser, aus der Literatur bekannter Fall wurde in der Realität erst später nachgewiesen.
Vor etwa zwei Jahrzehnten hat das weltweit bekannte Unternehmen Procter & Gamble (P&G)
ein auf den ersten Blick unlogisches Phänomen in der Produktion und Distribution seines
Produktes Pampers festgestellt. Obwohl die Endverbraucher ihre Einkäufe in gleich
bleibenden zeitlichen Abständen tätigten, schwankten die Bestellungen in der Lieferkette
umso stärker, je weiter ein Unternehmen von dem Konsument entfernt war.2
2.1 Folgen
Der Peitscheneffekt bringt zahlreiche Probleme in der Lieferkette mit sich. Die
unbeständige Nachfrage führt dazu, dass die Kapazitäten in den Unternehmen entweder nicht
vollständig ausgenützt oder komplett überlastet werden. Perioden mit vielen Aufträgen, die
nicht rechtzeitig bearbeitet werden können folgen Perioden mit wenigen Bestellungen, in
denen die Ressourcen kaum ausgelastet werden. Um nicht das Risiko einzugehen, die
Nachfrage nicht befriedigen zu können und aufgrund der bestehenden Unsicherheit von den
Lieferanten unverzüglich beliefert zu werden neigen die Unternehmen dazu hohe
Lagervorräte halten. Infolge der steigenden Schwankungen fallen diese Sicherheitsbestände
umso höher aus, je weiter der Akteur der Supply Chain vom Konsumenten entfernt ist, was
wiederum zu steigenden Kapitalbindungs- sowie Lagerhaltungskosten führt.
Da die Lieferkette der zeitlichen Verzögerung der Material- und Informationsflüsse
unterliegt, weist sie zusätzlich geringe Flexibilität und gebremste Reaktion der Veränderung
der Kundennachfrage auf.3 Es entsteht eine mangelnde Produktverfügbarkeit, aufgrund dieser
die nachfolgenden Stufen nicht pünktlich beliefert werden können. All diese Faktoren tragen
zu erhöhten Herstellungs- und Transportkosten, verlorenen Einnahmen, schlechtem Liefer-
und Kundenservice sowie ungenügender Koordination bei, die wiederum auch die
Geschäftsbeziehungen negativ beeinflussen.
2 Lee et al. (1997), S. 93
Auch der Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) hat ähnliche Schwankungen bei dem Verkauf eines
Druckers beobachtet. Vgl. Simchi-Levi (2000), S. 167 ff.
3 Vgl. Kapitel 3.2 ,,Zeitverzug"
4
2.2 Das Beer Game4
Das ,,Beer Distribution Game" wurde in den 60er Jahren am Massachusetts Institute of
Technology (MIT) von Jay Forrester entwickelt und gilt seitdem als eines der bedeutendsten
Management Spiele. Anfänglich wurde das Game anhand eines Brettspiels 5 simuliert,
mittlerweile stehen auch computerbasierte Versionen zur Verfügung6. Das Spiel verdeutlicht
wie sich ein Produktions- und Distributionssystem verhält. Trotz der Bezeichnung ist es nicht
wichtig, ob das System Bier, Saft oder Tee produziert und verschickt.
Die Lieferkette des Spiels besteht aus vier Stufen und die Spieler, egal ob sie Studenten,
Manager oder Analysten sind, übernehmen die Rolle eines Einzelhändlers, eines
Großhändlers, eines Distributors und eines Produzenten bzw. einer Fabrik. Alle Stufen
werden in streng sequentieller Reihenfolge durchlaufen: die Brauerei stellt das Bier her und
beliefert den Distributor, dieser wiederum einen Großhändler. Von letzterem bezieht der
Einzelhändler seine Ware, die er letztendlich an den Konsument verkauft. Somit ist jeder
Spieler, außer die Bier produzierende Fabrik, gleichzeitig Kunde und Lieferant, der
Endverbraucher übernimmt die Rolle des Spielleiters.
Jeder einzelner Spieler verfolgt mit seiner Bestellpolitik das Ziel die Gesamtkosten zu
minimieren7. Diese Kosten addieren sich aus Lagerhaltungs- und Fehlmengenkosten, die in
dem Spiel mit 0,5 Geldeinheiten (GE) bzw. mit 1 GE pro Woche und Bierkiste bewertet
werden.8 Demzufolge ist jeder Teilnehmer der Lieferkette mit einem Lagerhaltungsproblem
konfrontiert, die Fehlmengen sollen vermieden sowie Lagerbestände möglichst minimal
gehalten werden. Gleichzeitig muss die von dem Konsumenten ausgehende Nachfrage erfüllt
werden.
Indem die Spieler nur über die Bestell- und Liefermengen miteinander kommunizieren
dürfen und ihre Entscheidungen auf keinen Fall mit den anderen abstimmen können, verfügen
sie nur über lokale Informationen. Die globalen Informationen, insbesondere die über die
Nachfrage des Endverbrauchers und die Lage anderer Teilnehmer sind unbekannt.
Infolgedessen müssen die Bestellstrategien nur auf der Grundlage der eingehenden Aufträge
4 Vgl. Sterman (1989); http://www.beergame.uni-klu.ac.at
5 Siehe Anhang 2
6 http://www.beergame.lim.ethz.ch
http://beergame.mit.edu
7 Das Minimierungsproblem ist von Metters (1997) auf S. 95 quantitativ vorgestellt
8 Vgl. Sterman (1989) S. 326 ff.
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