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Scholary Paper (Seminar), 2009, 22 Pages
Author: Alexander Christian Pape
Subject: Politics - Political Systems - Germany
Details
Institution/College: University of the Federal Armed Forces München
Year: 2009
Pages: 22
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-45204-0
ISBN (Book): 978-3-640-45193-7
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Abstract
1. Einführung Im Blickfeld einer baldigen Bundestagswahl und unter Berücksichtigung der Umfrageergebnisse, die Verlust der großen Volksparteien an Wählerschaft vorhersehen, ist die Bedeutung kleiner Parteien nicht zu unterschätzen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands befindet sich seit geraumer Zeit in einem Abwärtstrend der Wählergunst, zudem treten immer mehr Mitglieder aus der Partei aus. Nicht nur die relativ neue Linkspartei könnte von diesem Stimm- und Sympathieverlust profitieren, sondern auch eine Partei, die sich in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten in der deutschen Parteienlandschaft festgesetzt hat, sowohl eine langjährige Erfahrung in der Oppositionsrolle, als auch der Regierungsverantwortung vorweisen kann. Seit dem Einzug in den Deutschen Bundestag 1983 und den ersten Erfahrungen auf Länderregierungsebene ab 1985 sind Bündnis 90/ Die Grünen aus den bundesdeutschen Parlamenten nicht mehr wegzudenken. Hierbei ist es interessant zu untersuchen, was sich für die Grünen als Regierungspartei verändert hat. Offensichtlich haben verschiedene innerparteiliche Entwicklungsprozesse auf struktureller, ideologischer und praktischer Ebene stattgefunden. Konsens besteht weitgehend darin, dass diese notwendig waren, um die Handlungsfähigkeit im parlamentarischen Betrieb, insbesondere in der Regierungsverantwortung, aufrechterhalten oder gar verbessern zu können. Übereinstimmend werden auch basisdemokratische Parteielemente als langfristig hinderlich bei dringlichen, erforderlichen Entscheidungsfindungen betrachtet. Daraus leitet sich eine zentrale These ab: Das Modell der Basisdemokratie der Grünen ist im repräsentativen Parlamentarismus gescheitert. Im Folgenden meiner Seminararbeit werde ich einige Aspekte, Grundlagen und Problematiken beleuchten, um diese These analysieren zu können. Anfänglich widme ich mich hierzu...
Excerpt (computer-generated)
Universität der Bundeswehr
Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften
Institut für Politikwissenschaft
Modul: Politische Systeme in Deutschland
Seminar: Politische Partizipation in Deutschland
Christian Pape
26.04.2008
Scheitern der
Basisdemokratie im
repräsentativen
Parlamentarismus am
Beispiel der Grünen
Inhaltsverzeichnis
1.Einführung
3
2.Einflüsse und Prägungen bei der Parteigründung
4
2.1. Historische Konzepte der Basisdemokratie
4
2.1.1.
Formen
der
"grass
roots"
5
2.1.2. Direkte Demokratie im Sinne Rousseaus
5
2.1.3.
Volksherrschaft
der
Räte
6
2.2. Ursprüngliches Selbstverständnis als Bewegungspartei/Antipartei-Partei 6
3.Die Umsetzung basisdemokratischer Ideen anhand von parteiinternen Regularien
8
3.1.
Rotationsprinzip
10
3.2.
Imperatives
Mandat
10
3.3.
Trennung
von
Amt
und
Mandat
11
4.Das
Scheitern
nach
1998
13
4.1. Handlungsfähigkeit als Regierungspartei 13
4.2.Strukturelle
Defizite
14
4.3.
Ideologische
Differenzen 16
5.Fazit
17
Literaturverzeichnis
19
1. Einführung
Im Blickfeld einer baldigen Bundestagswahl und unter Berücksichtigung der
Umfrageergebnisse, die Verlust der großen Volksparteien an Wählerschaft vorhersehen, ist
die Bedeutung kleiner Parteien nicht zu unterschätzen. Die Sozialdemokratische Partei
Deutschlands befindet sich seit geraumer Zeit in einem Abwärtstrend der Wählergunst, zudem
treten immer mehr Mitglieder aus der Partei aus. Nicht nur die relativ neue Linkspartei könnte
von diesem Stimm- und Sympathieverlust profitieren, sondern auch eine Partei, die sich in
einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten in der deutschen Parteienlandschaft
festgesetzt hat, sowohl eine langjährige Erfahrung in der Oppositionsrolle, als auch der
Regierungsverantwortung vorweisen kann. Seit dem Einzug in den Deutschen Bundestag
1983 und den ersten Erfahrungen auf Länderregierungsebene ab 1985 sind Bündnis 90/ Die
Grünen aus den bundesdeutschen Parlamenten nicht mehr wegzudenken. Hierbei ist es
interessant zu untersuchen, was sich für die Grünen als Regierungspartei verändert hat.
Offensichtlich haben verschiedene innerparteiliche Entwicklungsprozesse auf struktureller,
ideologischer und praktischer Ebene stattgefunden. Konsens besteht weitgehend darin, dass
diese notwendig waren, um die Handlungsfähigkeit im parlamentarischen Betrieb,
insbesondere in der Regierungsverantwortung, aufrechterhalten oder gar verbessern zu
können. Übereinstimmend werden auch basisdemokratische Parteielemente als langfristig
hinderlich bei dringlichen, erforderlichen Entscheidungsfindungen betrachtet. Daraus leitet
sich eine zentrale These ab: Das Modell der Basisdemokratie der Grünen ist im
repräsentativen Parlamentarismus gescheitert.
Im Folgenden meiner Seminararbeit werde ich einige Aspekte, Grundlagen und
Problematiken beleuchten, um diese These analysieren zu können. Anfänglich widme ich
mich hierzu den Entwicklungslinien der basisdemokratischen Strukturen bei den Grünen.
Dafür werde ich verschiedene historische Konzepte vorstellen und die Kerngedanken für die
ursprüngliche Bewegung der Grünen und die Ursprungsgedanken aufzeigen. Dies ist insofern
sinnvoll, als dass es ein theoretisches Fundament ermöglicht, auf dem das anfängliche
Selbstverständnis der Grünen zur Parteigründung und in den ersten Parteijahren besser
nachvollzogen werden kann. Nur so ist es möglich, eine Vorstellung der Grundideen von
Basisdemokratie als Ausgangspunkt der weiteren Betrachtung zu erhalten. Daraufhin
erscheint es mir sinnvoll, die basisdemokratischen Elemente in der Parteistruktur vorzustellen,
da sie die praktischen Übertragungsversuche und Umsetzungsmethoden eines theoretischen
Konstrukts in die Tagespolitik aufzeigen. Der Grundgedanke dieses Vorgehens ist hierbei,
3
weitere Betrachtungsmöglichkeiten zu entwickeln, die es wiederum zu analysieren gilt. Die
unterschiedlichen Ausgestaltungsformen der parteiinternen Regularien, wie Rotationsprinzip,
Imperatives Mandat oder auch Trennung von Amt und Mandat weisen bestimmte Effekte auf,
die es zu differenzieren gilt. Die daraus vorgegangenen Probleme, dienen dann im folgenden
vierten Kapitel als Analysegrundlage, um darzulegen, auf welchen Ebenen die Strukturen der
Grünen gescheitert sind und zu welchen grundsätzlichen Veränderungen der
Parteiorganisation sie geführt haben. Der Schwerpunkt meiner Betrachtung liegt in der Phase
der bundespolitischen Regierungsverantwortung ab 1998. Besonders die Aspekte der
Handlungsfähigkeit bzw. Handlungsunfähigkeit, als auch Probleme auf struktureller und
ideologischer Basis fallen ins Gewicht. Die Beurteilung der internen Differenzen der Grünen
und die Komplikationen bezüglich ihrer Außenwirkung lassen mich letztendlich zu meinem
Fazit kommen.
2.Einflüsse und Prägungen bei der Parteigründung
2.1. Historische Konzepte der Basisdemokratie1
,,Das wichtigste Merkmal des basisdemokratischen Modells ist zumindest seinem
theoretischen Anspruch nach - der Verzicht auf Entscheidungen, die Einzelnen oder
Minderheiten ein Verhalten aufzwingen, das sie nicht akzeptieren können. Mit anderen
Worten, dieses System verzichtet auf jede Art von Zwang. Es ist seinem Anspruch
nach ein gewaltfreies System der politischen Willensbildung."2
Hauptkritikpunkte der grünen Gründungsmitglieder waren sowohl die Formen der
Machtanhäufung und des Machtausbaus, die im bestehenden parlamentarischen und
parteipolitischen System offensichtlich vorzufinden sein, als auch die mangelnde parteiinterne
Demokratie, wie man sie in den Parteien und Fraktionen von CDU/CSU, SPD und FDP
vorfände. Aus grüner Perspektive erfolge es fast zwangläufig, dass Macht korrupt mache,
besonders wenn sie in den Händen einiger weniger läge. Deshalb galt es
1 Sammelbegriff für Formen politischer Beteiligung, bei denen politische Entscheidungen direkt vom Volk
getroffen werden oder neben den etablierten Parteien auch andere politische Gruppen (z.B. Verbände) und
spontane Vereinigungen (z.B. Bürgerinitiativen) die politischen Entscheidungen beeinflussen und gestalten
können. (Vgl. http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=VFYJHM).
2 Sternstein, Wolfgang: Keine Macht für niemand!, Opladen 1984, S. 290.
4
Umsetzungsmöglichkeiten zu finden, die Macht auf die Schultern möglichst vieler zu
verteilen, dezentral zu funktionieren und somit jeder Form von Hierarchie entgegenzuwirken.3
2.1.1. Formen der "grass roots"
Ideengeschichtlich geht dieser Begriff aus den sogenannten ,,Graswurzelbewegungen"4
hervor. Vorhaben dieser kleinen organisierten Gruppen war es den gewöhnlichen
parteipolitischen Meinungsbildungsprozess umgehen zu wollen. Der politische Wandel sollte
durch engagierte Äußerungen und Pläne von Bürgern gegenüber unflexiblen staatlichen
Organisationen erreicht werden. Anliegen einiger Initiativen war es, gesellschaftliche
Alternativen zum Bestehenden aufzubauen und basale Veränderungen im System zu
bewirken. Erste Organisationsformen fanden sich in den Bürgerrechtsbewegungen der USA
in den 60er und 70er Jahren wieder und wurden über die Studentenbewegungen und anderen
neuen Bewegungen in die Bundesrepublik Deutschland importiert. Strukturelle Merkmale der
Graswurzeldemokratie sind kleine, überschaubare Einheiten in der Größenordnung von zehn
bis fünfzehn Personen, die in der Lage sind ihre Entscheidungen gemeinschaftlich zu treffen.
Eine hierarchische Gliederung wird abgelehnt, das heißt, das Graswurzelmodel strebt eine
dezentrale Organisation an, in der die einzelnen Gruppen autonom und eigenverantwortlich
handeln sollen. Entschlussfindungen erfolgen nach dem Konsensprinzip. Hierbei ist
hervorzuheben, dass der Anspruch erhoben wird, dass jede Entscheidung von allen
Mitgliedern der Gruppen gleichberechtigt getroffen werden sollte.5
2.1.2. Direkte Demokratie im Sinne Rousseaus
Bereits in Jean-Jacques Rousseaus Werk
,,
In Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze
des Staatsrechtes" aus dem Jahre 1758 werden direktdemokratische Elemente erwähnt, die
von den Grünen aufgegriffen worden sind. Laut Rousseau müsste im Idealfall eine
größtmögliche Einheit von Regierenden und Regierten hergestellt werden. Er nimmt hierbei
eine Unterscheidung zwischen Gemeinwillen, Gesamtwillen und Sonderwillen vor, wobei der
letztere das individuelle Interesse des Einzelnen beschreibt und die Gesamtheit aller
3 Ermer, Isabel: Vom ,,entfant terrible" zur staatstragenden Partei. Die innerparteiliche Strukturanpassung der
Bundespartei Bündnis 90/Die Grünen an das politische System der Bundesrepublik, S. 32f.
4 Politische oder gesellschaftliche Initiative, die aus der Basis der Bevölkerung entsteht.
5 Vgl. Ermer, Isabel: Vom ,,entfant terrible" zur staatstragenden Partei. Die innerparteiliche Strukturanpassung
der Bundespartei Bündnis 90/Die Grünen an das politische System der Bundesrepublik, S. 36f..
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