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Subtitle: Die Handlungsspielräume der Vollzugsverwaltung
Termpaper, 2009, 19 Pages
Author: Sebastian Noack
Subject: Organisation and Administration
Details
Institution/College: University of Potsdam
Tags: Implementation, politische Programme, Verwaltung, Handlungsspielräume, Vollzug, regulative Politik, Implementationsforschung, Top-Down-Perspektive, Bottom-Up-Perspektive
Year: 2009
Pages: 19
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-45263-7
ISBN (Book): 978-3-640-45294-1
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Abstract
Kann ein Gesetz oder ein Programm nur durch die Formulierung von Normen und Regeln durchgesetzt und dem Bürger zugänglich gemacht werden? Wohl eher nicht; es ist eine Phase der Durchführung nötig, die ich als Brücke von der Politik zum Adressaten bezeichnen möchte und somit einen wichtigen Teil des politischen Prozesses ausmacht. Dennoch kommt die intensive Beschäftigung mit der Analyse der Umsetzung politischer Programme und vor allem den Einflüssen der nachgeordneten Verwaltung erst in den 70er Jahren vermehrt zum tragen. In dieser Zeit gab es auch in Deutschland viele Reformversuche im sozialen Bereich und man versuchte nun verstärkt herauszufinden, wo Ursachen von Erfolg und Misserfolg lagen. Dabei galt es für die Implementationsforscher sich von den bisherigen Kriterien der Defizitsuche zu lösen und vor allem nicht nur in der Politikformulierung zu suchen sondern auch in den Behörden, Verwaltungen und Organisationen, die für die Umsetzung nötig sind, eine mögliche Quelle von Beeinflussungen zu finden. Es ist bis heute strittig in wie weit die so genannten Vollzugsbehörden ausschließlich einen von der Politik genau beschriebenen und ohne Entscheidungsspielräume versehenen Gesetzestext zur Umsetzung vorgegeben bekommen oder ob nicht gerade Politiker versuchen Details der Gesetzesumsetzung auf untere Ebenen abzuwälzen. In diesem Zusammenhang ist nicht zu vergessen, dass auch die Politikformulierung zu großen Teilen schon in den Verwaltungen der Ministerien erarbeitet und als fertige Vorlage dann den Ministern oder Staatssekretären vorgelegt wird (vgl.: Bogumil/Jann 2008: 25). Somit kann man schon hier von einem Einfluss der Verwaltung auf politische Entscheidungen sprechen. Diese Beeinflussung wird durchaus bewusst in Kauf genommen, da der Zeitmangel der Politiker eine detaillierte Bearbeitung unmöglich macht. Sie wären nicht in der Lage die Fülle von Informationen zu verarbeiten ohne einen Verwaltungsapparat. Hinzu kommt die Expertise der Beamten in speziellen Fragen. Es ist nun also wahrscheinlich, dass sich diese Einflussnahme der Behörden auch in den weiteren Phasen der Politik fortführt. Im Bereich der Implementationsforschung beschäftigt man sich vor allem mit folgenden drei Formen der Umsetzung: Die regulative Politik, also die übliche Form von Gesetzen und Regeln; Politik durch finanzielle Anreize wie Subventionen und die persuasive Politik, also durch politische Appelle oder Werbung und Information.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
Verwaltung und Organisation
Proseminar: Verwaltung und Public Policy
Wintersemester 2008/2009
Implementation regulativer Politik-
Die Handlungsspielräume der Vollzugsverwaltungen
03.03.09
Sebastian Noack (1. Semester)
HF: Politik & Verwaltung
NF: BWL
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
3
2. Implementation und regulative Politik
4
2.1 Begriff Implementation und Implementationsforschung 4
2.1.1 Forschungsansatz Top-Down Perspektive
6
2.1.2
Forschungsansatz
Bottom-
Up
Perspektive
6
2.2
Begriffsklärung und Bedeutung regulativer Politik in der
Implementationsphase
7
3.
Handlungsspielräume der Verwaltung und deren Beeinflussung
9
3.1
Verwaltungsinterne
Faktoren
11
3.1.1
Rekrutierung
und
Personalausstattung
11
3.1.2 Innerorganisatorische Belohnungsstruktur
12
3.1.3
Verhaltensroutinen
12
3.2
Verwaltungsexterne
Faktoren
13
3.2.1
Bürger
als
Akteure
der
Implementation
13
3.2.2 Asymmetrische Wirkung durch
Unternehmenseinfluss
14
4.
Zusammenfassung und persönliche Schlussfolgerungen
16
5.
Literaturverzeichnis
18
1. Einleitung
Kann ein Gesetz oder ein Programm nur durch die Formulierung von Normen und
Regeln durchgesetzt und dem Bürger zugänglich gemacht werden? Wohl eher nicht; es
ist eine Phase der Durchführung nötig, die ich als Brücke von der Politik zum Adressaten
bezeichnen möchte und somit einen wichtigen Teil des politischen Prozesses ausmacht.
Dennoch kommt die intensive Beschäftigung mit der Analyse der Umsetzung politischer
Programme und vor allem den Einflüssen der nachgeordneten Verwaltung erst in den
70er Jahren vermehrt zum tragen. In dieser Zeit gab es auch in Deutschland viele
Reformversuche im sozialen Bereich und man versuchte nun verstärkt herauszufinden,
wo Ursachen von Erfolg und Misserfolg lagen.
Dabei galt es für die Implementationsforscher sich von den bisherigen Kriterien der
Defizitsuche zu lösen und vor allem nicht nur in der Politikformulierung zu suchen
sondern auch in den Behörden, Verwaltungen und Organisationen, die für die Umsetzung
nötig sind, eine mögliche Quelle von Beeinflussungen zu finden. Es ist bis heute strittig
in wie weit die so genannten Vollzugsbehörden ausschließlich einen von der Politik
genau beschriebenen und ohne Entscheidungsspielräume versehenen Gesetzestext zur
Umsetzung vorgegeben bekommen oder ob nicht gerade Politiker versuchen Details der
Gesetzesumsetzung auf untere Ebenen abzuwälzen.
In diesem Zusammenhang ist nicht zu vergessen, dass auch die Politikformulierung zu
großen Teilen schon in den Verwaltungen der Ministerien erarbeitet und als fertige
Vorlage dann den Ministern oder Staatssekretären vorgelegt wird (vgl.: Bogumil/Jann
2008: 25). Somit kann man schon hier von einem Einfluss der Verwaltung auf politische
Entscheidungen sprechen. Diese Beeinflussung wird durchaus bewusst in Kauf
genommen, da der Zeitmangel der Politiker eine detaillierte Bearbeitung unmöglich
macht. Sie wären nicht in der Lage die Fülle von Informationen zu verarbeiten ohne
einen Verwaltungsapparat. Hinzu kommt die Expertise der Beamten in speziellen Fragen.
Es ist nun also wahrscheinlich, dass sich diese Einflussnahme der Behörden auch in den
weiteren Phasen der Politik fortführt. Im Bereich der Implementationsforschung
beschäftigt man sich vor allem mit folgenden drei Formen der Umsetzung: Die regulative
Politik, also die übliche Form von Gesetzen und Regeln; Politik durch finanzielle Anreize
wie Subventionen und die persuasive Politik, also durch politische Appelle oder Werbung
und Information.
3
In dieser Arbeit möchte ich mich mit der Umsetzung durch Gesetze, also der regulativen
Politik vertiefend beschäftigen, da diese als zuverlässigstes, gängigstes und auch am
leichtesten überprüfbares Mittel der politischen Umsetzung zu bezeichnen ist.
Besonders hervorheben möchte ich den Umgang der lokalen Verwaltungseinheiten mit
politischen Vorgaben und Gesetzesbeschlüssen. Es stellt sich dann die Frage inwieweit
die Verwaltung Einfluss auf die Umsetzung der Programme nimmt und wie sich dies
wiederum auf die Politik und den eigentlichen Adressaten der Programme auswirkt. In
diesem Zusammenhang ist zu klären ob und wie diese Einflussnahme legitimiert ist.
2. Implementation und regulative Politik
2.1. Begriff Implementation und Implementationsforschung
Der Begriff Implementation kommt aus dem Englischen und bedeutet schlicht
,,Durchführung, Ausführung, Umsetzung, Einführung oder Vollzug" (Jann/Kronenwett
1978: 18).
Nach der Problemdefinition, dem Agenda Setting und der Politikformulierung stellt die
Politikimplementation den vierten Punkt des Policy- Cycles dar (Jann 1981). Somit ist
die Umsetzung oder Durchführung ein wichtiger Faktor im Politikprozess. Dies ist wohl
vor allem der in den 60er und 70er Jahren aufkommenden Implementationsforschung zu
verdanken, welche sich intensiv darum bemühte die Implementation zu erforschen, ihr
eine Struktur zu verleihen und dies dann empirisch zu bewerten. Hierzu zählt auch eine
bis heute allgemein gültige Definition von Renate Mayntz:
,,Mit der Implementation ist die Durchführung bzw. Anwendung der im Prozess der
Politikentwicklung entstandenen Gesetze und andere Handlungsprogramme gemeint."
(Mayntz 1977: 51)
Dabei ist zu beachten, dass Handlungsprogramme nicht immer klar zu definieren sind
und die Akteure des Implementationsprozesses sind nicht nur staatliche Stellen, sondern
vor allem auch beteiligte und betroffene Adressaten (vgl: Jann/Kronenwett 1978: 18 f.).
Anders als bei der Problemdefinition und der Politikformulierung, bei denen vor allem
politische Akteure und die Ministerialverwaltung entscheidenden Einfluss haben, sind es
bei der Implementation hauptsächlich Landes- und Kommunalverwaltungen, die als so
genannte Vollzugsverwaltungen die Umsetzung übernehmen. Somit sind es nun nicht
4
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