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Die Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Ernährung

Subtitle: Fakten und Zusammenhänge

Master Thesis, 2008, 187 Pages
Author: M. Sc. troph. Kristina Bergmann
Subject: Nutritional Science

Details

Category: Master Thesis
Year: 2008
Pages: 187
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V137577
ISBN (E-book): 978-3-640-45132-6
ISBN (Book): 978-3-640-45113-5

Abstract

Die Aufmerksamkeits-Defizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Störungen im Kindesalter. Betroffene sind unaufmerksam und zeigen hyperaktives Verhalten. Seit über 30 Jahren werden die Zusammenhänge zwischen ADHS und Ernährung kontrovers diskutiert. Anhand einer Literaturanalyse wird in dieser Arbeit erörtert, welche Zusammenhänge zwischen ADHS und der Ernährung bestehen, ob diätetische Interventionen die Symptome verbessern können, ob diese eine mögliche Alternative zur medikamentösen Behandlung darstellen sowie welche Empfehlungen sich aus den Ergebnissen ableiten lassen. Bei ADHS handelt es sich um ein komplexes, multifaktorielles Geschehen, bei dem sowohl genetische Ursachen als auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Unter den Umweltfaktoren sind neben exogenen Risikofaktoren und psychosozialen Einflussfaktoren die ernährungsbedingten Einflussfaktoren von Bedeutung, die wiederum Wechselwirkungen mit den anderen Faktoren bedingen. Die medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien hat sich in einer Langzeitstudie im Vergleich mit anderen Therapien als weniger erfolgreich erwiesen. Häufige Nebenwirkungen sind Appetitminderung, Gewichtsverluste und Wachstumsdefizite; diese können möglicherweise zu Nährstoffdefiziten führen. Andererseits ist die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas unter von ADHS betroffenen erhöht, was auf eine allgemeine Reizüberflutung zurückgeführt wird. Ergebnisse von Langzeitstudien, die ADHS mit einer erhöhten Manganexposition über Säuglingsnahrung auf Sojaba-sis in Zusammenhang bringen, stehen derzeit noch aus. Nährstoffe können Funktion und Leistung des Gehirns, und damit auch das Verhalten, spezifisch beeinflussen. So wird von den zwei Grundüberlegungen ausgegangen, dass bei ADHS entweder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder ein Mangel an einem oder mehreren Nährstoffen vorliegt. Daraus ergeben sich zwei Grundprin-zipien einer entsprechenden Ernährungstherapie: die Elimination bestimmter Lebensmittel und Lebensmittelinhaltsstoffe oder eine Supplementierung von Nährstoffen. Ein wichtiges Ziel für künftige Studien besteht darin, gezielt und individuell nutritive Risikofaktoren zu identifizieren und Effekte einer darauf aufbauenden gemischten Supplementierung von Nährstoffen zu messen. Auch die Differenzierung zwischen Subtypen der ADHS und nach Geschlecht, wie sie bereits in vielen Studien vorgenommen wurde, kann bedeutsam sein, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu identifizieren.


Excerpt (computer-generated)

Fachbereich 09

Agrarwissenschaft, Ökotrophologie und Umweltmanagement

Institut für Ernährungswissenschaft

Bromatologie und Angewandte Diätetik

Masterarbeit

Die Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

bei Kindern und Ernährung ­

Fakten und Zusammenhänge

angefertigt von: B. Sc. oec. troph. Kristina Bergmann

Gießen, den 09.12.2008


INHALTSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis X

1 Einleitung

1

1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1

1.2 Vorgehensweise 2

2 Grundlagen

3

2.1 Die Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätsstörung 3

2.1.1 Definition und Klassifikation der ADHS

3

2.1.2 Prävalenz der ADHS

4

2.1.3 Diagnostik der ADHS

5

2.1.4 Komorbidität

6

2.2 Ursachen und Entstehungsbedingungen der ADHS 7

2.2.1 Neurophysiologische und genetische Einflussfaktoren

8

2.2.2 Umweltfaktoren

10

Exogene Risikofaktoren 10

Psychosoziale Einflussfaktoren 11

Ernährungsbedingte Einflussfaktoren 11

2.2.3 Wechselwirkungen zwischen Einflussfaktoren

11

2.3 Therapeutische Maßnahmen bei ADHS 12

2.3.1 Verhaltenstherapie und Elterntraining

12

2.3.2 Medikamentöse Therapie

13

Grundlagen 13

Unerwünschte Nebenwirkungen und Kontraindikationen der

Stimulanzientherapie 15

Kurz- und Langzeiteffekte der Stimulanzientherapie bei ADHS 17

Nebenwirkungen der Stimulanzientherapie in Bezug auf die Ernährung 18

II


2.4 Zusammenhänge zwischen Ernährung und Verhalten 18

2.4.1 Nährstoffdefizite

20

2.4.2 Nahrungsmittelunverträglichkeiten

22

Nahrungsmittelallergien 23

Nahrungsmittelintoleranzen 24

Glutensensitive Enteropathie 25

2.4.3 ADHS, Adipositas und Essstörungen

25

ADHS und Adipositas 25

ADHS und Binge Eating 27

ADHS, Bulimie und Anorexie bei Mädchen 28

2.4.4 ADHS und Adipositas als Manifestationen eines Reizüberflutungs-

Syndroms

29

Hintergrund 29

Mechanistische Überschneidungen 30

2.4.5 Säuglingsnahrung auf Sojabasis als möglicher Einflussfaktor

33

3 Geschichte der Ernährungsinterventionen bei ADHS

35

3.1 Diäten bei vermuteten Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei ADHS 36

3.1.1 Die Kaiser-Permanente-Diät nach Feingold

36

Hypothese 36

Durchführung 37

Ergebnisse 38

Schlussfolgerung 39

3.1.2 Die phosphatarme Diät nach Hafer

39

Hypothese 39

Durchführung 40

Ergebnisse 41

Schlussfolgerung 42

3.1.3 Oligoantigene Diäten

43

Hypothese 43

Durchführung 44

Ergebnisse 46

Schlussfolgerung 51

III


3.1.4 Die Rotationsdiät

53

Hintergrund 53

Durchführung 53

Nicht evaluierte Diagnostik bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten 55

Schlussfolgerung 57

3.1.5 Möglicher Zusammenhang der ADHS mit Zöliakie

58

Hypothese 58

Ergebnisse 58

Schlussfolgerung 59

3.1.6 Gluten- und kaseinfreie Diät

59

Hintergund 59

Hypothese 61

Schlussfolgerung 62

3.1.7 Reduzierung raffinierter Zuckerarten in der Kost

62

Hypothese 62

Einfluss des Verzehrs von Zucker auf das Verhalten 62

Schlussfolgerung 64

3.2 Die besondere Rolle von Lebensmittelzusatzstoffen 64

3.2.1 Hypothese

64

3.2.2 Metaanalysen zu adversen Effekten

64

3.2.3 Die Rolle des Konservierungsstoffs Propionat

67

3.2.4 Die Isle of Wight-Studie

67

3.2.5 Die Southampton-Studie

69

3.2.6 Reevaluierung von Lebensmittelzusatzstoffen in der EU

74

3.2.7 Weitere Reaktionen auf die Ergebnisse der Southampton-Studie

76

3.2.8 Die mögliche Rolle von Benzoat

80

3.2.9 Schlussfolgerung

81

3.3 Supplementierung von Nährstoffen 83

3.3.1 Mehrfach ungesättigte Fettsäuren

83

Hintergrund 83

Hypothese 86

Studien zum Fettsäurestatus bei Kindern mit ADHS 86

Klinische Studien zur Fettsäuresupplementierung 89

IV


Mögliche Gründe für Fettsäuredefizite bei ADHS 96

Empfehlungen zur Supplementierung 98

Schlussfolgerung 100

3.3.2 L-Carnitin

101

Hintergrund 101

Hypothese 102

Ergebnisse 103

Schlussfolgerung 105

3.3.3 Eisen

105

Hintergrund 105

Hypothese 106

Studien zum Eisenstatus bei ADHS 106

Studien zur Eisensupplementierung 108

Schlussfolgerung 108

Exkurs: Bleiexposition und Eisenstatus 109

3.3.4 Jod

109

Grundlagen 109

Hypothese 110

Studien zum Schilddrüsenstatus bei ADHS 110

Schlussfolgerung 114

3.3.5 Zink

114

Hintergrund 114

Hypothese 115

Studien zum Zinkstatus bei ADHS 115

Studien zur Zinksupplementierung 116

Schlussfolgerung 118

3.3.6 Magnesium

118

Hintergrund 118

Hypothese 118

Studien zum Magnesiumstatus bei ADHS 119

Studien zur Supplementierung 119

Schlussfolgerung 122

V


3.3.7 Gemischtes Nährstoff-Supplement ­ ein ,,Nutrazeutikum"

123

Hintergrund 123

Hypothese 123

Zusammensetzung 124

Durchführung 125

Ergebnisse 125

Schlussfolgerung 126

3.3.8 ADHS und die so genannte Kryptopyrrolurie

126

Hintergrund 126

Postulierte Behandlung der KPU/HPU 128

Bewertung 128

Schlussfolgerung 130

3.3.9 Orthomolekulare Therapie

130

Hintergrund und Hypothese 130

Durchführung und Schlussfolgerung 130

3.3.10 AfA-Algen

131

Hintergrund und Hypothese 131

Durchführung und Schlussfolgerung 132

4 Aktuelle Aspekte

133

4.1 Die Ernährung von Kindern in Deutschland 133

4.1.1...Lebensmittelverzehr von Kindern

133

4.1.2 Schlussfolgerung

136

4.2 Einstellungen von Personengruppen, die Kinder mit ADHS betreuen 138

4.2.1 Hintergrund

138

4.2.2 Ergebnisse

138

4.2.3 Schlussfolgerung

143

4.3 Probleme und Herausforderungen 143

4.3.1 Gründe für Verunsicherung in Bezug auf diätetische Interventionen

143

4.3.2 Die Rolle des sozialen Umfelds

145

VI


4.4 Empfehlungen 148

4.4.1 Praktische Empfehlungen

148

Diäten 149

Supplementierung 150

4.4.2 Empfehlungen für die Forschung

150

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ADHS 150

Supplementierung von Nährstoffen bei ADHS 151

Ausblick 151

5 Zusammenfassung/Summary

153

6 Literaturverzeichnis

157

7 Anhang

170

VII


Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Biopsychosoziales Modell zur Entstehung von Aufmerksamkeitsstörungen .. 7

Abb. 2: Strukturformel des Neurotransmitters Dopamin 10

Abb. 3: Verschreibung von Methylphenidat in Deutschland zwischen 1995 und

2003 14

Abb. 5: Einteilung der Unverträglichkeiten auf Lebensmittel 23

Abb. 6: Behandlungsalgorithmus bei ADHS 52

Abb. 7: Diagnostische Pyramide bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber

Nahrungsmitteln 56

Abb. 8: Strukturformel von L-Prolin 60

Abb. 9: Strukturformeln von Benzoat und Salicylat 80

Abb. 10: Strukturformel von L-Carnitin 101

Abb. 11: Nährstoffzufuhr im Vergleich zu den Referenzwerten, Jungen, Alter 6

bis 11 Jahre 133

Abb. 12: Nährstoffzufuhr im Vergleich zu den Referenzwerten, Mädchen, Alter 6

bis 11 Jahre 134

Abb. 13: Verzehr von ,,geduldeten" Lebensmitteln (Süßigkeiten, Knabberartikeln

und Limonade) 136

Abb. 14: Die Vpngr (je n=150) benennen folgende Ursachenbereiche für die

Auslösung einer ADHS 139

Abb. 15: Die Vpngr (je n=150) benennen Nahrungsmittel je nach Überzeugung

definitiv als Ursache für die Auslösung einer ADHS 139

Abb. 16: Die von den Vpngr (je n=150) am häufigsten als Auslöser für eine A

DHS benannten einzelnen Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelzusätze 140

Abb. 17: Anzahl der Nennungen bestimmter Zusatzstoffe durch Personen, die

überzeugt sind, dass diese ADHS auslösen nach Vpngr 141

Abb. 18: Von den Vpngr (je n=150) bei Kindern mit ADHS durchgeführte

ausgewählte Therapien 142

Abb. 19: Von Eltern mit von ADHS betroffenen Kindern durchgeführte

Ernährungsinterventionen 143

VIII


Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Eigenschaften der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin .. 9

Tab. 2: Auszüge aus der Gebrauchsinformation von Ritalin 16

Tab. 3: Einfluss der in der Nahrung vorhandenen Nährstoffe auf Funktion und

Leistung des Gehirns 19

Tab. 4: Pathologische Ernährungssituation mit Einfluss auf Gehirnfunktionen 20

Tab. 5: Die klassische und die erweiterte oligoantigene Diät 45

Tab. 6: Beispiel für die Durchführung einer Rotationsdiät 54

Tab. 7: Nicht evaluierte Tests bei Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit 56

Tab. 8: Revidierte Stellungnahme der FSA für Konsumenten 77

Tab. 9: Vorkommen von Azofarbstoffen und Chinolin in den ausgewählten

Lebensmitteln 78

Tab. 10: Beispiel einer pseudoallergenarmen Diät 82

Tab. 11: Stoffwechselwege für die Synthese von Omega-3- und Omega-6-

Fettsäuren 84

Tab. 12: Zusammensetzung des Nährstoffsupplements 124

Tab. 13: Hauptquellen für Fett in Deutschland 135

Tab. 14: Hauptquellen für Energie in Deutschland 136

Tab. 15: Phosphate und Phospholipide als Zusatzstoffe in Lebensmitteln 171

Tab. 16: Farb- und Konservierungsstoffe, die in der Isle of Wight-Studie und der

Southampton-Studie verwendet wurden 172

IX


Abkürzungsverzeichnis

AA:

Arachidonsäure, C20:4 n-6

ADHS:

Aufmerksamkeits-Defizit-/ Hyperaktivitätsstörung, im englischen Sprach-

gebrauch AD/HD oder ADHD

ADI:

acceptable daily intake, akzeptable tägliche Aufnahme

ADS:

Aufmerksamkeits-Defizit-Störung, im englischen Sprachgebrauch ADD

AfA

Aphorizomenon flos Aquae

ALA:

Alpha-Linolensäure, C18:3 n-3

ATFS:

Allergic Tension Fatigue Syndrome ­ allergiebedingtes Spannungs-

Ermüdungs-Syndrom

BfArM:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

BfR:

Bundesinstitut für Risikobewertung

BGvV

Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin

BV AÜK:

Bundesverband Arbeitskreis Überaktives Kind

CGI:

clinical global impression-score - allgemeines Maß für den Schweregrad von

Erkrankungen

COT:

Committee on Toxicity

CoA:

Coenzym A

CTRPS-R:

Conners´ Teacher and Parent Rating Scale-Revised: Conners Lehrer- und

Eltern-Verhaltens-Einschätzungsskala, im deutschen Sprachgebrauch meist

Conners-Test

DAT:

Dopamin-Transporter

DBPCFC:

double blind, placebo-controlled food challenge - doppelblinder, placebokon-

trollierter Lebensmittel-Provokationstest

DGLA:

Dihomogamma-Linolensäure

DHA:

Docosahexaensäure, C22:6 n-3

DISC-P:

diagnostic interview schedule for children - parents´ version - strukturiertes

kinderpsychiatrisches Eltern-Interview

DSM-IV:

Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders ­ Diagnostisches und

Statistisches Handbuch Psychischer Störungen der American Psychiatric

Association (Amerikanische Psychiatrische Vereinigung)

EFA:

essential fatty acids - essenzielle Fettsäuren

EFSA:

European Food Security Authority ­ Europäische Behörde für Lebensmittelsi-

cherheit

EPA:

Eicosapentaensäure, C20:5 n-3

ERC-Mg:

Magnesiumspiegel in Erythrocyten

X



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