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Subtitle: Eine theoretische Betrachtung unter Berücksichtigung aktueller medienpolitischer Entwicklungen
Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Mario Gäbler
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-45574-4
ISBN (Book): 978-3-640-45551-5
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Abstract
Die deutschen Medien haben vom Gesetzgeber und von der Judikative die öffentliche Aufgabe zugewiesen bekommen, nicht nur den Kommunikations- und Meinungsbildungsprozess in Gang zu setzen, indem sie einen Meinungsmarkt herstellen. Sie konstituieren auch ein politisches Forum, welches die Kommunikation zwischen der Bevölkerung und seinen Repräsentanten ermöglicht. Sie sind damit ein Organ der Kontrolle und Kritik des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehens in Deutschland. Die Konzentrationsprozesse im Bereich der Medien in den letzten Jahren führen zu der Frage, inwieweit die Medien ihre konstitutive Aufgabe für ein Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens noch wahrnehmen können. An den Fallbeispielen der Übernahme der ProSiebenSat.1-Media AG durch den Axel Springer-Konzern und der Übernahme der „Berliner Zeitung“ durch David Montgomery & Co. werden die aktuellen Differenzen zwischen Politik und Wirtschaft, sowie der Konflikt zwischen Medienkonzentration und Meinungsvielfalt näher beleuchtet.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Bereich Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft
Seminar: Internationale Kommunikation und Kommunikationspolitik
Wintersemester 2005/ 2006
Hausarbeit zum Thema:
Medienkonzentration versus Meinungsvielfalt.
Eine theoretische Betrachtung unter Berücksichtigung aktueller
medienpolitischer Entwicklungen
eingereicht am
30.03.2006 von Mario Gäbler
7. Fachsemester - HF Kulturwissenschaften
5. Fachsemester - HF Kommunikations- und Medienwissenschaft
Inhaltsverzeichnis:
1. Ausgangssituation und Fragestellung S. 2
2. Theoretische Grundlagen der Diskussion S. 5
2.1. Zu den Ursachen der Konzentration S. 5
2.2. Formen wirtschaftliche Konzentration S. 6
2.3. Zum Problem der Messung von Konzentration und Vielfalt S. 8
3. Aktuelle Diskussionen und Verhandlungen zum Thema S. 11
3.1. Exkurs: Übernahme der ProSiebenSat.1-Media AG durch
den Axel Springer-Konzern S. 12
3.1.1. Die Hintergründe der Übernahme S. 12
3.1.2. Die Argumentationen von Bundeskartellamt und KEK S. 13
3.1.3. Mögliche Lösungen und der Ausgang der Verhandlungen S. 15
3.2. Exkurs: Übernahme der ,,Berliner Zeitung" durch David
Montgomery & Co. S. 17
4. Zusammenfassung und Fazit S. 18
5. Anhang: Chronik des Übernahme-Streits um ProSiebenSat.1 S. 20
6. Literaturverzeichnis S. 21
1
1.
Ausgangssituation und Fragestellung
Diskussionen um das Thema Medienkonzentration müssen immer im Lichte der Be-
sonderheiten des Medienmarktes geführt werden. So wird der Medienmarkt im Ge-
gensatz zu anderen volkswirtschaftlichen Teilmärkten nicht nur von wirtschaftlichen
Elementen geprägt, sondern auch und insbesondere von publizistischen und politi-
schen, ferner von soziologischen. Dabei stehen sich die zwei zentralen Ebenen der
Ökonomik und der Publizistik divergent gegenüber und bilden zwei Pole eines Sys-
tems, welches nur durch eine ausgewogene Behandlung dieser beiden Ebenen den
Auftrag erfüllen kann, den es durch Legislative (insb. Grundgesetz) und Judikative
(insb. Bundesverfassungsgericht) auferlegt bekommen hat: die Erfüllung einer Öf-
fentlichen Aufgabe.1
Eigene Grafik: Verortung der Diskussion im Spannungsfeld zwischen Publizistik und Ökonomik.
gNRQRPLVFKH
3XEOL]LVWLVFKH
(EHQH
(EHQH
3ROLWLVFKH (EHQH
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Die Medien setzen im Zuge dieser Öffentlichen Aufgabe nicht nur den Kommunika-
tions- und Meinungsbildungsprozess in Gang, indem sie einen Meinungsmarkt her-
stellen. Sie konstituieren auch ein politisches Forum, welches die Kommunikation
zwischen der Bevölkerung und seinen Repräsentanten ermöglicht. Sie sind damit ein
Organ der Kontrolle und Kritik des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ge-
schehens.
1 Erwähnung u.a. in allen Landespressegesetzen mit Ausnahme des Hessischen.
2
Die sich hieraus ergebende konstitutive Bedeutung der Medien für ein Funktionieren
des demokratischen Gemeinwesens ist ein wesentlicher Faktor in der Diskussion um
Medienkonzentration. Denn zusätzlich zum rein wirtschaftlichen Begriff der
Kon-
zentration
wird durch den Einbezug der publizistischen Ebene ein divergenter Ter-
minus eingeführt, der Begriff der
Meinungsvielfalt
. Eine Behandlung des Medien-
marktes unter rein ökonomischen Gesichtspunkten, wie sie die EU mit ihrem Grund-
satz der Freiheit des Binnenmarktes verfolgt, scheidet für die Medien damit von vorn
herein aus.
Der Oberbegriff der
Vielfalt
als ,,zentrale Norm der Publizistik"2 unterliegt dabei
einer Differenzierung in die
Vielfalt der Medien
auf der einen Seite welche insbe-
sondere von Schütz analysiert wird3 und die
Vielfalt der Meinungen
, d. h. die Be-
rücksichtigung unterschiedlicher Sichtweisen in den Medien auf der anderen Seite.
,,Allerdings existiert kein Maß an ,optimaler Vielfalt′, ebenso wenig lässt sich ein
Unter- oder gar eine Überversorgung mit Vielfalt nach breit gestützten objektiven
Kriterien festlegen."4 Ein Problem, auf das in Abschnitt 2.3. näher eingegangen wird.
Tabelle 1: Abgrenzung der Untersuchungsbereiche.
Untersuchungsbereich:
Ökonomische
Publizistische Konzent-
Konzentration
ration
Analysegegenstand: Wettbewerbssituation
(Meinungs-)Vielfalt
Parameter: Eigentum,
Unterneh-
Redaktion
mung
Erfolgsmaßstab des
Wirtschaftliche Grund-
Publizistische Katego-
Wettbewerbs:
kategorien: Geld, Um-
rien: Auflage, Reich-
satz, Beteiligungen
weite, etc. Bsp: Publi-
(quantitativ)
zistische Grundkatego-
rien von Walter J.
Schütz (ebenfalls eher
quantitativ)
Der Einfluss der Meinungsvielfalt erfordert somit eine Betrachtung des Themas aus
einer Perspektive heraus, die sich nicht ausschließlich von einer der beiden Ebenen
2 Meier 2003, S. 6.
3 Beispielsweise: Schütz, Walter J.: Deutsche Tagespresse 2001. In: Media Perspektiven 12/2001, S.
602ff., und fortlaufende Ausgaben.
4 Meier 2003, S. 6.
3
vereinnahmen lässt. Was dies bedeutet, wird in der (Zusammen)arbeit von Bundes-
kartellamt und KEK deutlich, auf die an späterer Stelle im Zusammenhang mit einem
der beiden aktuellen Konzentrationsprozesse näher eingegangen werden soll.
Ziel der Arbeit soll es sein, in einem ersten Teil die theoretischen Grundlagen zu
erarbeiten, die zum Verständnis zweier aktueller Fallbeispiele in der Diskussion um
das Thema Medienkonzentration und Meinungsvielfalt notwendig sind, welche im
zweiten Teil der Arbeit vorgestellt werden sollen.
Dabei ist es aufgrund der Kürze der Arbeit kaum möglich, auf alle für die Diskussion
relevanten Begrifflichkeiten und Faktoren einzugehen. Zum besseren Verständnis der
Problematik sollen jedoch die wichtigsten Problemfelder und Termini im Folgenden
aufgezeigt und eingegrenzt werden.
4
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