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American Beauty und die „sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien“

Scholary Paper (Seminar), 2009, 26 Pages
Author: Robert Tritscher
Subject: Sociology - Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2009
Pages: 26
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V137921
ISBN (E-book): 978-3-640-46464-7
ISBN (Book): 978-3-640-46179-0

Abstract

Die Mikrosoziologie befasst sich mit dem sozialen Handeln zwischen Individuen in kleinen sozialen Einheiten, wie etwa der Familie, oder kleinen Gruppen. Es geht beispielsweise darum wie sich aus sozialem Handeln soziale Beziehungen entwickeln oder wie soziales Handeln ständig neue Ausgangsbedingungen für neues soziales Handeln schafft. In der vorliegenden Arbeit werde ich vier bekannte mikrosoziologische Theorien vorstellen und deren praktische Anwendung anhand der Analyse eines Spielfilms demonstrieren. Die Protagonisten von American Beauty, einem mit fünf Oscars prämierten Spielfilm aus dem Jahr 1999 werden uns hierfür durch diese Arbeit begleiten. Nach einer Handlungsübersicht unseres Filmbeispiels, folgt die Vorstellung von Ralf Dahrendorfs Rollentheorie und seinem Homo sociologicus. Anschließend gehe ich, basierend auf Texten von Herbert Blumer, etwas näher auf den symbolischen Interaktionismus ein. Kontrastierend dazu stelle ich danach Gary Beckers radikalen Ansatz der ökonomischen Handlungstheorie vor und schließe mit Pierre Bourdieus sozialem Raum und seinem Habituskonzept.


Fulltext (computer-generated)

American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Handlung ­ American Beauty: 2

3. Die Rollentheorie 4

3.1. Zentrale Begriffe 4

3.2. Gesellschaft 7

3.3. Sozialer Wandel 8

3.4. Anwendungsbereiche 8

3.5. Kritik 8

4. Der symbolische Interaktionismus 9

4.1. Zentrale Begriffe 10

4.2. Gesellschaft 14

4.3. Sozialer Wandel 15

4.4. Anwendungsbereiche 15

4.5. Kritik 15

5. Die ökonomische Handlungstheorie 16

5.1. Zentrale Begriffe 16

5.2. Gesellschaft 18

5.3. Sozialer Wandel 18

5.4. Anwendungsbereiche 19

5.5. Kritik 19

6. Pierre Bourdieu 19

6.1. Zentrale Begriffe 20

6.2. Gesellschaft 23

6.3. Sozialer Wandel 23

6.4. Anwendungsbereiche 23

6.5. Kritik 23

7. Zusammenfassung 24

8. Literaturverzeichnis 25

Robert Tritscher

Seite 1


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

1. Einleitung

Die Mikrosoziologie befasst sich mit dem sozialen Handeln zwischen Individuen in

kleinen sozialen Einheiten, wie etwa der Familie, oder kleinen Gruppen. Es geht

beispielsweise darum wie sich aus sozialem Handeln soziale Beziehungen entwickeln

oder wie soziales Handeln ständig neue Ausgangsbedingungen für neues soziales

Handeln schafft. In der vorliegenden Arbeit werde ich vier bekannte mikrosoziologische

Theorien vorstellen und deren praktische Anwendung anhand der Analyse eines

Spielfilms demonstrieren. Die Protagonisten von

American Beauty,

einem mit fünf

Oscars prämierten Spielfilm aus dem Jahr 1999 werden uns hierfür durch diese Arbeit

begleiten.

Nach einer Handlungsübersicht unseres Filmbeispiels, folgt die Vorstellung von Ralf

Dahrendorfs Rollentheorie und seinem Homo sociologicus. Anschließend gehe ich,

basierend auf Texten von Herbert Blumer, etwas näher auf den symbolischen

Interaktionismus ein. Kontrastierend dazu stelle ich danach Gary Beckers radikalen

Ansatz der ökonomischen Handlungstheorie vor und schließe mit Pierre Bourdieus

sozialem Raum und seinem Habituskonzept.

Innerhalb der einzelnen Kapitel werden uns immer wieder Lester Burnham, der ,,Held"

von

American Beauty

, sowie die ihn umgebenden Menschen begegnen, mit deren Hilfe

ich versuche die einzelnen Theorien anschaulich darzustellen.

2. Handlung ­ American Beauty:

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Robert Tritscher

Seite 2


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

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Robert Tritscher

Seite 3


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

3. Die Rollentheorie

In seinem 1958 publizierten Werk ,,

Homo Sociologicus: ein Versuch zur Geschichte,

Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle

" versuchte der im Juni 2009

verstorbene Soziologe Ralf Dahrendorf den Menschen als gesellschaftliches Wesen zu

analysieren. Der Mensch als homo sociologicus ist nach Dahrendorf als das Gesamte

seiner sozialen Rollen, die ihrerseits wieder von Normen, Erwartungen und Sanktionen

geprägt sind, zu verstehen.

3.1. Zentrale Begriffe

Im Zentrum der Rollentheorie Dahrendorfs steht der Mensch als Träger sozialer

Positionen und Inhaber sozialer Rollen. Unter

soziale Position

versteht man jeden Ort

in einem Feld sozialer Beziehungen, also jede Stellung die eine Person inne hat, egal ob

es sich dabei um Geschlechts-, Familien-, oder Berufspositionen usw. handelt.

Dahrendorf spricht auch von Punkten oder Orten in einem

Koordinatensystem sozialer

Beziehungen

.

So steht Lester Burnham als Angestellter in einem

Positionsfeld

mit seinen

Arbeitskollegen, als Vater in einem Positionsfeld mit seiner Frau und seiner Tochter, als

Hausbesitzer mit seinen Nachbarn usw.

Der Einzelne kann also nicht nur, sondern muss eine Mehrzahl von Positionen

einnehmen, wobei vermutlich mit der Komplexität der Gesellschaft auch die Anzahl der

auf den Einzelnen entfallenden Positionen wächst. Des Weiteren schließt das

Positionsfeld das sich aus einzelnen Positionen ergibt eine Vielzahl von

unterschiedlichen Bezügen ein, ein Umstand den Dahrendorf als Menge von

Positionssegmenten

bezeichnet. Die Position ,,Angestellter" besteht aus den

Positionssegmenten ,,Angestellter ­ Arbeitskollegen", ,,Angestellter ­ Vorgesetzter",

,,Angestellter ­ Kunden". (vgl. Dahrendorf, 1977, S.30f)

Während die soziale Position gewissermaßen die Koordinaten einer Person in einem

Beziehungsgefüge beschreibt, so gibt die

soziale Rolle

die ,,Art der Beziehungen

zwischen Trägern von Positionen und denen anderer Positionen desselben Feldes an".

Soziale Rollen sind Ansprüche der Gesellschaft an die Träger von Positionen, wobei

diese zweierlei Art sein können. Zum Einen richten sich die Ansprüche an das Verhalten

der Träger von Positionen (

Rollenverhalten

), zum Anderen an sein Aussehen und seinen

Charakter (

Rollenattribute

). Da Lester Burnham Angestellter in der Werbebranche ist,

werden von ihm ein gewisses, der Werbebranche entsprechendes Aussehen und

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Verhalten erwartet. Insgesamt gibt es drei Merkmale für die Kategorie der sozialen Rolle

als Element soziologischer Analyse:

1. Soziale Rollen sind vom Einzelnen prinzipiell unabhängige Bündel von

Verhaltensvorschriften.

2. Der Inhalt dieser Verhaltensvorschriften wird von der Gesellschaft bestimmt und

verändert.

3. Die in Rollen gebündelten Verhaltensvorschriften stellen für den Einzelnen eine

gewisse Verbindlichkeit dar, welcher man sich nicht ohne Konsequenzen

entziehen kann. (vgl. Dahrendorf, 1977, S.33ff)

Der Einzelne steht der Gesellschaft also in einem etwas zwiespältigen Verhältnis

gegenüber. Einerseits stellt die soziale Rolle einer Person einen gewissen Zwang durch

die Erwartungen der Gesellschaft dar, andererseits kann dieser Zwang aber auch positiv

wirken indem er dem Einzelnen Halt bietet in Rollen in denen er selber nicht weiß wie er

sich verhalten soll. Es gilt grundsätzlich: ,,Wer seine Rolle nicht spielt, wird bestraft; wer

sie spielt wird belohnt, zumindest aber nicht bestraft." (ebda, S.36)

Lester Burnham jedenfalls weigert sich seine Rolle weiter zu spielen. Sein Vorgesetzter,

Brad Dupree, soll Rationalisierungsmaßnahmen durchführen. Zu diesem Zweck lässt er

seine Untergebenen Arbeitsprofile ausfüllen um festzustellen ,,wer wertvoll ist und wer

entbehrlich".

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Brad Dupree: [reading Lester′s job description] "My job consists of basically masking my contempt for the

assholes in charge, and, at least once a day, retiring to the men′s room so I can jerk off while I fantasize about

a life that doesn′t so closely resemble Hell." Well, you obviously have no interest in saving yourself.

Lester Burnham: Brad, for 14 years I′ve been a whore for the advertising industry. The only way I could save

myself now is if I start firebombing.

Æ /LQN ]XU 6]HQH KWWSZZZ\RXWXEHFRPZDWFK"Y &T-][9&MZ

Indem Lester seine Vorgesetzten beleidigt sowie seinen Job und sich selbst als nutzlos

für seine Firma darstellt, bricht er aus seiner sozialen Rolle aus. Da er sich nicht

rollenkonform verhält, muss er mit

Sanktionen

rechnen. In Lesters Fall freilich, sind die

Sanktionen von ihm selbst erwünscht, er provoziert seine Kündigung, nicht ohne seine

Firma noch um ein volles Jahresgehalt zu erpressen. Bei Sanktionen muss es sich nicht

unbedingt immer um Bestrafungen handeln, auch wenn der Begriff meist im negativen

Sinne verwendet wird. Auch positive Sanktionen können die Folge von nicht

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

rollenkonformen Verhalten sein. Dies äußert sich dann z.B. in Anerkennung oder

Prestigegewinn. Das Wirken von Sanktionen lässt sich besonders gut an

Rollenerwartungen erkennen, deren Einhaltung durch Gesetze und Rechtsinstitutionen

überwacht wird. Drei verschiedene Arten von Erwartungen werden unterschieden:

Bei

Muss-Erwartungen

handelt es sich um Vorschriften, die ausdrücklich formuliert sind

(Gesetz) und bei Verstößen negativ sanktioniert, also gesetzlich bestraft werden. Wenn

Lester seinen Vorgesetzten körperlich misshandeln würde, müsste er mit einer

gerichtlichen Bestrafung rechnen.

Soll-Erwartungen

unterscheiden sich bezüglich der erzwingbaren Verbindlichkeit kaum

von den Muss-Erwartungen. Auch hier überwiegen negative Sanktionen, wenngleich

diese sich nicht durch gesetzliche Bestrafung, sondern z.B. durch sozialen Ausschluss

äußern. Beispielsweise könnte die Nicht-Teilnahme an Mitarbeiter-Events wie

Betriebsausflügen eine üble Nachrede durch Vorgesetzte oder Kollegen nach sich

ziehen. Bei

Kann-Erwartungen

hingegen ergeben sich hauptsächlich positive

Sanktionen. Hier bestehen keine Verbindlichkeiten. Wenn man sich dennoch besser

verhält, etwa durch freiwilliges Sammeln von Spendengeldern oder durch Mitarbeit beim

Roten Kreuz, wird man mit Wertschätzung positiv sanktioniert. (vgl. Dahrendorf, 1977,

S.36ff)

Wenn Erwartungen an Rollen nicht erfüllt werden kann es zu Rollenerwartungskonflikten

kommen, wobei Dahrendorf zwei verschiedene Typen unterscheidet:

Intrarollenkonflikte

entstehen wenn verschiedene Bezugsgruppen unterschiedliche

Erwartungen an den Träger einer sozialen Position haben. So ist Lesters Vorgesetzter

Brad Dupree in einem Intrarollenkonflikt. Als Rationalisierungsexperte hat er die

Vorgabe möglichst hohe Einsparungen zu erzielen, gleichzeitig versucht er aber

Arbeitsplätze zu retten - oder zumindest gibt er dies vor:

,,I′m one of the good guys, Les.

This is your one chance to save your job."

Ein

Interrollenkonflikt

hingegen tritt auf wenn eine Person mehrere Rollen mit sich

divergierenden Erwartungen innehat. (vgl. ebda, S.76f) So spielen Lester und seine Frau

Carolyn ihre Rollen als Berufstätige, gleichzeitig sollten sie auch ihre Rollen als Eltern

von Jane wahrnehmen, was ihnen aber nicht gut gelingt. Jane hingegen, die ihre Eltern

für ,,ausgeflippte Freaks" hält, reagiert auf diesen Konflikt mit Rückzug.

Wie schon zuvor erwähnt, ist jeder Einzelne der Träger von sozialen Positionen, wobei

jede dieser Positionen in Relation zu mehreren

Bezugsgruppen

steht. Relevante

Bezugsgruppen sind jene, mit denen der Einzelne durch seine sozialen Positionen

notwendigerweise in Beziehung steht. Das Positionsfeld von Lester Burnham lässt sich

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

als Aggregat von Bezugsgruppen verstehen, von denen ihm jede Vorschriften auferlegt

und sein Verhalten positiv oder negativ sanktioniert. (vgl. Dahrendorf, S.45)

,,Bevor der Einzelne aber seine Rollen spielen kann, muss er sie kennen; wie der

Schauspieler muss auch das gesellschaftliche Wesen seine Rollen lernen, sich mit ihrem

Inhalt und ihren Sanktionen vertraut machen." (ebda, S.56) Den Prozess in dem der

Mensch die Normen und Werte einer Gesellschaft internalisiert nennt man

Sozialisation

. Dahrendorf spricht hier von der Wiedergeburt des Menschen als

homo

sociologicus

. Sozial wird der Mensch erst durch die Positionszuordnung und die

Verinnerlichung von Normen.

Ein rollenloser Mensch ist für die Gesellschaft und die

Soziologie ein nicht existierendes Wesen. Der Prozess der Sozialisierung kann als ein

Prozess der Entpersönlichung betrachtet werden, in dem die absolute Individualität und

Freiheit des Einzelnen in der Kontrolle und Allgemeinheit sozialer Rollen aufgehoben

wird. (vgl. ebda, S.57f) Lester Burnham jedoch geht den umgekehrten Weg. Er

verweigert sich den jahrelang erlernten Normen und klinkt sich aus der Gesellschaft aus:

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Carolyn Burnham: Your father and I were just discussing his day at work. Why don′t you tell our daughter

about it, honey?

Lester Burnham: Janie, today I quit my job. And then I told my boss to go fuck himself, and then I blackmailed

him for almost sixty thousand dollars. Pass the asparagus.

Carolyn Burnham: Your father seems to think this type of behavior is something to be proud of.

Lester Burnham: And your mother seems to prefer I go through life like a fucking prisoner while she keeps my

dick in a mason jar under the sink.

Carolyn Burnham: How dare you speak to me that way in front of her. And I marvel that you can be so

contemptuous of me, on the same day that you LOSE your job.

Lester Burnham: Lose it? I didn′t lose it. It′s not like, "Whoops! Where′d my job go?" I QUIT. Someone pass

me the asparagus.

Æ /LQN ]XU 6]HQH KWWSZZZ\RXWXEHFRPZDWFK"Y 15I=41F0IR

3.2. Gesellschaft

Nach Dahrendorfs Gesellschaftsverständnis kann und muss eine Person verschiedene

soziale Positionen einnehmen. Durch die sozialen Rollen die je nach Position gespielt

werden müssen, kommt es zu einer Verknüpfung des Einzelnen mit der Gesellschaft.

Dahrendorf sieht die Gesellschaft also als ein Gefüge von ineinander greifenden Rollen,

die dadurch ein Rollensystem bilden - wobei die Integration durch Normen und Werte

entsteht. Durch die Annahme einer Rolle findet der Einzelne zwar einerseits Halt und

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Sicherheit um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden, andererseits führt dieser Prozess

aber auch zu einem Verlust von Freiheit und Individualität.

3.3. Sozialer Wandel

Rollenerwartungen und Sanktionen betrachtet Dahrendorf nicht als auf ewige Zeit

unabänderlich. So können z.B. sogenannte ,,deviants" - wie unser Lester Burnham - die

sich durch ihre Meinung und durch ihr Verhalten außerhalb der Norm bewegen,

langfristig zu gesellschaftlichem Wandel beitragen. (vgl. Dahrendorf, 1977, S.27 & S.60)

Auch Rollenkonflikte können zu sozialem Wandel führen. Dahrendorf führt hier als

Beispiel der Intrarollenkonflikt eines Arztes an, der zwar einerseits dem Patienten,

andererseits den übergeordneten Behörden verpflichtet ist. Solch widersprüchliche

Erwartungen an den Träger einer Position können diesen zu einem sozialen

Strukturwandel zwingen. (vgl. ebda, S.76) Weiters können Änderungen des

Normsystems dazu führen, dass vormals abweichendes Verhalten nicht mehr als

solches betrachtet wird bzw. die möglichen Sanktionen schwächer werden. Im

Umkehrschluss können natürlich auch schwache Sanktionen dazu beitragen, dass

abweichendes Verhalten zu Norm wird und so das Normsystem verändern.

3.4. Anwendungsbereiche

Ihre Anwendung findet die Rollentheorie in der Analyse des Rollenhandelns im Alltag. Es

lässt sich gut erklären warum eine Person in einer gewissen Position auf eine bestimmte

Art und Weise handelt. Ebenfalls anwendbar ist die Rollentheorie um den Prozess der

Sozialisation zu darzustellen. So ist das geschlechtsspezifische Rollenverhalten von

Mann und Frau als auch die größtenteils institutionalisierte Positionszuordnung und

Rollenverinnerlichung gut nachvollziehbar.

3.5. Kritik

Zu den Stärken der Rollentheorie zählt ihre offensichtliche Realitätsnähe und praktische

Anwendbarkeit. Dahrendorf betont die Wechselseitigkeit zwischen Individuum und

Gesellschaft, zeigt auf wie wichtig Normen für das Entstehen von Gesellschaft sind und

veranschaulicht den Menschen deutlich als soziales Wesen. Wie auch in der praktischen

Anwendung ersichtlich wurde, eignet sich Dahrendorfs Rollentheorie gut für die

Beschreibung klarer Rollenstrukturen.

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Zu kritisieren ist die eher dürftige Ausarbeitung von Personen-Rollenkonflikten, also die

möglichen Folgen der Unfähigkeit oder Unwilligkeit einer Rolle zu entsprechen.

Dahrendorf deutet dies zwar kurz mit den bereits oben erwähnten ,,deviants" an, führt

diesen Gedankengang jedoch nicht weiter aus. In diesem Zusammenhang ist auch der

,,Soziale Wandel" zu erwähnen, der in Dahrendorfs Rollentheorie ebenfalls nur am

Rande besprochen wird. Ebenfalls zu bemerken wäre noch, dass Dahrendorfs

simplifizierende Rollentheorie der wachsenden Komplexität heutiger Gesellschaften

möglicherweise nicht mehr ausreichend gerecht werden kann.

4. Der symbolische Interaktionismus

Die zweite mikrosoziologische Theorie die ich nun vorstellen möchte, der Symbolische

Interaktionismus, interessiert sich im Wesentlichen dafür wie soziale Interaktionen

zwischen Individuen stattfinden, wie soziale Wirklichkeit durch die Interagierenden

konstruiert wird und wie Menschen ihre Identität ausbilden. Im Unterschied zur vorher

besprochenen Rollentheorie treten Menschen hier aktiver auf, sie erfüllen nicht nur die

Erwartungen an ihre sozialen Rollen. Als Begründer des symbolischen Interaktionismus

gilt Georg Herbert Mead (1863 ­ 1931). In seinem bedeutendsten Werk, ,,

Mind, Self and

Society

" beschäftigte er sich mit der Frage, wie die menschliche Identität entsteht und

welchen Einfluss darauf die Gesellschaft, aber auch das Denken und der Geist des

einzelnen Menschen, haben. Sein Schüler, Herbert Blumer (1900 ­ 1987),

implementierte die zentralen Bestandteile der Meadschen Lehre in die soziologische

Theorie und entwickelte diese weiter. Von ihm stammt auch der Begriff ,,Symbolischer

Interaktionismus" (vgl. Schülein/Brunner, 2001, S.129)

Um den symbolischen Interaktionismus mit unserem Praxisbeispiel in Verbindung zu

bringen, möchte ich in diesem Kapitel etwas näher auf die neuen Nachbarn der

Burnhams, die Familie Fitts eingehen.

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Robert Tritscher

Seite 9


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

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4.1. Zentrale Begriffe

Dem symbolischen Interaktionismus liegen drei einfache Prämissen zugrunde:

1. Menschen handeln gegenüber ,,Dingen" auf Grundlage der Bedeutung die diese

Dinge für sie haben.

Unter

Dingen

wird hierbei alles verstanden was der Mensch in seiner Umwelt

wahrnehmen kann:

physische Gegenstände

, wie etwa Pflanzen, Häuser oder

Fahrzeuge;

andere Menschen,

wie eine Mutter oder ein Verkäufer;

Kategorien

von Menschen

, wie Freunde oder Feinde;

Institutionen

, wie etwa Schulen oder

Unternehmen;

Handlungen anderer Personen,

wie ihre Befehle oder Wünsche;

oder auch Abstraktes wie z.B. Ehrlichkeit oder Unabhängigkeit.

2. Die Bedeutung solcher Dinge entsteht aus der sozialen Interaktion die man mit

seinen Mitmenschen eingeht, oder ist aus ihr abgeleitet.

3. Diese Bedeutungen werden in einem interpretativen Prozess, den die Person in

ihrer Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden Dingen benutzt, gehandhabt

und abgeändert. (vgl. Blumer, 1995, S.23f)

Im Mittelpunkt des Interesses des symbolischen Interaktionismus steht die

soziale

Interaktion

, also die gegenseitigen Beziehungen und Austauschprozesse zwischen

Personen und Gruppen. (vgl. ebda, S.130) Mead unterschied zwischen zwei Arten

sozialer Interaktion in der Gesellschaft:

Nicht-symbolische Interaktionen

entstehen,

wenn eine Person auf die Handlung einer anderen Person reagiert, ohne diese Handlung

zu interpretieren. Ein Beispiel wäre etwa als Ricky Fitts reflexiv versucht sein Gesicht zu

schützen als sein Vater ihn schlägt, nachdem dieser entdeckt hat, dass Ricky sich an

seinen Nazi-Devotionalien zu schaffen gemacht hat.

Bei der

symbolischen Interaktion

hingegen muss die Bedeutung der Handlungen erst

durch einen Interpretationsprozess der Gesten die Bedeutung tragen, festgelegt werden.

Für das gegenseitige Verständnis muss die Bedeutung der Geste für die

Robert Tritscher

Seite 10


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Interaktionspartner annähernd gleich sein, wobei sich diese Bedeutung anhand dreier

Linien bewegt ­ dem

triadischen Charakter der Bedeutung.

Die Bedeutung zeigt an:

a. was die Person, an die die Handlung gerichtet ist, tun soll;

b. was die Person, die die Handlung zu vollziehen beginnt, zu tun beabsichtigt; und

c. sie zeigt die gemeinsame Handlung an, die aus der Verbindung der Handlungen

beider hervorgehen soll. (vgl. Schülein/Brunner, 2001, S.130)

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]XVDPPHQ LP $XWR

Colonel Frank Fitts: "How come these faggots always have to rub it in your face? How can they be so

shameless?"

Ricky: "That′s the whole thing, Dad. They don′t fell like it′s anything to be ashamed of."

Colonel Frank Fitts: "Well, it is!"

Ricky: "Yeah, you′re right"

Colonel Frank Fitts: Don′t placate me like I′m your mother, boy.

Ricky: Excuse me for speaking so bluntly sir. But those fags make me want to puke my fucking guts out.

Colonel Frank Fitts: [cautiously, after a long pause] Well, me too son. Me too.

Æ /LQN ]XU 6]HQH KWWSZZZ\RXWXEHFRPZDWFK"Y ;-<WJ.-,

Franks schwulenfeindliche Aussage ist eine Aufforderung an Ricky sich der Meinung

seines Vaters anzuschließen (a). Ricky versucht nicht lange seinem Vater einen

neutralen Standpunkt zu erklären und lenkt ein, da er weiß was sein Vater erwartet (b).

Wenn auch des lieben Friedens willen von Ricky nur vorgegeben, so besteht die

gemeinsame Handlung (c) darin, eine gemeinsame Abscheu gegenüber Homosexuellen

zu demonstrieren.

Damit man sich auf den anderen einstellen kann, ist es notwendig sich in ihn bzw. seine

Rolle hineinzuversetzen. Bereits aus der Rollentheorie ist uns der Begriff

Rollenübernahme (,,role taking")

bekannt. Diese ist unerlässlich um die Erwartungen,

Perspektiven und Interessenslagen des/der Anderen zu erkennen und seine eigene

Handlungslinie zu entwerfen. Während das Sich-Hineinversetzen in den anderen eher

den passiven Teil des Rollenhandelns ausmacht, wird unter dem aktiven Teil ­

,,role

Robert Tritscher

Seite 11


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

making"

das individuelle Ausgestalten der angepeilten Rolle verstanden. Dieses

individuelle Ausgestalten kommt zustande, da in den seltensten Fällen sich eine Person

exakt den Erwartungen einer anderen Person unterordnet. Im Regelfall kommt es zu

einer Mischform, bei der die eine Person nicht ganz den Vorstellungen der anderen

Person entspricht, sondern eigene Vorstellungen mit einbringt. Beim Rollenspiel kann es

auch zu

Rollendistanz (,,role distance")

kommen, wenn man innerhalb einer Rolle

bestimmten Rollenverpflichtungen nicht nachkommt oder eigenwillige Handlungen setzt.

Dies kann durchaus nützlich sein, wenn es z.B. dadurch zu einer Auflockerung einer

angespannten Situation kommt. (vgl. Schülein/Brunner, 2001, S.133ff)

)UDQN )LWWV HUZDUWHW YRQ VHLQHP 6RKQ HLQ GLV]LSOLQLHUWHV XQG VWUXNWXULHUWHV /HEHQ

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YHUGLHQW VHLQ *HOG LQ :DKUKHLW GXUFK GHQ 9HUNDXI YRQ 0DULKXDQD

Gemäß dem Thomas-Theorem -

,,Wenn die Menschen Situationen als wirklich

definieren, sind sie in ihren Konsequenzen wirklich."

­ kommt der

Situationsdefinition

große Bedeutung zu. Soziales Handeln ist demnach davon abhängig, wie Situationen

von den beteiligten Personen definiert werden und welche gemeinsame Sicht der

Wirklichkeit in Folge ausgehandelt wird.

&RORQHO )UDQN )LWWV KDW JURH $QJVW VHLQHQ 6RKQ ]X YHUOLHUHQ (U EHIUFKWHW GDVV

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YHUORUHQ

Robert Tritscher

Seite 12


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Nach Mead kann der Mensch nur deshalb symbolische Interaktionen eingehen, da er ein

,,

Selbst

" besitzt. Dieses ,,Selbst" erlaubt es dem Menschen auch mit sich selber soziale

Interaktionen einzugehen. So kann er sich als Angestellter, als Schüler, als Mutter usw.

sehen. Hierbei ist der Mensch für sich selbst ein Objekt, er handelt sich selber und

anderen gegenüber auf der Grundlage dessen wie er sich selber sieht. Wie andere

Objekte, entwickelt sich auch das ,,Selbst-Objekt" durch den Interaktionsprozess, in dem

die eigene Person durch andere Personen definiert wird. (vgl. Blumer, 1995, S.32)

Mead unterscheidet zwei Stufen der Identitätsentwicklung - ,,

play

" und ,,

game

" ­ die er

anhand des kindlichen Spiels untersucht hat. Zunächst übernehmen Kinder beim Spielen

bestimmte Rollen von prägenden Personen, wie etwa Vater, Mutter, Lehrer (nach Mead,

,,

bedeutsame Andere

") und interagieren dabei mit sich selbst als jemand anderer. In

der zweiten Phase, ,,

game

", eignet sich ein Kind die Rollen aller Mitspieler an und lernt

so sich selbst aus dem Blickwinkel anderer zu sehen. Es versteht sich nun als Teil der

Gruppe (,,

verallgemeinerte Andere

") mit der und für die es spielt. Die Fähigkeit

zwischen den ,,bedeutsamen Anderen" und den ,,verallgemeinerten Anderen" zu

unterscheiden stellt einen wesentlichen Schritt in der Identitätsentwicklung dar. Weiters

unterscheidet Mead zwischen zwei Teilen der Identität, dem

,,Me"

und

,,I"

. ,,Me" sind die

durch Rollenübernahme erlernte Einstellungen, Normen und Werte der Anderen bzw.

der Gesellschaft; ,,I" ist der persönliche Teil der Identität. Die Identität, das ,,Selbst"

entsteht aus der Auseinandersetzunge des ,,I" mit dem ,,Me". Beide Teile des Selbst

bedingen einander. Ohne Gesellschaft könnte kein individuelles Bewusstsein existieren.

Das ,,I" wiederum kann soziale Prozesse beeinflussen und verändern, indem z.B. neue

Rollenerfordernisse ins ,,Me" aufgenommen und durch Reflexion abgeändert werden

können. (vgl. Schülein/Brunner, 2001, S.136f)

Im Zusammenhang mit Organisationen hat Erving Goffman den symbolischen

Interaktionismus um einige Begriffe erweitert. Er bedient sich hierbei dem Beispiel der

,,totalen Institution" - also Gefängnissen, Konzentrationslager, Militärkasernen - um

aufzuzeigen, was in ,,normalen" Organisationen zumindest tendenziell auch der Fall ist.

Nach Goffman kommt es zu einer ,,

Demütigung des Selbst

", was sich auf verschiedene

Arten zeigt. Die Person erleidet z.B. einen Rollenverlust; Aufnahme- und

Gehorsamsprozeduren haben den Zweck, den Willen eines Neuankömmlings zu

brechen und ihn zum kooperieren zu bewegen.

Die Person hat dabei zwei Möglichkeiten mit der Situation umzugehen. Die

primäre

Anpassung

, bei der man das Selbst, das einem die Organisation vorgibt, annimmt - und

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

so zu einem ,,normalen", ,,programmierten" Mitglied wird; oder die

sekundäre

Anpassung

, bei der man unerlaubte Mittel anwendet oder unerlaubte Ziele verfolgt, um

die Erwartungen der Organisation zu umgehen. Dies stellt eine Möglichkeit dar, sich der

von der Institution vorgegebenen Rolle zu entziehen. (vgl. Schülein/Brunner, 2001,

S.137ff)

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ZDV VHLQ 9DWHU HUZDUWHW

Anselm Strauss, ein weiterer Vertreter des symbolischen Interaktionismus, entwickelte

ebenfalls einen organisationssoziologischen Ansatz. Bei seinem

,,negotiated order

approach"

geht es darum wie soziale Ordnung in einer Organisation ausgehandelt wird.

Er entdeckte, dass selbst in Musterbeispielen von Organisationen, wie z.B.

Krankenhäusern, die Arbeitsstrukturen ziemlich unspezifisch und die herrschenden

Normen und Regeln ambivalent und mehrdeutig sind. Stillschweigend werden

Übereinkünfte und inoffizielle Arrangements getroffen, die in einem permanent zu

erneuernden Prozess die Funktionsfähigkeit der Organisation Krankenhaus

sicherstellen. Er kam zu dem Schluss dass eine Organisation als ein ,,ongoing system of

negotiation" betrachtet werden müsse. (vgl. Schülein/Brunner, 2001, S.139f)

4.2. Gesellschaft

Gesellschaften oder menschliche Gruppen bestehen für Vertreter des symbolischen

Interaktionismus im Grunde nur in der Handlung bzw. handelnden Personen.

,,Gleichgültig, ob man Kultur als Konzept nun als Brauch, Tradition, Norm, Wert, Regel

oder ähnliches definiert, sie ist eindeutig davon abgeleitet von dem, was die Menschen

tun." (Blumer, 1995, S.27) Gemeinsames Handeln ist das Ergebnis immer

wiederkehrender Interpretationsprozesse und entsteht über die Verbindung

verschiedener, einzelner Handlungslinien. Die gemeinsame Handlung unterscheidet sich

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

von den Einzelhandlungen aus denen sie besteht ­ sie hat einen spezifisch

eigenständigen Charakter. Gemeinsame Handlungen haben, auch wenn es sich oft um

stabile, wiederkehrende Handlungsmuster handelt, immer einen Entwicklungsprozess zu

durchlaufen - da die gefestigten und wiederkehrenden Bedeutungen die gemeinsamen

Handeln zugrunde liegen, ebenfalls, wie neuinterpretierte Bedeutungen, einem

Bestätigungsdruck unterliegen. (Blumer, 1995, S.35ff)

4.3. Sozialer Wandel

Sozialer Wandel kann stattfinden da Handlungen immer neu entstehen, also immer

wieder aktiv konstruiert werden müssen. Es besteht eine Offenheit der Interpretation,

wenn sich z.B. für Personen die Bedeutung von Objekten verändert und diese dadurch

anders wahrgenommen werden. Eine abweichende Interpretation kann aber nicht nur zu

einer Veränderung, sondern auch zur Entstehung von gänzlich Neuem, z.B. neuen

Normen, führen.

4.4. Anwendungsbereiche

Anwendung findet der symbolische Interaktionismus beispielsweise bei Abläufen

innerhalb von Organisationen, wobei die Interaktionen zwischen einzelnen Personen,

oder Gruppen untersucht werden. Persönliche Aushandlungen zwischen Individuen

können hierbei etwa dazu führen, dass formale Strukturen oder Gesetze umgangen

werden, was jedoch auch notwendig sein kann um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Ein

weiteres Untersuchungsfeld findet sich im Alltagshandeln und den dabei ablaufenden

Interaktionen. In der qualitativen Forschung findet der symbolische Interaktionismus

ebenfalls seine Anwendung.

4.5. Kritik

Der symbolische Interaktionismus gestattet dem Individuum einen weit größeren

Handlungsspielraum als die Rollentheorie, bei der die Positionen und Rollenerwartungen

durch die Gesellschaft vorgeschrieben sind. Dem symbolischen Interaktionismus liegt ein

aktives Menschenbild zugrunde, bei dem der Einzelne als, zumindest partiell,

selbständiges handelndes Lebewesen betrachtet wird.

Zu kritisieren ist, dass in diesem Konzept auf die Einflüsse von Macht, Herrschaft und

Interessen nur wenig eingegangen wird, obwohl sich diese Kriterien sicher wesentlich

auf den Handlungsspielraum des Einzelnen auswirken.

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

5. Die ökonomische Handlungstheorie

Die ersten ökonomischen Ansätze finden sich im 15. und 16. Jahrhundert. Begründet ist

dies in einer fundamentalen Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Das

traditionelle Gesellschaftsmodell der Agrarwirtschaft wurde abgelöst durch moderne

Strukturen. Es entstanden Städte, die eine neue Klasse, das Bürgertum hervorbrachten;

die Expansion von Handwerk und Handel wurde zum Ausgangspunkt des (Früh-)

Kapitalismus; der Feudalismus wurde durch Territorial- und Nationalstaaten ersetzt. Die

neuzeitliche Wissenschaft basierte auf empirischer Orientierung und wurde auch von

einem neuen Sozialtypus, dem weltlichen, bürgerlichen ,,Intellektuellen" betrieben. Eine

Reihe von Theoretikern wie Thomas Hobbes, Jeremy Bentham oder Adam Smith, der

als Stammvater der modernen ökonomischen Theorie gilt, legten die Grundsteine für ein

neues Menschenbild, den ,,

Homo oeconomicus

". Diese Bezeichnung steht für einen

(fiktiven) rational handelnden Akteur, der seine gegebenen Mittel so verwendet, dass ein

Maximum an Zweckerfolg erzielt wird. (vgl. Schülein/Brunner, 2001, S.60f)

5.1. Zentrale Begriffe

In Gary S.

Beckers ökonomischen Ansatz verhalten sich die Akteure

nutzenmaximierend.

Das bedeutet, dass der Akteur bei der Auswahl zwischen

mehreren Alternativen sich für jene entscheidet, die für ihn mit den geringsten Kosten

verbunden ist und mit der er den größten Nutzen erreichen kann. Becker geht von der

Existenz von Märkten

aus, die über ihre Mechanismen - also z.B. Preise; Angebot und

Nachfrage ­ die Handlungen der verschiedenen Marktteilnehmer koordinieren und

knappe Ressourcen unter ihnen verteilen. ,,Preise steuern die Allokation der knappen

Ressourcen in einer Gesellschaft, sie beschränken die Wünsche der Beteiligten und

koordinieren ihre Handlungen". (Becker, 1982, S.4) Wenn es z.B. ein Überangebot an

Fernsehern gibt, wird der Preis sinken. Wenn die Rohstoffe die man zur Herstellung von

Mikrochips benötigt, knapp werden, führt dies zu einem Engpass in der Herstellung

Computern, folglich werden diese teurer. Daneben gibt es noch sogenannte

Schattenpreise

, auch Opportunitätskosten genannt. Schattenpreise stehen für den

entgangenen Nutzen, der bei mehreren Alternativen durch die Entscheidung für die eine

und gegen die anderen Möglichkeiten entsteht. Wenn man z.B. eine Wohnung besitzt,

könnte man diese gewinnbringend vermieten. Wohnt man jedoch selber in dieser

Wohnung, so gibt der Schattenpreis den dadurch entgangenen Gewinn an. (vgl. ebda,

1982, S.5)

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Beckers ökonomische Handlungstheorie beschränkt sich hierbei natürlich nicht auf

materielle Güter sondern ist auf jegliches menschliches Verhalten anwendbar. Als

einfaches Beispiel bietet sich der Heiratsmarkt an: Nach dem ökonomischen Ansatz

heiratet ein Mensch dann, wenn der Nutzen den die Heirat mit sich bringt, den Nutzen

des Single-Daseins, oder der weiteren Suche nach einem Partner übersteigt. (vgl.

Becker, 1982, S.10) Becker, der den Vertretern eines ,,radikalen" ökonomischen

Ansatzes zugerechnet werden kann, geht davon aus, dass aufgrund der als

stabil

angenommen Präferenzen

(z.B. Streben nach Gesundheit, Prestige, Sinnenfreude,

Wohlwollen oder Neid), die Möglichkeit besteht um Vorhersagen über Reaktionen auf

verschiedene Veränderungen zu machen. (vgl. ebda, 1982, S.4)

Gemäßigtere Fassungen des ökonomischen Rationalismus nutzen ebenfalls die

Grundannahmen des Homo oeconomicus und der Marktlogik, jedoch schränken sie

deren Geltungsbereich auf Themen ein, die ökonomisch strukturiert sind und deshalb

rational behandelt werden. McKenzie und Tullock gehen davon aus, dass z.B. Sexualität

als ein Gut betrachtet werden kann, welches Kosten und Nutzen verursacht sowie

angeboten und nachgefragt wird. Prostitution erklärt sich demnach dadurch, dass der

Preis der Prostituierten niedriger sein kann als jene ,,Kosten", die der Mann oder die Frau

aufwenden müsste um Sex aus ,,ehrbaren" Quellen zu beziehen. So zahlt man einfach

und muss sich nicht lange damit aufhalten, den potentiellen Partner zu verführen. (vgl.

Schülein/Brunner, 2001, S.68) Des Weiteren werden Präferenzen nicht mehr als stabil,

sondern als wählbar betrachtet. Hier gibt es also Menschen, die Kosten und Nutzen und

die Veränderung von Kosten und Nutzen in gewissen Bereichen außer Acht lassen.

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6FKXONROOHJLQQHQ KHUDXV]XVWHFKHQ.

Angela Hayes: I′m serious. He just pulled down his pants and yanked it out. You know, like, "Say hello to Mr.

Happy."

Playground Girl #1: Gross.

Angela Hayes: It wasn′t gross. It was kinda cool.

Playground Girl #1: So did you do it with him?

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Angela Hayes: Of course I did. He′s like a really well known photographer. He shoots for "Elle" on like a

regular basis. It would have been so majorly stupid of me to turn him down.

Playground Girl #2: You are a total prostitute.

Angela Hayes: Hey! That′s how things really are. You just don′t know ′cause you′re this pampered little

suburban chick.

Playground Girl #2: So are you. You′ve only been in "Seventeen" once and you looked fat! So stop acting like

you′re goddamn Christy Turlington!

Angela Hayes: Cunt! I am so sick of people taking their insecurities out on me.

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5.2. Gesellschaft

Im ökonomischen Ansatz besteht die Gesellschaft aus den aggregierten Folgen vieler

Einzelhandlungen der Akteure. Jede Person ist damit beschäftigt ihre eigenen

Bedürfnisse zu befriedigen und dabei den höchstmöglichen Nutzen zu erzielen. Gemäß

Adam Smiths ,,unsichtbarer Hand" kommt es dabei zu einem Marktgleichgewicht, auch

wenn der Einzelne nur seine eigenen Interessen verfolgt, also nutzenmaximierend

handelt.

5.3. Sozialer Wandel

Sozialer Wandel findet im ökonomischen Ansatz dann statt, wenn sich die

Marktbedingungen und die Preise verändern. So sind z.B. bisher die Schattenkosten der

Kinderbetreuung für die meisten Väter zu hoch. Da deren Einkommen meist höher ist als

das ihrer Frauen, lassen sich überwiegend Frauen zu Gunsten der Kinderbetreuung

karenzieren. Ein Einkommensabhängiges Kindergeld könnte diese Schattenkosten

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

reduzieren und eventuell dazu führen, dass sich mehr Väter dazu entscheiden sich für

die Kinderbetreuung eine Zeitlang aus dem Berufsleben zurückzuziehen.

5.4. Anwendungsbereiche

Vertreter eines radikalen ökonomischen Ansatzes, wie Gary s. Becker, sehen die

Anwendungsgebiete der ökonomischen Handlungstheorie allen Bereichen des

menschlichen Handelns. Gemäßigtere Ansätze hingegen schränken die Verwendung auf

ökonomisch strukturierte Themen ein oder sehen den ökonomischen Rationalismus als

Handlungsmodell neben anderen.

5.5. Kritik

Positiv hervorzuheben sind die Einfachheit der Grundannahmen, wie z.B.

nutzenmaximierendes Verhalten der Individuen oder die Darstellung der Gesellschaft als

Markt. Diese allgemeinen Definitionen tragen dazu bei, das menschliche Verhalten

umfassend und integrativ zu erfassen. Auch die Möglichkeit aufgrund der einfachen

Prämissen Vorhersagen über das Verhalten von Individuen nach eingetretenen

Veränderungen zu treffen, stellt einen Vorteil dar. Ebenfalls anzumerken ist die

gelungene Integration von Soziologie und Ökonomie.

Die Stärken dieser Theorie geben aber auch Anlass zur Kritik. So sind einfache

Prämissen oft unrealistische Prämissen. Es spricht z.B. die Hypothese der stabilen

Präferenzen dem Menschen seine psychische Komplexität ab und nimmt ihm die

Möglichkeit sich im Laufe der Zeit zu ändern. Die absolute Unterstellung der

Nutzenorientierung negiert die Existenz des Altruismus, wenn auch als Erklärung

desselben wieder die Nutzenorientierung dienen soll. Dies scheint jedoch wiederum, in

Bezug auf die Komplexität der menschlichen Psyche, zu simpel dargestellt. Ebenfalls

ungeklärt bleibt wie es überhaupt zu dieser Nutzenorientierung des Menschen kommt.

6. Pierre Bourdieu

Die Forschungen des im Jahr 2002 verstorbenen Soziologen Pierre Bourdieu waren

zumeist im Alltagsleben verwurzelt. Als Kultursoziologe betrachtete er auch jene

Bereiche die in anderen Theorien eher als nebensächlich gelten, wie z.B. Geschmacks-

und Lebensstil, so bewies er etwa dass, trotz einer prinzipiellen Wahlfreiheit hinsichtlich

des Musikgeschmacks, Vorlieben für klassische Musik, Rock oder Chanson stark mit der

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

,,kulturellen" Klassenzugehörigkeit korrelieren. Auf seine Versuche, subjektive Faktoren

mit objektiven Gegebenheiten zu verbinden werde ich nun etwas näher eingehen.

6.1. Zentrale Begriffe

Bourdieus Modell des

sozialen Raums

ergänzt die klassischen Schicht- und

Klassentheorien um zwei Dimensionen, wobei die x-Achse die Kapitalstruktur, die y-

Achse das Kapitalvolumen und die z-Achse die Zeit darstellen. Das Individuum befindet

sich an einer Position in diesem sozialen Raum, die seiner Ausstattung an Kapital und

seinem Lebensstil entspricht. Unter Kapital ist hierbei jedoch nicht nur Kapital im

herkömmlichen Sinn - also Geld, zu verstehen, sondern es setzt sich zusammen aus

Bourdieus drei Kapitalsorten: dem ökonomischen, dem kulturellen und dem sozialen

Kapital.

Das

ökonomische Kapital

kann als solches verstanden werden - es bezeichnet den

materiellen Besitz. Dieser spielt eine zentrale Rolle um Macht auszuüben, garantiert dies

jedoch nicht.

Am bedeutendsten für Bourdieu ist das

kulturelle Kapital

, womit im Wesentlichen die

(schulische) Bildung umfasst wird. Das kulturelle Kapital existiert in drei Formen: es kann

inkorporiert, objektiviert

und

institutionalisiert

sein. Unter

Inkorporation

ist die

,,Verinnerlichung" zu verstehen, die erforderlich ist, damit man sich kulturelles Kapital

aneignen kann. Diese Form des kulturellen Kapitals kann nicht verschenkt, vererbt,

verkauft oder getauscht werden. Es muss durch persönlichen Lernaufwand erarbeitet

werden und ist an den Körper gebunden. Dieser Verinnerlichungsprozess kostet Zeit,

muss aber nicht unbedingt bewusst ablaufen. So erhalten Kinder die von ihren Eltern oft

in Opernkonzerte oder Theateraufführungen mitgenommen werden eine Menge an

kulturellem Kapital, weil sie wissen wie man sich unter den jeweiligen Umständen

verhält, unabhängig davon ob sie die Aufführungen mögen oder nicht.

Das inkorporierte kulturelle Kapital kann

objektiviert

werden, z.B. durch den Kauf von

kulturellen Gütern wie Gemälden, Büchern, Lexika aber auch Maschinen oder

Instrumenten. Zum Erwerb ist ökonomisches Kapital nötig, somit ist diese Kapitalform

ökonomisch übertragbar. Um jedoch ein Bild zu interpretieren und seine Bedeutung zu

schätzen oder um die Funktion einer Maschine zu verstehen muss das Individuum über

inkorporiertes kulturelles Kapital verfügen.

Die dritte Form, das

institutionalisierte

kulturelle Kapital bedeutet dass inkorporiertes

kulturelles Kapital (vor allem) in Form von schulischen Titeln objektiviert ist. Hier besteht

auch eine enge Verbindung zum ökonomischen Kapital: Zum Erwerb des Titels wurde

Robert Tritscher

Seite 20


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

ökonomisches in kulturelles Kapital umgewandelt. Der Titelträger bekommt ein Zeugnis

für seine Kompetenz, welches einen dauerhaften und rechtlich garantierten Wert

darstellt. Der kulturelle Wert des Titels ist wiederum unauflöslich mit dem Geldwert

verbunden mit dem er auf dem Arbeitsmarkt getauscht werden kann.

Die dritte Kapitalsorte ist das

soziale Kapital

. Es steht für die Summe der sozialen

Beziehungen auf die das Individuum zurückgreifen kann. Soziales Kapital muss mittels

individueller oder kollektiver Investitionsstrategien, die bewusst oder unbewusst auf die

Schaffung und Erhaltung von Sozialbeziehungen gerichtet sind, erarbeitet werden. Es

wirkt als (nicht nur materielle) Kreditwürdigkeit, die dem Individuum deshalb zusteht, weil

es zu einer bestimmten Gruppe gehört. (vgl. Treibel, 1993, S.213ff)

Im sozialen Raum gibt es Bereiche in denen besonders viele Individuen eng beieinander

positioniert sind. Diese Bereiche, in denen größtmögliche Homogenität bezüglich der

Kapitalstruktur und des Kapitalvolumens nennt Bourdieu theoretische

Klassen

. Bourdieu

verwendet den Klassenbegriff in Anlehnung an Marx, versteht ihn aber nicht als eine

Gruppe von Individuen mit gemeinsamen Zielen, sondern als eine Gruppe deren

Gemeinsamkeit in der Struktur und des Volumens an verschiedenen Kapitalsorten

besteht. (vgl. Bourdieu, 1998, S.23ff)

In seiner Klassentheorie, die Klasse nicht nur an der ökonomischen Position sondern

auch am kulturellen Konsum festmacht, unterscheidet Bourdieu zwischen den unteren

Klassen, dem Kleinbürgertum und der herrschenden Klasse die sich noch in das Kapital-

und in das Bildungsbürgertum unterteilt. Der herrschenden Klasse schreibt er den

legitimen

oder ,,reinen"

Geschmack

zu, dessen ästhetische Ansprüche höher sind als

beim

mittleren

oder

populären

Geschmack des Kleinbürgertums oder der unteren

Schichten, wo auf Funktion, Substanz und Praktikabilität Wert gelegt wird. (vgl. Treibel,

1993, S.216ff)

Im Zentrum von Bourdieus Modell steht der

Habitus

, womit das Erscheinungsbild und

das Auftreten eines Menschen, sein Lebensstil oder sein Geschmack gemeint ist. Am

Habitus lässt sich der Status und die Stellung einer Person in der Gesellschaft erkennen.

Zum Habitus gehört aber auch die Geschichte eines Menschen. So hat das Kind das in

einer Arbeiterfamilie in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist einen völlig anderen

Habitus als das Kind eines Großunternehmers das in einer Metropole heranwächst. Für

Bourdieu gibt es einen Zusammenhang zwischen der Position eines Individuums im

sozialen Raum und dessen Lebensstil, wobei der Habitus das Bindeglied dazwischen ist.

Er ist eine allgemeine Grundhaltung gegenüber der Welt, die zu systematischen

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Stellungnahmen führt. Da der Habitus aber vom gesamten bisherigen Lebenslauf

beeinflusst ist, ist er relativ unabhängig von der im Moment eingenommen Position. (vgl.

Treibel, 1993, S.210f)

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Counter Girl: Smile, you′re at Smiley′s! Would you like to try our new bacon and egg fajita, just a dollar twenty-

nine for a limited time only?

Lester: Actually, I′d like to fill out an application.

Counter Girl: There′s not jobs for manager, it′s just for counter.

Lester: Good. I′m looking for the least possible amount of responsibility.

--------------- some moments later ----------------

Manager: I don′t think you′d fit in here.

Lester: I have fast food experience.

Manager: Yes, like twenty years ago.

Lester: Well, I′m sure there have been amazing technological advancements in the industry, but... surely you

have some sort of training process. It seems unfair to presume I won′t be able to learn Should you choose

not to hire me, I have to assume it′s because of my age, which I can only interpret as discrimination and would

have to take up with my attorney.

Æ /LQNV ]X GHQ 6]HQHQ

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Robert Tritscher

Seite 22


American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

6.2. Gesellschaft

Die soziale Position einer Person drückt sich in ihrem Lebensstil aus. Gesellschaft sieht

Bourdieu folglich als ein Ensemble von sozialen Positionen, das mit einem ebenfalls

relational bestimmten Ensemble von Tätigkeiten oder Gütern verbunden ist. (vgl.

Bourdieu, 1998, S.17) Während innerhalb einer Klasse ähnliche Bedingungen herrschen,

unterscheiden sich diese von den Bedingungen in anderen Klassen. Mitglieder innerhalb

einer Klasse sind also mit höherer Wahrscheinlichkeit mit sich ähnelnden Situationen

konfrontiert als mit Situationen mit denen sich Mitglieder anderer Klassen

auseinandersetzen müssen. Indikatoren dieses Klassenhabitus bzw. Klassen-

,,Unterbewusstseins" sind der Beruf, die Berufsrolle und das kulturelle Kapital. Hierbei ist

anzumerken dass Bourdieu selber, den Begriff der Klasse als für zu missverständlich

und zu eng gefasst hält. Er verwendet stattdessen lieber den zuvor bereits dargestellten

Begriff des sozialen Raumes. (vgl. Treibel, 1993, S.211f)

6.3. Sozialer Wandel

Sozialer Wandel kann bei Bourdieu durch die soziale Mobilität entstehen. Wenn

beispielsweise ökonomisches Kapital in kulturelles Kapital umgewandelt wird, kann diese

Veränderung der Kapitalzusammensetzungen zum Aufstieg eines Individuums führen.

Die Aufstiege und Abstiege einzelner Individuen, also die Veränderung ihrer Positionen

im sozialen Raum führen zu einer Umgestaltung der Positionsstruktur, was wiederum

Veränderungen in den Praxisformen zur Folge haben kann.

6.4. Anwendungsbereiche

Anwendung finden die Theorien Bourdieus in der Alltagsforschung, so z.B. bei

Untersuchungen über die Entstehung von sozialer Ungleichheit sowie ihrer

Reproduktion. Bourdieu zeigt die Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft, sozialer

Zugehörigkeit und sozialer Abgrenzung auf. Auch bei Forschungen bezüglich des

Lebensstils, der ja wesentlich vom kulturellen Kapital bestimmt ist, kommen seine

Theorien zur Anwendung.

6.5. Kritik

Bourdieu beschreibt ein dynamisches und vor allem leicht verständliches Modell des

sozialen Raumes. Eine wesentliche Stärke ist, dass sich seine nachvollziehbaren

Theorien für die Empirie des ,,Alltäglichen" eignen. Positiv anzumerken ist ebenfalls die

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

Einbindung von mikro- und makrosoziologischen Überlegungen in seinem Modell, sowie

seine Position gegenüber den ,,Intellektuellen", die er in seine Analyse einbindet, sie aber

zur kritischen Reflexion auffordert. Bourdieus Soziologie-Verständnis steht in

Zusammenhang mit seinem eigenen Werdegang, dem eine eher ,,untypische" Bildungs-

Biographie zugrunde liegt. Er deckt ein weites Feld ab und ebenso weit sind die auch

Anwendungsmöglichkeiten die sich für seine Theorien finden.

Problematisch ist die oft angeprangerte, teilweise Komplexität seiner Sprache, was zu

Verständnisproblemen führen mag. Zudem besteht der Vorwurf des Determinismus in

Bezug auf das Habituskonzept. Andere Kritiker halten seinen Ansatz für zu statisch, da

er Lernprozesse einer Gesellschaft ausklammere und somit sozialen Wandel nur

unzureichend erkläre. (vgl. Treibel, 1993, S.222ff)

7. Zusammenfassung

In dieser Arbeit habe ich versucht vier der wichtigsten mikrosoziologischen Ansätze

vorzustellen und deren Anwendung an einem praktischen Beispiel zu demonstrieren. Es

handelt sich um sehr unterschiedliche Ansätze, die auf ihre Weise versuchen darüber

Aufschluss zu geben wie und warum Gesellschaft funktioniert. Aufgrund des

durchgängigen Schemas in dieser Arbeit dürften die Unterschiede der einzelnen

Theorien, deren Anwendungsbereiche sowie deren jeweiligen Stärken und Schwächen

recht deutlich geworden sein. Die praktischen Anwendung wurde dargestellt mittels des

amerikanischen Spielfilms ,,American Beauty" ­ einem Film der einiges über das

Zusammenleben von Menschen zu erzählen hat und den ich ausdrücklich empfehlen

möchte. Schließen möchte ich nun mit Lester Burnhams posthumen Resümee:

I had always heard your entire life flashes in front of your eyes the second before you die.

First of all, that one second isn′t a second at all, it stretches on forever, like an ocean of time...

For me, it was lying on my back at Boy Scout camp, watching falling stars...

And yellow leaves, from the maple trees, that lined my street...

Or my grandmother′s hands, and the way her skin seemed like paper...

And the first time I saw my cousin Tony′s brand new Firebird...

And Janie... And Janie... And... Carolyn.

I guess I could be pretty pissed off about what happened to me... but it′s hard to stay mad, when there′s so

much beauty in the world. Sometimes I feel like I′m seeing it all at once, and it′s too much, my heart fills up like

a balloon that′s about to burst...

And then I remember to relax, and stop trying to hold on to it, and then it flows through me like rain and I can′t

feel anything but gratitude for every single moment of my stupid little life...

You have no idea what I′m talking about, I′m sure. But don′t worry...

You will someday.

Robert Tritscher

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American Beauty und die ,,sozialwissenschaftlichen Mikrotheorien"

8. Literaturverzeichnis

Becker, Gary Stanley: Der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens. In: Becker, Gary S. In: Der

ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens, Tübingen: J.C.B. Mohr, 1982, S.1 ­ S.15

Blumer, Herbert: Der methodologische Standort des symbolischen Interaktionismus. In: Burkart, Roland; Hömberg, Walter

(Hrsg.): Kommunikationstheorien, Wien, 1995, S.23 ­ S.39

Bourdieu, Pierre; Beister, Hella: Praktische Vernunft: Zur Theorie des Handelns, Suhrkamp, 1998

Dahrendorf, Ralf: Homo Sociologicus: ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle, 15.

Auflage, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1977

Schülein, Johann August; Brunner, Karl-Michael: Soziologische Theorien ­ Eine Einführung für Amateure, 2. Auflage,

Wien/New-York: Springer-Verlag, 2001

Treibel, Anette: Einführung in die soziologischen Theorien der Gegenwart, Opladen: Leske und Budrich, 1993, S.203-S.225

---------

American Beauty ­ Film:

Homepage: http://www.dreamworks.com/ab/

Zitate: http://www.imdb.com/title/tt0169547/quotes, abgefragt im August/September 2009

Titelbild:

,,American Beauty" fotografiert von ,,Madmoiselle Lavender", veröffentlicht auf flickr.com unter einer Creative Commons Licence

Fotograf: http://www.flickr.com/people/soloflight/

Bild: http://www.flickr.com/photos/soloflight/3448550792/sizes/m/

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