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Diplomarbeit, 2008, 105 Seiten
Autor: Martina Schroeder
Fach: Soziologie - Alter
Details
Jahr: 2008
Seiten: 105
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-45794-6
ISBN (Buch): 978-3-640-45810-3
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Zusammenfassung / Abstract
Aufgrund der demografischen Alterung in Deutschland steigt der Anteil älterer Menschen am Erwerbspersonenpotential, gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt auf die Erwerbsbeteilung älterer Menschen angewiesen, da die Gesamtzahl der Erwerbspersonen schrumpft. Wo früher das Augenmerk auf Externalisierung älterer Beschäftigter und ihr Ausscheiden in den frühen Ruhestand lag, sind heute alternsgerechte (Weiter-)Beschäftigung und später Austritt aus dem Erwerbsleben von Bedeutung. Diese Arbeit analysiert den Übergang vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben zu spätem Ausscheiden in den Ruhestand im Hinblick auf die soziale Stellung älterer Arbeitnehmer. Es wird die Frage untersucht, wie sich die Chancen älterer Beschäftigter auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration verändern. Den theoretischen Rahmen dieser Untersuchung bilden die Konzepte der Dekommodifizierung, der Rekommodifizierung und der Aktivierung in Verbindung mit dem Konzept der Lebenschancen. Die Analyse der Forschungsfrage erfolgt durch Literaturrecherche, der Beurteilung von Ergebnissen empirischer Studien sowie der Auswertung statistischer Datenquellen zum Renteneintritt. Im Ergebnis ist festzustellen, dass Veränderungen der institutionellen Rahmenbedingungen eine Verbesserung der Chancen auf Erwerbsintegration beabsichtigen und den Zugang zu Leistungen sozialer Sicherung erschweren. Gleichzeitig hat sich der Wandel vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben zu spätem Eintritt in den Ruhestand noch nicht bei den Akteuren auf dem Arbeitsmarkt durchgesetzt, so dass größtenteils die längere Erwerbsintegration weder auf Seiten der Arbeitgeber unterstützt noch von Seiten der Beschäftigten gewünscht wird.
Textauszug (computergeneriert)
Diplomarbeit im Fach Soziologie
Alternsgerechte Beschäftigung in der alternden Gesellschaft
Oktober 2008
Inhaltsverzeichnis
Abstract
5
1. Einleitung
6
1.1
Zentrale Fragestellung 7
1.2
Methodisches Vorgehen 8
1.3
Aufbau der Arbeit 8
2.
Definition zentraler Begriffe
9
2.1
Alter und altern 10
2.2
Soziale Sicherung 11
2.3 Erwerbsintegration
13
3. Theoretischer
Analyserahmen
14
3.1 Wohlfahrtsstaatliche
Leistungen auf Basis sozialer Bürgerrechte 15
3.2
Von der Dekommodifizierung zur Rekommodifizierung 20
3.2.1 Das Konzept der Dekommodifizierung 20
3.2.2 Rekommodifizierung und aktivierende Sozialpolitik 22
3.3
Lebenschancen durch soziale Anrechte und Angebote 25
3.4
Flexicurity eine Verknüpfung von Flexibilität und sozialer Sicherheit 28
3.5
Entwicklung des Analyserahmens 31
4.
Institutionelle Rahmenbedingungen und ihre Veränderungen
34
4.1
Erwerbsaustrittspfade bis Ende der 1990er Jahre 35
4.1.1 Gesetzlicher Vorruhestand und Altersteilzeit 36
4.1.2
Frühpensionierungen
in
die Altersarbeitslosigkeit 37
4.1.3
Vorzeitige
Rentenbezugsmöglichkeiten
38
4.2 Förderung von Beschäftigung und spätes Ausscheiden in den
Ruhestand 39
4.2.1 Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung Älterer 40
4.2.2 Maßnahmen zur Einschränkung von Frühpensionierungs-
und Altersteilzeitoptionen 41
4.2.3 Änderungen der Voraussetzungen zu gesetzlichem Rentenbezug.. 43
2
5. Untersuchung
44
5.1
Wandel aufgrund der geänderten institutionellen Rahmenbedingungen ... 44
5.1.1 Studien zum Eintritt in die gesetzliche Rente 45
5.1.2 Studien zum Erwerbsstatus vor Renteneintritt 46
5.1.3
Studien
zu
Beschäftigungsverhältnissen Älterer 49
5.1.4
Ergebnisse
51
5.2
Wandel personalpolitischer Handlungsweisen 53
5.2.1 Maßnahmen zur Förderung lebenslangen Lernens 54
5.2.1.1
Studien
55
5.2.1.2
Auswertung
58
5.2.2 Maßnahmen zur Weiterbildung in Betrieben 60
5.2.2.1
Studien
61
5.2.2.2
Auswertung
64
5.2.3 Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes 65
5.2.3.1
Studien
67
5.2.3.2
Auswertung
70
5.2.4 Maßnahmen zur Gestaltung alternsgerechter Arbeitskarrieren
und der (Lebens-) Arbeitszeit 71
5.2.4.1
Studien
72
5.2.4.2
Auswertung
75
5.2.5
Ergebnisse
76
5.3
Wandel kultureller Normen und Werte 78
5.3.1
Studien
79
5.3.2
Ergebnisse
84
6. Schlussbetrachtung
86
7.
Ausblick
88
Literaturverzeichnis
90
Anhangsverzeichnis
102
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Darstellung des Konzepts 34
Abbildung 2: Rentenzugänge in Deutschland 45
Abbildung 3: Erwerbsstatus der 50 65-jährigen Männer im Jahr 1996 47
Abbildung 4: Erwerbsstatus der 50 65-jährigen Männer im Jahr 2005 48
Abbildung 5: Teilnehmer an geförderter Weiterbildung ab 50 Jahre
57
Abbildung 6: Sehr hohe und hohe Bedeutung der betrieblichen Gesundheits-
förderung 69
Abbildung 7: Unternehmen mit Karrieremodellen für Mitarbeiter über 50 Jahre 73
Abbildung 8: Bereitschaft von Unternehmen zur Neueinstellung Älterer 81
4
Abstract
Aufgrund der demografischen Alterung in Deutschland steigt der Anteil älterer
Menschen am Erwerbspersonenpotential, gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt auf die
Erwerbsbeteilung älterer Menschen angewiesen, da die Gesamtzahl der
Erwerbspersonen schrumpft. Wo früher das Augenmerk auf Externalisierung
älterer Beschäftigter und ihr Ausscheiden in den frühen Ruhestand lag, sind heute
alternsgerechte (Weiter-)Beschäftigung und später Austritt aus dem Erwerbsleben
von Bedeutung.
Diese Arbeit analysiert den Übergang vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben
zu spätem Ausscheiden in den Ruhestand im Hinblick auf die soziale Stellung
älterer Arbeitnehmer. Es wird die Frage untersucht, wie sich die Chancen älterer
Beschäftigter auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration verändern. Den
theoretischen Rahmen dieser Untersuchung bilden die Konzepte der
Dekommodifizierung, der Rekommodifizierung und der Aktivierung in Verbindung
mit dem Konzept der Lebenschancen. Die Analyse der Forschungsfrage erfolgt
durch Literaturrecherche, der Beurteilung von Ergebnissen empirischer Studien
sowie der Auswertung statistischer Datenquellen zum Renteneintritt.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass Veränderungen der institutionellen
Rahmenbedingungen eine Verbesserung der Chancen auf Erwerbsintegration
beabsichtigen und den Zugang zu Leistungen sozialer Sicherung erschweren.
Gleichzeitig hat sich der Wandel vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben zu
spätem Eintritt in den Ruhestand noch nicht bei den Akteuren auf dem
Arbeitsmarkt durchgesetzt, so dass größtenteils die längere Erwerbsintegration
weder auf Seiten der Arbeitgeber unterstützt noch von Seiten der Beschäftigten
gewünscht wird.
5
1. Einleitung
Ein bestimmendes Merkmal des Arbeitsmarktes in Deutschland bestand in den
letzten Jahrzehnten darin, dass ein Großteil der älteren Beschäftigten lange vor
Erreichen des regulären Rentenalters aus dem Erwerbsleben ausschied.
Gleichwohl zeichneten sich bereits in den 1980er und 1990er Jahren die
Tendenzen der demografischen Alterung in Deutschland ab, die Menschen
erreichen ein höheres Lebensalter bei gleichbleibend niedrigen, nicht Bestand
erhaltenden Geburtenraten. Damit steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung
und die absolute Bevölkerungszahl nimmt ab (vgl. Löbbert 2007: 5 ff.). Diese
demografischen Veränderungen haben zur Folge, dass der Anteil älterer
Menschen am Erwerbspersonenpotential1 steigt, während die Gesamtheit der
Personen im erwerbsfähigen Alter langfristig sinkt (vgl. Kaufmann 2005: 41 ff.), so
dass der Arbeitsmarkt auf die Erwerbsbeteilung älterer Menschen angewiesen ist.
Wo früher das Augenmerk auf Externalisierung älterer Beschäftigter und ihr
Ausscheiden in den frühen Ruhestand mit Bezug sozialer Sicherungsleistungen
lag, sind heute der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, alternsgerechte (Weiter-)
Beschäftigung und später Austritt aus dem Erwerbsleben von Bedeutung.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
befürwortet als Bestandteil der Reformen für alternde Gesellschaften die Umkehr
von der Praxis vorzeitiger Pensionierungen (vgl. OECD 2005, www). Des Weiteren
hat die Europäische Union im März 2001 das Beschäftigungsziel gesetzt, dass die
Mitgliedsstaaten den Beschäftigungsanteil älterer Erwerbstätiger im Alter zwischen
55 und 64 Jahren bis zum Jahr 2010 auf 50 % innerhalb dieser Gruppe erhöhen
(vgl. Ebbinghaus 2006: 4).
Dieser Wandel wird von der Bundesregierung durch gesetzliche Bestimmungen
und Förderung zahlreicher Initiativen unterstützt. Die Initiative ,,50plus" sieht unter
anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ältere
Arbeitnehmer sowie die Förderung der beruflichen Weiterbildung vor. Die
wichtigsten Inhalte dieser Initiative mündeten in das ,,Gesetz zur Verbesserung der
Beschäftigungschancen älterer Menschen", das im Mai 2007 in Kraft trat.
1 Unter Erwerbspersonen ist die Gesamtheit der 20- bis 64-Jährigen zu verstehen, die einen Arbeitsplatz
haben (Erwerbstätige) oder diesen suchen (Erwerbslose). Erwerbsfähige sind alle 20- bis 64-Jährigen
Personen, also sowohl Erwerbstätige, Erwerbslose und Nichterwerbstätige (vgl. Pfeiffer / Simons / Braun
2005: 25).
6
1.1 Zentrale Fragestellung
Vor diesem Hintergrund wird der Fokus dieser Arbeit auf die Erwerbslage älterer
Beschäftigter gelegt. Sozialpolitisch ist beabsichtigt, dass der institutionell
eingeleitete Wandel seine Auswirkungen auf den Verbleib älterer Menschen in
Beschäftigung hat und Leistungen der sozialen Sicherung nicht als Anreize zur
frühzeitigen Beendigung der Erwerbstätigkeit wirken.
Ein früher Austritt aus dem Erwerbsleben war gekennzeichnet durch vorzeitigen
Rentenbezug, Altersarbeitslosigkeit oder Vereinbarungen mit dem früheren
Arbeitgeber aufgrund von Altersteilzeit und individueller vertraglicher Regelungen.
Der späte Eintritt in den Ruhestand ist gekennzeichnet durch die Verschiebung
des regulären Rentenalters von 65 auf 67 und den Fortfall von Rentenarten, die
den vorzeitigen Bezug der gesetzlichen Rente ermöglichten, wie die Rente wegen
vorangegangener Arbeitslosigkeit oder Altersteilzeit. Außerdem ist die maximale
Bezugsdauer von Arbeitslosengeld reduziert worden und staatlich geförderte
Altersteilzeitvereinbarungen können nur noch bis Ende des Jahres 2009
vereinbart werden.
Während die Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer den Verbleib im
Erwerbsleben aktiv unterstützt, erschweren die Neuregelungen zum gesetzlichen
Rentenbezug sowie zum gekürzten Anspruch auf Arbeitslosengeld einen frühen
Austritt aus der Erwerbstätigkeit. Die Verschiebung des Regelrentenalters und der
Fortfall vorzeitig beginnender Renten binden die Arbeitnehmer schon aus
finanziellen Gründen in den Arbeitsmarkt ein. Den Unternehmen sind
Möglichkeiten der vorzeitigen Pensionierung ihrer älteren Mitarbeiter
eingeschränkt worden.
Diese Kennzeichen machen deutlich, dass eine weitergehende Untersuchung der
konkreten Beschäftigungssituation älterer Menschen und ihrer Ansprüche auf
soziale Sicherung erforderlich ist. Die vorliegende Arbeit analysiert daher den
Wandel im Hinblick auf die zentrale Frage, wie sich die Chancen älterer
Beschäftigter auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration verändern. Findet die
institutionell intendierte Beschäftigungsförderung ihre Entsprechung auf dem
Arbeitsmarkt oder wird älteren Menschen dadurch der Zugang zu sozialer
Sicherung erschwert? Wird der Verbleib im Beschäftigungssystem auf Seiten der
7
Akteure auf dem Arbeitsmarkt, den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, als Gewinn
betrachtet?
1.2 Methodisches Vorgehen
Die Beantwortung der zentralen Frage dieser Arbeit erfolgt anhand von
umfangreicher Literaturrecherche, der Beurteilung von Ergebnissen empirischer
Studien sowie der Auswertung statistischer Datenquellen zum Renteneintritt.
Zahlreiche Studien, die, wie im Folgenden ersichtlich sein wird, aussagekräftige
Daten vermitteln, liegen vor und sind für diese vergleichende Untersuchung
entweder in Buchform oder über das Internet zugänglich. Dabei ist zu beachten,
dass die Verwendung von publizierten Studien unter Umständen die Gefahr birgt,
dass Fehler der Primärerhebung übernommen werden. Außerdem ist eine
Beeinflussung der Ergebnisse durch den Auftraggeber der Studie oder fehlerhafte
Erwartungen zum Ausgang der Studie, die Einfluss in das Ergebnis fanden, nicht
immer auszuschließen.
Aus der Fülle von Studien sind diejenigen ausgewählt worden, die den
erforderlichen Einblick gewähren und wesentliche Ergebnisse belegen lassen. Bei
den vorliegenden Untersuchungen handelt es sich sowohl um qualitative als auch
um quantitative Studien zur Situation älterer Menschen in Beschäftigung sowie in
Phasen der Freistellung, der Arbeitslosigkeit und des vorzeitigen Ruhestands.
Zitiert werden Untersuchungen, die Auswirkungen der Veränderungen
institutioneller Rahmenbedingungen, personalpolitischer Handlungsweisen und
kultureller Werte und Normen analysieren. Aus den Studien werden die
wichtigsten Aussagen und Argumente, die für die Beantwortung der
Forschungsfrage von Bedeutung sind, herausgefiltert, so dass eine Übersicht über
die relevanten Aspekte ermöglicht wird. Die erforderliche Analyse bezieht sich auf
die bestehenden Wechselwirkungen zwischen Institutionen, Kulturen und den
Akteuren auf dem Arbeitsmarkt, die sozial agieren und interagieren.
1.3 Aufbau der Arbeit
Da die Fragestellung dieser Arbeit sich zum Einen auf ältere Beschäftigte, zum
Anderen auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration bezieht, ist zunächst zu
8
definieren, welche Personen als ältere Beschäftigte betrachtet werden, um im
Anschluss zu konkretisieren, was unter ,,sozialer Sicherung" und
,,Erwerbsintegration" zu verstehen ist.
Nach diesen Begriffsdefinitionen werden die in der Literatur vorhandenen
relevanten theoretischen Konzepte dargestellt und diskutiert, so dass ein
Analyserahmen erstellt werden kann, der die theoretische Grundlage für die
Untersuchung bildet. Anschließend werden die institutionellen
Rahmenbedingungen der Wege in den Ruhestand zum besseren Verständnis der
Veränderungen skizziert: Auf der einen Seite wird die Situation des frühen
Ausscheidens aus dem Erwerbsleben mit den Regelungen, die diese Entwicklung
auf dem Arbeitsmarkt ermöglichten, dargestellt und auf der anderen Seite die
Möglichkeiten des Verbleibs auf dem Arbeitsmarkt mit spätem Austritt in den
Ruhestand.
Die folgende Untersuchung zur Beantwortung der Forschungsfrage zieht jüngere
wissenschaftliche Untersuchungen heran, die die Veränderungen der Chancen
älterer Beschäftigter auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration aufgrund des
Wandels von einem frühen Renteneintritt hin zu spätem Ausscheiden aus dem
Erwerbsleben belegen und verdeutlichen. Zur Analyse der Forschungsfrage
werden die Veränderungen identifiziert und in Veränderungen der institutionellen
Rahmenbedingungen, Veränderungen personalpolitischer Handlungsweisen und
Veränderungen kultureller Werte und Normen kategorisiert.
Die nachfolgende Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Untersuchung
auch im Hinblick auf die Wechselwirkungen zwischen Institutionen, Kulturen und
den Akteuren auf dem Arbeitsmarkt zusammen und gibt die Beantwortung der
zentralen Frage wieder. Der Ausblick verweist auf weitere Diskussionspunkte und
Aspekte für weitergehende Untersuchungen.
2. Definition zentraler Begriffe
Bevor ein theoretischer Rahmen zur Analyse der Fragestellung dieser Arbeit
erstellt werden kann, ist es erforderlich, die in der Einleitung nur kurz erwähnten,
aber für diese Arbeit zentralen Begriffe zu erläutern. Bei den zentralen Begriffen
handelt es sich zum Einen um die Definition des Alters: Welcher Personenkreis
9
findet überhaupt Eingang in diese Untersuchung? Zum Anderen handelt es sich
um die Begriffe ,,soziale Sicherung" und ,,Erwerbsintegration", die zum Verständnis
des Forschungsgegenstandes nachfolgend erklärt werden.
2.1 Alter und altern
Die in dieser Untersuchung betrachtete Gruppe von Personen soll abhängig
Beschäftigte sowie ehemals abhängig Beschäftigte umfassen, die durch ihre
Erwerbstätigkeit Ansprüche auf soziale Sicherungsleistungen erworben haben. In
Bezug auf das Lebensalter der betrachteten Gruppe standen in der Vergangenheit
Personen unmittelbar vor der Verrentung im Blickpunkt beschäftigungspolitischer
Maßnahmen. Heute ist bekannt, dass Ursachen und Entstehungsbedingungen für
Beschäftigungsrisiken bereits viel früher einsetzen (vgl. Frerichs 1998: 16). Daher
soll die Definition der älteren Personen hier weit gefasst sein und unabhängig von
einer festen Altersgrenze erfolgen.
Vielmehr ist das Altern als dynamisches Konzept Grundlage der Untersuchung,
altern und alternsgerecht deutet auf die Perspektive über den Lebensverlauf hin
mit dem Fokus auf das Ende des Erwerbslebens. Es soll nicht ein bestimmter
Zeitpunkt festgesetzt werden, ab dem Personen der Gruppe der älteren
Beschäftigten zugerechnet werden. Kennzeichnend ist vielmehr die Einstufung als
,,älterer Beschäftigter", wenn sich Beschäftigungsrisiken, die altersbedingt
auftreten, häufen und eine Abgrenzung zu weniger betroffenen Kontrastgruppen
möglich ist (vgl. Clemens 2001: 17). Lediglich als ein Anhaltspunkt für die
betrachtete Gruppe dient die ,,Generation 50 plus", also Erwerbspersonen ab dem
50. Lebensjahr, die auch von der Bundesanstalt für Arbeit zu den älteren
Beschäftigten gezählt wird.
Es ist auch nicht möglich, für alle Betroffenen in gleicher Weise zutreffende
Aussagen zu formulieren, da grundsätzlich jeder Mensch anders altert (vgl.
Rosenmayr 2003: 145). Je älter die Menschen werden, desto unterschiedlicher
werden sie in Bezug auf Leistungsfähigkeit, Leistungswille sowie persönliche
Möglichkeiten und Präferenzen. Sie bilden also eine höchst heterogene Gruppe,
die aber häufig gleich behandelt wird.
Im Übrigen werden in unterschiedlichen Berufen Beschäftigte zu unterschiedlichen
Zeitpunkten als alt bezeichnet (vgl. Gussone et al. 1999: 43), z.B. Piloten bei
10
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