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Kinder und Internet - Pädagogische Umsetzungsmöglichkeiten im Grundschulunterricht

Examination Thesis, 2009, 78 Pages
Author: Maxi Zimmermann
Subject: Pedagogy - Media Pedagogy

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2009
Pages: 78
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V137932
ISBN (E-book): 978-3-640-45721-2
ISBN (Book): 978-3-640-45746-5

Abstract

Das Internet durchdringt alle gesellschaftlichen Bereiche und ist in unserer heutigen Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Innerhalb von zwölf Jahren ist die Zahl der Internetnutzer in Deutschland von 4,1 Mio. (6,5%) in 1997 auf 43,5 Mio. (67,1%) in 2009 angestiegen (vgl. ARD-Onlinestudie 1997: 5/ ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 ). Überdies nimmt die Internetnutzung von Kindern rasant zu: Nach Angaben der aktuellsten veröffentlichten Studie, die im Februar 2009 erschienen ist, liegt diese Zahl bei 59 Prozent (vgl. Kap. 2.2). Aus einer Pressemitteilung vom 7.Juli 2009, die eine noch nicht veröffentlichte Studie zitiert, geht hervor, dass bereits 71 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen das Internet nutzen. Auf die zunehmende Relevanz des Internets für die Gegenwart und Zukunft der Schüler, muss die Institution Schule reagieren. Diese hat die Aufgabe Kinder zum kompetenten Handeln in der Medienwelt zu befähigen, damit die zahl-reichen Potenziale des Mediums Internet genutzt und dessen Gefahren kompensiert werden können. Hierfür reicht es nicht aus, Schulen mit dem Internet auszustatten. Vielmehr müssen pädagogisch sinnvolle Voraussetzungen und Umsetzungsmöglichkeiten für den Interneteinsatz geschaffen werden. Mit diesem aktuellen Thema möchte ich mich in dieser Arbeit eingehend auseinandersetzten, da es für mich als angehende Grundschullehrerin einen essentiellen Stellenwert einnimmt. Dabei stellt sich für mich folgende Leitfrage: Wie kann das Internet pädagogisch sinnvoll im Grundschulunterricht eingesetzt werden? Damit sind jene Fragen verbunden: Ist der Einsatz überhaupt sinnvoll? Unter welchen Voraussetzungen kann es eingesetzt werden? Welche Fähigkeiten müssen Kinder innerhalb eines kompetenten Umgangs mit dem Internet entwickeln? Welche Möglichkeiten der Umsetzung im Grundschulunterricht gibt es? Mit der Beantwortung dieser Fragen wird sich in der vorliegenden Examensarbeit eingehend auseinandergesetzt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bremen ­ Fachbereich 12

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Hausarbeit im Rahmen der ersten Staatsprüfung für das

Lehramt an öffentlichen Schulen

Maxi Zimmermann ­ Bremen ­ Juli 2009


Inhalt

1

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2 Kinder und Internet 4

2.1 Internet 4

2.2 Internetnutzung von Kindern 6

3 Medienpädagogik 8

3.1 Medien 9

3.2 Handlungsorientierte Medienpädagogik 10

3.2.1 Medienerziehung 11

3.2.1.1 Medienkompetenz 12

3.2.1.2 Internetkompetenz 14

3.2.2 Mediendidaktik 15

4 Begründung und Legitimation für die Interneterziehung in der
Grundschule 16

4.1 Argumente für den Interneteinsatz 17

4.1.1 Gegenwarts- und Zukunftsargument 17

4.1.2 Lernargument 18

4.1.3 Gefahren kompensieren 21

4.2 Bildungspolitische Legitimation 22

4.3 Kritische Stimmen 23

5 Status Quo: Die Rolle des Internets in Grundschulen 25

5.1 Technische Ausstattung der Schulen 25

5.2 Interneteinsatz im Grundschulunterricht 26

6 Voraussetzungen für den Interneteinsatz in der Grundschule 28

6.1 Technische Voraussetzungen 28

6.2 Organisatorische Voraussetzungen 30

6.3 Kompetenzen der Lehrkräfte 31

6.4 Grundschulpädagogische Voraussetzungen 33

7 Umsetzungsmöglichkeiten mit dem Internet im Grundschulunterricht.38

7.1 Recherchieren und Informieren 40

7.2 Kommunizieren, Kooperieren und Korrespondieren 47

7.3 Gestalten, Publizieren und Präsentieren 53

8 Schlussbetrachtung 55

9 Literatur- und Quellenverzeichnis 58

10 Anhang 61


1 Einleitung

2

1 Einleitung

Das Internet durchdringt alle gesellschaftlichen Bereiche und ist in unserer

heutigen Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Innerhalb von

zwölf Jahren ist die Zahl der Internetnutzer1 in Deutschland von 4,1 Mio. (6,5%)

in 1997 auf 43,5 Mio. (67,1%) in 2009 angestiegen (vgl. ARD-Onlinestudie

1997: 5/ ARD/ZDF-Onlinestudie 20092). Überdies nimmt die Internetnutzung

von Kindern rasant zu: Nach Angaben der aktuellsten veröffentlichten Studie,

die im Februar 2009 erschienen ist, liegt diese Zahl bei 59 Prozent (vgl. Kap.

2.2). Aus einer Pressemitteilung vom 7.Juli 2009, die eine noch nicht veröffent-

lichte Studie zitiert, geht hervor, dass bereits 71 Prozent der Sieben- bis Zehn-

jährigen das Internet nutzen.3

Auf die zunehmende Relevanz des Internets für die Gegenwart und Zukunft

der Schüler, muss die Institution Schule reagieren. Diese hat die Aufgabe Kin-

der zum kompetenten Handeln in der Medienwelt zu befähigen, damit die zahl-

reichen Potenziale des Mediums Internet genutzt und dessen Gefahren kom-

pensiert werden können. Hierfür reicht es nicht aus, Schulen mit dem Internet

auszustatten. Vielmehr müssen pädagogisch sinnvolle4 Voraussetzungen und

Umsetzungsmöglichkeiten für den Interneteinsatz geschaffen werden. Mit die-

sem aktuellen Thema möchte ich mich in dieser Arbeit eingehend auseinan-

dersetzten, da es für mich als angehende Grundschullehrerin einen essentiel-

len Stellenwert einnimmt. Dabei stellt sich für mich folgende

Leitfrage: Wie

kann das Internet pädagogisch sinnvoll im Grundschulunterricht einge-

setzt werden?

Damit sind jene Fragen verbunden: Ist der Einsatz überhaupt

sinnvoll? Unter welchen Voraussetzungen kann es eingesetzt werden? Welche

Fähigkeiten müssen Kinder innerhalb eines kompetenten Umgangs mit dem

Internet entwickeln? Welche Möglichkeiten der Umsetzung im Grundschulun-

terricht gibt es?

Um sich mit dem Interneteinsatz im Grundschulunterricht auseinanderzuset-

zen, muss zunächst geklärt werden, was das Internet ist und welche Rolle es in

1 Um den Lesefluss der Arbeit nicht zu beeinflussen sowie aus Platzgründen wird das generische Masku-

linum verwendet, welches die feminine Form einbezieht.

2 Die ARD/ZDF-Online-Studie ist eine jährlich seit 1997 bundesweit durchgeführte Repräsentativ-

Studie. Basis: Bevölkerung ab 14 Jahre in Deutschland (1997: n=1.003, 2009: n=1.806).

3 Die Pressemitteilung kann unter http://www.bitkom.org/60227_60220.aspx eingesehen werden. Die

dazu gehörige Studie des BITKOM (Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation

und neue Medien) wurde noch nicht veröffentlicht.

4 Unter

pädagogisch sinnvoll

werden in dieser Arbeit primär die beschriebenen Prinzipien zur Medi-

en- und Grundschulpädagogik verstanden (vgl. insbesondere Kapitel 3 und 6.4).


1 Einleitung

3

der Lebenswelt der Kinder spielt. Da der Interneteinsatz hauptsächlich in den

Zuständigkeitsbereich der Medienpädagogik fällt, wird diese im dritten Kapitel

genauer betrachtet. Daraufhin wird im vierten Teil erläutert, wieso das Internet

in der Grundschule zum Einsatz kommen sollte, woraufhin im anschließenden

Kapitel überprüft wird, ob es bereits eingesetzt wird. Da erfolgreicher Internet-

einsatz nicht »einfach so« erfolgen kann, wird sich in Kapitel 6 eingehend mit

Voraussetzungen für den pädagogisch sinnvollen Einsatz auseinandergesetzt.

Auf den vorigen Betrachtungen aufbauend, erfolgen im siebten Teil pädago-

gisch sinnvolle Umsetzungsmöglichkeiten mit dem Internet im Grundschulun-

terricht. In der Schlussbetrachtung werden die Erkenntnisse zusammengefasst

und ein Ausblick gegeben.

Das Thema Internet in der Grundschule kann aus verschiedenen Perspektiven

betrachten werden. In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt auf den Gebieten der

Medienpädagogik und Grundschulpädagogik. Ferner werden essentielle Studi-

en und Projekte aus dem deutschsprachigen Raum hinzugezogen.

Formell orientiert sich die Arbeit an folgenden Kriterien: Zitate sind wortwörtlich

übernommen. Dabei sind Auslassungen mit dem Vermerk [...] gekennzeichnet

und notwendige grammatikalische oder sinnerklärende Ergänzungen in ecki-

gen Klammern eingefügt. Zitate innerhalb eines Zitats sind durch einfache An-

führungszeichen (,`) gekennzeichnet. Diese Zeichen werden ebenso für statisti-

sche Variablen verwendet. Autoren, Organisationen, Studien, Projekte und Ei-

gennamen, die im Fließtext genannt werden, stehen in KAPITÄLCHEN. Begriffe

aus Konzepten bzw. Fachbegriffe werden, lediglich bei der ersten Verwendung,

kursiv

geschrieben. Umgangssprache und besondere Hervorhebungen stehen

in französischen Anführungszeichen (»«). Zur inhaltlichen Orientierung und

Strukturierung, in den einzelnen Kapiteln, werden einzelne Wörter

fett

hervor-

gehoben.

Aufgrund des Themas enthält diese Arbeit viele Webseiten. Um die Lese-

freundlichkeit zu erhöhen, wurde sie zusätzlich in digitaler Form beigefügt, da-

mit die jeweiligen Links bei Interesse einfach geöffnet werden können. Das

letzte Abrufdatum aller verwendeten Webseiten ist der 20.07.2009.


2 Kinder und Internet

4

2 Kinder und Internet

In diesem Kapitel wird zunächst geklärt, was unter dem Internet verstanden

werden kann. Des Weiteren werden die wichtigsten Dienste und die Relevanz

des Internets für Kinder erläutert. Diese Erläuterungen bilden eine wichtige

Voraussetzung für den weiteren Verlauf dieser Arbeit.

2.1 Internet

Das Internet5 verbindet weltweit zusammengeschlossene und dezentral orga-

nisierte Computer-Netzwerke und ist ,,die Summe aller über die weltweite

Computervernetzung verfügbaren Dienste bzw. Nutzungsmöglichkeiten" (Wöc-

kel 2002: 19). Um diese in Anspruch zu nehmen, wird ein Computer mit Inter-

netzugang benötigt. Die gegenwärtig wichtigsten

Internetdienste

sind World

Wide Web (WWW), E-Mail, Chat, Newsgroups, Datenübertragung, Telefonie,

Radio und Fernsehen. E-Mail und WWW sind dabei, für die private Nutzung,

die am häufigsten genutzten Dienste (vgl. Eibl; Podehl 2005: 173). Aufgrund

ihrer ebenso hohen Relevanz für den Grundschulunterricht werden diese im

Folgenden kurz näher erläutert.

Per

E-Mail

(Electronic Mail) ­ der modernen Form des Briefes ­ können Nach-

richten in Form von Texten sowie Grafik-, Audio-, Video- und Programmdateien

über die weltweiten Computer-Netzwerke versendet und empfangen werden

(vgl. ebd.: 172).

Das

World Wide Web

(WWW, Web) zählt zu den jüngsten und wichtigsten

Diensten des Internets, da es sich am einfachsten bedienen lässt und andere

Dienste, wie E-Mail und Chat integriert werden können. Letzteres ist wahr-

scheinlich der Grund weshalb das WWW irrtümlich oft als Internet bezeichnet

wird. Das Web ermöglicht es Homepages bzw. Webseiten, die auf weltweiten

Servern gespeichert sind und eine eindeutige Adresse6 besitzen, anzuzeigen

und auf sie zuzugreifen (vgl. ebd.: 171f.). Die einzelnen Webseiten werden

aufgrund der nicht-linearen Hypertextstruktur7 des Webs, mittels Hyperlinks

5 Den Ursprung hat das Internet im Jahr 1969, als das US-Verteidigungsministerium das dezentrale

Kommunikationsnetz ARPANET entwickelt. Als Durchbruch der Entwicklung wird das 1989 entwic-

kelte Hypertext-System WWW gesehen. Im Jahr 1993 wird das Internet der Öffentlichkeit zugäng-

lich gemacht (vgl. Eibl; Podehl 2005: 171/ Wöckel 2002: 15ff.).

6 Die Adresse einer Webseite wird als URL (Uniform Resource Locator) bezeichnet.

7

Hypertexte sind nicht-lineare Texte, die über Hyperlinks miteinander verknüpft sind. Da im WWW

verschiedene Arten von Medien miteinander verknüpft werden, kann ebenso von Hypermedia ge-

sprochen werden (vgl. Eibl 2005: 159).


2 Kinder und Internet

5

miteinander verknüpft (vgl. Eibl 2005: 159). Mithilfe eines Browsers

8

, mit dem

sich der Benutzer einwählt, können Texte, Grafiken, Bilder, Ton und Videos per

Mausklick dargestellt werden sowie Anwendungsprogramme (z.B. Suchma-

schinen) ausgeführt und bedient werden (vgl. Strauch; Rehm 2007: 239). Das

WWW entwickelt sich ständig weiter: Seit 2004 wird von der neuen Generation

des Webs ­ dem »Phänomen«

Web 2.0

­ gesprochen, für das keine allge-

meingültige Definition vorherrscht. KYSELA-SCHIEMER beschreibt es folgender-

maßen: ,,Web 2.0 [ist] kein neues World Wide Web, sondern ein Begriff, der die

aktuellen Entwicklungen im Internet zusammenfassen soll und ein userzentrier-

tes Internet, verbunden mit einer ,Mitmach-Philosohie′, kennzeichnet" (2008:

21). Aus technischer Weiterentwicklung resultieren verbesserte Software-

Versionen, mit denen es möglich ist, ohne Programmierkenntnisse, Beiträge

und Webseiten zu erstellen (vgl. ebd.). Demnach stehen die Web 2.0-Software-

bzw. Social Software-Anwendungen, ,,wie Blog, Wiki und Podcast [...] heute für

den Übergang vom Internet als Distributionsmedium zu einem ,Mitmach-Netz′"

(Peschke et al. 2007: 6). Im Folgenden sollen die Web 2.0 Anwendungen We-

blog und Wiki genauer erläutert werden, da sie Potenziale für die Internetarbeit

in der Grundschule aufweisen (vgl. Kap. 7.2).9 Dabei ist zu beachten, dass sich

diese überschneiden und schnell weiterentwickeln (vgl. Kysela-Schiemer 2008:

23).

Weblogs

(aus engl. Web und Log), die häufig mit dem Wort Blog abgekürzt

werden, können als persönliche, aber zugleich öffentliche Online-Tagebücher

bezeichnet werden (vgl. Schrackmann et al. 2008: 96). Sie bestehen in der

Regel aus umgekehrt chronologischen multimedialen10 Einträgen. Diese kön-

nen von anderen Nutzern kommentiert werden (vgl. Aufenanger 2006: 9). Ne-

ben privaten, haben sich inzwischen spezifische Blogs, wie Litblogs (zur Litera-

tur), Wahlblogs (zu aktuellen Wahlen) und Vlogs (Videoblogs) etabliert (vgl.

Schrackmann et al. 2008: 96).

Unter

Wikis

(hawaiisch für schnell) lassen sich Webseiten verstehen, auf de-

8 Als Browser (z.B. MOZILLLA FIREFOX, INTERNET-EXPLORER) werden Programme bezeichnet, die in

Programmiersprache geschriebene Dokumente verarbeiten und deren Inhalte auf dem Bildschirm

anzeigen (vgl. Strauch; Rehm 2007: 82).

9 Auf weitere Web 2.0-Anwendungen, wie Podcasts, die ebenso Potenziale aufweisen können, wird

nicht eingegangen.

10 Für den Begriff

Multimedia

existiert keine allgemein gültige Definition. Nach WEIDENMANN meint

Multimedial die integrierte Präsentation multicodaler Angebote (z.B. Text mit Bild) bei der unter-

schiedliche Sinnesmodalitäten (z.B. optisch und akustisch) angesprochen werden (vgl. 2005: 333).

Dabei bildet die digitale Technik die Grundlage (vgl. ebd.).


2 Kinder und Internet

6

nen die Einträge von allen Anwendern angesehen, gelesen, erweitert, korrigiert

oder gelöscht werden können. Das bekannteste Wiki ist derzeit die freie und

offene Online-Enzyklopädie WIKIPEDIA (http://de.wikipedia.org/) (vgl. ebd.: 98).

Diese Darstellungen des Internets, mit den wichtigsten Diensten E-Mail und

WWW und den Software-Anwendungen Weblog und Wiki, bildet eine Grundla-

ge dieser Arbeit. Dies gilt insbesondere für Kapitel 7, da dort auf die Nut-

zungsmöglichkeiten des Internets und deren Besonderheiten (wie z.B. die Hy-

permediastruktur des WWW) sowie Probleme und Potenziale für den Einsatz

im Grundschulunterricht eingegangen wird. Da sich der Grundschulunterricht

an der Lebenswelt der Kinder orientieren und an deren Vorkenntnisse anknüp-

fen sollte, wird im folgenden Punkt die Internetnutzung von Kindern näher be-

trachtet, um herauszufinden inwieweit das Internet die Lebenswelt der Kinder

durchdringt.

2.2 Internetnutzung von Kindern

In diesem Punkt wird geklärt, wie viele Haushalte über einen Internetanschluss

verfügen, wie viele und wofür Kinder das Internet nutzen, wie hoch die Nut-

zungsfrequenz ist und welche Nutzungskompetenzen sie aufweisen.

Nach den Ergebnissen der aktuellen KIM-STUDIE 200811 ist die Zahl der priva-

ten Internetanschlüsse im Vergleich zu den Vorjahren auf 85 Prozent angestie-

gen (vgl. mpfs 2009: 5). Etwa jedes zehnte Kind besitzt einen

Internetan-

schluss

im eigenen Zimmer (vgl. ebd.: 8). Laut der KIM-STUDIE 2008 gehören

bereits 59 Prozent der befragten Kinder zu den

Internetnutzern

(ebd.: 38).

Dabei sind bei Kindern im Grundschulalter große Unterschiede festzustellen:

Unter den Sechs- bis Siebenjährigen hat jeder Fünfte praktische Erfahrungen

mit dem Internet. Dieser Anteil nimmt im Alter von acht bis neun Jahren deut-

lich zu (50%). Bei der nächsten Altersgruppe (10-11 Jahre) ist er auf 79 Pro-

zent angestiegen (vgl. ebd.). Daran lässt sich erkennen, dass das Internet für

Kinder mit zunehmendem Alter interessanter wird. Diese Tatsache ist größten-

teils darauf zurückzuführen, dass die Internetnutzung die Kulturtechniken Le-

sen und Schreiben voraussetzt, die Kinder erst im Grundschulalter erwerben

11 Die KIM (Kinder und Medien)-STUDIE ist eine Basisuntersuchung vom MPFS (Medienpädagogi-

schen Forschungsverbund Südwest) zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland, die seit

1999 regelmäßig durchgeführt wird (2008: n=1206).


2 Kinder und Internet

7

(vgl. Feil et al. 2004: 70). Von den Internetnutzern (59% aller befragten Kinder)

nutzen bereits zwei Drittel das Internet mindestens einmal pro Woche und 17

Prozent jeden bzw. fast jeden Tag. Die

Nutzungsintensität

steigt hier ebenso

mit dem Alter der Kinder kontinuierlich an (vgl. mpfs 2009: 38).

Bei den

Internet-Tätigkeiten

werden Suchmaschinen, wie GOOGLE

(http://www.google.de) am häufigsten (50%) genutzt. Die Recherche für die

Schule (45%) oder für außerschulische Interessen (38%) sowie das Surfen auf

speziellen Kinder-Seiten (41%) stehen bei Kindern im Vordergrund. Etwa jeder

dritte Internetnutzer spielt Online-Spiele. Weitere Aktivitäten im Internet sind

das ,einfach drauf los surfen′, mit 27 Prozent, das Nutzen von ,Erwachsenen-

Seiten′, die sich nicht speziell an Kinder richten (25%) sowie das Chatten und

Hören von Musik mit je 23 Prozent. Instant Messenger oder Communities, wie

SchülerVZ sind eher für ältere Kinder interessant. Etwa jeder Zehnte wendet

sich Newsgroups zu oder lädt Musik und Filmdateien, Spiele oder sonstige Da-

teien herunter. Das Fernsehen oder Radiohören spielt bei den jungen Internet-

nutzer kaum eine Rolle (vgl. ebd.: 40f.).

In dem Projekt WIE ENTDECKEN KINDER DAS INTERNET?12 (vgl. Feil et al. 2004)

wurden

Internetumgang

und

Internetkompetenz

(vgl. Kap. 3.2.1.2) im außer-

schulischen Bereich, von Kindern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren, un-

tersucht. Die Ergebnisse dieser Studie werden hinzugezogen, um zu zeigen,

dass aus einem vorhandenen Internetanschluss oder einer häufigen Internet-

nutzung keine Rückschlüsse auf die Nutzungskompetenz gezogen werden

können. Der Internetanschluss ist jedoch die Voraussetzung für die Entwick-

lung von Internetkompetenz (vgl. ebd.: 30). Die Ergebnisse zeigen, dass gera-

de jüngere Kinder durch die vielfältigen Angebote im Internet überfordert sind

und Schwierigkeiten im Umgang mit der Hard- und Software haben. Generell

schränken die fehlenden bzw. noch geringen Lese- und Schreibfertigkeiten die

Internetnutzung ein. Des Weiteren kennen diese Kinder in der Regel nur weni-

ge, meist kommerzielle, kaum pädagogisch orientierte Webseiten und besitzen

keine Lieblingsseite. Ersteres lässt sich darauf zurückzuführen, dass die mei-

sten Heranwachsenden die Webadressen aus dem Alltag, d.h. von Freunden,

12 Das Projekt wurde mit 18 Kindern, die beobachtet und interviewt wurden, von 2001 bis 2003 am

DEUTSCHEN JUGENDINSTITUT MÜNCHEN (DJI) durchgeführt und vom BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG

UND FORSCHUNG (BMBF) gefördert (vgl. Feil et al. 2004: 10).



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