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Subtitle: Korrelationen zwischen Schule und dem Ausmaß einer Depression bei Schülern
Examination Thesis, 2008, 72 Pages
Author: Matthias Luebbers
Subject: Pedagogy - School Pedagogics
Details
Year: 2008
Pages: 72
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-46526-2
ISBN (Book): 978-3-640-46234-6
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Abstract
Einleitung Wissenschaftlich wurde viele Jahre davon ausgegangen, dass depressive Störungen im Jugendalter nur vorübergehende Begleiterscheinungen der Pubertät darstellen und eine Erstmanifestation dieser psychischen Krankheit im Erwachsenenalter stattfindet. Heute weiß man, dass gerade der Umgang mit entwicklungsabhängigen Anforderungen im Jugendalter richtungsweisend für die Entstehung und den Verlauf einer Depression sein kann. Dabei sind es gerade alltägliche Stressoren und Belastungsmomente die eine steigende Depressivität für Jugendliche zur Folge haben. Die depressiven Symptombelastungen der Jugendlichen nehmen immer dort zu, wo psychosoziale Belastungssituationen die psychischen Kompetenzen eines Jugendlichen überfordern. Die Lebensumwelt der Schule nimmt eine besondere Rolle in der Sozialisation und psychischen Entwicklung eines jugendlichen Schülers1 ein. Das Erfahrungsumfeld der Schule bietet daher auch einen aussichtsreichen Rahmen wenn es darum geht, depressive Symptombelastungen von Schülern als Reaktion auf alltägliche psychosoziale Beanspruchungsmomente zu untersuchen. Schulprojekte, wie „Verrückt? Na und!“ (Irrsinnig-Menschlich e.V.) und „Gesund leben lernen“ (Landesvereinigung für Gesundheit) sind vor allem in den letzten Jahren vermehrt entstanden, um mit Eltern, Lehrern und Vertrauenspersonen Lösungsansätze zu erarbeiten und Maßnahmen zu ergreifen, die gegen die wachsende Rate psychisch auffälliger Schüler wirken sollen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand von empirischen Daten einer Schülerstichprobe zu ermitteln, in wie fern schulbezogene Kognitionen von Jugendlichen einen Einfluss auf das Ausmaß einer Depressivität haben. Dies soll mit der Analyse statistischer Werte, vor allem der Analyse des linearen Zusammenhangs (Korrelation) zwischen dem Ausmaß einer Depression und schulischen Symptombelastungen untersucht werden. Der theoretische Hintergrund der Arbeit basiert darauf, ein Modell zu entwickeln, das ausgehend von der Definition einer Depressivität die Entstehung und den Verlauf der psychischen Störung bei Schülern in Verbindung mit schulischen Belastungsfaktoren und dem Erfahren der schulischen Umwelt setzt.
Excerpt (computer-generated)
Depressivität bei Schülern
Korrelationen zwischen Schule und Entwicklung einer Depression
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt Sekundarstufe I/II im
Fach Erziehungswissenschaft an der Universität Bremen
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis V
Einleitung 1
1. Kennzeichen und Merkmale einer Depression bei Jugendlichen 2
1.1 Klassifikation von Depressionen im Jugendalter 3
1.1.1 Major Depression 5
1.1.2 Dysthyme Störung 6
1.2 Mögliche Erkennung und entwicklungsspezifische Symptomatik
einer Depression im Jugendalter 7
2. Epidemiologie 9
2.1 Häufigkeit der Depression bei Jugendlichen und Schülern 9
2.2 Depressionen und Pubertät 10
2.3 Depressionen und Geschlecht 11
3. Komorbidität und weitere Folgen von Depressionen im Jugendalter 12
3.1 Komorbidität depressiver Störungen 12
3.2 Ursachen und Folgen komorbider Störungen 13
4. Entwicklungsmodelle der Depression 14
4.1 Multifaktorielles Verursachermodell 15
4.1.1 Multifinalität 17
4.1.2 Fehlerhafte Ausgangs- und Sozialisationsbedingungen als
Faktoren der Entwicklung einer jugendlichen Depression 17
4.1.3 Das Diathese-Stress-Model 19
4.2 Ursachen möglicher Geschlechtsunterschiede 20
5. Verlaufsmodelle von Depressionen im Jugendalter 22
5.1 Kognitive Verlaufsmodel e 22
5.2 Interpersonale Verlaufsmodel e 23
Matthias Lübbers II
Inhaltsverzeichnis
5.3. Depressionsrisiko Familie 24
5.4 Belastungsmomente im Jugendalter 25
6. Innerschulische psychische Belastungen auf jugendliche Schüler 27
6.1 Psychisch belastende Schulumwelten für Schüler 28
6.2 Intrapersonale psychische Belastungen in der Schule 30
6.3 Der Einfluss des Schultyps auf die Entstehung
psychischer Belastungen 31
7. Zusammenhänge zwischen der Schule und der Entwicklung einer
Depression bei Schülern 33
7.1 Depressionen und ihre Auswirkungen auf die Schule 35
7.2 Umstrukturierung des multifaktoriellen Modells 36
8. Fragestellung und Hypothese 39
9. Datenerhebung und Untersuchungsinstrumente 40
9.1 Die Stichprobe 41
9.2 Die Auswertung der Daten 41
9.3 Der Selbstbeurteilungs-Fragebogen 42
9.3.1 Der Depressionstest für Kinder (DTK) 42
10. Ergebnisse und Auswertung der Tests 44
10.1 Auftretenshäufigkeiten depressiver Störungen bei Schülern 44
10.2 Geschlechtsunterschiede depressiver Störungen bei Schülern 45
10.3 Zusammenhänge zwischen schulischen Bedingungen und der
depressiven Auffäl igkeit von Schülern 46
10.3.1 Einfluss des schulischen Umfelds auf die Depressivität von
Schülern (Die Schulskala) 48
10.3.2 Der Einfluss des schulisch-sozialen Umfelds auf die
Depressivität bei Schülern (Die Sozialskala) 49
10.3.3 Der gesamtschulische Einfluss auf das Ausmaß der
Matthias Lübbers III
Inhaltsverzeichnis
Depressivität von Schülern 49
10.4 Auswirkungen schulischer Rahmenbedingungen auf
tendenziel depressive Schüler 50
10.5 Unterschiede tendenziel depressiver und nicht depressiver Schüler 52
10.6 Zukunftsängste und Depressionen von Schülern in Abhängigkeit
des Schultyps 55
Schlussteil und Ausblick 57
11. Bibliografie 59
12. Anhang 61
Matthias Lübbers IV
Einleitung
Einleitung
Wissenschaftlich wurde viele Jahre davon ausgegangen, dass depressive Störun-
gen im Jugendalter nur vorübergehende Begleiterscheinungen der Pubertät darstel-
len und eine Erstmanifestation dieser psychischen Krankheit im Erwachsenenalter
stattfindet. Heute weiß man, dass gerade der Umgang mit entwicklungsabhängigen
Anforderungen im Jugendalter richtungsweisend für die Entstehung und den Verlauf
einer Depression sein kann. Dabei sind es gerade al tägliche Stressoren und Belas-
tungsmomente die eine steigende Depressivität für Jugendliche zur Folge haben.
Die depressiven Symptombelastungen der Jugendlichen nehmen immer dort zu, wo
psychosoziale Belastungssituationen die psychischen Kompetenzen eines Jugendli-
chen überfordern. Die Lebensumwelt der Schule nimmt eine besondere Rol e in der
Sozialisation und psychischen Entwicklung eines jugendlichen Schülers1 ein. Das
Erfahrungsumfeld der Schule bietet daher auch einen aussichtsreichen Rahmen
wenn es darum geht, depressive Symptombelastungen von Schülern als Reaktion
auf al tägliche psychosoziale Beanspruchungsmomente zu untersuchen.
Schulprojekte, wie ,,Verrückt? Na und!" (Irrsinnig-Menschlich e.V.) und ,,Gesund le-
ben lernen" (Landesvereinigung für Gesundheit) sind vor al em in den letzten Jahren
vermehrt entstanden, um mit Eltern, Lehrern und Vertrauenspersonen Lösungsan-
sätze zu erarbeiten und Maßnahmen zu ergreifen, die gegen die wachsende Rate
psychisch auffäl iger Schüler wirken sol en.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand von empirischen Daten einer Schüler-
stichprobe zu ermitteln, in wie fern schulbezogene Kognitionen von Jugendlichen
einen Einfluss auf das Ausmaß einer Depressivität haben. Dies sol mit der Analyse
statistischer Werte, vor al em der Analyse des linearen Zusammenhangs (Korrelati-
on) zwischen dem Ausmaß einer Depression und schulischen Symptombelastungen
untersucht werden. Der theoretische Hintergrund der Arbeit basiert darauf, ein Mo-
del zu entwickeln, das ausgehend von der Definition einer Depressivität die Entste-
hung und den Verlauf der psychischen Störung bei Schülern in Verbindung mit schu-
lischen Belastungsfaktoren und dem Erfahren der schulischen Umwelt setzt.
1 Aus Gründen der Lesbarkeit werde ich in meiner Arbeit auf die weibliche Form der jeweiligen Be-
zeichnungen verzichten.
1
1. Kennzeichen und Merkmale einer Depression bei Jugendlichen
1. Kennzeichen und Merkmale einer Depression bei Jugendlichen
Die Depression im Jugendalter gehört zur Krankheitsgruppe der affektiven Störun-
gen. Der Begriff der affektiven Störung beschreibt al e Gemütszustände, die sich
durch anhaltende oder krankhafte Veränderungen der Stimmungslage eines Men-
schen äußern. Die Stimmung wird wiederum als ein subjektiv wahrgenommener Ge-
fühlszustand definiert, der sich zwischen den Polen zweier Extreme bewegen kann.
Depressive Stimmung (vom lat.:
deprimere
- niedergedrückt/erniedrigt) bedeutet um-
gangssprachlich immer einen niedergeschlagenen Gefühlszustand einer Person
(z. B. Trauer-Freude, Liebe-Hass); (vgl. Herpertz-Dahlmann 2008, S. 771).
Petermann und Groen ordnen in ihrer Definition eine Depression den internalisierten
bzw. überkontrol ierten Störungen zu (vgl. Groen; Petermann 2002, S 15). Im Ge-
gensatz zu externalisierten Störungen, wie der Hyperaktivität oder dem aggressiven
Verhalten, benimmt sich eine depressive Person nach außen oft unauffäl ig. Die Be-
einträchtigungen konzentrieren sich auf das innere Erleben eines Menschen. De-
pressive Kinder und Jugendliche sind an ihrem Verhalten meist nicht zu erkennen
(vgl. Achenbach, 1995, S. 59).
Jugendliche und Kinder fühlen sich genau wie Erwachsene im Al tag manchmal
schlapp, traurig, niedergedrückt und müde. Im Gegensatz zu diesen al täglichen Ge-
fühlszuständen ist eine klinische Depression dadurch gekennzeichnet, dass Symp-
tome einer niedergedrückten Stimmung über einen langen Zeitraum anhalten. Au-
ßerdem können Symptome depressiver Störungen nicht durch Wil enskraft und An-
strengungen kontrol iert werden. Auch wenn der Betroffene weiß, dass er an einer
Depression leidet, ist er nicht im Stande, die innerpsychische Gefühlswelt seinem
Wil en unterzuordnen (vgl. Essau 2002, S. 17).
Das Erscheinungsbild einer Depression im Jugendalter ist vielseitig und kann, ab-
hängig vom Individuum, verschiedene Formen annehmen (vgl. Petermann 2008,
S. 427). Essau unterteilt die klinischen Merkmale, also die Kernsymptome der de-
pressiven Störung, in vier Kategorien, wobei Petermann und Groen von Kern- und
Randsymptomen in fast der gleichen Einteilung ausgehen (vgl. Groen; Petermann,
2002, S. 17).
Matthias Lübbers 2
1. Kennzeichen und Merkmale einer Depression bei Jugendlichen
Kernsymptome einer depressiven Person sind dauerhafte und schwerwiegende Ge-
fühle von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessen- und Freudlosigkeit sowie
der verminderte Antrieb zu Aktivitäten jeglicher Art bei gleichzeitiger Ermüdbarkeit
(vgl. Petermann 2008, S. 428/ vgl. Groen; Petermann 2002, S. 16/ vgl. Essau 2002,
S. 17). Es lassen sich außerdem klinische Merkmale einer Depression in emotiona-
le, kognitive, verhaltensbezogene und somatische (körperliche) Symptome einteilen.
Die diagnostischen Kriterien zur Erkennung und Klassifikation einer Depression im
Jugendalter begründen sich auf den Klassifikationssystemen DSM-IV2 (vgl. Saß
2003, S. 153) und ICD-103 (vgl. Dil ing 2008, S. 105).
Im Gegensatz zur Depression bei Erwachsenen gibt es bis heute wissenschaftliche
Diskussionen darüber, ob die entwicklungspathologischen Besonderheiten im Ju-
gendalter das depressive Zustandsbild, zum Beispiel während der Adoleszenz, prä-
gen. Im Unterschied zu Erwachsenen muss bei Jugendlichen davon ausgegangen
werden, dass aufgrund ihres Entwicklungsstands die Grenzen normaler depression-
sähnlicher Stimmungszustände und diagnostizierbarer depressiver Störungen flie-
ßend sind (vgl. Groen; Petermann 2002, S. 17). In den beschriebenen Klassifikati-
onssystemen werden bei depressiven Jugendlichen und Kindern im Gegensatz zur
Depression bei Erwachsenen neben traurigen auch gereizte Stimmungen als Sym-
ptomatiken beschrieben. Weiter werden verschiedene Symptome in Abhängigkeit
vom Entwicklungsstand und dem Alter der Betroffenen aufgeführt, wobei sich unter-
schiedlich starke Ausprägungen in den Entwicklungsphasen ergeben (vgl. Groen
2002, S. 21).
1.1 Klassifikation von Depressionen im Jugendalter
Wie beschrieben, erfolgt die Klassifikation von Depressionen im Jugendalter nach
den Einteilungen auffäl iger Symptome im DSM-IV und dem ICD-10 unter der
Krankheitsgruppe der Affektiven Störungen. Zu den depressiven Störungen zählen
in den Klassifikationssystemen die Dysthyme Störung, die Major Depression (DSM-
2
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Hand-
buch Psychischer Störungen), APA, 1994.
3
International Classification of Diseases and Related Health Problems (Internationale statistische
Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme), WHO, 1993.
Matthias Lübbers 3
1. Kennzeichen und Merkmale einer Depression bei Jugendlichen
IV) und weitere affektive Störungen. Diese Hauptkategorien unterscheiden sich
grundlegend in den symptomatischen Merkmalen einer Depression, der Dauer der
depressiven Störungen und ihren psychosozialen Beeinträchtigungen.
Im Wesentlichen werden Arten und Formen der Depression in beiden Klassifizie-
rungssystemen an ihren Störungsbildern, dem Schweregrad und der Dauer der psy-
chischen Störungen gemessen und unterschieden. Die Symptome der Depression,
wie die deutliche Traurigkeit und Niedergeschlagenheit (depressive Verstimmung)
sowie die verminderte Fähigkeit Freude zu empfinden (Anhedomie) bei gleichzeiti-
ger schnel erer Ermüdung sind Grundlagen beider Klassifikationen. Die Systeme
unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander, wobei ihnen prinzipiel die gleichen
Kriterien zu Grunde liegen (vgl. Groen; Petermann 2002, S. 18).
Im DSM-IV sind unter den Affektiven Störungen neben rein depressiven Störungen
auch bipolare Störungen und Anpassungsstörungen in die Kategorie der Depression
aufgenommen worden. Bipolare Störungen sind depressive Störungen, die im Ein-
klang mit Manien in Form von Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen
auftreten (vgl. Groen 2002, S. 21).
Es gibt in beiden genannten Systemen keine eigene Klassifikation für depressive
Zustände und Störungen des Kindes- und Jugendalters. Nur das ICD-10 erwähnt in
zwei Punkten altersspezifische depressive Symptome des Jugendalters, wie die
verminderte Gewichtszunahme und eine erhöhte Reizbarkeit (vgl. Dil ing, 2008, S.
104). Die Formen einer jugendlichen Depression können nach Herpertz-Dahlmann
nur im Zusammenspiel zwischen auffäl igen Störungen des Sozialverhaltens und
gleichzeitigen depressionstypischen Emotionen klassifiziert werden (vgl. Herpertz-
Dahlmann, S. 772 - 773).
Vom Kindesalter bis in die Jugendzeit zeigt sich eine vermehrte Symptomentwick-
lung. Depressionen bei Kleinkindern äußern sich anfänglich, vor al em nach trauma-
tischen Trennungen, durch ein Phasenverhalten aufbauend auf Protest bis hin zur
anhaltenden Ablehnung von Bezugspersonen und Rückzug (vgl. Herpertz-Dahl-
mann 2008, S. 776).
Nach Carlson und Kashani fal en depressive Vorschulkinder vor al em durch stim-
mungslabile Zustände und ein introvertiertes Verhalten auf, das schnel in aggressi-
Matthias Lübbers 4
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