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Die Finanzmarktkrise 2007 - 2009

Subtitle: Eine besondere Betrachtung von staatlichen Eingriffen in den Finanzsektor in der Bundesrepublik Deutschland und mögliche Wettbewerbsverzerrungen

Bachelor Thesis, 2009, 202 Pages
Author: Sabrina Karlem
Subject: Economics / Business: Economic Policy

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2009
Pages: 202
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V138492
ISBN (E-book): 978-3-640-44979-8
ISBN (Book): 978-3-640-45002-2
Notes :
Jahrgangsbeste-Abschlussarbeit; Auszeichnung mit dem Erich-Gutenberg-Preis 2009


Abstract

Im Jahr 2008 hat sich aus der ursprünglichen Immobilienkrise in den USA eine Bankenkrise entwickelt. Eine Finanzmarktkrise, die eine weltweite Dimension erreicht hat. Die Krise ist bislang in ihrer internationalen Trageweite im Vergleich zu vergangenen Krisen beispiellos. Viele Experten meinen, dass diese Krise die schwerste Bankenkrise seit der Weltwirtschaftskrise 1929 sei. Der Internationale Währungsfonds schätzt den globalen Schaden momentan auf 4.000 Mrd. US-Dollar. Die Tendenz ist steigend. Durch die Finanzmarktturbulenzen kam es zu einer Vertrauenskrise der Kreditinstitute untereinander. Diese veranlasste die Bundesregierung mit verschiedenen Maßnahmen, in den Finanzsektor einzugreifen. Es wurde eine rein qualitative Analyse durchgeführt, die das Kundenverhalten und das Verhalten von Banken auf mögliche Wettbewerbsverzerrungen hin untersuchte. Das Ziel der Arbeit ist es, u.a. durch Experteninterviews herauszufinden sowie herauszuarbeiten, ob es in Deutschland durch die staatlichen Maßnahmen der Bundesregierung während der Finanzmarktkrise in den Finanzsektor, insbesondere bei Privatbanken, zu Wettbewerbsverzerrungen für Sparkassen und Genossenschaftsbanken kommen kann bzw. bereits gekommen ist. Im 2. Kapitel werden die Entstehung der Bankenkrise von 1931 und die Entstehung der aktuellen Finanzmarktkrise sowie deren Auswirkungen beschrieben. Ein detaillierter Zeitablauf der aktuellen Finanzmarktkrise befindet sich im Anhang. Das 3. Kapitel gibt zunächst einen Überblick über wirtschaftspolitische Instrumente des Staates und über die Geldpolitik der EZB. Danach werden die aktuellen staatlichen Maßnahmen der Bundesregierung in den Finanzsektor 2008 bis Mitte 2009 betrachtet. Im Anschluss daran werden mögliche Wettbewerbsverzerrungen insbesondere für Sparkassen und Genobanken herausgearbeitet. Das 4. Kapitel beschreibt das Vorgehen und die Zielsetzung der durchgeführten Experteninterviews. Im Rahmen der Bachelorarbeit wurden Leitfadeninterviews mit Vorstandsmitgliedern geführt. Im Anschluss daran werden die Interviews durch eine qualitative vergleichende Inhaltsanalyse ausgewertet. Im 5. Kapitel erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Aussagen der Experten im Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen für den Finanzsektor bzw. insbesondere für Sparkassen und Genobanken. In Kapitel 6 wird ein Fazit gezogen. Im Anschluss erfolgt ein Ausblick auf zukünftige Auswirkungen der Finanzmarktkrise.


Excerpt (computer-generated)

Inhaltsverzeichnis

II

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis III

Abkürzungsverzeichnis IV

1 Einleitung 5

2 Finanzmarktkrisen 12

2.1 Bankenkrise

1931 12

2.2

Finanzmarktkrise 2007 bis 2009 14

2.3

Vergleich Bankenkrise von 1931 und Finanzmarktkrise von 2007 bis 2009. 19

3

Staatliche Eingriffe in den Finanzsektor 25

3.1

Möglichkeiten von staatlichen Eingriffen in den Finanzsektor 25

3.2

Staatliche Eingriffe in den Finanzsektor 2008 / 2009 in Deutschland 28

3.3

Mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch die staatlichen Eingriffe in den

Finanzsektor (2008 / 2009) in Deutschland 40

3.4

Mögliche Auswirkungen der staatlichen Eingriffe bei Privatbanken auf

Sparkassen

und

Genossenschaftsbanken 54

4

Interviews mit Experten aus der Finanzwirtschaft 62

4.1 Experteninterviews:

Theoretische

Grundlagen 62

4.2 Zielsetzung

der

Experteninterviews 65

4.3 Leitfragebogen 66

4.4

Durchführung der Experteninterviews 68

4.5

Auswertung der Interviews 69

5

Ergebnisse der Experteninterviews im Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen... 73

5.1

Wettbewerbsverzerrungen auf dem Finanzsektor 73

5.2

Wettbewerbsverzerrungen für Sparkassen und Genossenschaftsbanken ... 78

6 Fazit 84

7 Ausblick 89

Literaturverzeichnis 91

Anhang 100


Abbildungsverzeichnis

III

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Bankensystem in der Bundesrepublik Deutschland 6

Abbildung 2: Grundkonzept von Basel II 10

Abbildung 3: DAX von 2007 bis zum 30.06.2009 18

Abbildung 4: Maßnahmenpaket zur Stabilisierung der Finanzmärkte 31

Abbildung 5: Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) 33

Abbildung 6: Finanzierung des SoFFin 34

Abbildung 7: Leistungen und Auflagen 35

Abbildung 8: Leitzinsänderungen der EZB 39

Abbildung 9: Vertrauen in die Finanzdienstleistungsbranche von November 2008 43

Abbildung 10: Auswirkungen der Finanzkrise auf Kunden von Februar 2009 43

Abbildung 11: SoFFin garantierte Emissionen 45

Abbildung 12: Vertrauensbilanz: Kunden von Sparkassen von Dezember 2008 56

Abbildung 13: Vertrauensbilanz: Kunden von Genobanken von Dezember 2008 56

Abbildung 14: Vertrauensbilanz: Kunden von Großbanken von Dezember 2008 57

Abbildung 15: Zusammenarbeit mit einem Geldinstitut von Februar 2009 58

Abbildung 16: Beurteilung der Professionalität von Bankengruppen 59

Abbildung 17: Wettbewerb mit staatlich gestützten Instituten 75

Abbildung 18: Angebote mit nicht-marktgerechten Konditionen 76

Abbildung 19: Wettbewerb zu Lasten von Sparkassen und Genobanken 80


Abkürzungsverzeichnis

IV

Abkürzungsverzeichnis

ABS

Asset Backed Securities

AG Aktiengesellschaft

BVR

Bundesverband der Deutschen

Volks- und Raiffeisenbanken

CDO

Collateralized Debt Obligations

DSGV Deutscher

Sparkassen-

und

Giroverband

dwpbank

Deutsche WertpapierService Bank

EU Europäische

Union

EZB Europäische

Zentralbank

Fed US-Zentralbank

FMS Finanzmarktstabilisierungsfonds

FMStBG

Finanzmarktstabilisierungs-

beschleunigungsgesetz

FMStErgG Finanzmarktstabiliesierungs-

ergänzungsgesetz

FMStFG Finanzmarktstabilisierungsfonds-

gesetz

FMStFV Finanzmarktstabilisierungsfonds-

Verordnung

FMStG Finanzmarktstabilisierungsgesetz

Genobanken Genossenschaftsbanken

HRE

Hypo Real Estate

IHS Inhaberschuldverschreibungen

IWF

Internationaler Währungsfonds

KI / KIs

Kreditinstitut / Kreditinstitute

KSC Kundenservicecenter

Mio. Million

Mrd.

Milliarde / Milliarden

RettungsG Rettungsübernahmegesetz

SoFFin Sonderfonds

Finanzmarktstabilisierung

VW-Bank Volkswagen

Bank


Einleitung

5

1 Einleitung

Ausgangssituation

Im Jahr 2008 hat sich aus der ursprünglichen Immobilienkrise in den USA eine

Bankenkrise entwickelt. Eine Finanzmarktkrise, die eine weltweite Dimension erreicht

hat.1 Die Krise ist bislang in ihrer internationalen Trageweite im Vergleich zu

vergangenen Krisen beispiellos.2 Viele Experten meinen, dass diese Krise die

schwerste Bankenkrise seit der Weltwirtschaftskrise 1929 sei.3 Der Internationale

Währungsfonds (IWF) schätzt den globalen Schaden momentan auf 4.000 Milliarden

(Mrd.) US-Dollar. Die Tendenz ist steigend.4 Durch die Finanzmarktturbulenzen kam es

zu einer Vertrauenskrise der Kreditinstitute (KIs) untereinander. Dies führte dazu, dass

der Handel am Interbankenmarkt kaum noch stattfand und die Krise sich zunehmend

zu einer Liquiditätskrise des Finanzsektors verschärfte. Diese Vertrauenskrise unter

den Banken veranlasste die Bundesregierung mit verschiedenen Maßnahmen, in den

Finanzsektor einzugreifen.5 Die Finanzmarktkrise dauert, während diese Arbeit

entstanden ist, immer noch an, und die Auswirkungen auf den Finanzsektor bzw. auf

die Realwirtschaft sind noch nicht endgültig abzuschätzen. Zukünftige Ereignisse

können die Ergebnisse dieser Arbeit ergänzen, und es können sich weitere

Untersuchungsfelder ergeben. Es wurde eine rein qualitative Analyse durchgeführt, die

das Kundenverhalten und das Verhalten von KIs auf mögliche Wettbewerbs-

verzerrungen hin untersuchte. Eine quantitative Analyse war in diesem Zeitraum noch

nicht möglich, da die Jahresabschlüsse der Finanzinstitute für das Jahr 2009 sowie

aussagekräftiges Zahlenmaterial noch nicht vorlagen bzw. verfügbar waren.

Zielsetzung und Abgrenzung der Bachelorarbeit

Das Ziel der Arbeit ist es, u.a. durch Experteninterviews herauszufinden sowie

herauszuarbeiten, ob es in Deutschland durch die staatlichen Maßnahmen der

Bundesregierung während der Finanzmarktkrise in den Finanzsektor, insbesondere bei

Privatbanken, zu Wettbewerbsverzerrungen für Sparkassen und Genossenschafts-

banken (Genobanken) kommen kann bzw. bereits gekommen ist. Die Ausgangsthese

lautet: ,,Wenn ein Staat monetäre Hilfen bzw. Garantien nur für manche KIs zur

Verfügung stellt, dann kommt es zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem Finanzsektor."

1 Vgl. Wahlers, G. (2008), S. 5; oder vgl. Müller, D. (2009), S. 87.

2 Vgl. o.V. [Monatsbericht EZB] (2009aai), S. 71.

3 Vgl. Wahlers, G. (2008), S. 5; oder vgl. Müller, D. (2009), S. 87.

4 Vgl. Wintzenburg, J. (2009), S. 98.

5 Vgl. o.V. [SoFFin] (2009aa), Web.


Einleitung

6

Danach wird eine zweite spezifischere These überprüft: ,,Wenn es staatliche Hilfen nur

für Privatbanken gibt, dann entstehen Wettbewerbsverzerrungen für Sparkassen und

Genobanken."

Bankensystem in der Bundesrepublik Deutschland

In Deutschland ist der Bankensektor durch eine ,,Drei-Säulen-Struktur" geprägt. Private

Geschäftsbanken bilden die erste Säule, die öffentlich-rechtlichen KIs die zweite und

genossenschaftliche Banken die dritte Säule. Diese Universalbanken betreiben alle

Arten von Bankgeschäften wie z.B. das Einlagen-, das Kredit- und das Wertpapier-

geschäft. Diese KIs können Risiken in den unterschiedlichen Geschäftsfeldern oft

besser ausgleichen als ganz stark spezialisierte Banken.6 Neben den Universalbanken

gibt es in der Bundesrepublik noch die Spezialbanken. Spezialbanken sind die

Realkreditinstitute, die Bausparkassen und die Banken mit Sonderaufgaben (siehe

Abbildung 1).7

Bankensystem in Deutschland

Abbildung 1: Das Bankensystem in der Bundesrepublik Deutschland8

Die Unternehmen des Finanzsektors haben auf der einen Seite die Aufgabe,

Ersparnisse aufzunehmen und auf der anderen Seite der Wirtschaft Gelder für

notwendige Investitionen bereitzustellen.9

6 Vgl. o.V. [SoFFin] (2009z), Web.

7 Vgl. Richard, W., Mühlmeyer, J., Wefers, G., Bergmann, B. (2001), S.17.

8 Vgl. o.V. (2009), Web.

9 Vgl. o.V. [SoFFin] (2009z), Web.


Einleitung

7

In der vorliegenden Bachelorarbeit erfolgt lediglich eine Betrachtung von Universal-

banken. Hierbei wurde untersucht, ob staatliche Eingriffe bzw. staatliche Unter-

stützungsmaßnahmen bei Kreditbanken insbesondere bei privaten Großbanken

Wettbewerbsverzerrungen bei den öffentlich-rechtlichen KIs sowie Genobanken

hervorrufen.

Systemrelevanz

Systemrelevant bedeutet, dass ein Unternehmen notwendig ist, um ein System

aufrecht zu erhalten. KIs sind systemrelevant für das Finanzsystem, damit der Kredit-

und Geldkreislauf nicht zusammenbricht.10 Schwieriger ist allerdings die Beurteilung,

ob ein bestimmtes Institut für den Finanzsektor systemrelevant ist. Hierbei kann bei der

Beurteilung der Systemrelevanz z.B. die Bilanzsumme als ein Kriterium herangezogen

werden.11 Problematisch wird es für das Finanzsystem, wenn große KIs oder

Investmentgesellschaften zahlungsunfähig werden. Dadurch könnte das gesamte

System in Gefahr geraten. Der Zusammenbruch eines KIs kann über Nacht weitere

Unternehmen des Finanzsektors in Mitleidenschaft ziehen und einen weltweiten

Dominoeffekt auslösen.12

Staatliche Eingriffe

Ein Staat kann auf unterschiedliche Art und Weise in das Marktgeschehen eingreifen,

z.B. können Steuern erhoben, Höchst- und Mindestpreise festgesetzt oder

Subventionen gewährt werden. Dabei werden nachfrage- und angebotsbetriebene

Maßnahmen unterschieden. Die Ausarbeitung fokussiert ausschließlich den Finanz-

sektor und wird daher nicht auf die aktuellen Konjunkturprogramme der Bundes-

regierung eingehen, soweit diese nicht den Universalbankenbereich betreffen. Die

Arbeit geht weniger auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern

insbesondere auf die aktuellen staatlichen Maßnahmen der Bundesregierung im

Bankenbereich Ende 2008 bis zum Ende des zweiten Quartals 2009 ein.

Finanzmarktkrise

Auf den nationalen oder internationalen Finanzmärkten wird ein Handel mit Geld

betrieben. Auf diesen Märkten werden Anbieter von Finanzierungsmitteln mit

Nachfragern nach Finanzierungsmittel zusammen gebracht.13 Als Finanzmarktkrise

wird eine Krise bezeichnet, die das Vertrauen in das Finanzsystem beschädigt und

10 Vgl. Meckel, M. (2009), Web; oder vgl. Hüther, M. (2009), S.8.

11 Vgl. Friedrich, D. (2009), Web.

12 Vgl. Martin, H., Schumann, H. (2007), S. 127; oder vgl. Paul, S., Stein, S. (2008), S. 13.

13 Vgl. o.V. [Bundeszentrale für politische Bildung] (2009x), Web.


Einleitung

8

eine Kettenreaktion auszubrechen droht, dass KIs und ganze Volkswirtschaften

geschädigt werden können. Um eine Kettenreaktion im deutschen Finanzsektor zu

vermeiden, hat die Bundesregierung diverse Maßnahmen ergriffen. Durch diese

Maßnahmen sollen KIs die Möglichkeit erhalten, wieder zur normalen Geschäfts-

tätigkeit zurückkehren zu können.14

Wettbewerb

Die Teilnehmer auf einem Markt stehen im Wettbewerb zueinander. Dabei

konkurrieren die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen um die Gunst der

Käufer. Dieser Wettbewerb ist das wichtigste Gestaltungselement der Marktwirtschaft.

Die Steuerungsfunktion des Wettbewerbs sorgt dafür, dass die volkswirtschaftlichen

Produktionsfaktoren den bestmöglichen Verwendungen zugeführt werden. Somit

bedingt der Wettbewerb die bestmögliche Güterversorgung in der Volkswirtschaft.

Darüber hinaus sorgt dieser für technischen Fortschritt, neue qualitativ hochwertige

Produkte und für das Bestreben der Unternehmen nach möglichst kostengünstiger

Produktion. Unternehmen können im Wettbewerb nur bestehen, wenn diese wett-

bewerbsfähig produzieren oder wettbewerbsfähige Dienstleistungen anbieten.15

Die Gewinnerzielungsabsicht ist die Triebfeder allen unternehmerischen Handelns.

Gewinne lassen sich mit guten Dienstleistungen oder Produkten erzielen, denn nur

dafür zahlen die Nachfrager entsprechende Preise. Um Gewinne zu erzielen, müssen

die Unternehmen zum einen die Kundenwünsche erforschen und ihre Leistungen

daran ausrichten und zum anderen alle Kostensenkungspotentiale zur Erbringung

kundengerechter Leistungen ausschöpfen. Dieses Gewinnstreben der Anbieter

zusammen mit marktwirtschaftlichem Wettbewerb führt zu bedarfsgerechter und

effizienter Befriedigung der Kundenachfrage.16 Wie stark der Wettbewerb auf einem

Markt ist, hängt bei gegebener Nachfrage vor allem von der Anzahl der Anbieter und

der Art der angebotenen Güter und Dienstleistungen ab. Je mehr Anbieter, desto

stärker ist der Wettbewerb auf dem Markt.17 Durch die Konzentration von

Unternehmensmacht in einer großen wirtschaftlichen Einheit sowie durch staatliche

Eingriffe in einen Markt kann der oben beschriebene Mechanismus des Wettbewerbs

gestört werden, und es können Wettbewerbsverzerrungen entstehen.18


14 Vgl. o.V. [SoFFin] (2009z), Web.

15 Vgl. o.V. [Bundeszentrale für politische Bildung] (2009y), Web.

16 Vgl. Wöhe, G. (2005), S. 52.

17 Vgl. Wöhe, G. (2005), S. 481.

18 Vgl. Wöhe, G. (2005), S. 303.


Einleitung

9

Goldene Bankregel

Die Goldene Bankregel fordert eine Fristenkongruenz zwischen der Mittelbindung auf

der Aktivseite und der Kapitalverfügbarkeit auf der Passivseite von KIs. Da diese

Finanzierungsregel im Bankgewerbe entstanden ist, wird sie Goldene Bankregel

genannt. Auf der einen Seite wünschen Kreditnehmer eine lange Zinsbindung, um das

Zinsänderungsrisiko zu minimieren. Auf der anderen Seite bevorzugen Anleger kurz-

fristige Anlagen, um flexibel Liquidität zur Verfügung zu haben. Wenn Banken lang-

fristige Kredite mit kurzfristigen Einlagen refinanzieren, gehen sie ein Risiko ein. Sollten

künftig kurzfristige Gelder nicht oder nur zu hohen Zinsen zur Verfügung stehen, wird

die Bank illiquide und kann fällige Zahlungen nicht leisten. Die Goldene Bankregel

empfiehlt daher, langfristige Darlehen nur mit langfristigen Einlagen zu refinanzieren.19

Diese goldene Finanzierungsregel hat während der aktuellen Finanzmarktkrise wieder

an Aktualität gewonnen. Diverse Banken weltweit haben diese Regel nicht oder nur

unzureichend beachtet und langfristige Finanzierungsvorhaben kurzfristig refinanziert.

Die Depfa, eine Tochter der Hypo Real Estate (HRE), hatte z.B. langfristige Projekte

kurzfristig finanziert. Dieses Vorgehen führte u.a. zum Zusammenbruch der HRE, die

nur mit Hilfe von staatlichen Eingriffen und Stützungsmaßnahmen eine Zahlungs-

unfähigkeit vermeiden konnte.20

Basel II

KIs üben in einer Volkswirtschaft eine besondere Funktion aus. Um diese Funktion

ausüben zu können, ist das Vertrauen in die Stabilität des Bankensektors von

entscheidender Bedeutung. Besonders wichtig ist dabei die Solvenz von KIs. Eine der

wichtigsten Aufgaben von KIs ist daher der Umgang mit Kredit-, Markt-, Liquiditäts-

sowie anderen Risiken. Diese Risiken dürfen nicht zur Solvenzgefährdung der Institute

und zu einem instabilen Finanzsektor führen. Basel II hat über die eigene Risiko-

vorsorge der Institute hinaus besondere Aufsichtsregeln für KIs geschaffen. Dabei

nehmen die Eigenkapitalregeln eine besondere Rolle ein. Wesentliches Ziel dieser

Eigenkapitalregeln ist es, die Kapitalanforderungen an KIs stärker vom eingegangenen

Risiko abhängig zu machen sowie im Risikomanagement der Institute zu

berücksichtigen.21 Dabei gilt der Grundsatz: Je schlechter die Bonität eines

Schuldners, desto höher ist das Risikogewicht, und desto höher muss die Unterlegung

der Kredite mit Eigenkapital der KIs erfolgen.22

19 Vgl. Wöhe, G. (2005), S. 729ff.

20 Vgl. Drost, F. (2009), S. 5; oder vgl. o.V. [Finanztest] (2009am), S. 31.

21 Vgl. o.V. [Bundesbank] (2009ao), Web.

22 Vgl. Wöhe, G. (2005), S. 747f.


Einleitung

10

Die Aufsichtsregeln von Basel II sind in drei Säulen gegliedert (siehe Abbildung 2). Die

erste Säule beinhaltet die Mindestkapitalanforderungen, die eine Eigenkapital-

unterlegung für Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken vorgeben. Die

zweite Säule erweitert die erste um einen qualitativen Überprüfungsprozess, der die

quantitativen Mindestkapitalanforderungen ergänzt. Die dritte Säule von Basel II

erweitert die Offenlegungspflichten der KIs.23

Schaubild der drei Säulen von Basel II

Abbildung 2: Grundkonzept von Basel II24

Die Anforderungen von Basel II wirken pro-zyklisch. Wenn sich z.B. die Bonität eines

Kreditnehmers verschlechtert, muss das KI diesen Kredit mit mehr Eigenkapital

unterlegen. Es wird in der öffentlichen Diskussion von Politikern aktuell herausgestellt,

dass gerade diese Eigenkapitalvorschriften für eine bevorstehende Kreditklemme der

Unternehmen sowie der privaten Haushalte mitverantwortlich sein könnten.25

Aufbau der Bachelorarbeit

Im zweiten Kapitel werden die Entstehung der Bankenkrise von 1931 und die

Entstehung der aktuellen Finanzmarktkrise sowie deren Auswirkungen beschrieben. Im

Anschluss daran werden die beiden Krisen miteinander verglichen. Die historische

Betrachtung dient zur Verdeutlichung, dass es in der Vergangenheit bereits

Finanzkrisen gab. Ein detaillierter Zeitablauf der aktuellen Finanzmarktkrise befindet

sich im Anhang der Bachelorarbeit (siehe Anhang 1).

Das dritte Kapitel gibt zunächst einen Überblick über wirtschaftspolitische Instrumente

des Staates und über die Geldpolitik der EZB. Danach werden die aktuellen staatlichen

23 Vgl. o.V. [Bundesbank] (2009ao), Web.

24 O.V. [Bundesbank] (2009ao), Web.

25 Vgl. Afhüppe, S. (2009), S. 4.


Einleitung

11

Maßnahmen der Bundesregierung in den Finanzsektor 2008 bis Mitte 2009 betrachtet.

In Kapitel 3.3 werden ausgewählte Beispiele von Eingriffen des Staates während der

Finanzmarktkrise beschrieben und auf mögliche Änderungen im Kundenverhalten hin

untersucht. Im Anschluss daran werden mögliche Wettbewerbsverzerrungen

insbesondere für Sparkassen und Genobanken an Hand der vorliegenden Literatur-

quellen herausgearbeitet.

Das vierte Kapitel beschreibt das Vorgehen und die Zielsetzung der durchgeführten

Experteninterviews. Im Rahmen der Bachelorarbeit wurden Leitfadeninterviews mit

zwei Vorstandsmitgliedern von Volksbanken und vier Vorstandsmitgliedern von

Sparkassen geführt. Im Anschluss daran werden die Interviews durch eine qualitative

vergleichende Inhaltsanalyse ausgewertet.

Im fünften Kapitel erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Aussagen der Experten im

Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen für den Finanzsektor bzw. insbesondere für

Sparkassen und Genobanken. Zur Ergänzung wurden Publikationen und Presseartikel

von Privat- und Autobanken für die Analyse herangezogen.

In Kapitel sechs werden die beiden zu untersuchenden Hypothesen an Hand der

vorliegenden Sekundärquellen sowie der durchgeführten Experteninterviews beurteilt

und ein Fazit gezogen. Im Anschluss erfolgt ein Ausblick auf zukünftige Auswirkungen

der Finanzmarktkrise.



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