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Untertitel: Und ob die Theorie so praktisch ist?
Hausarbeit, 2009, 28 Seiten
Autor: Jonas Weinmann
Fach: Pädagogik - Allgemein
Details
Institution/Hochschule: Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Jahr: 2009
Seiten: 28
Note: 1,5
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-47453-0
ISBN (Buch): 978-3-640-47444-8
Kritische Darstellung und Bewertung von Georg E. Beckers Analyseschritten für Konflikte in der Schule.
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Zusammenfassung / Abstract
2 Einführung Ein Konflikt wird in dieser Arbeit als „eine Auseinandersetzung, Belastung und/oder Schwierigkeit verstanden, die bei der beteiligten Person oder den beteiligten Personen zu einer emotionalen Betroffenheit und zu Beeinträchtigungen von unterschiedlicher Relevanz führt.“ Um die Konfliktrelevanz besser einordnen zu können ist eine Unterteilung in Schein-, Rand-, Zentral-, oder Extremkonflikt hilfreich. „Scheinkonflikte führen nur zu einer momentanen Betroffenheit und hinterlassen keine Beeinträchtigung. Randkonflikte bewirken eine kurzzeitige und geringe emotionale Betroffenheit und hinterlassen nur geringe Beeinträchtigungen. Zentralkonflikte führen zu einer starken emotionalen Betroffenheit mit Langzeitwirkung und starken Beeinträchtigungen. Extremkonflikte hinterlassen eine sehr starke dauerhafte emotionale Betroffenheit und führen zu Beeinträchtigungen, die nicht korrigierbar sind.“ Wir orientieren uns also danach, wie emotional betroffen die Beteiligten eines Konfliktes sind, und betrachten in gleichem Maße die psychischen, physischen, sozialen und kognitiven Beeinträchtigungen. Damit das Vorgehen des Einteilens ein bisschen klarer wird, werde ich jetzt das Fallbeispiel, mit dem wir uns während der gesamten Arbeit beschäftigen werden, vorstellen, und später den Versuch unternehmen, dieses in eine Konfliktgruppe einzuteilen.
Textauszug (computergeneriert)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Einführung 3
2.1 Erster Teil des Fallbeispiels 3
2.2 Inter- und Intrapersonaler Konflikt 4
2.3 Zweiter Teil des Fallbeispiels 5
2.4 Einschätzung des Konflikts 6
2.5 Der Fall X + E 7
3 Analyseschritte zum Fall X + E 8
3.1 Konflikt auffassen 8
3.2 Relevanz einschätzen 9
3.3 Analyseschritt wählen und Methode festlegen 9
3.4 Nach den Ursachen Fragen 11
Einschub 15
3.5 Informationen einholen 15
3.6 Perspektivwechsel 17
3.7 Zielsetzung abklären 19
3.8 Handlungsmöglichkeiten suchen, prüfen und Handlungsfolge konzipieren 20
3.9 Handeln 25
3.10 Feedback verschaffen 25
4 Resümee 25
5 Literatur 27
1 Einleitung
Unterricht vorbereiten, vor der Klasse stehen, den Schülern etwas beibringen, hin und wieder
Klassenarbeiten korrigieren, Elternabende abhalten, Pausenwachhund spielen und vielleicht
auch einmal im Jahr gemütlich mit ins Schullandheim gehen, das ist doch alles, was ein
Lehrer zu tun hat oder? ,,Mehr oder weniger - ja" wird mancher sagen, und damit meinen:
Weitere offizielle Aufgaben hat ein Lehrer
weniger
, aber sehr viele
mehr
, die sich aus dem
Schulalltag ergeben. Eine dieser Aufgaben von Lehrern besteht darin, mit Konflikten
umzugehen. Konflikte sind unvermeidbar und gehören zum normalen Schulalltag. Da gibt es
jede Menge Missverständnisse, kleinere Reibereien, Schüler, die ihre Grenzen austesten
wollen, und Lehrer, die Schüler in ihre Schranken weisen wollen und sogar müssen. Teilweise
entstehen sehr ernste Konflikte, die keiner am nächsten Tag vergessen hat, sondern alle
Beteiligten, auf verschiedenste Art und Weise, stark beeinflussen. Je nach Persönlichkeit des
Lehrers und dem Verhalten der Klasse gibt es mehr oder weniger Konflikte, die in
unterschiedlichem Grade intensiv sind, oder eher als Nebensächlichkeiten eingestuft werden
1
können. Lehrer sind herausgefordert, mit all diesen Nebenwirkungen des Lehrberufes
umgehen zu können.
Deshalb haben sich verschiedenste Wissenschaftler mit dem Thema ,,Konflikte in der
Schule lösen" beschäftigt und sind zu unterschiedlichsten Ergebnissen gekommen. Manchen
Autoren geht es lediglich darum Konflikte beizulegen, bei Auseinandersetzungen zu
schlichten, weil sie einen Konflikt generell als schlecht einstufen. Anderen geht es
hauptsächlich um die gewaltfreie Lösung von Konflikten, wobei sie teilweise das Recht auf
Verteidigung gegenüber einem ungerechtfertigten Angriff unterschlagen. Andere Autoren
tendieren dazu, die Streitschlichter-Programme überzubewerten. Sie haben den Blick dafür
verloren, dass es bei extremen Konflikten immer noch die Aufgabe der Lehrer ist, mit der
Situation vernünftig umzugehen. Andere Themen werden eher außer Acht gelassen, so zum
Beispiel die strukturellen Probleme, die durch die Schule selbst ausgelöst werden, wie zum
Beispiel die frühe Unterteilung in Haupt-, Realschule und Gymnasium.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Konfliktanalyseschema von Georg E. Becker,
weil er ein Programm darstellt, in dem nicht eine Methode Absolutheitsanspruch erhält,
sondern ein multikausaler Ansatz vorherrscht, bei dem alle Bereiche der
Konfliktlösungsstrategien differenziert und offen bearbeitet werden.1 Es geht hier weniger
darum, was in welchem Fall wie zu tun ist, sondern hilft Lehrern vielmehr, die auftretenden
Konflikte einzuschätzen und die daraus nötig werdenden Konsequenzen zu ziehen. Dies
bedeutet eine Folge von Bearbeitungsschritten zu durchlaufen, bei der evtl. auch noch andere
Personen miteinbezogen werden. Je nach Ausmaß des Konflikts müssen unterschiedlich viele
Schritte durchlaufen und dem Fall entsprechend intensive Überlegungen und
Nachforschungen angestellt werden. Am Ende steht eine selbst erarbeitete Lösungsstrategie,
von der jeder Beteiligte sagen kann, dass sie durchdacht, begründbar und anderen gegenüber
vertretbar ist.
Im ersten Teil der Arbeit werde ich klären, was ein Konflikt eigentlich ist und die erste
Hälfte eines Fallbeispieles vorstellen, dadurch ergibt sich die Möglichkeit darzustellen, was
ein inter- und was ein intrapersonaler Konflikt ist. Diesen Überlegungen folgt die zweite
Hälfte des Fallbeispiels und der Versuch, diesen Fall in Beckers Konfliktunterteilungsschema
einzuordnen. Da dies sich als schwierig gestaltet, folgt eine gewisse Modifizierung des
ursprünglichen Falls, der übrigens der Realität entspricht2, damit wir besser mit ihm arbeiten
können. Hier wird bereits deutlich, dass Theorien nur begrenzt sind, und die Wirklichkeit oft
fassettenreicher ist.
1 Vgl. E. Becker (2006) S. 17
2 Erfahrung eines Realschullehrers an der Haupt- und Realschule Blaufelden.
2
Um die vernünftige Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis geht es auch im
zweiten Teil der Arbeit. Darin werden die einzelnen Schritte der Konfliktanalyse Beckers
dargestellt. Um diese verständlicher und anschaulicher zu machen, wechselt die Theorie
ständig mit der praktischen Anwendung ab. Jeder Analyseschritt wird mit der entsprechenden
Teilbearbeitung des modifizierten Fallbeispiels unterstützt, das sich durch die gesamte Arbeit
ziehen wird. Dabei werde ich kritisch beobachten, inwieweit Beckers Theorie praktisch ist.
Um den Umfang der Arbeit nicht überzustrapazieren, bemühe ich mich ab Punkt 3.5 die
kritischen Stimmen eher zu zügeln, dafür aber zügig zum Abschluss zu kommen.
2 Einführung
Ein Konflikt wird in dieser Arbeit als ,,eine Auseinandersetzung, Belastung und/oder
Schwierigkeit verstanden, die bei der beteiligten Person oder den beteiligten Personen zu
einer emotionalen Betroffenheit und zu Beeinträchtigungen von unterschiedlicher Relevanz
führt."3 Um die Konfliktrelevanz besser einordnen zu können ist eine Unterteilung in Schein-,
Rand-, Zentral-, oder Extremkonflikt hilfreich.
,,Scheinkonflikte führen nur zu einer momentanen Betroffenheit und hinterlassen keine
Beeinträchtigung. Randkonflikte bewirken eine kurzzeitige und geringe emotionale
Betroffenheit und hinterlassen nur geringe Beeinträchtigungen. Zentralkonflikte führen zu
einer starken emotionalen Betroffenheit mit Langzeitwirkung und starken Beeinträchtigungen.
Extremkonflikte hinterlassen eine sehr starke dauerhafte emotionale Betroffenheit und führen
zu Beeinträchtigungen, die nicht korrigierbar sind."4 Wir orientieren uns also danach, wie
emotional betroffen die Beteiligten eines Konfliktes sind, und betrachten in gleichem Maße
die psychischen, physischen, sozialen und kognitiven Beeinträchtigungen.5
Damit das Vorgehen des Einteilens ein bisschen klarer wird, werde ich jetzt das
Fallbeispiel, mit dem wir uns während der gesamten Arbeit beschäftigen werden, vorstellen,
und später den Versuch unternehmen, dieses in eine Konfliktgruppe einzuteilen.
2.1 Erster Teil des Fallbeispiels
Der Fall ereignete sich auf einer ländlichen Haupt- und Realschule. Aufgrund dieser
Vermischung kommt es durchaus vor, dass ein Realschullehrer auch in der Hauptschule
3 E. Becker (2006) S. 17
4 E. Becker (2006) S. 18
5 Vgl. E. Becker (2006) S. 17
3
unterrichtet, wenn Not am Mann ist. So auch in diesem Fall. Der Lehrer, um den es sich
handelt, ich benenne ihn hier mit dem Namen ,,Schmidt", unterrichtet in einer 9. Klasse der
Hauptschule Englisch. Der Umgang mit dieser Klasse ist nicht sonderlich anstrengend oder
nervenaufreibend. Allerdings gibt es einen Schüler, nennen wir ihn Tom, der allgemein als
Unruhestifter bekannt ist, er hatte bereits eine Klasse wiederholt und wurde zuvor von einer
anderen Schule verwiesen. Etwa in der Mitte des Schuljahres kam es zu folgender Eskalation.
Der Lehrer unterrichtete in gewohnter Weise, fühlte sich aber immer wieder von Tom gestört,
weil dieser sich mit anderen Dingen beschäftigte und halblaut mit Nachbarn redete. Schmidt
ermahnte ihn mehrmals still zu sein, und sich am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.
Nachdem dies aber keine Wirkung zeigte, forderte er Tom auf das Klassenzimmer zu
verlassen. Nun trat aber auf, was jeden Lehrer in ein gewisses Dilemma versetzt. Der Schüler
weigerte sich der Anordnung des Lehrers zu folgen und bestand darauf sitzen zu bleiben. Was
nun?
2.2 Inter- und intrapersonaler Konflikt
An dieser Stelle ist es passend die Begriffe Inter- und intrapersonaler Konflikt einzuführen.
Ein interpersonaler Konflikt spielt sich zwischen zwei oder mehr Personen ab6. In diesem Fall
zwischen Herr Schmidt und Tom. Wie wir aus der zuvor beschriebenen Situation erkennen
können, musste dieser Konflikt fast zwangsläufig auftreten, da das Verhalten des Schülers
nicht duldbar war. Der Lehrer musste also reagieren, um zu verhindern, dass sich bald noch
mehr Schüler vom unaufmerksamen und störenden Verhalten des Ignoranten anstecken
lassen. Tom hingegen reagierte auf die Ermahnungen nur noch provokanter und somit musste
der anfängliche Scheinkonflikt (das Ermahnen) zu einem Randkonflikt werden (der offene
Widerstand).
Hier entsteht nun für den Lehrer ein echter intrapersonaler Konflikt7. Das bedeutet ein
Widerstreit von Motiven innerhalb einer Person. Ein Motiv, das dem Lehrer als
Grundrichtung gilt, ist die Vermittlung von Lerninhalten. Konflikte unterbrechen diese
Vermittlung und fordern möglichst sinnvolle und nachhaltige Lösungsstrategien, um zum
Hauptmotiv zurückkehren zu können. Mit sinnvoll und nachhaltig sind folgende Beispiele
gemeint: Soll der Lehrer den Widerstand des Schülers akzeptieren und ihn mit einer weiteren
Ermahnung im Klassenzimmer bleiben lassen? Durch dieses Verhalten würde sich der Lehrer
in der Situation wahrscheinlich einigen Ärger sparen und könnte zum Unterrichtsgeschehen
6 Vgl. M. Poser / W. Schlüter (2005) S. 35
7 Vgl. M. Poser / W. Schlüter (2005) S. 104
4
zurückkehren, auch wenn weiterhin gewisse Störungen von Tom zu erwarten sind. Nachhaltig
wäre dieses Verhalten aber sicher nicht, denn was würde Tom aus dieser Stunde lernen? Dass
er sich verhalten kann, wie er will, da es keine Konsequenzen mit sich bringt. Sein
Bewusstsein, dem Lehrer nicht folgen zu müssen, würde wachsen und ihn in Zukunft
höchstwahrscheinlich nur noch dreister werden lassen. Also kann diese Handlungsweise, die
wohlgemerkt im Gehirn des betroffenen Lehrers innerhalb weniger Sekunden vollzogen
werden muss, keine sinnvolle Reaktion sein. Was bleiben also für Alternativen? Eine
Standpauke, sich ärgerlich zeigen, mit sehr lauter Stimme sprechen? Das würde bei den
meisten Schülern Eindruck machen, ist aber in Toms Fall ein sehr gewagtes Mittel, denn was
tut man, wenn er auch auf dieses Verhalten nur mit einem höhnischen Grinsen antwortet?
Dann hat der Lehrer sein gesamtes Pulver verschossen und ist nun wirklich in einer ernsten
Lage. Klein beigeben kann er jetzt erst recht nicht mehr, vernünftig zureden, abwarten, sich
selber stur stellen, das Klassenzimmer selbst zu verlassen, mit einer Strafe oder einem
Klassenbucheintrag zu drohen, das alles scheinen nun nur noch Notlösungen zu sein, da er als
Persönlichkeit nicht ernst genommen wurde. Wenn es dem Lehrer also möglich ist, sollte er in
dieser Situation ruhig bleiben und sich eine andere Variante überlegen. Herr Schmidt
entschied sich dafür, den Unterricht seinerseits so lange zu boykottieren, bis der Schüler auf
seine Forderung eingehen würde. Das Motiv nicht nachgeben zu wollen, seine Autorität als
Lehrer nicht untergraben zu lassen, Zeit zum Nachdenken zu gewinnen und sich dennoch alle
anderen Handlungsmöglichkeiten offen zu halten, scheint gegenüber der Tatsache durch diese
Reaktion Zeit zu verlieren, also dem Hauptmotiv entgegenstehend, als ein akzeptabler
Schachzug. In solch einer Situation muss ein Lehrer einen interpersonalen Konflikt schnell in
sich austragen, um sogleich zu handeln. Spontanität und Einfallsreichtum sind an dieser Stelle
hilfreich und vertretbar.
2.3 Zweiter Teil des Fallbeispiels
Nachdem nun aufgezeigt wurde, was unter inter- und intrapersonalem Konflikt zu verstehen
ist, und wie solch ein innerer bzw. zwischenmenschlicher Widerstreit von Motiven aussehen
kann, wenden wir uns nun wieder dem Verlauf des Falles zu. Herr Schmidt verkündet also
sein Vorhaben, den Unterricht so lange nicht fortzusetzen, bis Tom das Klassenzimmer
verlassen hat. Damit drängt er Tom in die Defensive, weil er nun dafür verantwortlich ist,
dass seine Mitschüler nicht weiter lernen können, obwohl dies durchaus im Interesse von
vielen wäre, da es sich ja immerhin um ihr Abschlusszeugnis handelt. Alle Schüler sind
gespannt und blicken sowohl Tom als auch ihren Lehrer erwartungsvoll an. Tom gerät in
5
Wut, wiederholt seine Behauptung, dass er doch gar nichts gemacht habe, dass es eine
Unverschämtheit sei, ihn so zu behandeln und bezeichnet den Lehrer als Depp, der ihn mal
am Arsch lecken könne. Er gibt diesen Aussagen Nachdruck, indem er mit verschränkten
Armen und trotzigem Blick dasitzt, um ganz deutlich zu machen, dass er nicht daran denkt,
das Klassenzimmer zu verlassen. Herr Schmidt, über diese Beleidigungen sichtlich erregt baut
sich vor dem Schüler auf und sagt in grimmigem Ton, mit einem Arm auf die Türe zeigend,
dass Tom nun auf der Stelle das Klassenzimmer verlassen solle. Dieser, ebenfalls in
Anspannung geraten, erhebt sich, ballt die Fäuste und stellt sich drohend vor den Lehrer. Im
Klassenzimmer ist alles ganz still und die Spannung ist zu spüren. Einige seiner Kameraden
flüstern ihm zu: ,,Schlag zu" andere wiederum warnen ihn davor, er solle keinen Scheiß
machen.
Dies ist eine Situation, von der aus sich entscheiden wird, wie sich der Konflikt
entwickelt. Noch stehen alle Türen offen. Zwischen Rand-, Zentral-, und Extremkonflikt
entscheiden die darauf folgenden Sekunden. Ich bezeichne den Stand der Dinge als Situation
X, weil ich im Laufe dieser Arbeit noch einige Male auf sie eingehen werde.
2.4 Einschätzung des Konflikts
Momentan sieht alles nach einem Zentral- oder Extremkonflikt aus. Das wiederholte Stören,
der hartnäckige Widerstand, die Beleidigung des Lehrers und sogar dessen Bedrohung lassen
ahnen, dass dieser Vorfall die Gemüter der Beteiligten nicht nur kurzzeitig und gering
emotional berührt und auch mehr als nur eine geringe Beeinträchtigung hinterlässt, wie das
beim Randkonflikt der Fall wäre. Nein, die starke bis sehr starke Betroffenheit der Beteiligten
ist ganz deutlich nachzuvollziehen, und man kann sich nicht vorstellen, dass der Vorfall in
den nächsten Tagen vergessen werden könnte. Nachdem, was vorgefallen ist, können wir
davon ausgehen, dass die Beeinträchtigungen durch Sanktionen, vor allem auf Schülerseite,
aber auch auf Lehrerseite, sollte er denn einknicken oder tatsächlich einen Schlag
abbekommen, enorm sein werden. Ein Extrem- oder zumindest Zentralkonflikt scheint also
vorprogrammiert zu sein.
Wenden wir uns wieder der Realität zu. Wir haben die beiden Rivalen vor Augen:
Tom mit geballten Fäusten, Herr Schmidt innerlich höchst angespannt, aber nach Außen dem
Blick und den Drohgebärden seines mindestens gleichgroßen Schülers standhaltend. Das
Erfreuliche geschieht, Tom lässt seine Hände sinken, macht einen Schritt zurück, wendet sich
dann ruckartig ab, marschiert zur Tür und erklärt mit erregter Stimme, dass es eine
Unverschämtheit sei, so behandelt zu werden und dass er jetzt zum Rektor gehe, um sich zu
6
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