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Zu: Erving Goffman - Stigma

Untertitel: Der Umgang des Individuums mit seinem Stigma (Stigma-Management) in der Interaktion mit Normalen

Hauptseminararbeit, 2003, 23 Seiten
Autor: Malko Ebers
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen

Details

Veranstaltung: Klassiker der Soziologie Erving Goffman
Institution/Hochschule: Universität Konstanz (FB Geschichte und Soziologie)
Tags: Erving, Goffman, Stigma, Klassiker, Soziologie, Erving, Goffman
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 23
Note: 1
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V13866
ISBN (E-Book): 978-3-638-19402-0
ISBN (Buch): 978-3-638-64315-3
Dateigröße: 166 KB
Anmerkungen :
Schwerpunkt der Arbeit ist das Werk Erving Goffmans Stigma. Behandelt wird insbesondere die soziale Interaktion zwischen Stigmatisierten und Normalen, sowie die Auswirkung auf die Identität der Akteure.


Zusammenfassung / Abstract

Das Grundthema, das die meisten Arbeiten des amerikanischen Soziologen Erving Goffman durchzieht ist „jener Handlungsbereich, der durch Interaktionen von Angesicht zu Angesicht erzeugt wird“ (Hettlage 1991:29 nach Goffman). Eine Variation dieser Thematik behandelt Goffman in seinem 1963 in Berkeley geschriebenen Werk Stigma. Notes on the Management of Spoiled Identity. Hierin befasst sich Goffman „mit der Frage >>gemischter Kontakte<< - mit den Momenten, wenn Stigmatisierte und Normale in der gleichen >>sozialen Situation<< sind, das heißt, in gegenseitiger, unmittelbarer physischer Gegenwart“ (Goffman 1967:22). Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es den Umgang des Individuums mit seinem Stigma, sein „Stigma-Management“ (ebd.:68) in der Interaktion mit Normalen herauszuarbeiten. Schwerpunkt ist hierbei das spannungsgeladene Verhältnis zwischen individuellen Handlungsoptionen und deterministischer sozialer Struktur, also dem Handlungen beschränkenden Kontext. Nach einer Einführung in die spezielle Begriffswelt Goffmans stelle ich die Normwelt der Stigmatisierten vor und die verschiedenen Außenanforderungen an eine stigmatisierte Person, darüber hinaus sollen die dadurch hervorgerufenen Widersprüche in der Selbsterfahrung des Individuums aufgezeigt werden. An eine Darstellung der Einwirkungen auf das stigmatisierte Individuum und seine Identität schließt sich im zweiten Teil eine Darstellung der Handlungsoptionen des Individuums in sozialer Interaktion an.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Konstanz
Fachbereich: Geschichte und Soziologie

Erving Goffman - Stigma

Malko Ebers

 

Inhaltsverzeichnis

1. Prolog  3

2. Biografie  4

3. Interaction order  6

4. Stigma und Identität  8

5. Charakteristika sozialer Situationen  10

6. Seinesgleichen und Weise  12
6.1. Sozialisationsprozess  14

7. Informationsmanagement  15
7.1. Tarnen und Täuschen  18

8. Fazit  20

9. Literaturverzeichnis  22

 


>>People have moral rights to be treated according to the definition of the situation they project<< (Schudson)

1. Prolog

Das Grundthema, das die meisten Arbeiten des amerikanischen Soziologen Erving Goffman durchzieht ist „jener Handlungsbereich, der durch Interaktionen von Angesicht zu Angesicht erzeugt wird“ (Hettlage 1991:29 nach Goffman). Eine Variation dieser Thematik behandelt Goffman in seinem 1963 in Berkeley geschriebenen Werk Stigma. Notes on the Management of Spoiled Identity. Hierin befasst sich Goffman „mit der Frage >>gemischter Kontakte<< - mit den Momenten, wenn Stigmatisierte und Normale in der gleichen >>sozialen Situation<< sind, das heißt, in gegenseitiger, unmittelbarer physischer Gegenwart“ (Goffman 1967:22).

Stigmatisierte im Umgang mit sogenannten Normalen sind einer normativen Ordnung, Grundregeln und Verhaltensregulierungen unterworfen, die jede Abweichung von einem Idealtypus sanktionieren, sie „brauchen oft komplizierte Strategien, um das nicht zu verlieren, wovon Menschen als soziale Wesen leben: von Akzeptierung, Anerkennung und Sympathie“ (Tilmann Moser). Goffman interessiert hier vor allem der Interaktionsprozess, nicht primär seine Ergebnisse. Was Goffman anstrebt ist ein Erkenntnisziel, das über die Betrachtung einzelner stigmatisierter Gruppen hinausgeht. Neben einer Analyse des gesellschaftlichen Kontextes, also den Strukturen, in denen Stigmatisierung stattfindet, will er zeigen, dass Stigmatisierung ein allgemeiner Bestandteil von Gesellschaft ist. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ist es den Umgang des Individuums mit seinem Stigma, sein „Stigma-Management“ (ebd.:68) in der Interaktion mit Normalen herauszuarbeiten. Schwerpunkt ist hierbei das spannungsgeladene Verhältnis zwischen individuellen Handlungsoptionen und deterministischer sozialer Struktur, also dem Handlungen beschränkenden Kontext. Nach einer Einführung in die spezielle Begriffswelt Goffmans stelle ich die Normwelt der Stigmatisierten vor und die verschiedenen Außenanforderungen an eine stigmatisierte Person, darüber hinaus sollen die dadurch hervorgerufenen Widersprüche in der Selbsterfahrung des Individuums aufgezeigt werden. An eine Darstellung der Einwirkungen auf das stigmatisierte Individuum und seine Identität schließt sich im zweiten Teil eine Darstellung der Handlungsoptionen des Individuums in sozialer Interaktion an.

Bis heute orientieren sich Arbeiten zum Thema "Umgang mit Stigmatisierungen" fast ausschließlich an dem theoretischen Bezugsrahmen den Goffman in seinem Werk Stigma entwickelt hat. Seine Konzeption verdankt ihren lang anhaltenden Einfluss in erster Linie einem kontextabhängigen Stigma-Begriff und dem Umstand, dass dieser in eine Theorie der Identität eingebettet ist.

2. Biografie

Bei der Beschäftigung mit Erving Goffmans Biografie ist festzustellen, dass es wenige Lebensdaten und Hinweise über ihn gibt, obwohl er bis heute einer der meistgelesenen Autoren in der Soziologie ist (vgl. Mathies, Bretschneider). Interviews stand er sehr skeptisch gegenüber – so soll er den eigentlichen Themen des Interviews immer ausgewichen sein oder hat sich für den Interviewer zu interessieren begonnen, „kaum sonst zu finden war auch seine ein Leben lang durchgehaltene Einstellung nicht seine Person, sondern allein sein Werk sprechen zu lassen“ (Hettlage 1991:8). Hierfür spricht auch die Bezeichnung eines Freundes über ihn: „he was religious about sociological work“ (ebd.:13).

1922 wurde Goffman in Manville (Alberta,Kanada) als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Als erstes wichtiges Datum ist sein Studium an der Universität von Toronto zu nennen1, das er 1945 mit dem Grad des Bachelor of Arts abschloss. Anschließend wechselte er an die Universität von Chicago, damals eine der Hochburgen der amerikanischen Soziologie (chicago school/ Begründung der empirischen Sozialforschung), hier wurde ihm 1949 der Titel Maser of Arts verliehen. Von 1949 bis 1951 hatte Goffman eine erste Anstellung am Department of Social Anthropology der University of Edinburgh, in deren Mittelpunkt eine Feldstudie über die Shetland-Inseln stand. 1953 erwirbt Goffman an der University of Chicago den Doktortitel (Ph.D.) mit seiner Dissertation: “Communication Conduct in an Island Community“, in der er Ergebnisse seiner Feldstudie auf den Shetland-Inseln verwendet. Auch für seine weitere wissenschaftliche Arbeit blieben Feldstudien und das Interesse an psychologischen Fragestellungen charakteristisch. Beispielsweise führte Goffman 1954 bis 1957 als visiting scientist des NIMH2 in Bethesda/Maryland am St. Elizabeth Hospital Klinikstudien durch. 1958 wechselte er an die Universität Berkeley/Kalifornien und erhielt dort 1962 eine Stelle als “full professor“.

In dieser Zeit veröffentlichte er unter anderem drei Bücher: Asylums (1961), Encounter (1961) und Stigma (1963). Die inhaltliche Nähe dieser drei Werke ist nicht zu leugnen. Asyle thematisiert sogenannte totale Institutionen und die Interaktion der Individuen mit der bürokratischen Struktur. Encounter behandelt generell interindividuelle Interaktion, und Stigma thematisiert die Interaktion von Stigmatisierten und sogenannten Normalen.

Es ließe sich die gewagte These stellen, dass persönliche Interaktions-Probleme in diese Arbeit mit einflossen. Der Freitod seiner ersten Ehefrau und Psychologin Angelica Schuyler Choate 1964 könnte hierfür Beleg sein.

[....]


1: 1939-1943 Studium der Chemie an der University of Manitoba in Winnipeg. 1943-1944 Arbeit beim National Film Board in Ottawa. (vgl.: http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/goffman/20bio.htm)

2: Laboratory of Socio-Environmental Studies des National Institute of Mental Health


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