Autor: Shirley Bieg
Fach: Romanistik - Vergleichende Romanistik
Details
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes (Dolmetscher Institut)
Jahr: 2000
Seiten: 31
Note: 2,1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 254 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-19433-4
ISBN (Buch): 978-3-638-64320-7
Zusammenfassung / Abstract
Frankreich ist eines der Länder, in denen die Presse zur Sicherung der Demokratie beiträgt. Die Presse ist frei, die Vielfalt der Informationsträger groß. Die Presse hat bei der Ausübung ihrer Tätigkeit der Bevölkerung gegenüber sowohl bestimmte Freiheiten als auch Rechte und Pflichten, und genauso können die Bürger der Presse gegenüber gewisse Rechte geltend machen. Es gilt also die alte Formel: Presse = Demokratie. Dennoch üben Skeptiker immer wieder Kritik daran, dass sich die Presse ihren unbestrittenen Einfluss, den sie auf die Bürger durch die unterschiedlichsten Mittel ausübt, zum Teil sehr gezielt zur Erreichung ganz unterschiedlicher Ziele zu Nutze macht und missbraucht, so dass man sich nicht selten fragen muss, ob dies noch im Rahmen der Legalität ist. Eine seit 1987 jährlich durchgeführte Umfrage der SOFRES belegt, dass 50 % aller Franzosen denken, dass sowohl Zeitungen als auch Radio und Fernsehen ihre Aufgabe zu informieren nur schlecht erfüllen. Die Dinge, so denken die Franzosen, spielen sich ganz und gar nicht oder höchstens zum Teil so ab, wie es die Presse beschreibt. Zu oft messe sie bedeutlosen Dingen zuviel Gewicht bei, und zu oft verharmlose sie Dinge bzw. dramatisiere sie unnötig. Die Hälfte aller Befragten hat den Verdacht, die Journalisten seien politischen Zwängen ausgeliefert oder/ und es ginge ihnen nur um das Geld. Die Hälfte der Bevölkerung misstraut also der Presse, schenkt ihr nicht immer allzu großen Glauben. Und dennoch versichern 75 % der Franzosen, dass sie durchaus Interesse an Information haben und auf Zeitungen bzw. Information unbedingt angewiesen sind. Die Mittel, deren sich die Zeitungen, das Medium, auf welches ich mich hier beschränken werde, bedienen, um Einfluss auf ihre Leserschaft auszuüben, sind sehr vielfältig. Dazu gehören Ort, an dem eine Nachricht in einer Zeitung erscheint, Bildmaterial und Auswahl dessen, was in der Zeitung steht. Des weiteren spielen die gegenseitigen Beziehungen von Kommunikator und Rezipient in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Sehr interessant erscheint mir auch der sprachliche Aspekt, die Wirkung, die von bestimmten Wörtern selbst ausgeht, wie diese zu unterschiedlichen Zeiten zur Erreichung verschiedener Zwecke eingesetzt oder aber vermieden wurden, inwiefern Leser durch die gezielte Anwendung bestimmter Worte in ihrem Denken, ihrer Einstellung zu einer Sache manipuliert werden sollen.Mit dieser Thematik werde ich mich im folgenden beschäftigen.
Textauszug (computergeneriert)
Einige Mittel der Manipulation mit Beispielen aus der
deutschen und französischen Presse
Referentin: Shirley Bieg
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Was ist Manipulation durch Sprache?
2. Einflussfaktoren des Kommunikationsprozesses
2.1. Der Kommunikator
2.2. Der Rezipient
3. Subjektive Beeinflussung
3.1. Selektion des Stoffes
3.2. Layout
3.3. Bildnachricht
4. Sprachliche Manipulation - Nachrichtenpolitik
4.1. Verschleierungsfunktion
4.2. Sprachregelungen
4.3. Reformulierungen
4.3.1. als Mittel zur Sinnkonkretisierung
4.3.2. als Mittel zur Sinnmodifizierung
4.4. Mots pivots in der französischen Tagespresse
5. Schluss
0. Einleitung
Frankreich ist eines der Länder, in denen die Presse zur Sicherung der Demokratie beiträgt. Die Presse ist frei, die Vielfalt der Informationsträger groß. Die Presse hat bei der Ausübung ihrer Tätigkeit der Bevölkerung gegenüber sowohl bestimmte Freiheiten als auch Rechte und Pflichten, und genauso können die Bürger der Presse gegenüber gewisse Rechte geltend machen. Es gilt also die alte Formel: Presse = Demokratie.
Dennoch üben Skeptiker immer wieder Kritik daran, dass sich die Presse ihren unbestrittenen Einfluss, den sie auf die Bürger durch die unterschiedlichsten Mittel ausübt, zum Teil sehr gezielt zur Erreichung ganz unterschiedlicher Ziele zu Nutze macht und missbraucht, so dass man sich nicht selten fragen muss, ob dies noch im Rahmen der Legalität ist.
Eine seit 1987 jährlich durchgeführte Umfrage der SOFRES belegt, dass 50 % aller Franzosen denken, dass sowohl Zeitungen als auch Radio und Fernsehen ihre Aufgabe zu informieren nur schlecht erfüllen. Die Dinge, so denken die Franzosen, spielen sich ganz und gar nicht oder höchstens zum Teil so ab, wie es die Presse beschreibt. Zu oft messe sie bedeutlosen Dingen zuviel Gewicht bei, und zu oft verharmlose sie Dinge bzw. dramatisiere sie unnötig. Die Hälfte aller Befragten hat den Verdacht, die Journalisten seien politischen Zwängen ausgeliefert oder/ und es ginge ihnen nur um das Geld. Die Hälfte der Bevölkerung misstraut also der Presse, schenkt ihr nicht immer allzu großen Glauben. Und dennoch versichern 75 % der Franzosen, dass sie durchaus Interesse an Information haben und auf Zeitungen bzw. Information unbedingt angewiesen sind.
Die Mittel, deren sich die Zeitungen, das Medium, auf welches ich mich hier beschränken werde, bedienen, um Einfluss auf ihre Leserschaft auszuüben, sind sehr vielfältig. Dazu gehören Ort, an dem eine Nachricht in einer Zeitung erscheint, Bildmaterial und Auswahl dessen, was in der Zeitung steht. Des weiteren spielen die gegenseitigen Beziehungen von Kommunikator und Rezipient in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Sehr interessant erscheint mir auch der sprachliche Aspekt, die Wirkung, die von bestimmten Wörtern selbst ausgeht, wie diese zu unterschiedlichen Zeiten zur Erreichung verschiedener Zwecke eingesetzt oder aber vermieden wurden, inwiefern Leser durch die gezielte Anwendung bestimmter Worte in ihrem Denken, ihrer Einstellung zu einer Sache manipuliert werden sollen. Mit dieser Thematik werde ich mich im folgenden beschäftigen.
1. Was ist Manipulation durch Sprache?
Die Manipulation durch Sprache ist der vermutlich auffälligste und häufigste Versuch, auf andere bewusst und berechnend Einfluss zu gewinnen. Denn das Urteil, das wir verkünden, formulieren wir möglichst so, dass es den Partner überzeugt. Der Appell erwartet ebenso eine bestimmte Reaktion. Auch unsere Informationen wollen wirken. Jeder weiß, wie viel oft am Ausdruck gelegen ist.
Wir wollen zunächst von der Behauptung Mackensens ausgehen, jeder manipuliere aus seinem Sprachinstinkt heraus. Dabei liegt es nicht nur an der List des Sprechers, ob sein Vorhaben ohne weiteres erfolgreich ist. Sein Partner ist kein willenloses Objekt; er bringt seiner Äußerung die eigene Einstellung entgegen: er kann gutgläubig, geöffnet, bedenklich, misstrauisch, ablehnend sein, und seine Haltung muss ihm nicht einmal bewusst sein: seine jeweilige Stimmung mag sie sogar bedingen. So entwickeln sich viele Gespräche zu einer Art von Sprachspielen, deren Ausgang ungewiss ist. Insofern könnte man eine Kommunikation auch als eine Art Verbindung zwischen Sprechenden ansehen, die ständig gefährdet ist. Der eine sieht in ihr eventuell die Möglichkeit der Machtausübung, der andere fürchtet sie deswegen möglicherweise. Und wer Angst hat, der hört auch vorsichtiger. Um dies zu verdeutlichen, ist der Vergleich von Nachrichten und Urteilen mit Waren ganz anschaulich: man muss auf dem Markt nicht alles kaufen, was angeboten wird. Vielmehr wählt man das, was einem passt oder gefällt. So hört man oft auch selektiv, d. h. man nimmt nur das willig auf, was man gerne hört, oder anders gesagt: was der eigenen Meinung entspricht. Ein Raucher, beispielsweise, hört bzw. liest eine Nachricht über Krebserkrankungen oder sonstige Gefahren, die von der Sucht des Rauchens ausgehen, wenn überhaupt, dann aber auf jeden Fall ganz anders als ein Nichtraucher.
Manipulation ist auch der Versuch, sich die Unwissenheit und die daraus resultierende Unsicherheit des anderen zu nutze zu machen und die Probe, ob oder wieweit der andere beeinflussbar ist. Gerade die Werbung oder autoritäre Systeme gehen bei den Umworbenen und Regierten von einer gewissen Unwissenheit, einer Naivität und besonders Machtlosigkeit aus.
Manipulation ist eine besondere Art, Sprache zu benutzen. Die Besonderheit besteht darin, dass eine Person, die manipulieren will, Sprache zu bestimmten Zielen benutzt, die dem Partner verborgen sind, verborgen bleiben sollen oder bleiben können. Die Aussage, die als Information getarnt ist, wird zur Intrige, zur List verfälscht; man testet mit ihr die Verführbarkeit des Partners. Man könnte also sagen, dass sie den Sinn der Sprache, wenn man davon ausgeht, dass Sprache einen bestimmten Sinn im Verkehr der Menschen miteinander hat, wie etwa Kommunikation oder Information, in sein Gegenteil umwandelt. Sie macht Sprache zum Mittel für die einen, über die andern zu herrschen. Zumindest birgt sie die Funktion, mit ihrer Hilfe Macht über andere zu gewinnen.
Sie hätte diese Funktion nicht, wäre sie das, wofür viele ihrer Beschreiber sie halten: ein zuverlässiger und gewisser Spiegel der Dinge. Doch gerade das ist sie meist nicht. Denn zwischen dem Ding und dem Wort, mit dem das Ding bezeichnet wird, steht die Vorstellung, die der Sprecher von dem Ding hat. Diese entscheidet darüber, was das Wort zu bedeuten haben soll. Deshalb können wir sagen, dass nicht die Sprache, sondern der Sprecher mit seiner ganz persönlichen Vorstellung die Welt bezeichnet.
Mackensen geht weiterhin von der Tatsache aus, dass Wörter unsicher und unbestimmt sind, und zwar infolge ihrer Geschichte. Sie (zumindest ihre überwältigende Mehrheit) sind lange im Umlauf, sie haben vielen verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeiten gedient und sind vielen Vorstellungen gefügig gemacht worden. Es gibt immer weniger Wörter in unserer Sprache als Dinge in unserer Umwelt, viele Wörter müssen sich folglich vielen Dingen öffnen. Sie sammeln sozusagen Bedeutungen: sie werden von einem Ding auf ein ihm ähnliches übertragen. Oft wandeln sich auch die Vorstellungen, die man ursprünglich von dem Ding hatte. So bedeutete ein Frevel anfangs Kraft am falschen Platz, grenzenloser Übermut, dann meinte das Wort eine Verletzung des Rechts, und zwar manchmal eine schwere, manchmal nur eine geringere, die mit einer Geldbuße belegt wurde. Auch die Geldstrafe selbst konnte Frevel heißen. Dann erst wurde das Wort für Verhaltensweisen verwendet, die man als moralisch verwerflich kennzeichnen wollte.
Die Vorstellung von einem bestimmten Ding, die mich dies und kein anderes Wort wählen lässt, will ich bei meinem Partner wecken. Ich signalisiere ihm also meine Vorstellung von einer Sache oder Handlung, und ich erwarte, dass ich damit die gleiche Vorstellung bei ihm erzeuge. Und da Vorstellungen Gefühle oder Stimmungen wecken, möchte mein Wort vielleicht auch in ihm die Stimmungen wachrufen, die es in mir erzeugt, und ihn vielleicht zu Verhaltensweisen anregen, die es bei mir stiftet. Auch ohne Imperativ lassen sich somit Handlungen des Partners auslösen. Wörter können Reizfunktionen ausüben, sozusagen als Impulse wirken. Dieser Wert macht sie für Manipulationen geeignet.
Dabei lassen Printmedien, anders als schnelllebige Fernsehbilder, einen zweiten Blick zu auf die mediale Wiedergabe politischer Ereignisse. Gerade französischen Nachrichtensendungen machen Kritiker oft den Vorwurf, dass sie in ihrer Art und Weise, zu berichten und Bilder in immer höherer Geschwindigkeit aufeinander folgen zu lassen, meist nur noch einem Werbespot ähneln. Während es die schnelle Abfolge von Bildern und Text dem Fernsehzuschauer zunächst oft schwer macht, z.B. Nuancen politischer Bewertung zu erkennen, so kann die genauere Betrachtung von Darstellungen des gleichen Themas durch die Printmedien den Hintergrund politischer Berichterstattung deutlicher hervortreten lassen. Was im Fernsehen zunehmend unter dem Aspekt des "sensationnalisme" und müheloser Rezipierbarkeit dargestellt wird, erfährt in den Printmedien eine sorgfältigere Inszenierung.
2. Einflussfaktoren des Kommunikationsprozesses
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