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Eine Interpretation zu Morungens "Ich hân sî vür alliu wîp" - Die Rolle der Frau im höfischen Modell und in den Frauenstrophen des Minnesangs

Termpaper, 2003, 17 Pages
Author: Tina Kretzschmar
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 17
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V14011
ISBN (E-book): 978-3-638-19518-8

File size: 167 KB
Notes :
Interpretation eines Morungen Liedes, zu welchem es in bisheriger Forschungsliteratur nur sehr knappe Interpretationen gibt!



Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden
Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Germanistik
Seminar Mediävistik III – Minnesang
Wintersemester 2002/03

Thema:

Eine Interpretation zu Morungens „Ich hân sî vür alliu wîp“
Die Rolle der Frau im höfischen Modell und in den
Frauenstrophen des Minnesangs

Tina Kretzschmar

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Rahmen und Zielsetzung der Untersuchung  2

2. Heinrich von Morungen „Ich hân sî vür alliu wip“
2.1. Liedtext  3
2.2. Überlieferung  4
2.3. Inhalt des Liedes  4
2.4. Äußere Form des Liedes  5
2.5. Erste Interpretationsansätze zum „Tageliedwechsel“  7

3. Die Frauenrolle im Minnesang
3.1. Die Frau im Höfischen Modell  9
3.2. Die Frau im Wechsel und in den Frauenstrophen  12
3.3. Interpretation der Frauenstrophen im Lied X  13

4. Zusammenfassende Gedanken  15

5. Auswahlbibliographie  16

 

1. Einleitung: Rahmen und Zielsetzung der Untersuchung

„Ich habe dich lieber, als alle anderen“, welcher Frau würde diese Aussage kein verlegenes Lächeln ins Gesicht zaubern? Anders wird es auch Frauen im Mittelalter nicht gegangen sein, als sie vom Minnesänger mit ähnlichen Worten verzaubert worden. Die Verse des Minnesangs, welche uns bis heute erhalten blieben vermitteln uns oft ein Bild von geliebten und liebenden Frauen und Männern. Mit meiner Themenwahl habe ich es mir zur Aufgabe gemacht aufzuzeigen, ob es sich dabei um tatsächlich empfundene Gefühle der im Minnelied vorkommenden Personen handelt oder ob dieses Bild aufgrund unserer heutigen Vorstellung von Liebe entstand. Mit einer kurzen Darstellung der Frauenposition im höfischen System werde ich versuchen eine Grundlage für die folgende Interpretationen zu schaffen. Insbesondere möchte ich die Frauenstrophen in Minneliedern näher beleuchten und dabei die Funktion dieser für den gesamten Minnesang herausarbeiten.

Um die angeführten Tatsachen dabei an einem Beispieltext erläutern zu können habe ich den Doppelwechsel „Ich hân sî vür alliu wîp“ des Sängers Heinrich von Morungen gewählt. An diesem Minnelied möchte ich jedoch nicht nur die Frauenstrophen interpretieren, obwohl ich darauf das Hauptaugenmerk lege, sondern möglichst umfassende Auslegungsansätze finden. Auch die von Morungen begründete Form des Tageliedwechsels möchte ich in den Interpretationsansätzen mit gewichtiger Bedeutung berücksichtigen.

Eine besondere Herausforderung stellt die Interpretation des Liedes für mich aus dem Grunde dar, da es als Vorstudie1 des Liedes XXX „Owê, - sol aber mir iemer mê“ angesehen wird und die Deutungen des Liedes X selbst bisher nur dementsprechend knapp ausfielen. Auch dem formalen Aufbau des Minnesangliedes „Ich hân sî vür alliu wîp“ wird in bisheriger Forschungsliteratur nur umrisshaft Berücksichtigung geschenkt. In dieser Arbeit werde ich versuchen auch diesen Aspekt in einem möglichst umfassenden Umfang einzubeziehen.

2. Heinrich von Morungen „Ich hân sî vür alliu wîp“

2.1. Liedtext
[Liedtext in Downloaddatei enthalten]

2.2. Überlieferung

Das Lied "Ich hân sî vür alliu wîp" wurde in den Handschriften B und C überliefert, wobei das Lied in seiner Vierstrophigkeit in der Handschrift B, also der Weingartner oder Stuttgarter Liederhandschrift, übermittelt wurde. Diese entstand um 1300 im westlichen Bodenseegebiet und enthält überwiegend Minnelyrik.2 Die Strophen zwei, drei und vier des Liedes sind zusätzlich in der Handschrift C, der großen Heidelberger oder Manessischen Liederhandschrift überliefert. Auch diese Handschrift entstand um 1300.3 Sie enthält neben Minnelyrik ebenfalls didaktische und religiöse Lyrik.4 Die in Zürich entstandene Handschrift beinhaltet mittelhochdeutsche Lyrik aller Gattungen und zählt somit zu den für die Literatur wichtigsten, überlieferten Kostbarkeiten.5

2.3. Inhalt des Liedes

Das vierstrophige Lied "Ich hân sî vür alliu wîp" besteht aus einer kombinierten Männer- und Frauenklage, wobei der Mann Sprecher der ersten und dritten Strophe ist, die Frau scheinbare Sprecherin der zweiten und vierten.

Der Liebende preist seine Auserwählte in den höchsten Tönen. Er hat sie lieber als alle anderen Frauen und keine soll ihm jemals mehr bedeuten als sie. Als Frau zur Liebe und zur Freude habe er sie ausgewählt und auf der ganzen Welt will er keine bessere finden. Er spricht von ihrem schönen Körper, doch so bezaubernd sie auch ist, wird es ihm immer wieder, wenn er sie ansieht bewusst, dass er Abschied nehmen muss, es wird Tag in seinem Herzen.

[....]


1 Vgl. H. Tervooren, Anmerkungen zu den Liedern Heinrich von Morungens 1975, S.158.
2  Vgl. G. Schweikle 1995, S.2/3.
3  Ebd., S.4.
4  Ebd., S.4.
5  Ebd., S.6.


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