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Die Begriffsgeschichte des Nihilismus in ihren verschiedenen Kontexten. Nietzsches Philosophie des Nihilismus.

Termpaper, 2003, 19 Pages
Author: Tina Kretzschmar
Subject: German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 19
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V14012
ISBN (E-book): 978-3-638-19519-5

File size: 130 KB
Notes :
Hausarbeit über die Begriffsgeschichte und Begriffsentstehung des Wortes "Nihilismus" unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses Friedrich Nietzsches auf die Begriffsgeschichte.



Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Dresden
Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Germanistik
Lehrstuhl für germanistische Linguistik und Sprachgeschichte
Historische Semantik
Wintersemester 2002/03

Die Begriffsgeschichte des Nihilismus in ihren verschiedenen Kontexten
Nietzsches Philosophie des Nihilismus

Hausarbeit von:
Tina Kretzschmar

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung und Zielsetzung der Untersuchung  2

2. Die Entstehungsgeschichte des Begriffs
2.1. Das Wort Nihilismus  2
2.2. Die Vorboten des Nihilismusbegriffs im Mittelalter und in den Anfängen der Neuzeit  3
2.3. Das Wort in seiner Einführung bei Jacobi  4
2.4. Die Sehnsucht des „Nichts“ in Kunst und Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts  5
2.5. Der Nihilismus-Begriff im frühe 19.Jh. in Hegels Philosophie und dessen Nachwirkung  7
2.6. Nihilismus in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts: Schopenhauer, Turgenjew und Dostojewski 8

3. Der Nihilismusbegriff bei Nietzsche
3.1. Nietzsches Unterscheidung der Erscheinungsformen des Nihilismus  9
3.2.Vollständiger und unvollständiger Nihilismus  12
3.3.Verwendung des Nihilismusbegriffs nach Nietzsche  15

4. Zusammenfassende Gedanken  16

5. Auswahlbiographie 17

 

1. Einführung: Rahmen und Zielsetzung der Untersuchung

Nihilismus, in Wörterbüchern und Lexika der heutigen Zeit wird er als Verneinung aller Werte, Ziele, Glaubensinhalte und oft auch als Verneinung der bestehenden Ordnung definiert. Im engeren Sinne ist mit dem Begriff eine dem Anarchismus nahe stehende russische Revolutionsbewegung gemeint.

Mit meiner Themenwahl habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Wort Nihilismus in seinen verschiedenen Kontexten darzustellen. Ein weiteres Ziel soll es sein, eine Verbindung zwischen der Begriffsgeschichte des Nihilismus und der heutigen Definition zu finden, um somit Gemeinsamkeiten oder eventuelle Unterschiede herauszuarbeiten. Dabei möchte ich in einem weniger umfassenden Teil die Vorgeschichte des Begriffs beleuchten und anschließend auf die Begriffeinführung in die Philosophie durch Jakobi eingehen. Wichtig ist es mir sowohl den philosophischen, literarischen und religiösen Kontext des Nihilismus` zu erörtern. Besondern Wert werde ich aber auf den philosophischen Rahmen legen und so vor allem Nietzsche und dessen Verbindung zum europäischen Nihilismus ausführlich darstellen.

Aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet war es nämlich Friedrich Nietzsche, der dem Begriff zu größerer Popularität verhalf. Spricht man heute vom Nihilismus, dann bleibt die Einordnung in den historischen Gesamtkontext hintergründig, die Gedankenverknüpfung zu Nietzsche ist meist die erste und oft auch einzige welche hergestellt werden kann. Aufgrund dieser Tatsache werde ich mich auch in meiner Arbeit ausführlich mit Nietzsche und seiner nihilistischen Philosophie befassen.

2. Die Entstehungsgeschichte des Begriffs

2.1. Das Wort Nihilismus

Das Wort „Nihilismus“ ist aus dem lateinischen Wort „nihil“ und der Endung „–ismus“ zusammengesetzt. Die Worte „nihil“ oder „nihilum“ haben im Deutschen die Bedeutung von „nicht“ oder „nichts“.1 „Nicht“ fungiert dabei als Negation des Wortes „etwas“, im gleichen Sinne, wie „niemand“ die Verneinung zu „jemand“ bildet.2Die Endung „–ismus“ an Worte angehängt, bezeichnet nicht-dingliche Substantive. Oft wird dann ein Glaubenssystem, eine Ideologie oder auch eine geistige Strömung, sei es auf dem Gebiet der Wissenschaft, Geschichte oder Kunst, gekennzeichnet. Ähnlich ist es auch mit der Endung „–ist“, diese ist für den Anhänger des System oder der Ideologie vorbehalten.3

Das Wort „Nihilismus“ entstammt den mittellateinischen Worten „nichilianista“, also der, „der an nichts glaubt“ und dem Begriff „annihilare“, also dem „vernichten“ und „verneinen“.4 Die Geschichte des Begriffs erfährt dadurch ihre Kennzeichnung, dass sie in unterschiedliche Entwicklungsphasen zerfällt, welche sich nicht aufeinander beziehen.5 Die wichtigsten Phasen folgen.

2.2. Die Vorboten des Nihilismusbegriffs im Mittelalter und in den Anfängen der Neuzeit

Der Terminus Nihilismus ist im Mittelalter noch nicht als solcher bekannt. Jedoch zeigen verschiedene Quellen, dass Gedanken zum „Nichts“ und „Sein“ sehr wohl schon in dieser Zeit, wenn nicht schon früher ihren Anfang fanden.

In der hochmittelalterlichen Scholastik, einer Kirchenphilosophie dieser Zeit, tritt der Begriff „annihilatio“, die „Vernichtung“, bei Albertus Magnus, Thomas von Aquin oder Bonaventura als Vorbote zum späteren Nihilismusbegriff in Erscheinung.6 Dem Wort „annihilatio“ hängt im kosmisch-theologischen Sinne eine negative Bedeutung an, denn die Vernichtungsfähigkeit oder auch der Vernichtungswille soll allein in der Macht des christlichen Gottes liegen.7 Vernichtungs- und Zerstörungsgedanken des Menschen sind vor diesem Hintergrund ketzerisch.

[....]


1  Vgl. M. Riedel 1979, S.371.
2  Ebd.
3  Ebd., S.372.
4  Ebd., S.373.
5  Ebd., S.374.
6  Ebd., S.375.
7  Ebd., S.375.


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