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Hauptseminararbeit, 1998, 21 Seiten
Autor: Tillmann Allmer
Fach: Filmwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Fassbinder, Rainer Werner, Deutschland, Film, Thomas Elsaesser
Jahr: 1998
Seiten: 21
Note: 1-
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-10878-2
ISBN (Buch): 978-3-638-88255-2
Dateigröße: 87 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im Ausland wurde Fassbinder seinerzeit sehr viel mehr geschätzt als in Deutschland. Nachdem er einige Bekanntheit im Ausland genoss und seine Filme zu kleinen Erfolgen wurden, sprach man auch langsam in Deutschland von Fassbinder als einen "Repräsentanten". Diese Sicht hat sich besonders nach Fassbinders Tod 1982 verstärkt. Das Buch "Fassbinder´s Germany - Identity, History, Subject." von Thomas Elsässer versucht u.a. der Frage nachzugehen, in welchem Maße Fassbinder als Repräsentant Deutschlands gelten kann. In dieser Arbeit werden einige Kernpunkte aus Elsässers Buch zusammenführen, um der Frage nachzugehen, weshalb Fassbinder so verschieden in Deutschland und im Ausland wahrgenommen wurde. Zunächst wird gegenübergestellt, wie sich die Rezeption Fassbinders gestaltete. Erstaunlich ist, wie stark sich die deutsche und die amerikanische Kritik voneinander unterschieden, auch in Bezug auf rein filmanalytische Fragen. Es ist schwierig eine deutsche Filmkritik zu Fassbinder zu finden, die sich alleine mit den Filmen beschäftigt und sich nicht um die Person Fassbinder schert. Im Vergleich dazu konzentrieren sich die amerikanischen Rezensionen sehr viel mehr auf die Filmsprache Fassbinders und kommen so zu ganz anderen Bewertungen der Filme. Im nächsten Teil der Arbeit wird kurz untersucht, in welchem kulturellen Zusammenhang das Feuilleton zur Zeit Fassbinders stand. Es werden Fragen aufgeworfen, die in Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg bezüglich nationaler Kultur, nationaler Identität und populärer Unterhaltung bestanden, um herauszufinden, inwieweit die Wahrnehmung Fassbinders von diesen Fragen abhängen könnte. Außerdem wird analysiert, was für eine Rolle Kino im Prozeß der deutschen Identitätsfindung hatte. Der letzte Teil der Arbeit, konzentriert sich auf Interpretationen von Fassbinder als "Deutschland-Repräsentant". Es wird überlegt, in wie weit der Begriff "Repräsentation" auf Fassbinder überhaupt zutrifft, ob ein Vergleich Fassbinders mit Balzac aufrecht gehalten werden kann, ob Fassbinder mit Formen der Genredeutung interpretierbar ist, und was für stilistische und inhaltliche Themen eine Rolle in den Filmen spielen könnten.
Textauszug (computergeneriert)
FU Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
Rainer Werner Fassbinder
SS 1998
Rainer Werner Fassbinder
Ein Repräsentant Deutschlands seiner Zeit?
von
Tillmann Allmer
Inhalt
1. Einleitung
2. Zur Fassbinder - Rezeption
2.1. Rezeption in der Bundesrepublik
2.2. Rezeption in den Vereinigten Staaten von Amerika
3. Soziokultureller Hintergrund in der Bundesrepublik
3.1. Nationale Identität - nationale Kultur
3.2. Nationales Kino für Deutschland
4. Fassbinder repräsentiert Deutschland?
4.1. Der Balzac der Bundesrepublik oder Genreregisseur?
4.2. Zur Rolle von Medien und Selbstrepräsentationen bei Fassbinder
4.3. Macht und Unterwerfung
5. Zusammenfassung
Literaturliste
1. Einleitung
Im Ausland wurde Fassbinder seinerzeit sehr viel mehr geschätzt als in Deutschland. Nachdem er einige Bekanntheit im Ausland genoß und seine Filme zu kleinen Erfolgen wurden, sprach man auch langsam in Deutschland von Fassbinder als einen Repräsentanten. Diese Sicht hat sich besonders nach Fassbinders Tod 1982 verstärkt. Das Buch "Fassbinder´s Germany - Identity, History, Subject." von Thomas Elsässer versucht u.a., der Frage nachzugehen, in welchem Maße Fassbinder als Repräsentant Deutschlands gelten kann.
Thomas Elsässer brachte Fassbinders ersten Filme 1971 auf ein englisches Filmfestival in Brighton, wo er mit Kritikern der Film-Avantgarde seinen Enthusiasmus für Fassbinder teilen konnte1. Nachdem Elsässer 1972 Fassbinders Essay über Douglas Sirk ins Englische übersetzte, schrieb er 1975 zwei Aufsätze in dem ersten englischen Buch über Fassbinder vom British Film Institute2. Es folgten mehrere Essays von Elsässer über Fassbinder, bis zu dem vorliegenden Buch.
In dieser Arbeit werde ich einige Punkte aus Elsässers Buch zusammenführen, um der Frage nachzugehen, weshalb Fassbinder so verschieden in Deutschland und im Ausland wahrgenommen wurde. Zunächst werde ich gegenüberstellen, wie sich die Rezeption Fassbinders gestaltete. Ich war erstaunt, wie stark sich die deutsche und die amerikanische Kritik voneinander unterschieden, auch in Bezug auf rein filmanalytische Fragen. Es ist schwierig eine deutsche Filmkritik zu Fassbinder zu finden, die sich alleine mit den Filmen beschäftigt und sich nicht um die Person Fassbinder schert. Im Vergleich dazu konzentrieren sich die amerikanischen Rezensionen sehr viel mehr auf die Filmsprache Fassbinders und kommen so zu ganz anderen Bewertungen der Filme.
Im nächsten Teil der Arbeit untersuche ich sehr kurz, in welchem kulturellen Zusammenhang das Feuilleton zur Zeit Fassbinders stand. Ich werfe Fragen auf, die in Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg bezüglich nationaler Kultur, nationaler Identität und populärer Unterhaltung bestanden, um herauszufinden, inwieweit die Wahrnehmung Fassbinders von diesen Fragen abhängen könnte. Außerdem untersuche ich, was für eine Rolle Kino im Prozeß der deutschen Identitätsfindung hatte.
Im letzten Teil der Arbeit, konzentriere ich mich auf Interpretationen, die überlegen, ob Fassbinder Deutschland repräsentiere. Es wird überlegt, in wie weit der Begriff "Repräsentation" auf Fassbinder überhaupt zutrifft, ob ein Vergleich Fassbinders mit Balzac aufrecht gehalten werden kann, ob Fassbinder mit Formen der Genredeutung interpretierbar ist, und was für stilistische und inhaltliche Themen eine Rolle in den Filmen spielen könnten.
2. Zur Rezeption von Fassbinder
Bis heute scheinen in Deutschland, Fassbinders Werke noch nicht ohne emotionale Ressentiments betrachten werden zu können. Aktuell wird in der Tagespresse die geplante Wiederaufführung von Fassbinders Stück DER MÜLL, DIE STADT UND DER TOD am Berliner Maxim Gorki Theater diskutiert. Schon 1985 hatte das in den 70er Jahren zum sogenannten “Häuserkampf” in Frankfurt entstandene Stück zu einer erbitterten Diskussion geführt. Zur Frankfurter Uraufführung 1985 wurde sogar die Bühne durch Mitglieder der Jüdischen Gemeinde besetzt, welche dem Stück und Fassbinder Antisemitismus vorwarfen. Die jetzt wieder aufkommende Diskussion um den Inhalt des Stücks liest sich wie ein Remake der damaligen Kontroverse3.
[...]
1 Thomas Elsaesser: Fassbinder, Lola und die Logik des Mehrwerts - oder: Nicht nur wer zahlt, zählt. In: Der zweite Atem des Kinos, Frankfurt am Main, 1996, S.54.
2 Tony Rayns (Hg.): Fassbinder, London, 1976.
3 dokumentiert in: Lichtenstein, Heiner (Hg.): Die Fassbinder-Kontroverse oder Das Ende der Schonzeit. Königstein/ Taunus 1986.
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