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Doping - zum Zusammenhang von Kommerzialisierung und Leistungsmaximierung im Hochleistungssport

Examination Thesis, 2002, 197 Pages
Author: Jorge Pereira
Subject: Sport - Sport Sociology

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2002
Pages: 197
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V14213
ISBN (E-book): 978-3-638-19678-9
ISBN (Book): 978-3-638-71723-6
File size: 890 KB

Abstract

Das Thema Doping flammt pünktlich zur Tour de France 2007 wieder einmal auf. Dabei werden die wahren Hintergründe kaum gesamtgesellschaftlich diskutiert. Meist werden einzelne Spitzensportler als Einzeltäter problematisiert. Aber in welchem Geflecht aus finanziellen, politischen sowie wirtschaflichen Strukturen bewegen sich die Athleten im internationalen Spitzensport? Die vorliegende Arbeit greift genau hier an; sportsoziologisch wird Doping hier sehr vertieft durchleuchtet und vor allem die Auswüchse der wirtschaftlichen Situation des Sports analysiert. Dabei geht es vor allem um den Fußball, der in diesem Land ein überdurchnittliches Interesse erfährt und von Millionen auch in der Freizeit gespielt wird. Es wird sich zeigen, dass der Sport zwar ehre Ziele formuliert, jedoch als Spiegelbild der Gesellschaft der Spitzensport diese kaum im Stande ist umzusetzen, so lange es um "weiter, höher, schneller" geht.


Excerpt (computer-generated)

Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der
Ersten Staatsprüfung für die Lehrämter
für die Sekundarstufe II/I

Doping -
Zum Zusammenhang von Kommerzialisierung und 
Leistungsmaximierung im Hochleistungssport

Fakultät für Sportwissenschaft
Fachbereich C3 (Sportsoziologie/Sportpolitik)

Erarbeitet und beim Staatlichen Prüfungsamt Dortmund
vorgelegt von:

Jorge Pereira

im SS 2002

Bochum, am 01.07.2002

Inhaltsverzeichnis

Einführung ... 5

I. Vorwort 5
II. Das Magische Dreieck - Eine veranschaulichende Problemerfassung zur Kommerzialisierung des Hochleistungssports ... 10
III. Aufbau und Vorgehensweise ... 15

1. Doping - Eine Annäherung ... 19
1.1 Die uralten Praktiken ... 19
1.2 Das Dopingphänomen der Moderne ... 21
1.2.1 Versuch einer definitorischen Eingrenzung ... 23
1.2.1.1 Die Wesensdefinitionen von Doping ... 23
1.2.1.2 Die enumerativen Definitionen: Die "Dopinglisten" ... 24
1.2.2 Dopingkontrollen und Rechtliche Grundlagen ... 25
1.2.3 Zur Kontrolleffektivität ... 29
1.3 Der gesellschaftliche Umgang mit Doping ... 33
1.3.1 Doping als Thema der Massenmedien ... 34
1.3.2 Wirkungen und Konsequenzen beim Publikum ... 38

2. Der moderne Hochleistungssport - Entwicklung und Strukturen ... 42
2.1 Relevante Aspekte der englischen sports ... 42
2.1.1 Rationalisierung, Quantifizierung, Normierung ... 43
2.1.2 Höchstleistung, Konkurrenz und Rekord ... 45
2.1.3 Chancengleichheit und Fair play ... 46
2.1.4 Amateurismus versus Professionalismus ... 48
2.1.5 Exkurs: Der Olympismus ... 51
2.2 Zur Spezifizierung des Systems Hochleistungssport ... 53
2.2.1 Der Leistungsimperativ des Sportcodes ... 54
2.2.1.1 Der Sportcode als Kommunikationszusammenhang ... 56
2.2.1.2 Das evaluative Programm ... 57
2.2.1.3 Das normative Programm ... 59
2.2.2 Leistungsmaximierung, Körperlimit und Wissenschaftliche Kompensation ... 60
2.3 Zusammenfassung und Überleitung ... 63

3. Die Kommerzialisierung des Hochleistungssports ... 67
3.1 Gesellschaftspolitische Voraussetzungen ... 69
3.1.1 Die Spitzensportförderung des Staates ... 70
3.1.2 Historische Voraussetzungen ... 71
3.1.3 Politische Instrumentalisierung sportlichen Erfolgs ... 75
3.1.4 Der gesellschaftliche Wandel ... 78
3.2 Das Sportpublikum - Bedingungen des Zuschauerinteresses ... 81
3.2.1 Spannung, Unterhaltung, Geselligkeit ... 82
3.2.2 Rezeption, Identifikation, Projektion ... 83
3.2.3 Voyeurismus, Nervenkitzel, sportunspezifische Sozialität ... 85
3.3 Das Magische Dreieck - Zur Ausdifferenzierung von Kommerz und Fernsehen ... 87
3.3.1 Kommerzialisierung, Output und Kommunikationsprozess ... 88
3.3.2 Zum Stellenwert des Mediums Fernsehen ... 90
3.3.2.1 Voraussetzungen ... 91
3.3.2.2 Entwicklung ... 92
3.3.3 Der Markt für Werberechte - Das Sportsponsoring ... 94
3.3.3.1 Zum Begriff des Sponsoring ... 94
3.3.3.2 Ziele des Sportsponsoring: Zur Kommunikationspolitik ... 95
3.3.3.3 Entwicklung ... 97
3.3.3.4 Der Markt für Lizenzrechte: Merchandising ... 99
3.3.3.4.1 Begriff ... 100
3.3.3.4.2 Lizenzverwertung von Namen und Marken ... 101
3.3.3.4.3 Lizenzverwertung von Veranstaltungen ... 102
3.3.3.5 Internationale Sport-Vermarktungs- Agenturen ... 105
3.3.3.6 Sportler-Agenturen ... 106
3.3.3.7 Auswahlkriterium Reichweite ... 107
3.3.4 Der Markt für Fernsehrechte ... 110
3.3.4.1 Strukturen der Fernsehvermarktung ... 111
3.3.4.2 Die Werbezeiten als Refinanzierung der TV-Rechte ... 116
3.4 Interpretierende Zusammenfassung ... 117

4. Sportlerkarriere und Doping - Abschließende Diskussion ... 124
4.1 Die Hochleistungssport-Karriere als biographische Falle ... 126
4.1.1 Spezifische Risiken ... 127
4.1.1.1 Erfolglosigkeit ... 128
4.1.1.2 Zukunftsunsicherheit ... 129
4.1.2 "Ich bereue nichts, ..." - Zur Erfolgsorientierung ... 131
4.2 Das Dopingphänomen im Hochleistungssport- Eine Relativierung ... 136
4.2.1 Das Wesen von Doping und die Mär vom Ethos des Spitzenports ... 140
4.2.1.1 Chancen-Ungleichheit ... 141
4.2.1.2 Unfairness ... 145
4.2.1.3 "(Hochleistungs-) Sport ist Mord!" - Unnatürlichkeit und oberflächliche Gesundheit ... 147
4.2.2 Zur Problematik der Dopinglisten ... 150
4.2.3 Grenzbereiche: Legal-Illegal-Substitution ... 151
4.3 Was ist Doping? ... 156
4.4. Doping und Hochleistungssport: Pädagogisch sehr wertvoll? ... 165

Abbildungsverzeichnis ... 176
Tabellenverzeichnis ... 177

Literaturverzeichnis ... 178

 

Einführung
I Vorwort
Dem modernen Hochleistungssport ist eine große Affinität zu Zahlen und Einheiten inhärent; die erste Konsequenz ist das daraus resultierende Interesse in der Allgemeinheit, welches sich ungefähr in derartigen Fragen äußert: „Haben die gewonnen? Ja?! Wie viel? Zwei-Null? Sehr gut!“ oder „Neuer Rekord? Ein Hundertstel? Spitze!“

Das Operieren mit dieser Art von Zahlen und die damit verbundenen Haltungen weisen auf eine gewichtige, wertgebundene Informationseinheit hin. Zehntel-, Hundertstel- und Tausendstelsekunden, Gramm und Kilogramm sowie Millimeter und Zentimeter stellen die Reduktion eines gesamten Sporttages auf die (sport-)physikalischen Größen des SIEinheitensystems1
dar; nicht zu verge ssen ist natürlich das Torverhältnis, das am letzen Spieltag über den Titel entscheiden könnte, wenn zu diesem Zeitpunkt mindestens zwei Mannschaften die gleiche Punktzahl aufweisen sollten. Anscheinend stellen diese feinsten einheitlichen Differenzen jene Spannung dar, die ein großes Publikum dazu bewegt, alltäglich in Sportarenen oder vor den Fernsehgeräten zu sitzen.

„Ob es heute wohl endlich mit dem langersehnten Sieg meiner Mannschaft klappt?“ „Ho ffentlich holt unsere Mannschaft heute wieder Medaillen! Langsam werden die zu einer Schande für unser Land!“ Man kann davon ausgehen, dass diese Gedankengänge alltäglich und global millionenfach – dies ist empirisch schwer zu belegen, dennoch angesichts des Massencharakters von Sportkonsum und -popularität weltweit denkbar – durch die Köpfe vieler Mensche n jedenfalls dann gehen, wenn große Sportve ranstaltungen anstehen wie etwa Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaften, wie die soeben beendete in Südkorea und Japan. Bei der Betrachtung der folgenden, in tabellarischer Form dargestellten, nach Jahren sortierten und unterschiedlichen leichtathletischen Disziplinen zugeordneten SI-Größenordnungen erschließt sich nun ein ganz anderer Blickwinkel über Zeiten und Distanzen. Nicht die Dezimalzahlen sind hier entscheidend, sondern die Komplexität der Zuwächse insgesamt.

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Tab. 1: Leistungszuwächse bei Weltrekorden von 1968 bis 1997. Eigene Darstellung

Die aufgeführten Weltrekorde demonstrieren dabei die Umfänge der Verbesserungen im Fünfjahres-Rhythmus in unterschiedlichen Ausdauerdisziplinen. Besonders auffällig sind die parallelen, sprunghaft und vergleichsweise extrem zugenommenen Werte im Zeitraum von 1993 bis 1997.

Nun konstatiert man, dass in den letzten Jahrzehnten unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Leistungsentwicklung eingewirkt haben, die im „Mikrobereich“, also in unterschiedlichen sportspezifischen Kategorien, eventuelle Positiveffekte hervorgebracht haben. Diese sind u.a. in den Bereichen Trainingsmethodik, Technik- und Materialentwicklung, aber auch in der Sportmedizin sowie in der Kommerzialisierung des Spitzensports zu finden. Deren Zusammenspiel erlaubte den Spitzensportlern in den letzten Jahren mitunter ein Höchstmaß an Leistungsmaximierung (vgl. SINGLER/TREUTLEIN, 2000, S. 39).

Die parallelen Verbesserungen ausgerechnet in den Ausdauersport- arten – im Weitsprung z.B. gibt es zwischen 1988 und 1992 ein Zuwachs um lediglich fünf Zentimeter (vgl. a.a.O., S. 45) – führt man jedoch auf das Wachstumshormon Erythropoietin2 (EPO) zurück, das seit 1994 eine rasche Verbreitung erfahren hat und sich nachweislich einer immer noch großen, internationalen Beliebtheit bei Spitzensportlern erfreut (vgl. SINGLER/TREUTLEIN, 2000, S. 45).

Solche und ähnliche Begebenheiten erlauben die Annahme, dass „die Mehrzahl der heutigen Weltrekorde in Kraft-, Schnelligkeits- und Schnellkraftsportarten ... in Verbindung mit Hilfsmittel“ (HOLLMANN/ HETTINGER, 2000, S. 536 ) zustande gekommen sind; die öffentlich gewordenen und in den Massenmedien z.T. heftig diskutierten Dopingfälle der letzten Jahre und Jahrzehnte haben immer wieder auf drastische Weise verdeutlicht, dass man von einem weit verbreiteten Einsatz von Doping ausgehen muss, wenngleich es, wie dies noch verdeutlicht werden wird, häufig als Einzelfall-Hypothese an die Öffentlichkeit vermittelt wird. Aufgrund der problemspezifischen Unmöglichkeit empirischer Untersuchungen konnte das Internationale Olympische Komitee (IOK) im Jahre 1988 nur eine Schätzung wagen. Es traute rund 6% aller Spitzenathleten ein Missbrauch durch Drogen zu (vgl. BROCKAUS ENZYKLOPÄDIE, Band 30, 1996, S. 216).3

Die Glaubwürdigkeit des Sports und seiner Akteure wird dabei immer wieder aufs Neue einer Zerreißprobe ausgesetzt, wenn ein Spitzensportler des Dopings überführt wird. Nach BETTE/SCHIMANK (1995) erlebt der Spitzensport dabei regelmäßig eine kurzweilige „gesellschaftliche Delegitimierung“, die gekennzeichnet ist von einer „Skandalierung in den Massenmedien“ und zeitweiliger „Desillusionierung des Publikums“ und „Distanzierung politischer und wirtschaftlicher Ressourcengeber“ (vgl. S. 270-288).

[...]


1 Das weltweit angewandte und vielfach auch gesetzlich vorgeschriebene SIEinheitensystem (SI: franz. für Système International d´Unités) mit den sieben Basiseinheiten Meter (Einheitszeichen: m), Kilogramm (kg), Sekunde (s) [und den für den Sportfan weniger relevanten] Ampere (A), Kelvin (K), Candela (cd) und Mol (mol) (vgl. BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE, Band 10, 1989, S. 577).

2 Glykoprotein, das in das in der Niere gebildet wird, das aber auch gentechnisch erzeugt werden kann; sorgt für eine verbesserte Synthesegeschwindigkeit der roten Blutkörperchen (vgl. DONIKE, 1996, S. 16).

3 Da, wie noch zu sehen sein wird, Doping nur sehr schwer definitorisch einzugrenzen ist, muss sich der Leser im Verlaufe der Arbeit seine eigenen Gedanken zu Qualität und Quantität eines Missbrauches machen.


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