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Dialekt als Sprachbarriere

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 18 Pages
Author: Katrin Niemann
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Deutsche Dialekte-Soziale, regionale und funktionale Aspekte ihrer Verwendung
Institution/College: University of Rostock (Institut für Germanistik)
Tags: Dialekt, Sprachbarriere, Deutsche, Dialekte-Soziale, Aspekte, Verwendung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 18
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V14391
ISBN (E-book): 978-3-638-19807-3
ISBN (Book): 978-3-638-75812-3
File size: 300 KB
Notes :
Gibt einen Überblick über die Sprachbarrierenforschung in Deutschland und stellt die Theorie Basil Bernsteins vor.


Abstract

Innerhalb eines Landes/einer Nation sind regionale sprachliche Unterschiede festzustellen. Dies liegt daran, dass sich verschiedene Sprachgemeinschaften entwickelten, die nun nebeneinander herleben. Daraus ergibt sich das Problem, dass die Angehörigen einer Sprachgruppe bezüglich der ihrer Belange informations- und artikulationsfähig sein müssen. Auch die soziale und lokale Mobilität sollte nicht durch Sprachschranken behindert werden. Also müsste es ein einheitliches Kommunikationsnetz geben, die Artikulationsfähigkeit und der Kommunikationsradius aller Staatsangehörigen sollte gleich groß sein.


Excerpt (computer-generated)

Universität Rostock
Philosophische Fakultät

 „Dialekt als Sprachbarriere“

Katrin Niemann
WS 2002/03

 

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung zum Dialekt als Sprachbarriere

2. Der Begriff des Dialektes

3. Die Theorie Basil Bernsteins

4. Sprachbarrierenforschung in Deutschland

5. Anhang (Handout und Folie zum Referat)

6. Literatur

 

1.Vorbemerkung zum Dialekt als Sprachbarriere

Innerhalb eines Landes/einer Nation sind regionale sprachliche Unterschiede festzustellen. Dies liegt daran, dass sich verschiedene Sprachgemeinschaften entwickelten, die nun nebeneinander herleben. Daraus ergibt sich das Problem, dass die Angehörigen einer Sprachgruppe bezüglich der ihrer Belange informations- und artikulationsfähig sein müssen. Auch die soziale und lokale Mobilität sollte nicht durch Sprachschranken behindert werden. Also müsste es ein einheitliches Kommunikationsnetz geben, die Artikulationsfähigkeit und der Kommunikationsradius aller Staatsangehörigen sollte gleich groß sein. Folgende drei Ziele ergeben sich daraus:


1. Bewahrung der Identität der Sprachgruppen
2. Gewährleistung von Artikulationsfähigkeit und Mobilität
3. Anschluss an übergreifende Kommuniklationsnetze

Aber wie man nun diese drei Ziele am besten miteinander vereinen sollte, darüber herrscht noch Uneinigkeit. SCHLIEBEN-LANGE1 eröffnet in ihrem Buch zunächst drei extreme Möglichkeiten eines Staates, dieses Problem zu lösen. Man könnte zum Beispiel sämtliche offiziellen Belange in allen Staatssprachen – in unserem Fall Dialekten - gleichermaßen behandeln. Das beträfe zum Beispiel Gerichtsverhandlungen, Schulen, etc.

Eine weitere Lösung wäre die Durchsetzung einer Einheitssprache im öffentlichen Staatsbetrieb. Das heißt, alle offiziellen und halb offiziellen Angelegenheiten werden in einer Einheitssprache abgehalten. Gruppensprachen könnten allenfalls in Famlie und Freundeskreis fortbestehen. Da aber der offizielle Bereich (Schule, etc) weit in den Privaten Bereich hineinreicht, wird sich die Einheitssprache auch dort durchsetzen.

Dialekte sind areal auf bestimmte Geltungszonen und auf personal bestimmte Personengruppen zugeschnitten und haben dadurch einen unterschiedlichen Gebrauchswert in Abhängigkeit von den kommunikativen Bedürfnissen der jeweiligen Sprecher.

Durch Verwendung des Dialektes grenzen sich die Sprecher nach außen hin ab. Gegenüber nichtdialektsprechenden Personen oder Gruppen ergeben sich zwangsläufig Sprachbarrieren. Besonders deutlich wird das Problem, wenn auch die unterstützende Funktion des gemeinsamen Sprachcodes auch auf der Beziehungseben nicht mehr funktioniert. Daraus ergeben sich besonders für den Dialektsprecher Schwierigkeiten, da normalerweise das Urteil über Gelingen oder Misslingen einer Kommunikationssituation dem Situationsmächtigen zusteht, wie zum Beispiel dem Lehrer in der Schule, etc.

Spricht zum Beipiel so ein „Situationsmächtiger“2 keinen Dialekt, dann wird meist ihm die Schuld am Misslingen einer angestrebten Kommunikation zugeschoben. Dialektbedingte Sprachbarrieren gelten über große Areale hinweg, zum Beispiel Nord – und Süddeutschland aber auch zwischen Stadt und Land. Generell weist SCHMID (1973) darauf hin, dass die Schuld an der Gestörtheit der Kommunikation häufig den Dialektsprechern zugewiesen wird. Das zeigt, dass nicht der Dialekt Schuld an den Kommunikationsstörungen trägt, sondern die negative Einstellung der sogenannten Privilegierten („Situationsmächtigen“). Die kommunikative Benachteiligung der Dialektsprecher hat aber zunächst auch einen rein linguistischen Aspekt. Manchmal kommt es zu sogenannten dialektalen „Stilblüten“. Dass heißt, unterschiedliche Sprachsysteme decken sich nur teilweise, können sich auch aufgrund der strukturellen Nähe überlagern. Es kommt zu Indeferenzen und dadurch zu Pannen und Fehlleitungen.

Ein weiteres Problem stellt das oft niedrige Prestige eines Dialektes da. Dialekte erfahren oft deswegen eine Mindereinschätzung durch dessen Sprecher. Oft werden Dialektsprechern in weiten Teilen Deutschlands kognitive Defizite, einen sozial niedriger Status und geringe Bildung nachgesagt. Tatsächlich wurde festgestellt, dass Dialektsprecher mehr vom Land als aus der Stadt kommen, einen sozial niedrigereren Status haben und damit zur Sprachbarriere auch noch die soziale und sozialpsychologische Barriere hinzukommt. Nach bisherigen Beobachten scheint die Barriere da am größten zu sein, wo der Dialekt soziographisch beinahe verschwunden ist. Seine Existenz wird von den Nichtdialektsprechern geradezu ignoriert und geleugnet. So kann auch die Beziehungsebene nicht gepflegt werden, da das Vorhandensein des Dialektes ja geleugnet wird.

[....]


1 Brigitte Schlieben – Lange. Soziolinguistik – Eine Einführung. 3.Auflage 1991
2 In: Heinrich Löffler. Germanistische Soziolinguistik. 2. Auflage. Berlin 1994


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