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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 29 Pages
Author: Anne-Katrin Maser
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Instiut für politische Theorie)
Tags: Gleichheit, Kapitalismus, Liberalismustheorien
Year: 2003
Pages: 29
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19810-3
File size: 268 KB
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Excerpt (computer-generated)
Von der Gleichheit zum Kapitalismus?
John Lockes Eigentumstheorie in den “Two Treatises of Government”
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Leben und Wirken John Lockes 5
3. Die Entstehungsumstände der „Two Treatises of Government“ 6
4. Die Abwehr der Thesen Filmers 7
5. Die Kontroverse zur Begriffsdefinition von Property in der Literatur 8
6. Der Property Begriff in den „Two Treatises of Government 9
6.1. Die weite Definition von Property 9
6.2. Die Trias von Leib, Seele und äußeren Gütern 10
6.3. Die enge Definition von Property 11
6.4. Die doppeldeutige Besetzung von Property 11
7. Die Herleitung des Rechts auf Eigentum 12
8. Die klassische Theorie von Privateigentum 14
9. Die Verknüpfung von Arbeit und Eigentum 16
10. Die Aneignungsschranken 19
11. Die Einführung des Geldes 22
12. Zusammenfassung 24
13. Literaturverzeichnis 28
1. Einleitung
Die „Two Treatises of Government“ gelten als ein einflussreiches Werk der liberalen politischen Theorie. Vor allem auf Lockes „Second Treatise“ beriefen sich die Autoren der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, Liberale und auch die Theoretiker der französischen Revolution. In der Geschichte des Naturrechts und der Ökonomie gilt Locke als der Begründer der Arbeitstheorie, denn zum ersten Mal wurde im Naturrecht ein Besitzanspruch durch Arbeit begründet. Die bisherigen Ergebnisse der Forschung zu Lockes Eigentumstheorie gestalten sich jedoch sehr kontrovers. Nach Strauß steuert Locke in seiner Abhandlung den „spirit of capitalism“ verbunden mit einem uneingeschränkten Eigentumsrecht1 an und versucht diesen theoretisch zu untermauern. Macpherson sieht Locke als Verfechter eines bürgerlichen Klassenstaates mit dem Ziel des Eigentumsschutzes.2 Im Gegensatz zu Macpherson interpretiert Tully Locke als einen Verfechter von Volkssouveränität, in dessen Theorie Eigentum konventional3 und damit Gegenstand eines Gesellschaftsvertrages bleibt.4
Aufgrund dieser kontroversen Meinungen zu Lockes politischer Philosophie, ist es mein Ziel, die neuen Ansätze Lockes in der Eigentumstheorie herauszuarbeiten und diese mit den traditionellen Annahmen der Naturrechtslehre zu kontrastieren. In der Betrachtung der „Two Treatises of Government“ konzentriere ich mich auf die Verknüpfung der zentralen Begriffe Arbeit und Eigentum und die von Locke entwickelte Arbeitstheorie. Die Entwicklung der Appropriationstheorie vollzieht sich hauptsächlich im V. Kapitel „Of Property“, dem ich daher besondere Aufmerksamkeit schenke. Berücksichtigung bei der Untersuchung der Eigentumstheorie Lockes finden auch die Entstehungsumstände und die zeitgeschichtliche Einordnung der Abhandlungen, da Locke als politischer Philosoph und pragmatisch orientierter Politiker auch auf die konkreten gesellschaftlichen Probleme in England zu seiner Zeit Bezug nimmt.
Diese Arbeit möchte die Argumentationsschritte Lockes nachzeichnen und dabei besonders auf Begriff und Funktion des Eigentums sowie dessen Stellenwert in der politischen Philosophie Lockes eingehen. Abschließend werde ich erörtern, ob man Locke als einen Verfechter der kapitalistischen Gesellschaft interpretieren kann und welche Bedeutung die Eigentumstheorie Lockes für den Liberalismus hat(te).
2. Leben und Wirken John Lockes
John Locke 5 stammt aus einer puritanisch gesinnten Familie der englischen Bourgeoisie. Deren fortschrittlicher Teil hatte sich der Steuerung von Handel und Gewerbe entzogen und des Zunftzwanges entledigt. Lockes Großvater, ein Tuchverleger, erarbeitete sich durch die Produktion nach dem Verlagssystem ein großes Vermögen. Aber nicht nur seine Herkunft prägte John Locke. Einen wichtigen Einfluss auf den politischen und wissenschaftlichen Werdegang Lockes hatte der englische und sehr vermögende Landadlige Lord Shaftesbury. Lord Shaftesbury, einer der einflussreichsten Männer seiner Zeit, wandte sich gegen die staatlichen Restriktionen gegenüber der Wirtschaft und sah einen enormen Schaden für die Wirtschaft in den feudalistischen Reglementierungen. Er vertrat die Interessen des protestantischen Bürgertums und die Macht der Gentry konnte seiner Meinung nach nur mit dem kapitalistischen Bürgertum aufrechterhalten werden.6 Locke war zunächst Leibarzt von Shaftesbury in London und lebte im Kreise der Familie. Im Laufe der Zeit wurde Locke zu seinem engsten Berater und Vertrauten. Der Einfluss des Lords verhalf Locke zu einigen interessanten Ämtern, was seine gesellschaftliche Stellung erhöhte. Er tätigte, dank des Rates Shaftesburys, lukrative Geschäfte mit Handelsgesellschaften und Sklavenhandel. Man muss davon ausgehen, dass die beiden sich gegenseitig beeinflusst haben und vor allem in politischen und philosophischen Fragen austauschten.7 Peter Lasslet formulierte die Bedeutung Shaftesburys für Locke mit den folgenden Worten: „ ... without Shaftesbury, Locke would not have been Locke at all.“8
3. Die Entstehungsumstände der „Two Treatises of Government“
[...]
1 Vgl.: Strauss, Leo: Natural Right and History, Chicago 1953, S.246.
2 Vgl.: Macpherson, Crawford B: Die politische Theorie des Besitzindividualismus von Hobbes bis Locke, Frankfurt/M. 1990, S.249f.
3 ebenso Strauß
4 Vgl.: Tully, James: A Discourse on Property: John Locke and his Adversaries, Cambridge 1979.
5 Locke wurde am 29. August 1632 geboren und starb am 28. Oktober 1704.
6 Vgl.: Locke, John: Zwei Abhandlungen über die Regierung, hrsg. von Walter Euchner, Frankfurt/M. 1992, S.18.
7Vgl.: Meyer, Rolf: Eigentum, Repräsentation und Gewaltenteilung in der politischen Theorie von John Locke, Frankfurt/M. 1991, S.31ff.
8 Locke, John: Two Treatises of Government, edited with an introduction and notes by Peter Laslett, Cambridge 1994, S.27.
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