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Das Antikenbild bei Perrault, Winckelmann und Byron

Intermediate Examination Paper, 2000, 35 Pages
Author: Thomas Bednarz
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2000
Pages: 35
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V14399
ISBN (E-book): 978-3-638-19814-1

File size: 346 KB


Excerpt (computer-generated)

Das Antikenbild bei Perrault, Winckelmann und Byron

 

 

 


Inhalt

Einleitung 2

I. Perraults Fortschrittstheorie 4

1. Perraults Antikenbild in Le Siècle de Louis le Grand 4

1.1 Zusammenfassung 4
1.2 Kritik 7

2. Fazit 9

II. Winckelmanns Klassizismus 10

1. Winckelmanns Antikenbild in seinen Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst 10

1.1 Zusammenfassung 10
1.2 Kritik 13

2. Fazit 17

III. Perrault und Winckelmann: Eine Gegenüberstellung 18

IV. Byrons Romantik 21

1. Byrons Antikenbild in Childe Harold′s Pilgrimage 22

1.1 Griechenland 22
1.2 Rom 25

2. Der griechische Freiheitskampf 27

V. Byron im Vergleich mit Perrault und Winckelmann: Ähnliche Erkenntnisse, unterschiedliche Interpretationen 29

VI. Schlußbemerkung 31

Literaturverzeichnis 33


 

 


Einleitung

Mit der Renaissance, der "Wiedergeburt der Menschheit durch Wiedergeburt des Menschen der Antike,"1 endet das christliche Mittelalter, das seine Existenz der Abwendung von der heidnischen Antike verdankte, und beginnt die sogenannte Neuzeit. Spätestens seit der Einführung einer "quantitativ orientierten" Naturbetrachtung durch Kepler und Galilei wurde jedoch deutlich, daß die antike Naturwissenschaft, die "die Natur aus qualitativ verschiedenen Kräften zu erklären"2 versuchte, für die moderne als Vorbild nicht geeignet war. Unklar blieb, ob dasselbe für die Kunst galt; in der Querelle des Anciens et des Modernes kam es darüber zu einer Auseinandersetzung zwischen Fürsprechern der antiken Kunst, die diese als vollkommen und somit als Vorbild für die moderne Kunst ansahen, den Anciens, und Verfechtern der Fortschrittsidee, den Modernes.
Ihren Höhepunkt fand die Querelle in Perraults Vortrag seines Le Siècle de Louis le Grand während einer Sitzung der Académie française, der Boileau-Despréaux als Vertreter der Anciens dazu veranlasste, entrüstet den Saal zu verlassen. In dieser Huldigungsadresse verwirft Perrault entschieden die Vorstellung einer Vorbildlichkeit der Antike und setzt ihr eine Fortschrittstheorie entgegen, die Kunst und Wissenschaft gleichermaßen umfaßt. Nach einem Ausgleich mit Boileau relativiert Perrault allerdings seine Ansichten am Schluß des vierten und letzten Bandes seiner Parallèle des Anciens et des Modernes, indem er einräumt, daß die Modernen den Alten in Rede- und Dichtkunst weniger weit überlegen seien als in den übrigen Bereichen. Ergebnisse der Querelle waren schließlich die "[h]istorische Betrachtung der Antike, Distanznahme zur eigenen Modernität und die Einsicht in die absolute Verschiedenartigkeit alter und neuer Kunst"3 und somit auch die endgültige Trennung von Kunst und Wissenschaft.
Für Winckelmann steht diese Trennung von vornherein außer Frage; er sieht Kunst zunächst generell als Nachahmung der schönen Natur. Wie in seinen Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst ersichtlich wird, geht er jedoch davon aus, daß in der Antike, besonders im antiken Griechenland, weitaus mehr Möglichkeiten zur Nachbildung der Schönheiten der Natur bestanden als zu seiner Zeit, weswegen er die Nachahmung antiker Kunstwerke modernen Künstlern als effektivere Alternative empfiehlt. Er schafft auf diese Weise, unterstützt (und kritisiert) von Lessing, zumindest in Deutschland die theoretische Grundlage für den Klassizismus, der sich im ausgehenden 18. Jahrhundert zur vorherrschenden Stilrichtung entwickelte.
Nach dem Scheitern der französischen Revolution fand der Klassizismus in der Romantik allmählich eine Gegenbewegung. Als einem der herausragenden Vertreter dieser Kunstrichtung in England und Mitinitiator der griechischen Unabhängigkeitsbewegung mißfällt Lord Byron insbesondere die kühle, berechnende Art, mit der die Klassizisten ihr antikes Vorbild behandeln; bezeichnenderweise offenbart er seine Ansichten nicht, wie Winckelmann, in einem theoretischen Text, sondern in einem epischen Gedicht: Childe Harold′s Pilgrimage. Die Antike ist für Byron nicht zuletzt der Beweis für die Vergänglichkeit jeder Existenz. Bei ihm steht das Gefühl im Mittelpunkt; Kunstwerke sollen keinen unmittelbaren Zweck erfüllen (etwa als Vorlage), sondern Empfindungen hervorrufen.
Im folgenden sollen die Antikenbilder Perraults, Winckelmanns und Byrons, aber auch deren Vorbedingungen und Konsequenzen, ausführlicher analysiert und miteinander verglichen werden. Die Einschätzung der Bedeutung der Antike steht dabei gegenüber historischer Kenntnis im Vordergrund.


I. Perraults Fortschrittstheorie

[...]


1 Hans Joachim Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Frankfurt 1998; S.285
2 Ibid., S. 282
3 Carsten Zelle, Die doppelte Ästhetik der Moderne, Stuttgart 1995; S. 97


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