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Sport und Kommerzialisierung: Das Beispiel der Fußballbundesliga

Autor: Thomas Bednarz
Fach: Geschichte - Sonstiges

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 31
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 344 KB
Archivnummer: V14400
ISBN (E-Book): 978-3-638-19815-8

Textauszug (computergeneriert)

Sport und Kommerzialisierung:
Das Beispiel der Fußballbundesliga

 

 

 

 

EINLEITUNG 2

DIE VORGESCHICHTE DER BUNDESLIGA 3

Professionalisierungsversuche vor dem zweiten Weltkrieg 3
Semiprofessioneller Fußball unter dem Vertragsspielerstatut: 1948-1963 6
Gegen alle Widerstände: Die Bundesliga wird beschlossen 7

DER PREIS DES SPORTS: DIE GESCHICHTE DER BUNDESLIGA 10

Die Grundlagen der Bundesliga: Bundesligastatut und Auswahlverfahren 10
Die Vor- und Nachteile der finanziellen Beschränkungen 11
Der Bundesliga-Skandal 15
Neue Geldquellen 17
Die Bundesliga nach dem Bosman-Urteil 20

BERUFSFUßBALL ALS SPIEGEL DER LEISTUNGSGESELLSCHAFT? 23

SCHLUßBEMERKUNG 26

LITERATURVERZEICHNIS 29

 

 

Einleitung

Die Fußballbundesliga nahm am 24. August 1963 ihren Spielbetrieb auf. Die im Vergleich zu anderen europäischen Nationen relativ späte Einführung einer Profiliga in Deutschland - in England wurde die professionelle Football League (FL) bereits 1888 gegründet, Ungarn, Österreich und die Tschechoslowakei zogen kurz nach dem ersten Weltkrieg, Italien, Frankreich und Spanien schließlich Anfang der dreißiger Jahre nach 1 - ist sicherlich auch auf die vor allem in Deutschland herausragende Stellung des Amateurismus, der zu Zeiten der Weimarer Republik "von seinen Protagonisten zu einem quasireligiösen Kultprinzip erhoben worden" 2  war, zurückzuführen; daß die ungarischen Brüder Eydinger, die 1919 versuchten, den Berufsfußball in Berlin einzuführen, schon nach sechs Wochen scheiterten 3, war wahrscheinlich nicht zuletzt die Folge grundsätzlicher Vorbehalte gegenüber dem professionell betriebenen Sport. Die späte Bildung einer zentralisierten Spielklasse im deutschen Fußball, deren Gründung schon in den zwanziger Jahren allein aufgrund des für Reisen benötigten Zeitaufwandes nur im Zusammenhang mit einer angemessenen Bezahlung der Spieler möglich erschien 4, kann jedoch nicht einzig mit einem generellen Widerstand gegen das Profitum erklärt werden. Dieser war nämlich selbst in der Weimarer Republik nicht unüberwindbar, und die Formierung einer Reichsliga mißlang in den dreißiger Jahren zweimal nur infolge innen- beziehungsweise außenpolitischer Veränderungen. Die Gründung der Bundesliga stellte letztlich nicht das Ende eines Kommerzialisierungsprozesses im deutschen Fußball, sondern nur eine wichtige Entwicklung in diesem Prozeß dar, der schon lange zuvor begonnen hatte, aber nach 1963 beschleunigt wurde und in der Erlaubnis zur Umwandlung der Vereine in Kapitalgesellschaften seinen (vorläufigen) Höhepunkt fand. Im Folgenden sollen daher neben der Geschichte der Bundesliga, die vor allem unter dem Aspekt der Kommerzialisierung dargestellt wird, auch die zahlreichen früheren Versuche zur Einführung des Berufsfußballs in Deutschland sowie die Einbindung des Profifußballs in die deutsche Gesellschaft beschrieben werden.


Die Vorgeschichte der Bundesliga

Professionalisierungsversuche vor dem zweiten Weltkrieg

Schon auf dem dreizehnten Bundestag des DFB im Juni 1908 endete eine Diskussion über die Einführung des Berufsspielertums ohne Beschluß.5 Als die Frage nach dem professionellen Fußballspieler nach dem ersten Weltkrieg wieder aufkam, wurde die Einführung des Profitums auf einer Bundesausschußsitzung des DFB im April 1919 zwar erneut abgelehnt und statt dessen eine schärfere Kontrolle der Vereine verlangt, aber auf weiteren Sitzungen im Juni und September desselben Jahres beschlossen, das Berufsspielertum unter DFB-Kontrolle zu stellen, sollte es nicht mehr verhindert werden können.6 Die Regeln bezüglich des Amateurismus wurden in den zwanziger Jahren zunächst verschärft - so sollten etwa "Spiele gegen Berufsspieler-Mannschaften […] nur noch in Ausnahmefällen genehmigt werden", bevor sie im Mai 1928 vollständig untersagt wurden 7 - und schließlich nach und nach gelockert: Das Verbot für Spiele gegen Profimannschaften wurde ab Oktober 1928 schrittweise gemildert, und auch die vierzehn Spieler des FC Schalke 04, die am 25. August 1930 vom Westdeutschen Spielverband zu Berufsspielern erklärt und vom Spielbetrieb ausgeschlossen wurden, wurden bereits zum 1. Juni des folgenden Jahres begnadigt 9. Die offizielle Einführung des Berufsspielertums wurde jedoch immer abgelehnt, bis der 35. DFB-Bundestag sie im Oktober 1932 schließlich doch beschloß.10
Auch wenn dieser Beschluß recht überraschend erfolgte, lagen die Gründe hierfür doch auf der Hand. Die Stadien waren trotz hoher (und steigender) Arbeitslosigkeit vor allem in Westdeutschland so gut besucht wie nie zuvor, und nachdem "aus den kleinen Annehmlichkeiten, mit denen die Klubs Spieler anlocken oder halten wollten (etwa mit einem Fahrrad als Geschenk oder der Einrichtung eines Zeitungs- oder Zigarrenladens)" ohnehin längst "ein stetig wachsender Strom an Zahlungen ′unter dem Tisch′ geworden" war, auf den arbeitslos gewordene Spieler schließlich voll und ganz angewiesen waren (der aufgedeckte Fall des FC Schalke 04 war offenbar nur die Spitze eines Eisberges), die Gründung einer Profiliga außerhalb des DFB jedoch vom Süddeutschen Verband verhindert werden konnte, hatte sich der Westdeutsche Verband entschlossen, "ganz offiziell eine Profiliga einzuführen." Da der Profifußball nun augenscheinlich nicht mehr zu verhindern war, besann sich der damalige DFB-Präsident Felix Linnemann auf den bereits 1919 gefaßten Beschluß und befürwortete schließlich die Einführung des Berufsspielertums unter der Kontrolle des DFB. Dieser scheinbar logische Schritt kam jedoch vor allem deshalb unerwartet, weil der finanzielle Erfolg einer Reichsliga (auf deren Gründung dieser Entschluß hinauslief) vor allem für die süddeutschen Vereine alles andere als gesichert erschien. Aus diesem Grund versicherte auch Walther Bensemann, der Herausgeber des Kicker, in der Ausgabe vom 5. Juli 1932, "daß die Sache nun einmal nicht geht."13 Ob die Sache nun gegangen wäre oder nicht, läßt sich nicht dokumentieren, denn obgleich der Westdeutsche Spiel-Verband noch am 22. Januar 1933 - eine Woche vor der Machtergreifung durch Hitler - für eine "′reinliche Scheidung′" von Amateurismus und Professionalismus mit erkennbarer "Präferenz für den Berufsspieler in der höchsten Spielklasse"14 eingetreten war, wurde der für den 28. und 29. Mai 1933 angesetzte außerordentliche Bundestag des DFB, auf dem nach ausführlicher Prüfung der Durchführbarkeit "ein Berufsfußball-Statut und die Einführung einer Reichsliga" beschlossen werden sollte, vier Wochen zuvor abgesagt, da professionell betriebener Sport "den neuen Machthabern verpönt"15 war. Was auch mit der Ideologie, die in der Weimarer Republik gewachsen war, in dieser nicht mehr abgewendet werden konnte - nämlich die Einführung des Profitums in Deutschland - wurde nun von der Nazidiktatur mit schierer politischer Macht verhindert.


Nachdem der DFB von Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten durch die sogenannte Fachsäule Fußball (die 1934 in Reichsfachamt Fußball umbenannt wurde) ersetzt worden war - weiterhin mit Felix Linnemann an der Spitze - wurde das Spielsystem der Deutschen Meisterschaft den veränderten Bedingungen angepaßt. In den neugeschaffenen sechzehn Gauen (1938 kamen infolge politischer Annexionen mit der Ostmark und dem Sudetenland noch zwei weitere hinzu) mußten jeweils zehn Gauklassenmannschaften einen Meister ausspielen; die Gaumeister ermittelten dann in vier Vierergruppen die Halbfinalisten. Im Vergleich zu dem bisherigen Modus mit nur sieben Landesverbänden kam es somit nicht zu einer Konzentration, sondern zu einer weiteren Zerstückelung des Systems, und die heimliche Bezahlung der Spieler wurde fortgeführt. Als die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich - inzwischen zur Demonstration der Zusammengehörigkeit auf Anweisung von Tschammers mit fünf ehemals österreichischen (Profi-)Spielern aus der sogenannten Ostmark besetzt - nach einem 2:4 im Wiederholungsspiel gegen die Schweiz ebenso bereits in der Vorrunde ausschied wie schon zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Berlin (durch ein 0:2 gegen Norwegen), nachdem sie bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien mit einem 3:2-Sieg gegen Österreich noch den dritten Platz belegt hatte, büßte der Fußball bei der Reichssportführung zwar viel von seinem Ansehen ein; zugleich setzte sich bei dieser jedoch - nicht zuletzt aufgrund des diplomatischen Geschicks Josef Herbergers, der im Mai 1938 offiziell die Leitung der Nationalmannschaft vom zurückgetretenen Prof. Dr. Otto Nerz übernommen hatte - die Überzeugung durch, daß sich die Gründung einer professionellen Reichsliga positiv auf die Leistung des Nationalteams auswirken würde. Herberger hatte angedeutet, daß Leistungssteigerungen in anderen Ländern unmittelbar mit dem Bestehen einer Spitzenliga zusammenhingen, und so wurde schließlich auch im Dritten Reich die Einführung einer Reichsliga geplant; eine für Ende August 1939 angesetzte Tagung, auf der die Gründung der Reichsliga beschlossen werden sollte, fiel jedoch aus, und mit Beginn des Krieges einige Tage später endeten die Bemühungen, das System der Deutschen Meisterschaft zu reformieren.16

Semiprofessioneller Fußball unter dem Vertragsspielerstatut: 1948-1963

[...]


1  Siegfried Gehrmann, "Ein Schritt nach Europa: Zur Gründungsgeschichte der Fußballbundesliga" in Sozial- und Zeitgeschichte des Sports 1 / 1992; S. 8.
2 Ibid., S. 17.
3 Der Spiegel 35 / 1963, S. 38.
4 Karl-Heinz Heimann, "Ein langer, steiniger Weg: Profi-Fußball und Bundesliga" in Deutscher Fußball-Bund (Hrsg.), 100 Jahre DFB: Die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes, Berlin 1999; S. 387.
5 "Chronik Deutscher Fußball-Bund 1900-1999" in DFB (Hrsg.), S. 22.
6 Ibid., S. 27.
7 Ibid., S. 30-32.
8 Ibid., S. 33-34.
9 Kicker Sportmagazin (Sonderheft "100 Jahre deutscher Fußball"), November 1999; S. 54.
10 Heimann, S. 390.
11 Ibid., S. 387.
12 Ibid., S. 390.
13 Ibid., S. 390.
14 Karl Adolf Scherer, "′Die Geschichte erwartet das von uns′: Fußball im Dritten Reich" in DFB (Hrsg.), S. 284.
15 Heimann, S. 390.
16 Die Informationen für den letzten Abschnitt wurden entnommen aus: Heimann, S. 387-391; Scherer, S. 283-310; "Chronik Deutscher Fußball-Bund 1900-1999" in DFB (Hrsg.), S. 35-36; Der Spiegel 35 / 1963, S. 37-38.

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