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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 21 Pages
Author: Uwe Sperlich
Subject: Theater Studies
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Derek, Jarmans, BLUE, Film, Performance, Hauptseminar, Performance, Theorie, Geschichte
Year: 2001
Pages: 21
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19854-7
File size: 419 KB
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Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Theaterwissenschaft
SoSe 2001
Hauptseminar: Performance – Theorie und Geschichte
Derek Jarmans B L U E
Ein Film als Performance ?
Uwe Sperlich
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Merkmale von Performances 2
3. Leben und Werk von Derek Jarman 4
3.1. Lebenslauf 4
3.2. Künstlerische Einflüsse 7
4. Entstehungsgeschichte des Film Blue 8
5. Blue 9
5.1. Inhalt 9
5.2. Thematik und Bedeutung der Farbe "Blau" 10
5.3. Performative Aspekte in Blue 11
5.4. Kritische Betrachtung 13
6. Schlußbemerkung 14
Literaturverzeichnis 16
Anhang 19
1. Einleitung
Die Performance-Kunst des ausgehenden 20. Jahrhunderts offenbart sich in den verschiedensten Ausprägungen, von Jérome Bels „The Last Performance“, Xavier Le Roys „Lecture Performance“ und Rebecca Horns Körperskulpturen, über Judith Butlers „Haß spricht“, John L. Austins Sprechakttheorie und Yves Kleins „Anthropometrien“, zu den Wiener Aktionisten, bis hin zu den Selbstverletzungen und Selbstverstümmelungen eines Stelarc oder einer Marina Abramovic. Ausdrücke wie Performance, Aktionskunst und Happening erscheinen austauschbar, denn eine eindeutige Definition scheint nicht möglich. So unterschiedlich wie die einzelnen Performer, sind auch die Gegenstände und Medien, die sie in Ihren Performances verwenden: Von einigen Fleischerhaken, die sich Stelarc in seinen Körper bohrt, um sich daran aufzuhängen, zum Tennisschläger bei Jérome Bel, den Frauen die Yves Klein durch Farbe gezogen hat, um seine „Anthropometrien“ zu schaffen, bis hin zum eigenen Körper, den Xavier Le Roy in seiner Performance eigenartig verformt. Mit der zunehmenden Disponibilität und Transportfähigkeit audio-visueller Medien haben auch sie Einzug in die Performance-Kunst gehalten. Das Medium Film nimmt dabei jedoch eine Sonderstellung ein. Zwar werden Film und Video in Performances integriert und häufig genutzt, doch einen Film alleine sieht man in einer Performance nie, oder fast nie. Dies liegt wohl in der Natur des Mediums Film. Aufgrund der sehr speziellen Nutzung, Herstellung und Aufführungsform scheinen einem Film die Merkmale einer Performance zu fehlen. Doch wie sind diese eigentlich Merkmale abgrenzt? Ein Film kann eigentlich keine Performance sein. Oder vielleicht doch? Diese Frage versucht die vorliegende Arbeit anhand eines konkreten Beispiels zu klären. Derek Jarmans Film Blue weist einige besonders interessante performative Aspekte auf, die einer näheren Betrachtung bedürfen. Hierzu werden zuerst einige wichtige Merkmale von Performances skizziert, dann wird das Leben und Werk von Derek Jarman näher betrachtet. Im Anschluß wird auf die Entstehungsgeschichte des Films Blue eingegangen, die von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Danach wird der Film auf seine besonderen Merkmale hin untersucht. Abschließend sollen die performativen Aspekte des Films herausgearbeitet und kritisch hinterfragt werden.
2. Merkmale von Performances
„Performance ist, wie immer wieder betont wird, undefinierbar; gleichzeitig kann diese Undefinierbarkeit jedoch als eine Definition von Performance verstanden werden.“1 Dieser dialektische Kunstgriff erleichtert nicht gerade die Betrachtung von Performances per se, ja er fordert beinahe dazu auf, jeglichem künstlerischen Werk den Begriff „Performance“ anzuhängen und es damit rein der Interpretation zu überlassen. Es lassen sich jedoch einige Merkmale feststellen, die für eine Performance relevant sind: Als grundlegend gilt die physische Präsenz des Künstlers und damit auch dessen Körper.2 Des weiteren vermischt die Performance die Bereiche Kunst und Leben. Der Alltag wird als Performance inszeniert oder alltägliches fließt in die Performance mit ein.3 Außerdem gibt es in der Performance keine erkennbaren Erzählstrukturen, wie etwa im klassischen Theater oder im Film. Dadurch „verschwindet ein bedeutender Faktor für die lineare Verbindung der einzelnen Zeichen; sie eröffnen somit sehr viel stärker einen assoziativen Raum.“4
Gabriele Brandstetter sieht jedoch durchaus die Möglichkeit Erzählungen in Performances zu verwenden. So setzen etwa Gruppen wie Gob Squad und She She Pop Erzählungen in Ihren Performances ein.5 Aber auch die „Lecture Performance“ von Xavier Le Roy aus dem Jahr 1998 rechnet sie dazu.6
[....]
1 Apfelthaler, Vera: Drag, Performance und das performative Körpergedächtnis: Zur Frage nach einem Gedächtnis des Körpers in Diane Torrs Performance Drag Kings and Subjects. In: Öhlschläger, Claudia und Birgit Wiens (Hrsg.): Körper – Gedächtnis – Schrift. Der Körper als Medium kultureller Erinnerung. Berlin: Schmidt, 1997., S. 237-253. Hier: S. 238.
2 Vgl. Ebd.
3 Vgl. Ebd.
4 Ebd.
5 Vgl. Brandstetter, Gabriele: Geschichte(n) Erzählen im Performance/Theater der neunziger Jahre. In: Fischer-Lichte, Erika (u.a.) (Hrsg.): Transformationen. Theater der neunziger Jahre. Berlin: Theater der Zeit, 1998., S. 27-42. Hier: S. 28.
6 Vgl. Ebd., S. 31 ff.
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