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Exegese, Genesis 4, 1-16 - Kain und Abel

Studienarbeit, 2002, 26 Seiten
Autor: Thomas Schleicher
Fach: Theologie - Biblische Theologie

Details

Veranstaltung: Altes Testament
Institution/Hochschule: Evangelische Fachhochschule Nürnberg (FB Theologie)
Tags: Exegese, Genesis, Kain, Abel, Altes, Testament
Kategorie: Studienarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 26
Note: 2,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V14476
ISBN (E-Book): 978-3-638-19868-4

Dateigröße: 157 KB


Textauszug (computergeneriert)

Exegetische Studienarbeit
Genesis 4, 1 - 16
Abgabetermin: 01.10.2002

Exegese Genesis 4, 1-16 - Kain und Abel

Verfasser:
Thomas Schleicher

 

Inhalt

0 Genesis 4, 1-16  0

1 Persönliche Begegnung  3

2 Textanalyse  4
2.1 Textkritik  4
2.2 Kontextkritik  5
2.3 Vorläufige Textanalyse  7
2.3.1 Textoberfläche  7
2.3.2 Tiefenstruktur  7
2.3.3 Pragmatische Ebene des Textes  8

3 Geschichte des Textes  9
3.1 Literarkritik  9
3.2 Formkritik  10
3.3 Motiv- und Traditionskritik  11
3.4 Überlieferungsgeschichte  11
3.5 Redaktionskritik  12
3.6 Einzelexegese  12

4 Theologische Interpretation  18
4.1 Wirkungsgeschichte  18
4.1.1 Biblische Wirkungsgeschichte  18
4.1.2 Außerbiblische Wirkungsgeschichte  18
4.2 Historischer Ort und Aussageabsicht  19
4.3 Theologische Aussageabsicht heute  21

5 Literaturverzeichnis  22

6 Erklärung  24

1. Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann erworben mit Hilfe des Herrn.
2. Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber ein Ackermann.
3. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes.
4. Und auch Kain brachte von den Erstlingen und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer,
5. aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.
6. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?
7. Ist’s nicht also? Wenn du fromm bist so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor deiner Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.
8. Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.
9. Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich wie nicht, soll ich denn meines Bruders Hüter sein?
10. Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes Deines Bruders schreit zu mir von der Erde.
11. Und nun: Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen.
12. Wenn du den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.
13. Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte.
14. Siehe du treibst mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir’s gehen, dass mich tot schlägt, wer mich findet.
15. Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände.
16. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herren und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.

 

1 Persönliche Begegnung

Kain und Abel – Der Text begegnete mir während meiner Kindheit und Jugend immer wieder und wieder. Jedoch kann ich nicht behaupten, damals ein besonderes Verhältnis dazu gehabt zu haben. Der Text wurde stereotypisch von Pfarrern und Religionslehrern, sowie Betreuern, verwandt, um zu mahnen und dazu aufzurufen, nett zueinander zu sein.

Aufgrund dieser Monotonie verlor ich den Text nach und nach aus den Augen. Er begegnete mir jedoch wieder, als ich mich im Alter von 14 Jahren ausgiebig mit Okkultismus, Parapsychologie und dergleichen beschäftigte. Hier war freilich weniger der reine Wortlaut, als die Interpretation verschiedener Sekten und okkulter Gruppen von großem Interesse, welche sich das Kainsmal auf unheimlichste Weise ausmalten und vorstellten.

Ein weiteres Mal wurde ich auf die Sage von Kain und Abel aufmerksam im Rahmen eines Rollenspieles. Dieses baute sogar seinen ganzen Hintergrund auf besagter Geschichte auf und machte mich dann doch endlich auch auf den Bibeltext neugierig, den ich zunächst auch begierig las, dann jedoch feststellen musste, dass es mir für eine hintergründige Interpretation an Fachwissen fehlte.

Aus eben diesem Grund ist diese Exegese eigentlich eine Art Höhepunkt meiner Geschichte mit Kain und Abel, da ich nun versuchen kann, den Text wissenschaftlich und realistisch auszulegen und zu interpretieren. Allerdings gestaltete sich dies eher schwierig. Zwar kam ich leicht an Informationen, jedoch das Zuordnen dieser auf die einzelnen Teilbereiche der Arbeit war doch nicht einfach. Es gab viele Überschneidungen und Wiederholungen von diversen Informationen, was teilweise verwirrend war.

2 Textanalyse

2.1 Textkritik

Bei der Betrachtung des Textes Genesis 4, 1-16 stechen nur wenige markante Auffälligkeiten ins Auge, die jedoch, übersetzungsspezifisch eben, Unterschiede mit sich bringen können.


1. Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des HERRN. Die erste Hürde auf dem Weg zum textgeschichtlichen Original stellt der Ausspruch Evas, nachdem sie Kain zur Welt brachte, dar.

Luther übersetzt an dieser Stelle: „Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des Herrn.“ Der masoretische Text überliefert dazu passend „mit dem Herrn“, während die Einheitsübersetzung „erworben vom Herrn“ übersetzt. Eine weitere Version dieser Zeile aus der Übersetzung der Bibel durch Rosenzweig und Buber lautet „Kaniti – erworben habe ich mit IHM einen Mann.“ Die Wuppertaler Studienbibel übersetzt gar: „Ich habe erschaffen einen Mann, den Jahwe.“

Die Festlegung an dieser Stelle fällt nicht leicht. Die Übersetzungen klaffen auseinander auf Grund eines wesentlichen Unterschiedes im Bezug auf die etymologische Wurzel des Namens Kain, nämlich „qanâh“. In der Übersetzung tun sich vorwiegend zwei Möglichkeiten auf:


a) Einerseits das (käufliche) Erwerben, andererseits kann jedoch auch das göttliche schöpferische Tun gemeint sein. Blickpunkt der Übersetzungen mit diesem Hintergrund liegt auf der zentralen Mitwirkung Gottes an der Entstehung Kains, also am Erwerben eines Sohnes von Gott.1

b) Die zweite Möglichkeit betont den Schaffensaspekt der Menschlichen Natur, also dem Mitwirken und gehörigen Anteilnahme an der Schöpfung neuen Lebens.

Die bessere, zumindest stimmigere, Version ist, meiner Meinung nach, die erste, da die Formulierungen, die auf Lösung b) zurückgehen meist Übersetzungen nach sich ziehen, die nicht sehr stimmig erscheinen (siehe Wuppertaler Studienbibel; persönliche Meinung)

[....]


1 Vgl. Zürcher Kommentare; S. 208


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