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Der Führer ruft mich - Der Bund Deutscher Mädel in autobiographischen Zeugnissen von Carola Stern, Margarete Hannsmann, Eva Zeller, Melitta Maschmann und Renate Finckh

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 27 Pages
Author: Gesine Aufdermauer
Subject: Cultural Studies

Details

Event: ...Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studieren abhalten.
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Philosophische Fakultät 3)
Tags: Führer, Bund, Deutscher, Mädel, Zeugnissen, Carola, Stern, Margarete, Hannsmann, Zeller, Melitta, Maschmann, Renate, Finckh, Ursachen, Geschlecht, Studieren
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V14508
ISBN (E-book): 978-3-638-19888-2

File size: 196 KB


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Institut für Kulturwissenschaft
WS 2002/03

HS „...Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studieren abhalten.“

Der Führer ruft mich

Der Bund Deutscher Mädel in autobiographischen
Zeugnissen von Carola Stern, Margarete Hannsmann, Eva
Zeller, Melitta Maschmann und Renate Finckh

Gesine Aufdermauer

 

Inhalt

1. Das tanzende Hakenkreuz S. 3

2. Spuren der Vergangenheit: Autobiographien als Quellen und Zeitzeugnisse S. 4

3. Zur Geschichte des BDM S. 6

4. „Und ihr im BDM erzieht mir die Mädel zu starken und tapferen Frauen“ S. 8
4.1 Sport, Spiel und Heimabend: Die Aktivitäten des BDM S. 10

5. Mädchen im BDM S. 11
5.1 „Er war besessen davon zu dienen“: Familiäre Hintergründe S. 11
5.2. Der Eintritt S. 14
5.3 Sport, Singen und die Fahrt S. 16
5.4 Heimabende S. 18
5.5 Bescheidene Karrieren S. 19
5.6 Gemeinschaft, Kameradschaft und das Rufen des Führers S. 21

6. Fazit S. 25

7. Verwendete Literatur: S. 27

 

1. Das tanzende Hakenkreuz


„1938 war für den Bund deutscher Mädel Höhepunkt seiner Arbeit. Die Mädel ernteten auf dem Parteitag den stärksten Beifall. 5.200 Mädel brachten durch Mädeltänze von lieblicher Schönheit und strahlender Buntheit in den Parteitag eine anmutige weibliche Note. (...) Es war die Stunde der jungen Mädel, die sich hier im Schaufenster der Nation bewährten und in so begeisternder Eindringlichkeit Ausschnitte ihrer Arbeit zeigten.“1

Anmutige Tänze reizender Mädels als Gegensatz zur „harten männlichen Darstellung vorheriger Parteitage“,2 solche Bilder sind es, die zumeist im Zusammenhang mit dem Bund deutscher Mädel3 gesehen werden, Tänze als Ausschnitt aus der Arbeit des BDM, als Beitrag zu einer Massenveranstaltung der NSDAP. Das Betrachten der Masse wirft aber dennoch sofort die Frage nach dem einzelnen auf, dem einzelnen Mädel, das sich hier den Parteispitzen präsentiert.


„Ist es auf dem Erntedankfest in Droyßig, (...) dass wir ein riesiges Hakenkreuz auf einer riesigen Fläche tanzen, ein lebendes, aufstampfendes, atmendes, singendes Hakenkreuz, ich am alleräußersten Ende an einem der vier gleich langen Balken, stampfend, atmend, singend, mich um mich selber drehend, den Tränen nahe, weil die Führerin, die Dompteuse, mich durch ihr Mikrofon anbrüllt: Noch einmal aus der Reihe getanzt da links außen und du fliegst raus?“4

Dennoch übte der BDM eine Faszination auf die jungen Mädchen aus. „Bei den Jungmädeln war das ganz anders. Hier waren alle neu und wollten etwas Neues. Hier gab es Spiel, Sport und Spaß. Hier konnte sie sich mit all ihren Fähigkeiten einbringen.“5 Dass sich die Fähigkeiten nicht im Aufführen von Tänzen erschöpften, ist offensichtlich, Spiel, Sport und Spaß, vielleicht liegt hierin ja die Antwort auf die Frage nach Reiz und Faszination? Das individuelle Erleben der einzelnen soll im Vordergrund dieser Arbeit stehen. Das Betrachten von autobiographischen Zeugnissen jener Zeit ermöglicht ein Verstehen, welches bei dem Studium der bloßen Fakten oder dem Lesen eingangs erwähnter Artikel verwehrt bleibt. Systematisch sollen einzelne Aspekte der Arbeit des BDM untersucht und mit den Aussagen und Erinnerungen der Frauen mit Leben gefüllt werden.

Die Spannung ergibt sich hierbei in den häufig konträren Empfindungen von Führern und Geführten, wie das Erleben von Eva Zeller beim Tanzen des Hakenkreuzes schon zeigt. Begrenzt werden soll diese Untersuchung auf die Zeit von 1933 bis etwa 1939, wo Kriegsbeginn und die endgültige Verstaatlichung der Hitlerjugend und des BDM durch den Wegfall des Momentes der Freiwilligkeit die Arbeit und den Reiz grundlegend veränderten. Die in den Autobiographien beschriebenen Eindrücke und Erlebnisse sollen dabei die Themen bestimmen. Ziel kann es nicht sein, das Unmenschliche und Grauenhafte des Dritten Reiches zu ergründen und zu erklären. Es soll jedoch versucht werden, die Gefühle der jungen Mädchen zu untersuchen. Die Begrenzung der Arbeit auf die Zeit vor Beginn des Krieges erscheint auch deshalb sinnvoll, weil hier das Fundament gelegt wurde, auf dem die Unterstützung des Regimes gründete, die bei den jungen Mädchen häufig ungebrochen bis 1945 anhielt.

Überraschend wird es sein, dass einige Aspekte, wie die Verfolgung von Juden und das begangene Unrecht in den Hintergrund treten. Doch auch hier soll den Erinnerungen der Frauen gefolgt werden, die solche Geschehnisse im Zusammenhang mit dem BDM kaum erwähnen.

2. Spuren der Vergangenheit: Autobiographien als Quellen und Zeitzeugnisse

Viele Gründe gibt es, seine Autobiographie zu schreiben, das Weitergeben des Erlebten an die Nachkommen, der Wunsch, persönliche Geschichte darzustellen. Autobiographien von Frauen, die ihre Jugend unter Hitler verbrachten, sind rar. Neben den Zeugnissen ehemaliger Führerinnen6 finden sich nur wenige Berichte von „Geführten“. Diese Arbeit wird sich auf den Bericht von Melitta Maschmann „Fazit- kein Rechtfertigungsversuch“7 beziehen, in dem die Autorin, an eine ehemalige jüdische Klassenkameradin gewandt, versucht, eine Antwort zu finden „auf die Frage, welche Gründe junge Menschen damals veranlaßt haben, Nationalsozialisten zu werden.“8 Auch ihre Antwort kann nur eine individuelle sein, eine einzigartige, doch sie kann uns eine Ahnung davon geben, in welchem Umfeld die damalige Jugend heranwuchs. Melitta Maschmann nimmt in den zu behandelnden Autobiographen eine Sonderstellung ein, da sie innerhalb des BDM Karriere machte. Dieser Weg soll allerdings nicht weiter untersucht werden, auch hier soll das Augenmerk auf den Eintritt in den BDM liegen, die Faszination, die von ihm ausging.

[....]


1  „Der Illustrierte Beobachter“, 8. September1938, zitiert aus: Jutta Rüdigers, Ein Leben für die Jugend, Deutsche Verlagsgesellschaft Preußisch Oldendorf, 1999, S.63
2  ebd.
3  Im folgenden BDM genannt, eine Unterscheidung in JM (Jung Mädel) und Bund deutscher Mädel soll nur an relevanten Stellen vorgenommen werden
4  Eva Zeller, Solange ich denken kann, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1981, S. 222
5  Barbara Leisner, Sophie Scholl, List Taschenbuch Verlag, München, 2000, S. 63
6  vgl. Jutta Rüdigers, deren erwähntes Buch vor allem dem Zwecke dient, die Unschuld des BDM zu beweisen
7  Melitta Maschmann, Fazit- kein Rechtfertigungsversuch, Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, 1963
8  Maschmann, a.a.O., S.16


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