In der vorliegenden Arbeit untersuche ich lesbisches „coming-out” in fiktionalen Texten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nach inhaltlichen und formalen Gesichtspunkten. Ziel meiner Arbeit ist es, anhand exemplarischer Textuntersuchungen zu beschreiben, mit welchen inhaltlichen Konzepten und narrativen Darstellungsformen lesbisches „coming-out” literarisch umgesetzt wird, und zu hinterfragen, ob zwischen den Konzepten und Darstellungsformen aller Texte des Textkorpus ein schematischer Zusammenhang besteht. Des weiteren werde ich untersuchen, ob in den Texten ähnliche oder gleiche Handlungsmuster und Geschehensverläufe, gemeinsame Zeit-, Raum- und Figurenkonstellationen, eventuell stereotype Figurencharakterisierungen und andere gemeinsame Details auftreten. Ein weiteres Ziel ist es, mit der vorliegenden Arbeit einen Überblick über die zeitgenössischen Veröffentlichungen mit lesbischer „coming-out”-Thematik zu bieten.
Im literaturwissenschaftlichen Kontext knüpft diese Untersuchung an mehrere Magistra-Arbeiten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich lesbischer Thematik sowie an die Dissertationen von Madeleine Marti und Birgit Waberski an, die mit ihren Untersuchungen einen umfangreichen Überblick über die letzten fünf Jahrzehnte lesbischer Geschichte und deutschsprachiger Literatur mit lesbischer Thematik bieten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Erläuterung der Begriffe Lesbe, lesbisch und „coming-out”
1.1. Lesbe, lesbisch
1.2. „coming-out”
2. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out” als Haupthandlung
2.1. Lesbisches „coming-out” von Jugendlichen
2.1.1. Pit Umber: Eine Liebe in Ostpreußen
2.1.2. Angelika Mechtel: Liebe Pia - liebe Tochter – Anne Köpfer: Errol Flynn hat nie geweint
2.1.3. Susanne Fülscher: Vielleicht wird es ein schöner Sommer
2.1.4. Meredith Sommer: Mal langsam, Baby!
2.1.5. Fazit: Lesbisches „coming-out” von Jugendlichen
2.2. Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
2.2.1. Heidi Hassenmüller: Warten auf Michelle
2.2.2. Martina Müller: Tauwetter in St. Louis
2.2.3. Petra Urban: Die Maulwürfin
2.2.4. Fazit: Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
2.3. Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
2.3.1. Manuela Kuck: Lindas Entscheidung
2.3.2. Elke Vesper: Von wegen easy
2.3.3. Fazit: Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
2.4. Fazit und Auswertung der Untersuchungsergebnisse für Texte mit lesbischem „coming-out” als Haupthandlung
3. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out” als Nebenhandlung
3.1. Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
3.1.1. Gabriele Gelien: Eine Lesbe macht noch keinen Sommer
3.1.2. Lisa Pei: Die letzte Stunde
3.1.3. Karin Rick: Der Rückfall
3.1.4. Fazit: Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
3.2. Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
3.2.1. Manuela Kuck: Neue Zeiten für Linda
3.2.2. Nicole Müller: Denn das ist das Schreckliche an der Liebe
3.2.3. Fazit: Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
3.4. Fazit und Auswertung der Untersuchungsergebnisse für Texte mit lesbischem „coming-out” als Nebenhandlung
4. Abschluß und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das lesbische „coming-out” in fiktionalen Texten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ziel ist es, inhaltliche Konzepte und narrative Darstellungsformen zu analysieren und zu prüfen, ob es schematische Zusammenhänge zwischen den Texten im Korpus gibt sowie einen Überblick über zeitgenössische Veröffentlichungen zu diesem Thema zu geben.
- Literarische Umsetzung des lesbischen „coming-out” (inhaltlich & formal)
- Einfluss von Lebenswelt und gesellschaftlichem Kontext auf das „coming-out”
- Vergleich von Handlungsmustern und Figurenkonstellationen
- Kategorisierung nach Haupt- und Nebenhandlung sowie Alter/Familienstand
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Pit Umber: Eine Liebe in Ostpreußen
Der zeithistorische Roman „Eine Liebe in Ostpreußen” von Pit Umber, der im Präteritum und in auktorialer Erzählsituation unter Einhaltung der Chronologie der Ereignisse erzählt wird, spielt von Juni 1944 bis einschließlich Januar 1945 in Ostpreußen. Die Hauptfiguren des Textes, die auch die Blickwinkel liefern, aus denen erzählt wird, sind Antonia und Edith, wobei ein perspektivisches Übergewicht auf Antonias Seite besteht. Die Ende 1922 geborene Antonia Treskow, auch kurz Toni genannt, ist Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers. Sie führt nach dem Tod ihres Vaters gegen den Willen ihrer Mutter das Gut Treskow weiter.
Gleich zu Beginn des Romans wird erzählt, daß Antonia sich nach einer zufälligen Begegnung in Edith Romeike verliebt, die drei Jahre jünger ist als Antonia und mit ihrem Vater, einem SS-Ortsgruppenleiter, in Schloßwalde, einem Nachbarort von Gut Treskow, lebt. Antonias Gefühle werden von Edith erwidert, und beide bilden nach kurzer Zeit ein lesbisches Paar. Beide jungen Frauen machen in dieser lesbischen Beziehung ihre ersten Erfahrungen mit Liebe und Sexualität.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Definition des Forschungsgegenstandes und Vorstellung des Textkorpus sowie methodischer Ansatz.
1. Erläuterung der Begriffe Lesbe, lesbisch und „coming-out”: Theoretische Herleitung der verwendeten Begriffe und Definition des Untersuchungsrahmens.
2. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out” als Haupthandlung: Analyse von fünfzehn Texten, in denen das „coming-out” das zentrale Handlungselement bildet.
3. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out” als Nebenhandlung: Untersuchung von neunzehn Texten, in denen lesbisches „coming-out” als episodisches Element auftritt.
4. Abschluß und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Forschungslücke im Kontext von Gender-Studien.
Schlüsselwörter
lesbisches „coming-out”, deutschsprachige Gegenwartsliteratur, fiktionale Texte, weibliche Homosexualität, Identitätsfindung, literarische Darstellung, heterosexuelle Normierung, Erzählsituation, Lebenswelten, Figurenkonstellationen, lesbische Identität, Textanalyse, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie lesbisches „coming-out” in zeitgenössischer fiktionaler deutschsprachiger Literatur inhaltlich und formal dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des „coming-out”, die narrativen Darstellungsformen sowie der Einfluss gesellschaftlicher Normen auf die literarischen Figuren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein schematisches Verständnis für die literarische Umsetzung des lesbischen „coming-out” zu entwickeln und einen Überblick über einschlägige zeitgenössische Literatur zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden exemplarische Textuntersuchungen an einem Korpus von insgesamt 34 fiktionalen Prosatexten vorgenommen, kategorisiert nach Haupt- und Nebenhandlung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen von Texten, in denen das lesbische „coming-out” die Haupthandlung trägt, und solchen, in denen es als Nebenhandlung fungiert, unterteilt nach dem Alter und dem Familienstand der Protagonistinnen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „coming-out”, „Lesbe”, „lesbisch”, „Identitätsfindung”, „heterozentristisches Umfeld” und „fiktionale Literatur”.
Warum ist die Analyse der „Flämmchen”-Kapitel im Roman von Lisa Pei relevant?
Sie sind relevant, da sie die Vergangenheit der Protagonistin beleuchten und erst gegen Ende der Haupthandlung als Teil der Identitätsentwicklung der lesbischen Hauptfigur Juliane Valentin identifizierbar werden.
Welche Besonderheit weist der Roman von Nicole Müller formal auf?
Der Roman besteht aus 498 zumeist kurzen, fortlaufend numerierten Abschnitten, die nicht chronologisch geordnet sind, und spielt mit der Identität der Ich-Erzählerin, die sich als Autorin des Textes ausgibt.
- Quote paper
- M.A. Sabine Lommatzsch (Author), 1998, Lesbisches "coming-out" in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Konzepte und Darstellungsformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14524