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Die Cubicula der Villa der Mysterien

Zwischenprüfungsarbeit, 2003, 39 Seiten
Autor: Britta Heidel
Fach: Archäologie

Details

Veranstaltung: Bestimmungsübung, Proseminar
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Klassische Archäologie)
Tags: Cubicula, Villa, Mysterien, Bestimmungsübung, Proseminar
Kategorie: Zwischenprüfungsarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 39
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V14607
ISBN (E-Book): 978-3-638-19961-2
ISBN (Buch): 978-3-638-90976-1
Dateigröße: 1073 KB
Anmerkungen :
Ohne Deckblatt, Literaturangaben und Internetseiten, Bildnachweise


Zusammenfassung / Abstract

In der Archäologie besteht die Schwierigkeit, eine eindeutige Verbindung zwischen den Bezeichnungen und die damit verbundene Deutung von Wohnräumen und ihre Funktion innerhalb des Hauses klar darzustellen. Der Archäologe steht hierbei vor zwei schwerwiegenden Problemen: I. Auftretende Missverständnisse bei der Verwendung antiker Termini in der Gleichsetzung von alten und neuen Bezeichnung von Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs. II. Problem der über Deskription hinausgehenden Anwendung antiker Termini und ihre Übertragung auf archäologische Funde. Im neuzeitliche Denken wird seit Beginn des 18. Jahrhunderts im europäischen Raum in der Wohnkultur eine klare Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz vorgesehen. Auch eine konkrete Trennung zwischen öffentlichen und privaten Räumen findet erst in dieser Zeit statt. So werden den Gemächern differenzierte Funktionen zugewiesen. Eine Anwendung dieser Vorstellung auf ein antikes Wohnhaus ist nicht möglich und spiegelt diese Gegebenheiten nur unzureichend wieder. Anhand der Wanddekoration der einzelnen Räume und Ihrer qualitativen Gestaltung wird ersichtlich, welche Bedeutung diesen Gemächern beigemessen wurde. In detektivischer Kleinarbeit wird erst deutlich, welche Räume der Öffentlichkeit zugänglich und welche Privatgemächer waren. Leider ist die ursprüngliche Dekoration der Mysterienvilla nur zum Teil bekannt. Einige Wandmalereien sind durch Neue ersetzt worden oder es wurden nicht alle Wände des 2. Stils in der Literatur berücksichtigt. Die Cubicula 19 bis 21 weisen laut Beyen hauptsächlich konservative Malereien vor und zählen zu den unbedeutenen und schlecht erhaltenen Zimmern. So sind vorwiegend Abbildungen der besser erhaltenen Dekorationen der Prunkräume im Westtrakt publiziert worden.


Textauszug (computergeneriert)

Die Cubicula der Villa der Mysterien

Britta Heidel

 

Inhaltsverzeichnis

1. Schwierigkeit der Anwendung der antiken Termini  4
1.1 Die römische Wohnkultur  4
1.2 Bedeutung der Cubicula  5

2. Die Villa der Mysterien 6
2.1 Lage und Entdeckung  6
2.2 Ursprünglicher Aufbau und ihre Umbauphasen  8

3. Künstlerische Gestaltung der „Ruheräume“ in der Villa der Mysterien  10
3.1 Merkmale des zweiten Stils  10
3.2 Cubiculum 3..11
3.3 Cubiculum 4..14
3.4 Cubiculum 8..21
3.5 Cubiculum 16..22

4. Die Stellung der Cubicula zu den jeweiligen Prunkräumen der Villa der Mysterien  24

I. Literaturnachweis  26

II. Internetseiten  27

III. Bildnachweise  28

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ausschnitt des Stadtplans von Pompeji  28
Abbildung 2: Groß Statue der Livia, wurde in der Nordostecke des Peristyls gefunden  28
Abbildung 3: Plan Bau 1. Hälfte 2. Jh. v. Chr  29
Abbildung 4: Rekonstruktion Bau 1. Hälfte 2. Jh. v. Chr.  29
Abbildung 5: Plan Endzustand,Umbau in augusteischer (und tiberischer) Zeit  30
Abbildung 6, Rückwand des Cubiculum 3  ..30
Abbildung 7: Isistempel in Pompeji, Region VIII, 8, 28 ..31
Abbildung 8, Linke Seitenwand und Rückwand des Cubiculum 3..31
Abbildung 9, Alkoven A des Cubiculum 4 ..32
Abbildung 10 : Rechte Seitenwand und Rückwand des Cubiculum 4 ..32
Abbildung 11 : Darstellung der Priesetrin auf der Rückwand des Alkovens A im Cubiculum 4..33
Abbildung 12 : Darstellung des Satyr von der rechten Seitenwand des Alkoven A aus dem Cubiculum 4..33
Abbildung 13: Opfer des Priapos auf der linken Seitenwand des Alkovens A aus dem Cubiculum 4..34
Abbildung 14 : Teilausschnitt des Alkoven B des Cubiculum 4..34
Abbildung 15 : Pinax  35
Abbildung 16 : Alkoven A und B des Cubiculum 8 ..35
Abbildung 17 : Rückwand des Alkoven A aus dem Cubiculum 8..36
Abbildung 19 : Rechte Eckdarstellung des Alkoven A aus dem Cubiculum 16 ..37
Abbildung 20: Rückwand des Alkoven B des Cubiculum 16 ..37
Abbildung 21: Seitenwand des Alkoven B des Cubiculum 16 ..38
Abbildung 22: Villa die Misteri – Mitte 1. Jahrhundert v. Chr.  38
Abbildung 23: Mosaikgestaltung in einem der Räume der Mysterienvilla  39
Abbildung 24 : Fragment aus dem Alkoven 11 des Raumes 11 bis 14 ..39
Abbildung 25 : Fragment aus dem Alkoven 14 des Raumes 11 bis 14 ..39

 

1. Schwierigkeit der Anwendung der antiken Termini

In der Archäologie besteht die Schwierigkeit, eine eindeutige Verbindung zwischen den Bezeichnungen und die damit verbundene Deutung von Wohnräumen und ihre Funktion innerhalb des Hauses klar darzustellen. Der Archäologe steht hierbei vor zwei schwerwiegenden Problemen:


I. Auftretende Mißverständnisse bei der Verwendung antiker Termini in der Gleichsetzung von alten und neuen Bezeichnung von Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs.

II. Problem der über Deskription hinausgehenden Anwendung antiker Termini und ihre Übertragung auf archäologische Funde.

Im neuzeitliche Denken wird seit Beginn des 18. Jahrhunderts im europäischen Raum in der Wohnkultur eine klare Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz vorgesehen.1 Auch eine konkrete Trennung zwischen öffentlichen und privaten Räumen findet erst in dieser Zeit statt. So werden den Gemächern differenzierte Funktionen zugewiesen. Eine Anwendung dieser Vorstellung auf ein antikes Wohnhaus ist nicht möglich und spiegelt diese Gegebenheiten nur unzureichend wieder.

Anhand der Wanddekoration der einzelnen Räume und Ihrer qualitativen Gestaltung wird ersichtlich, welche Bedeutung diesen Gemächern beigemessen wurde. In detektivischer Kleinarbeit wird erst deutlich, welche Räume der Öffentlichkeit zugänglich und welche Privatgemächer waren.

Leider ist die ursprüngliche Dekoration der Mysterienvilla nur zum Teil bekannt. Einige Wandmalereien sind durch Neue ersetzt worden oder es wurden nicht alle Wände des 2. Stils in der Literatur berücksichtigt. Die Cubicula 19 bis 21 weisen laut Beyen hauptsächlich konservative Malerein vor und zählen zu den unbedeutenen und schlecht erhaltenen Zimmern.2 So sind vorwiegend Abbildungen der besser erhaltenen Dekorationen der Prunkräume im Westtrakt publiziert worden.

1.1 Die römische Wohnkultur

Die stadtrömische Wohnung und auch die ländliche Villa spielte im sozialen Leben des Dominus die Hauptrolle. Es war somit zum großen Teil auch Schauplatz seiner negotia. Im Zent-rum des Hauses, dem großen Atrium, das meist sehr repräsentativ ausgestattet war, war für die römische Oberschicht die Bühne des gesellschaftlichen Lebens. Hier empfingen am Morgen die Angehörigen der römischen Nobilität ihre Geschäftsfreunde, Juristen und das mit ihr eng verbundene Klientel, die Anhängerschaft. Alles geschah nicht ohne aufwendiges Zeremoniell, das wiederum das politische wie gesellschaftliche Ansehen des Hausherrn widerspiegelte. Das Wohnhaus, gerade das der römischen Oberschicht, war also mehr ein öffentlicher Raum als ein privater, der Zurückgezogenheit und Intimität gewährte. Die Häuser stellten somit den gesellschaftlichen Status ihrer Besitzer dar.

Die architektonische Plangestaltung und Formensprache sowie die Ausstattung wurden von diesem funktionalen Aspekt mitbestimmt. Gemäß Viturv 6.5.1-3 sollte in einem optimalen Haus der Oberschicht eine konkrete Teilung zwischen „öffentlichen Räumen“ (loca communica) und „privaten Gemächern“ (loca properia patribus familiarum) erfolgen.3 Diese Teilung und die Anordnung der öffentlichen Gemächer im Westflügel des Hauses waren ausschlaggebend über die soziale Stellung des Eigentümers. Allerdings wurde hier keine explizite Zuordnung Frauengemächern, Kinderzimmer etc. durchgeführt. Es erfolgte somit nur eine Teilung zwischen Privat- und Repräsentationsräumen.

Vestibulum, Atrium, Tablinum und Peristyl waren für unerwartete Gäste zugänglich und zählten zu den öffentlichen Zimmern. Während dessen waren Oeci, Triclinia und Cubicula nur für geladene Gäste (invitati) vorgesehen. Diese Gemächer blieben teilweise durch Vorhänge, Türen den Blicken der Menge verborgen oder Wachen versperrten unerwünschten Gästen den Zugang.4 Die privaten Zimmer waren also für die Abwicklung von negotia, kleineren Gesellschaften und Geselligkeiten vorgesehen. Welche Rolle spielten die Cubicula und worum handelt es sich bei diesen Räumlichkeiten?

1.2 Bedeutung der Cubicula

Die deutsche Übersetzung des Wortes cubiculum als „Schlafzimmer“ ist eher irreführend. Die Bezeichnung hebt lediglich die Möblierung hervor und gibt aber weniger Aufschluß über eine spezifische Nutzung. Da die Ausstattung mindestens eine Kline umfaßt, wird hier die Körperhaltung umschrieben, in der das Zimmer benutzt wurde.

[....]


1 J. Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, 10. Auflage, Darmstadt 1979, S. 42 - 44

2 Dr. H. G. Beyen: Die Pompejanische Wanddekoration - Vom zweiten bis zum vierten Stil, Band 1, Den Haag 1938, S. 63

3„Cum ad regiones caeli ita ea fuerint disposita, tunc etiam animadvertendum est, quibus tationibus privatis aedificiis propria loca patribus familiarum et quemadmodum communica cum extranis aedificari debeant...“ Vitruv 6.5.1-3 Vituv: Bücher über Architektur, Übersetzung: Dr. Curt Fensterbusch, Darmstadt 1964, S.283

4 Andrew Wallace-Hadrill: The social structure of the roman house, in Papers of the British School at Rome 1988, S.78


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