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Thesis (M.A.), 2003, 103 Pages
Author: Nicola Nowak
Subject: American Studies - Culture and Applied Geography
Details
Tags: Times, They, A-Changin, Pop-, Rockmusik, Jahre
Year: 2003
Pages: 103
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19965-0
ISBN (Book): 978-3-638-72327-5
File size: 803 KB
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Abstract
Gesellschaftlich-politische Realität einerseits und kulturelle Entwicklung andererseits verhalten sich auf vielfältige Weise zueinander. Für die 50er und 60er Jahre in den USA wird in der vorliegenden Arbeit die populäre Musik als Teil der allgemeinen kulturellen Entwicklung untersucht. Man kann vermuten, dass das Gesellschaftliche das Kulturelle, hier die Popmusik, dominiert und dass die kulturelle Entwicklung der gesellschaftlichen folgt. Auf das Reagieren reduziert, bliebe die Wirkung populärer Musik gerade in dieser Zeit unterschätzt. Besonders während der 50er und 60er Jahre hat sie allem Anschein nach relativ stark auf das politische und soziale Leben des Landes eingewirkt. So wird man letztendlich von einer wechselweisen Beeinflussung und Abhängigkeit beider Bereiche ausgehen müssen. Besonders für die „schnelllebige“ Popmusik gilt – wie für jede andere Modeerscheinung auch –, dass sie nicht für sich stehen und klassisch alle Zeiten überdauern kann, sondern vielmehr im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Bewegungen und Bedingungen gesehen werden muss: Dazu gehören die technischen Entwicklungen und die materiellen Möglichkeiten eines jeden Einzelnen ebenso wie die Entwicklung sozialer Konflikte und die ökonomischen Bedingungen, unter denen die Musik publiziert und vertrieben wird. Ein „musikalisches“ Verhalten, das nicht zugleich auch soziales, kulturelles, technisches und kommerzielles Verhalten ist, gibt es dabei ebenso wenig, wie umgekehrt soziale Konflikte (auch) über das Medium Popmusik ausgetragen werden. Soziokulturelle Beziehungen lassen sich methodisch am erfolgreichsten verfolgen, wenn Brüche/Übergänge bisherige Zustände und Beziehungen verändern. Deshalb konzentriert sich mein Untersuchungszeitraum im Kern auf die Jahre 1953-1965. Während dieser Zeit sind zwei signifikante Umbrüche zu verzeichnen, die sich gezielt analysieren lassen: die Entwicklung des Rock’n’Roll und der Übergang vom traditionellen Folksong zum (Folk-)Rock vor allem durch Bob Dylan. Folgende Fragen werden meine Untersuchungen leiten: Wie reagieren unterschiedliche Bereiche wie Rassenproblematik, Politik, Musikszene usw. aufeinander? Wie reagiert die Popmusik auf den allgemeinen Wandel? Reagiert auch die Gesellschaft auf Stilwechsel in der Musik? Welche sozialen Gruppen sind an kulturellen und sozialen Prozessen in welcher Weise beteiligt? Warum entwickelte sich der Rock’n’Roll so erfolgreich? Warum erlebt der Folksong einen Niedergang?
Excerpt (computer-generated)
Abschlussarbeit
zur Erlangung der Magistra Artium
im Fachbereich Amerikanistik
der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Institut für England- und Amerikastudien
Thema:
„The Times They Are A-Changin‘“
Musik und Gesellschaft: Pop- und Rockmusik
in den USA der fünfziger und sechziger Jahre
vorgelegt von
Nicola Nowak
20. Januar 2003
Inhalt
1 Einleitung ... 4
1.1 Die fünfziger Jahre ... 9
1.2 Die sechziger Jahre ... 11
2 „Rock Around The Clock“ – Zur Geschichte des Rock’n’Roll ... 14
2.1 „Sh-Boom“ – Die Vorläufer des Rock’n’Roll ... 14
2.1.1 Blues ... 14
2.1.2 Country ... 17
2.1.3 Rhythm & Blues ... 19
2.2 „Roll Over Beethoven“ – Zur Entwicklung des Rock’n’Roll ... 21
2.2.1 Die Anfänge des Rock’n’Roll ... 21
2.2.1.1 Verbreitung von Musik und LifeStyle ... 23
2.2.1.2 Rock’n’Roll-Gegner ... 24
2.1.2.3 Rock’n’Roll-Helden ... 26
2.2.2 Elvis Presley – „The King of Rock’n’Roll“ ... 26
2.2.2.1 „Jailhouse Rock“ (1957) ... 32
2.2.2.2 „In The Ghetto“ (1969) ... 35
2.2.3 Das Ende des wahren Rock’n’Roll ... 37
3 „The Times They Are A-Changin′“ – Bob Dylan 1961-1966 ... 39
3.1 Zu den Anfängen Bob Dylans ... 39
3.2 Bob Dylan als Protestsänger ... 42
3.2.1 Die Bürgerrechtsbewegung ... 42
3.2.2 „The Death of Emmett Till“ (1962) ... 44
3.2.3 „Blowin’ in The Wind“ (1962) ... 49
3.2.4 „The Times They Are A-Changin’“ (1963) ... 51
3.3 Der neue Bob Dylan ... 53
3.3.1 Krise im Herbst 1963 ... 54
3.3.2 „Another Side of Bob Dylan“ ... 58
3.3.2.1 Abschied von der Politik? ... 58
3.3.2.2 Newport Festival 1964 und 1965 ... 60
3.4 Bob Dylans Wandel ... 63
3.4.1 Ablehnung durch die Folkszene ... 63
3.4.2 Dylan war nie ein Folkie ... 66
3.4.3 Bob Dylans Selbstinterpretation ... 66
3.4.4 Nicht Bruch, sondern künstlerischer Wandel ... 67
3.5 So klingt der neue Bob Dylan ... 69
3.5.1 „Mr. Tambourine Man“ (1964) ... 69
3.5.2 „Like a Rolling Stone“ (1965) ... 72
4 „American Pie“ – Eine Zeitreise durch die fünfziger und sechziger Jahre ... 76
4.1 Don McLean ... 76
4.2 „American Pie“ (1971) ... 77
5 Schluss ... 84
6 Anhang ... 89
6.1 Glossar ... 89
7 Literatur ... 101
1 Einleitung
Die vielleicht bedeutungsvollste Entdeckung der Menschen in der Geschichte der künstlerischen Darstellung ist die Musik. Keine andere Form der Kunst ist für alle Menschen gleichermaßen verstehbar und hat (dadurch) die Menschheit in ihrem Denken, Fühlen und Leben so geprägt – vor allem nicht im Amerika der fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Das Thema
Gesellschaftlich-politische Realität einerseits und kulturelle Entwicklung andererseits verhalten sich auf vielfältige Weise zueinander. Für die fünfziger und sechziger Jahre in Amerika wird in meiner vorliegenden Arbeit die populäre Musik als Teil der allgemeinen kulturellen Entwicklung untersucht. Man kann vermuten, dass das Gesellschaftliche das Kulturelle, hier die Popmusik1, dominiert und dass die kulturelle Entwicklung der gesellschaftlichen folgt. Doch allein das Reagieren reduziert, bliebe die Wirkung populärer Musik gerade in dieser Zeit unterschätzt. Denn besonders während dieser fünfziger und sechziger Jahre hat sie allem Anschein nach relativ stark auf das politische und soziale Leben des Landes eingewirkt. So wird man letztendlich von einer wechselweisen Beeinflussung und Abhängigkeit beider Bereiche ausgehen müssen.
Also soll mit dieser Arbeit beispielhaft untersucht werden, inwiefern populäre Musik und zeitgenössische gesellschaftliche und politische Entwicklungen der fünfziger und sechziger Jahre in den USA miteinander korrespondieren. Besonders für die „schnelllebige“ Popmusik gilt – wie für jede andere Modeerscheinung auch –, dass sie nicht für sich stehen und klassisch alle Zeiten überdauern kann, sondern vielmehr im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Bewegungen und Bedingungen gesehen werden muss: Dazu gehören die technischen Entwicklungen (z. B. die EGitarre) und die materiellen Möglichkeiten eines jeden Einzelnen (Plattenverkauf) ebenso wie die Entwicklung sozialer Konflikte und die ökonomischen Bedingungen, unter denen die Musik publiziert und vertrieben wird. Ein „musikalisches“ Verhalten, das nicht zugleich auch soziales, kulturelles, technisches und kommerzielles Verhalten ist, gibt es dabei ebenso wenig, wie umgekehrt soziale Konflikte (auch) über das Medium Popmusik ausgetragen werden.
Solche soziokulturellen Beziehungen lassen sich methodisch am erfolgreichsten verfolgen, wenn Brüche oder Übergänge bisherige Zustände und Beziehungen verändern. Deshalb konzentriert sich mein Untersuchungszeitraum im Kern auf die Jahre 1953 bis 1965. Während dieser Zeit sind nämlich zwei signifikante Umbrüche zu verzeichnen, die sich gezielt analysieren lassen: die Entwicklung des Rock’n’Roll (in den fünfziger Jahren) und der Übergang vom traditionellen Folksong zum (Folk-)Rock, der „ideale[n] Verschmelzung aus Folk und Rock,“2 vor allem durch Bob Dylan (in den Sechzigern). Eine ausführlichere Einbeziehung der Zeit nach 1965 würde die Arbeit überfrachten und die Konzentration auf die Umbrüche davor verhindern, da sich in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre die musikalische und die kulturelle Entwicklung gehörig ausweitet und differenziert.
Also werden folgende, konkretere Fragen meine Untersuchungen leiten: Wie reagieren unterschiedliche Bereiche wie Rassenproblematik, „große“ Politik, Musikszene usw. aufeinander? Wie reagiert die Popmusik auf den allgemeinen politisch-sozialen Wandel? Reagiert auch die Gesellschaft auf Stilwechsel in der Musik? Welche sozialen Gruppen sind an diesen kulturellen und sozialen Prozessen in welcher Weise beteiligt?
Letztendlich ist es dann natürlich das Ziel der Untersuchungen, zumindest Ansätze einer Erklärung für spezifische Entwicklungen im Bereich der Popmusik zu jener Zeit in den USA zu finden: Warum, zum Beispiel, entwickelte sich der Rock’n’Roll so erfolgreich? Warum verliert er dann wieder abrupt an Bedeutung?
Warum erlebt der Folksong einen Niedergang? Warum ändern sich Liedtexte und ihre Bedeutung in der Popmusik? Usw.
Um sich dabei nicht in Allgemeinheiten zu verlieren, erscheint es notwenig, sich auf konkrete Erscheinungen zu konzentrieren. Dazu wähle ich als maßgebliche Musikrichtungen der damaligen Popmusik neben Rhythm & Blues und Blues vor allem den Rock’n’Roll sowie den Folk- und Protestsong und den (Folk-)Rock. Als Vertreter dieser Musikstile dienen ihre beiden herausragenden Interpreten: Elvis Presley und Bob Dylan. Schließlich erklärt sich gerade die Popmusik nicht allein aufgrund ihres Klanges und Gesanges, sondern sie ist entscheidend durch ihre Stars geprägt.
Der Aufbau
Obwohl ich die allgemeine Geschichte der USA als bekannt voraussetze, will ich noch in diesem einführenden Kapitel eine kurze Übersicht über das politischkulturelle Umfeld der USA in den fünfziger und sechziger Jahren geben. Jede Modeerscheinung, also auch die Musik, ist ein Kind ihrer Zeit, und nur durch die (politischen) Hintergründe wird vieles verständlich und nachvollziehbar. Im Detail wird die Wechselwirkung zwischen Musik und Gesellschaft dann im weiteren Verlauf an der betreffenden Stelle besprochen. Doch dieser erste Überblick soll helfen, die zeitliche Einordnung der weiteren Inhalte zu erleichtern.
Die Geschichte des Rock’n’Roll in den USA beginnt zwar erst in den fünfziger Jahren, doch lässt sich die Entwicklung des Rock’n’Roll nicht verstehen, wenn man nicht einen Schritt zurück in die vierziger Jahre geht. So soll im ersten Teil des Kapitels „Rock Around The Clock“ die Entwicklung der schwarzen Musik hin zum Rock’n’Roll dargestellt werden. Eine Erläuterung der verschiedenen Wurzeln dieser neuen Musikrichtung und die zunehmende Akzeptanz und Einflussnahme afroamerikanischer Künstler während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist hierfür unabdingbar. Im zweiten Teil wird dann die Entwicklung des Rock’n’Roll selbst sowie sein sprunghaftes Auf und Ab skizziert – vor allem am Beispiel des „King of Rock’n’Roll“, Elvis Presley. Elvis war der Star des Rock’n’Roll und seiner Zeit. Seine Fans kamen aus fast allen Bevölkerungsschichten – aus schwarzen und aus weißen. Man identifizierte sich mit ihm und sah in ihm ein Idol, das Halt gab und an das man sich klammern konnte. Aber auch der „King“ wurde von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit beeinflusst. In einem Vergleich zwei seiner Titel (dem frühen, rockigen „Jailhouse Rock“ und dem späteren, nachdenklichen „In The Ghetto“) will ich den entsprechenden Wandel in seiner Musik verdeutlichen.
[...]
1 Der Begriff Popmusik entzieht sich (bislang) jeder schlüssigen Definition. „Wer von Popular Music [...] spricht, meint vielleicht beliebte Musik oder Musik in Nachkriegsjugendkulturen oder anspruchslose Musik oder massenmedial verbreitete Musik, Musik der Arbeiterklasse oder technisch produzierte Musik oder afroamerikanische Musik oder alltägliche Musik oder nicht-authentische Musik, rhythmische Musik oder kommerzielle Musik oder moderne Musik. Vielleicht auch Kombinationen.“ (Markus Heuger, „Popular Music Studies im Internet“, in: http://www.uni-koeln.de/philfak/muwi/forum/heuger/pms.htm, 1997.) Gleichwohl gehe ich aber davon aus, dass alle Musikstile und –richtungen, die ich in meiner Arbeit behandele, zur Popmusik gehören. Allerdings bleiben wichtige Bereiche der Popmusik, wie z. B. der Jazz, unberücksichtigt.
2 Ingeborg Schober, Rock Lexikon, München: Verlag Walther Schünemann, 1973, o.S. – Eine feste Definition von Rockmusik gibt es nicht, der Begriff wandelt sich bis heute (Robert G. Pielke, You Say You Want a Revolution: Rock Music in American Culture, Chicago: Nelson-Hall, 1986, S. 10f.). Bei Schober wird „Rock“ als der Nachfolger des Rock’n’Roll bezeichnet, der aber nicht mit ihm verwechselt oder gar gleichgesetzt werden darf. Er dient als Oberbegriff für die Musik ab Mitte der sechziger Jahre, also vor allem auch für den „Beat“. In meiner Arbeit verwende ich also für die „neue Musik“ des Bob Dylan ab 1964 den Begriff „Rock“; gelegentlich zur besseren Kennzeichnung seiner Herkunft den Begriff (Folk-)Rock.
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