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Scholary Paper (Seminar), 1997, 24 Pages
Author: Laura Dahm
Subject: Sociology - Gender Studies
Details
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Inst. für Soziologie)
Tags: Familie, Deutschland, Neidhardt, Seminar, Klassiker, Familiensoziologie
Year: 1997
Pages: 24
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20026-4
ISBN (Book): 978-3-638-68280-0
File size: 190 KB
Dichter Text.
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Abstract
Die Familie gilt als Inbegriff des Privaten, als ein sozialer Raum, in dem es sich auf sehr persönliche Weise leben läßt. Allerdings bleibt auch beim Gegenstand der Familie die Gesellschaft nicht draußen. Nur deshalb ist es schließlich auch möglich, Familiensoziologie zu betreiben, die versucht, „ die Macht des Gesellschaftlichen aufzuspüren“ (Neidhardt 1975a, S. 7). Es gilt nun zu zeigen, daß die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten in den Raum der Familie hineinreichen. Zwar ist die Familie heute relativ privat, aber selbst diese Tatsache ist gesellschaftlich bedingt. So ist der einzelne in der Familie nicht frei von sozialen Normen und geregeltem Rollenspiel. Erstens nehmen die Mitglieder der Familie soziale Positionen ein, die gesellschaftlich definiert sind und in einem bestimmten geregelten Zusammenhang stehen. Die Struktur, d.h. die Rechte und Pflichten der einzelnen Positionen, und wie sie gegeneinander abgegrenzt und aufeinander bezogen sind, stellen das System der Familie aus strukturanalytischer Sicht dar. Zweitens interessieren die Ursachen und Bedingungen verschiedener Familienstrukturen (Faktorenanalyse). Soziologisch bedeutsam sind die Einwirkungen der sozialen Umwelt. So verändert der gesellschaftliche Wandel auch die Stellung, Struktur und Leistung der Familie. Drittens stellt sich die Frage nach der Leistung der Familie für die Gesellschaft, also ihrer eigenen sozialen Wirkungen (Funktionsanalyse). In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Familiensoziologie relativ früh etabliert, dennoch sind Umfang und Qualität der empirischen Sozialforschung noch nicht hinreichend ausgebildet. Auch die Familie selbst hat sich durch Industrialisierungs- und Demokatisierungsvorgänge und durch Kriegs- und Nachkriegswandlungen stark verändert. Die umfassendsten deutschen Familienuntersuchungen der 50er Jahre beschäftigen sich eben mit diesen Zuständen und Anpassungsvorgängen, die mittlerweile abgeschlossen sind. Heutige Tendenzen und Entwicklungen sind nur vereinzelt untersucht worden, so daß noch viel empirische Arbeit bzgl. innerfamilialer Beziehungen, Familienstörungen, Familienpolitik etc. zu tun ist.
Excerpt (computer-generated)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Soziologie
SS 1997
Thema:
Neidhardt: Die Familie in Deutschland
Laura Dahm
0. EINLEITUNG 1
1. DEFINITION UND THEORIE DER FAMILIE 1
1.1. EHE UND FAMILIE UND IHRE SOZIALE STRUKTUR 2
1.2. VERBREITUNG, BEDEUTUNG UND INSTITUTIONALISIERUNG DER FAMILIE 4
1.3. REGELN DER PARTNERWAHL UND FAMILIENGRÜNDUNG 6
1.4. FAMILIE, VERWANDTSCHAFT UND GESELLSCHAFT 8
2. PROBLEMFELDER UND PROBLEMBEDINGUNGEN FAMILIALER SOZIALISATION 10
2.1. GRUNDLEISTUNGEN DER FAMILIE IM SOZIALISATIONSPROZEß IHRER KINDER 10
2.2. DIE GESELLSCHAFTLICHE ISOLIERUNG DER FAMILIE 13
2.3. ROLLENPROBLEME DER MUTTER 14
2.4. SCHICHTUNGSPROBLEME FAMILIALER SOZIALISATION 16
2.4.1. FAMILIENEFFEKTE SOZIALER UNGLEICHHEIT 16
2.4.2. PROBLEME VON UNTERSCHICHTENKINDERN 17
3. FAZIT 19
4. LITERATURVERZEICHNIS 22
0. Einleitung
Die Familie gilt als Inbegriff des Privaten, als ein sozialer Raum, in dem es sich auf sehr persönliche Weise leben läßt. Allerdings bleibt auch beim Gegenstand der Familie die Gesellschaft nicht draußen. Nur deshalb ist es schließlich auch möglich, Familiensoziologie zu betreiben, die versucht, „ die Macht des Gesellschaftlichen aufzuspüren“ (Neidhardt 1975a, S. 7). Es gilt nun zu zeigen, daß die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten in den Raum der Familie hineinreichen. Zwar ist die Familie heute relativ privat, aber selbst diese Tatsache ist gesellschaftlich bedingt. So ist der einzelne in der Familie nicht frei von sozialen Normen und geregeltem Rollenspiel.
Erstens nehmen die Mitglieder der Familie soziale Positionen ein, die gesellschaftlich definiert sind und in einem bestimmten geregelten Zusammenhang stehen. Die Struktur, d.h. die Rechte und Pflichten der einzelnen Positionen, und wie sie gegeneinander abgegrenzt und aufeinander bezogen sind, stellen das System der Familie aus strukturanalytischer Sicht dar. Zweitens interessieren die Ursachen und Bedingungen verschiedener Familienstrukturen (Faktorenanalyse). Soziologisch bedeutsam sind die Einwirkungen der sozialen Umwelt. So verändert der gesellschaftliche Wandel auch die Stellung, Struktur und Leistung der Familie. Drittens stellt sich die Frage nach der Leistung der Familie für die Gesellschaft, also ihrer eigenen sozialen Wirkungen (Funktionsanalyse).
In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Familiensoziologie relativ früh etabliert, dennoch sind Umfang und Qualität der empirischen Sozialforschung noch nicht hinreichend ausgebildet. Auch die Familie selbst hat sich durch Industrialisierungs- und Demokatisierungsvorgänge und durch Kriegs- und Nachkriegswandlungen stark verändert. Die umfassendsten deutschen Familienuntersuchungen der 50er Jahre beschäftigen sich eben mit diesen Zuständen und Anpassungsvorgängen, die mittlerweile abgeschlossen sind. Heutige Tendenzen und Entwicklungen sind nur vereinzelt untersucht worden, so daß noch viel empirische Arbeit bzgl. innerfamilialer Beziehungen, Familienstörungen, Familienpolitik etc. zu tun ist.
„ Um empirische Ergebnisse nun aber sowohl sinnvoll ermitteln als auch systematisch interpretieren zu können, bedarf es eines theoretischen Bezugsrahmens, der mehr als bisher die Familie als Teil des gesamtgesellschaftlichen Systems begreift“ (vgl. Neidhardt 1975a, S. 7-9).
In meinem Referat werde ich mich nun zunächst der Definition und Theorie der Familie zuwenden und im zweiten Kapitel auf die Problemfelder und Problembedingungen familialer Sozialisation eingehen.
1. Definition und Theorie der Familie
„Es gibt keinen Prototyp von Familie und keine natürliche Urform. Die Familienformen korrespondieren jeweils eng mit den historischen, gesellschaftlichen, sozialstrukturellen und subkulturellen Rahmenbedingungen in denen sie auftreten. Pluralität und Wandel familialer Lebensformen sind daher ebenso selbstverständlich wie gesellschaftliche Differenziertheit und Dynamik“ (Schneider 1994, S.14).
Die Familie, eine der weitverbreitetsten Erscheinungen gesellschaftlichen Lebens, ist in ihrer Größe und Zusammensetzung, in ihrer Eheordnung, Herrschaftsstruktur, Stabilität und Leistung sowie in ihrer gesellschaftlichen Stellung und Bedeutung wandelbar und durch Wirtschaft, Technik, Religion etc. bedingt (vgl. Neidhardt 1975a, S.9).
Die verschiedenen Definitionen von Familie reichen vom katholischen Familienleitbild, das auf der Überzeugung von gottgestifteter Ehe und Familie basiert, über den bürgerlichen Familienbegriff, der auf dem Ideal einer legalen lebenslangen Ehe mit gemeinsamen Kindern basiert bis hin zum allgemeinen Gegenwartsverständnis von Familie in der BRD: Es vereinigt das Zusammenspiel von Ehe, Haushalt, Elternschaft und Verwandtschaft. Der statistische Familienbegriff besagt, daß Familie stets Haushaltsgemeinschaft ist, Ehe hinreichende Bedingung für Familie ist und nicht verheiratete Alleinerziehende, die mit ihren Kindern eine Haushaltsgemeinschaft bilden auch als Familie gelten. Allgemein läßt sich sagen, zur Familie gehört, wer subjektiv dazugerechnet wird (vgl. Schneider 1994, S. 14-19).
1.1. Ehe und Familie und ihre soziale Struktur
Die Gesellschaft beruht auf der Paarung der Geschlechter und deren dauerhafter Gemeinschaft, mit dem Vorsatz, die geborenen Kinder als die eigenen zu legitimieren. In diesem Fall spricht man von einer Ehe, die in den meisten Gesellschaften als eine Institution behandelt, als wertvoll anerkannt und geschützt, aber auch geregelt und oft erzwungen wird.
„Hauptzielsetzung der Familienpolitik in der Bundesrepublik ist, die Familie als autonome Institution zu schützen, zu fördern und zu unterstützen, damit sie ihre Aufgaben in eigener Verantwortung bestmöglich erfüllen kann“ (Schneider 1994, S.59).
Ihre Besonderheit ist der öffentliche, rituelle und kultische Vorgang der Eheschließung. Aus der Ehe wird eine Familie, wenn die Ehepartner biologisch abstammende oder adoptierte Kinder als eigene anerkennen und bei sich aufnehmen. Die Kernfamilie besteht aus den Eltern, die mit ihren eigenen Kindern zusammenleben. Vollständig ist sie, wenn beide Elternteile vertreten sind. Fehlt aufgrund von nichtehelicher Geburt, Trennung oder Verwitwung einer der beiden, handelt es sich um eine unvollständige Kernfamilie.
Die Kernfamilie als Zentralbegriff ist im folgenden auch gemeint, wenn nur von Familie die Rede ist. Sie unterscheidet sich von anderen Gruppen durch die besondere Art ihrer Mitglieder. Die sozialen Positionen heißen: Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Sie weichen im Hinblick auf ihr Geschlecht und ihre Generation voneinander ab. Diese Differenzierungen sind immer vorhanden und für die Familie konstitutiv. Sie ist geprägt durch typische Begegnungen von Geschlechtern und Generationen. Diese beiden primären Elemente sind biologisch begründet. Das Geschlecht der Ehepartner, die Gebärfreudigkeit der Frau und die hilflosen Kinder sind natürliche Vorgegebenheiten. Sozialkulturelle Einwirkungen, wie die moralische Regulierung der Geschlechterbeziehung, die Bedeutung der Mutterschaft oder die Elternabhängigkeit der Kinder, verdrängt nicht die biologischen Tatsachen der Familie. Man spricht von einer biologisch- sozialen Doppelnatur der Familie.
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