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Kommunikationsnetzwerke im ländlichen Raum

Thesis (M.A.), 2000, 112 Pages
Author: Anke Brandstetter-Gerstmayr
Subject: Communications: Research, Studies, Enquiries

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2000
Pages: 112
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 53  Entries
Language: German
Archive No.: V147
ISBN (E-book): 978-3-638-10106-6

File size: 287 KB


Excerpt (computer-generated)

Kommunikationsnetzwerke im ländlichen Raum
mit einer empirischen Untersuchung in den Gemeinden Ardagger/Viehdorf

Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie an der Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien

eingereicht von
Anke Gerstmayr

Wien, im November 2000

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1
2. Kommunikationstheorie 4


2.1 Massenkommunikation 5
2.2 Interpersonale Kommunikation 8
2.3 Interdependenzen 11

2.3.1 Stimulus-Response-Theorie 11
2.3.2 Two-Step Flow of Communication 13
2.3.3 Kommunikationsrollen 15

2.3.3.1 Opinion Leader 15
2.3.3.2 Opinion Follower 17

2.3.4 Multi-Step Flow of Communication 18

2.3.4.1 Lokale und kosmopolitische

Meinungsführer 20

2.3.4.2 Virtuelle Meinungsführer 21
2.3.4.3 Isolierte 22

2.3.5 Agenda Setting 22
2.3.6 Die Schweigespirale 24

3. Der ländliche Raum 28


3.1 Das Sozialsystem 28
3.2 Begriffsklärung 29
3.3 Interpersonale Kommunikation in dörflichen
Gemeinschaften 31

3.3.1 Entstehung sozialer Kontakte 32
3.3.2 Entstehung sozialer Netzwerke 33
3.3.3 Die soziale Gruppe 33

3.4 Analyse durch Netzwerkanalyse 34

4. Netzwerkanalyse 37


4.1 Theorie der Netzwerkanalyse 37

4.1.1 Grundlagen und Elemente 40
4.1.2 Einteilung von Netzwerken 43
4.1.3 Burt- und Fischer-Instrument 45
4.1.4 Struktur und Qualität 48
4.1.5 Maßzahlen 50

4.2 Von der Gemeindestudie zur Netzwerkanalyse 53

4.2.1 Marienthal 53
4.2.2 Euskirchen 55
4.2.3 Studie ,,Mittlerer Neckar" 56

5. Studienkonzept 58


5.1 Die Entwicklung der Gemeinden Ardagger und

Viehdorf 58

5.2 Methodenbeschreibung 59

5.2.1 Inhaltsanalyse 60
5.2.2 Interviews 62

6. Ergebnisse 65


6.1 Demographische Merkmale 65
6.2 Mediennutzung 69
6.3 Informationswege 72
6.4 Kommunikationsnetzwerke 76

6.4.1 Die Netzgröße 77
6.4.2 Homogenität und Heterogenität 78
6.4.3 Multiplexität 81
6.4.4 Qualität der Relationen 82
6.4.5 Politische Kommunikation 90
6.4.6 Meinungsführerschaft 93

7. Zusammenfassung 97

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Stimulus-Response-Modell 12
Abbildung 2: Two-Step Flow of Communication 15
Abbildung 3: Multi-Step Flow of Communication 19
Abbildung 4: Das kleinste Netzwerk, das drei Punkte verbindet 38
Abbildung 5: Landkarte der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung 43
Abbildung 6: Ego-zentriertes Netzwerk 45
Abbildung 7: Das Studienkonzept 60
Abbildung 8: Altersstruktur 65
Abbildung 9: Bildung 68
Abbildung 10: Fernsehkonsum 69
Abbildung 11: Radiokonsum 70
Abbildung 12: Printmedienkonsum 70
Abbildung 13: Informationsquellen 72
Abbildung 14: Informationsquelle Nachrichtensendung 73
Abbildung 15: Freizeitgestaltung 75
Abbildung 16: Altersheterogenität 79
Abbildung 17: Bildungsheterogenität 80
Abbildung 18: Beziehungsheterogenität 80
Abbildung 19: Multiplexität 82
Abbildung 20: Strong/Weak ties 84
Abbildung 21: Räumliche Distanz 85
Abbildung 22: Themen der öffentlichen Diskussion 86
Abbildung 23: Soziale Kontexte in den Netzwerken 87
Abbildung 24: Zusammenhang Alter-Netzgröße 89
Abbildung 25: Anteil der weiblichen Netzpersonen in Frauennetzen 89
Abbildung 26: Netzpersonen ,,politische Diskussion" 91
Abbildung 27: Bildungsheterogenität/Opinion Leader 95

Tabelle 1: Umfragestatistik 64
Tabelle 2: Berufstätigkeit 66
Tabelle 3: Österreichische Land- und Forstwirtschaft 67
Tabelle 4: Die Wahl der Fernsehsender 71
Tabelle 5: Netzwerkgeneratoren und soziale Kontexte 93
Tabelle 6: Mediennutzung und Soziodemographie (über
Pearson´s R) 98

1. Einleitung

Die empirische Sozialforschung beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit, untersucht die Menschen und ihr Zusammenleben, ihren Alltag und berücksichtigt dabei auch Verhaltens- und Handlungsabläufe.1 Auch die Kommunikationswissenschaft als Sozialwissenschaft leistet wichtige Beiträge zur Theoriefindung, Forschung, Diskussion der Ergebnisse und zur Frage nach dem Verhältnis von Medien und Realität. Die Medienwirkungsforschung kann dabei sicher als zentrales Untersuchungsfeld der Kommunikationswissenschaft bezeichnet werden. Die Forschungsergebnisse zeigen, daß das Publikum nicht nur über Mediennutzungsprozesse und die Aufnahme der vermittelten Inhalte beeinflußt wird, eine Annahme, die in der Medienwirkungsforschung lange Bestand hatte. Vielmehr sind die Medien ,,nur ein Teil der sinnstiftenden, symbolischen Umwelt des Menschen und ihr Stellenwert wird wesentlich determiniert von den jeweiligen Gegebenheiten der sozialen Situation und der Persönlichkeit der Rezipienten."2 Besonderes Augenmerk muß daher auch auf die Grundlage jeglichen sozialen In-Beziehung-Tretens gelegt werden, auf ,,die Keimzelle aller Verständigungsprozesse"3, wie Satke anschaulich formuliert, nämlich die interpersonale Kommunikation.

Gerade in dörflichen Gemeinschaften stellt die interpersonale Kommunikation traditionsgemäß einen wichtigen sozialen Faktor dar. Durch die steigende Mobilität der Dorfbewohner hat sich allerdings auch eine Veränderung in der infrastrukturellen und sozialen Struktur kleinerer Ortschaften ergeben. Dennoch bleiben die Gesprächskreise der Dorfgemeinschaft neben der Informationsvermittlung durch die Medien das wichtigste meinungsbildende Muster. Diese Annahme ist gleichzeitig auch die Grundidee der folgenden Untersuchung, die zum Ziel hat, Kommunikationsprozesse in dörflichen Gemeinschaften zu identifizieren und ihre Wirkung zu bestimmen.
In dieser Arbeit soll die formale Kommunikationsstruktur erfaßt und, soweit möglich, auch die informelle Struktur aufgedeckt werden, in der die Kommunikation erfolgt. Theoretische Verknüpfungen über einen Einblick in die Geschichte der Gemeinde- und Netzwerkforschung hinaus ergeben sich über das Agenda Setting-Modell und die Theorien der öffentlichen Meinung. Eine Grundannahme hierfür ist, daß sich Massen- und interpersonale Kommunikation nicht ausschließen, sondern ergänzen.

Die in den Theorien aufgezeigten kommunikativen Aspekte sollen anhand einer Netzwerkanalyse in zwei ausgewählten niederösterreichischen Gemeinden festgemacht oder verworfen werden. Weiters will ich aufzeigen, daß Kommunikationsnetzwerke und das soziale Umfeld größeren Einfluß auf die Themenwichtigkeit, die individuellen Einstellungen und Meinungen zu wichtigen (politischen, sozialen und wirtschaftlichen) Themen haben als die Massenkommunikation. Aus dieser Annahme heraus habe ich die folgenden Hypothesen aufgestellt:

  • Interpersonale Kommunikationsprozesse im sozialen Netzwerk erreichen höhere Relevanz als Massenkommunikation.
  • Im ländlichen Raum dominieren traditionelle Kommunikationsstrukturen, die durch einen hohen Anteil an Verwandtschaftsrelationen in den Netzwerken begünstigt werden.
  • Meinungsführer verfügen über größere Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit und haben daher größere soziale Netzwerke.
  • In Kommunikationsnetzwerken diskutieren Personen aus höherer sozialer Schicht verstärkt politische Themen.
  • Im ländlichen Raum dominieren dauerhafte, starke Kommunikationsnetzwerke.

Aus der Literatur ergaben sich die folgenden fünf Forschungsfragen, die in dieser Arbeit mein Erkenntnisinteresse leiten:

  •  Welche Kommunikations- und Beziehungsmuster bestehen im ländlichen Raum? Welchen Stellenwert hat Kommunikation über bestimmte Themen?
  •  Werden Themen und Meinungen, die die Massenmedien in die Öffentlichkeit bringen, auch im Rahmen interpersonaler Kommunikation aufgegriffen, diskutiert und bewertet?
  • Haben die Inhalte der Massenmedien Einfluß auf die interpersonale Umgebung, d.h. suchen Menschen in dörflichen Gemeinschaften verstärkt Kontakt mit sogenannten Meinungsführern?
  • Ist die wechselseitige interpersonale Kommunikation der einseitigen, durch geringe Rückkopplungsmöglichkeiten gekennzeichneten Massenkommu-nikation in der Informationsvermittlung überlegen?
  • Können die Massenmedien die individuellen Meinungen beeinflussen?

Mit ausgewählten Kapiteln der Kommunikationstheorie, die im besonderen eine Unterscheidung zwischen interpersonaler und Massenkommunikation bzw. der Kommunikationsmuster im urbanen und ländlichen Bereich umfassen, soll ein Überblick über die zu behandelnde Thematik als Ausschnitt aus dem massenmedialen Kommunikationsprozeß gegeben werden. Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Bestimmung der Termini Massen- und interpersonale Kommunikation sowie auf einer Analyse der verschiedenen massenmedialen Leistungen. Ich will auch auf den ländlichen Raum, seine Strukturen und Veränderungen näher eingehen. In weiterer Folge nähere ich mich einer Theorie der Netzwerke an, die mit ,,Meilensteinen" aus dem Bereich der Kommunikations- und Sozialwissenschaft in Beziehung gesetzt werden soll. Konkret spreche ich hier die Medienwirkungsforschung, das Konzept der Kommunikationsrollen, der Schweigespirale und des Agenda Setting an. Nach einem Rückblick auf die Projekte und Erkenntnisse der Gemeindeforschung soll mittels einer Kombination aus Netzwerk- und Inhaltsanalyse - angewandt auf ein konkretes Fallbeispiel - die Struktur kommunikativer Netzwerke im ländlichen Raum erfasst werden. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die interpretiert und in Hinblick auf weiterführende Forschungsprojekte diskutiert werden.

1 Haas, Hannes: Empirischer Journalismus. Wien 1999. S. 21

2 Hunziker, Peter: Medien, Kommunikation und Gesellschaft. Darmstadt 1996. S. 76

3 Satke, Gerhard: Diskursive Konfliktbearbeitung in der interpersonalen Kommunikation. Konzeption, Positionierung und Ansätze zu einer empirischen Analyse. Diplomarbeit. Wien 1995. S. 3


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