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Hausarbeit, 2003, 22 Seiten
Autor: Eva Busch
Fach: Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Pädagogisches Seminar)
Tags: Interreligiöser, Unterricht, Brandenburg, Hessen, Interkulturelle, Aspekte, Bildung
Jahr: 2003
Seiten: 22
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-20042-4
Dateigröße: 91 KB
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Inhaltsverzeichnis
1 Die pädagogische Reaktion auf die durch Migration entstandene Heterogenität in Deutschland Seite 2
2 Die plurale Realität in der Gesellschaft und die daraus resultierende Notwendigkeit eines interkulturellen und interreligiösen Unterrichts Seite 4
3 Interreligiöses Lernen und interreligiöser Unterricht Seite 6
4 Die interreligiöse Dimension des Religionsunterrichts in Hessens neuen Lehrplänen Seite 8
5 LER (Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde) in Brandenburg als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht Seite 17
6 Literatur Seite 20
1 Die pädagogische Reaktion auf die durch Migration entstandene und Heterogenität in Deutschland
Als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, fanden sie zunächst noch wenig Beachtung, da sie einen nur sehr geringen Anteil der Bevölkerung ausmachten. Da sich nach dem Rotationsprinzip zwischen den 50er und den 70er Jahren die Zuzüge und Abwanderungen ungefähr die Waage hielten und die Arbeiter nur selten ihre Familien mit nach Deutschland brachten, da ihr Aufenthalt nur für einen kürzeren Zeitraum geplant war, war noch keine massenhafte Migration zu verzeichnen.
Erst zum Beginn der 70er Jahre fand eine Familienzusammenführung statt, was eine hohe Einwanderungsrate bedeutete und größere soziale Veränderungen auch kultureller und religiöser Art bewirkte. Diese Auswirkungen zeigten sich in Folge auch in der Schule, wodurch die Situation der Kinder mit Migrationshintergrund in deutschen Schulen zu einem öffentlichen Skandal wurde und pädagogische Wissenschaftler im staatlichen Auftrag damit begannen, sich mit dieser Situation zu beschäftigen. Allerdings darf bei dieser Entwicklung keinesfalls vergessen werden, dass Heterogenität auch vor der Phase der Arbeitsmigration vorhanden war, diese allerdings aufgrund ihrer nicht so auffälligen Ausprägung entweder nicht wahrgenommen oder aber ignoriert wurde.
Dies läutete in der Pädagogik in den 70er Jahren die erste Phase ein, die von der Ausländerpädagogik als kompensatorische Erziehung und der Assimilationspädagogik geprägt war und den kulturellen sowie religiösen Hintergrund dieser Kinder nicht beachtete. In dieser Phase wurden die Sprachschwierigkeiten als dominantes, weil auffälligstes Problem wahrgenommen, dem man versuchte beizukommen. Die deutsche Sprache sollte erlernt werden, damit sich die Kinder mit Migrationshintergrund möglichst schnell in den Regelunterricht einfügen konnten. Zudem sollte durch den muttersprachlichen Ergänzungsunterricht, der von muttersprachlichen Lehrern nach dem Curriculum des Herkunftslandes, ohne Bezug zum sonstigen Unterricht der Kinder unterrichtet wurde, die Rückkehrfähigkeit erhalten bleiben.
Im Vordergrund stand also ein Abbau von Defiziten, der die Assimilation der Kinder mit Migrationshintergrund ermöglichen sollte.
Die grundsätzliche monokulturelle, monolinguale und auch monoreligiöse Ausrichtung des Schulsystems sowie des Unterrichts wurden dabei nicht hinterfragt und die Entstehung einer multikulturellen Gesellschaft, die sich bereits zu der Zeit auch in der Schule bemerkbar machte, wurde noch nicht wahrgenommen.
Dieses Vorgehen stieß jedoch bereits nach kurzer Zeit auf Kritik, da einige erkannten, dass man den Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund so nicht gerecht werden konnte. Mit der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession nahm zu dieser Zeit die Benachteiligung der Familien mit Migrationshintergrund zu und die Marginalität dieser Familien begann. So wurden die gesellschaftlichen Ursachen für die Probleme von Migranten entdeckt und während in der Öffentlichkeit die Einsicht wuchs, dass die Bundesrepublik zu einem Einwanderungsland geworden war, wurden die Migrantenkulturen zumindest teilweise in ihrer Bedeutung gewürdigt.
Durch die Impulse aus älteren Einwanderungsländern wurden in den frühen 80er Jahren auch die Konzepte der Interkulturellen Erziehung, deren Voraussetzung allerdings die Anerkennung der kulturellen und ethnischen Minoritäten als einem dauerhaften Bestandteil einer multikulturellen Gesellschaft ist, entwickelt und diskutiert. So setzte in der Pädagogik die Phase der Interkulturellen Pädagogik für eine multikulturelle Gesellschaft, die sich vor allen Dingen an den Migrantenkulturen anstatt an den Herkunftskulturen orientiert, ein.
Die Interkulturellen Pädagogik wurde von der Vorstellung abgeleitet, dass an die Stelle eines kritikwürdigen Nebeneinanders quasi unveränderlicher Kulturen deren veränderungsbereite Begegnung treten müsse, also die für die Interkulturelle Pädagogik konstitutive interaktionistische Integration beider Seiten unter Akzeptanz kultureller Heterogenität. Diese Interkulturelle Pädagogik sollte sich nicht nur zur Problemlösung, sondern auch zur Entstehung neuer Bildungsmöglichkeiten nutzen lassen.
Es wurden erstmals ein Zusammenhang zwischen Annahmen über die Veränderung der Gesellschaft durch Migration, allgemeinpädagogischen Prinzipien und didaktischen Konsequenzen für den Unterricht aller Schüler expliziert. Aus der teilweise kritisierten Interkulturellen Erziehung entwickelte sich in den 90er Jahren die Pädagogik der soziokulturellen Vielfalt, welche nicht mehr die kulturelle Differenz betont, sondern die unterschiedlichen Dimensionen der Vielfalt aufgezeigt. Somit werden Individuen nicht mehr bloß auf ihre Kultur reduziert, sondern ein individuelles Netzwerk geknüpft, das jeden Einzelnen von den anderen unterscheidet, was die plurale Realität der Gesellschaft, die Heterogenität, als Norm kennzeichnet.
Dieser kurze Überblick über die Entwicklung der Interkulturellen Pädagogik ist an dieser Stelle deshalb so wichtig, da sich im Zuge der Veränderung des Umgangs mit kultureller Heterogenität auch der Umgang mit der religiösen Heterogenität verändert hat. Während die Religionen der Minderheiten in den 70er Jahren (und davor) größtenteils keine Beachtung fanden, wird seit den 80er Jahren immer mehr Wert auf deren Einbezug in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, wo Religion eine Rolle spielt, gelegt. So auch in der Pädagogik, vor allen Dingen in deren Teilbereich der Interkulturellen Pädagogik, und im alltäglichen Schulbetrieb.
2 Die plurale Realität in der Gesellschaft und die daraus resultierende Notwendigkeit eines interkulturellen und interreligiösen Unterrichts
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