In einer neueren Studie des Familienministeriums (2003) zum Thema partnerschaftliche Arbeitsteilung wurde ermittelt, dass heutzutage 70% der befragten Männer und Frauen eine gleichmäßige Aufteilung der familiären Aufgaben für sinnvoll und notwendig halten. Dies ist
allerdings nur eine Idealvorstellung. Die Realität sieht jedoch anders aus.
In kommunikationsintensiven Partnerschaften lassen sich, wie die Studie ebenfalls gezeigt hat, entstehende Ungleichgewichte sehr schnell aufheben und tragfähige Konzepte einer Rollenverteilung entwickeln, die von beiden Seiten anerkannt werden. Fairness in der partnerschaftlichen Rollenzuordnung und Aufgabenverteilung bedeutet, dass grundsätzlich von der Vorstellung eines ausgeglichenen Belastungsverhältnisses ausgegangen
werden muss.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Gerechte Belastungsverteilung als Gebot der Fairness
2 Partnerschaft heute – Gleichberechtigung als Paradigma?
3 Eine Definition des Konstrukts „Partnerschaftstypus“
4 Die verschiedenen Paartypen aus heutiger Unternehmenssicht
5 Mobilitätsanforderungen an Paare seitens der Unternehmen
6 Konflikte im partnerschaftlichen Innenverhältnis
7 Stress als Ursache und Folge instabiler Familiensysteme
8 Das allgemeine Familiensystem nach Schneewind
8.1 Beruflicher Stress ist längerfristig ein „Beziehungskiller“
9 Kommunikationsprobleme als Ursache und Folge instabiler Familiensysteme
9.1 Verschlechterung der partnerschaftsinternen Kommunikation durch Belastung
9.2 Kommunikationsdefizite als Grundproblem
9.3 Während eines Streitgesprächs (nach Engl & Thurmaier, 2002)
10 Innerpartnerschaftliche Gewaltanwendung als Ursache und Folge instabiler Familiensysteme
10.1 Sind Frauen auch „Gewalttäterinnen“ in der Partnerschaft?
10.2 Die Typologien gewalttätiger Männer
10.3 Auswirkungen häuslicher Gewalt auf die Kinder
11 Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen beruflicher Belastung und partnerschaftlicher Stabilität. Ziel ist es, die Ursachen für stressbedingte Ungleichgewichte in Partnerschaften zu identifizieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie insbesondere Unternehmen durch unterstützende Maßnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen können.
- Partnerschaftstypen und Rollenverteilung in der modernen Arbeitswelt
- Einfluss beruflicher Mobilitätsanforderungen auf das partnerschaftliche Innenverhältnis
- Stress als Dysfunktionsfaktor in instabilen Familiensystemen
- Kommunikationsdefizite als zentrale Ursache partnerschaftlicher Krisen
- Typologien gewalttätigen Verhaltens und deren Auswirkungen auf Kinder
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung: Gerechte Belastungsverteilung als Gebot der Fairness
Zu Zeiten Kants bestimmte „die Galanterie der alten Ritterschaft“ die Art und Weise, in der der Mann – zumindest vor der Ehe – der Frau seiner Wahl begegnete. Dieses Galanterieprinzip hat inzwischen an Bedeutung verloren. Gleichheitsdenken und das Gebot der Fairness sind an seine Stelle getreten. Burbach und Schlottkau (2001) sprechen es deutlich aus: „Es geht um Fairness im Miteinander von Männern und Frauen“ (a.a.O., S.7). Das erfordert eine intensive Diskussion der „Geschlechtergerechtigkeit als Qualitätskriterium“ (Groner-Zilling, 2001, S.91).
In einer neueren Studie des Familienministeriums (2003) zum Thema partnerschaftliche Arbeitsteilung wurde ermittelt, dass heutzutage 70% der befragten Männer und Frauen eine gleichmäßige Aufteilung der familiären Aufgaben für sinnvoll und notwendig halten. Dies ist allerdings nur eine Idealvorstellung. Die Realität sieht jedoch anders aus. Dem Bericht zufolge, erledigen z.B. Mütter weitaus mehr als die Hälfte der kindbezogenen Aufgaben in der Familie. Ist das Kind erst einmal eingeschult, kümmern sich die Mütter fast ganz allein um die Kinder. Sind hingegen beide Elternteile berufstätig, wird häufig eine „egalitäre“ partnerschaftliche Rollenverteilung praktiziert. Dass heißt konkret: die Väter übernehmen verstärkt familiäre Aufgaben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Gerechte Belastungsverteilung als Gebot der Fairness: Beleuchtung der gesellschaftlichen Verschiebung hin zur Forderung nach partnerschaftlicher Fairness und der Diskrepanz zwischen idealer und realer Aufgabenteilung.
2 Partnerschaft heute – Gleichberechtigung als Paradigma?: Analyse des Wandels von traditionellen Rollenmodellen hin zu egalitären Konzepten in einer modernen Arbeitswelt.
3 Eine Definition des Konstrukts „Partnerschaftstypus“: Einführung einer Vier-Typen-Klassifizierung von Partnerschaften basierend auf deren Innenverhältnis und Aufgabenteilung.
4 Die verschiedenen Paartypen aus heutiger Unternehmenssicht: Diskussion der unternehmerischen Perspektive auf verschiedene Paar-Modelle, insbesondere im Hinblick auf deren Flexibilität und Unterstützungsbedarf.
5 Mobilitätsanforderungen an Paare seitens der Unternehmen: Untersuchung der Problematik beruflicher Ortswechsel und möglicher unternehmerischer Lösungsstrategien wie Flexibilisierungsprogramme.
6 Konflikte im partnerschaftlichen Innenverhältnis: Darstellung des „Spill-over“-Effekts, bei dem beruflicher Stress als zentraler Auslöser für partnerschaftliche Belastungen und Konflikte wirkt.
7 Stress als Ursache und Folge instabiler Familiensysteme: Theoretische Einordnung von Stress als transaktionaler Prozess, der die Stabilität von Partnerschaften massiv gefährden kann.
8 Das allgemeine Familiensystem nach Schneewind: Erklärung der Familienentwicklung durch das Zusammenspiel von vertikalen Ressourcen und horizontalen Stressoren.
9 Kommunikationsprobleme als Ursache und Folge instabiler Familiensysteme: Fokus auf die Bedeutung der Kommunikationsfähigkeit und Vorstellung von Trainingsprogrammen zur Konfliktbewältigung.
10 Innerpartnerschaftliche Gewaltanwendung als Ursache und Folge instabiler Familiensysteme: Auseinandersetzung mit Gewaltphänomenen, Täter-Typologien und den langfristigen negativen Folgen für betroffene Kinder.
11 Abschließende Bemerkung: Plädoyer für eine stärkere Integration von partnerschaftsbezogenen Unterstützungsangeboten in den Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie.
Schlüsselwörter
Partnerschaft, Stressforschung, Arbeitswelt, Doppelkarrierepaare, Mobilitätsanforderungen, Kommunikationstraining, Familienpsychologie, Rollenverteilung, innerpartnerschaftliche Gewalt, Stressbewältigung, Dyade, Coping, Organisationspsychologie, Fairness, Konfliktmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des modernen Berufslebens auf die Stabilität und Qualität von Partnerschaften, wobei insbesondere der Einfluss von Stress und organisatorischen Mobilitätsanforderungen im Zentrum steht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die partnerschaftliche Arbeitsteilung, Stressbewältigungsmechanismen, Kommunikationsdefizite sowie die Dynamiken von Gewalt innerhalb von Familiensystemen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen für durch das Berufsleben induzierte Partnerschaftskonflikte zu analysieren und unternehmerische sowie individuelle Ansätze zur Prävention und Bewältigung dieser Herausforderungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung und Analyse psychologischer und organisationspsychologischer Studien und Konzepte, wie etwa die Stressforschung nach Schneewind oder Typologien gewalttätigen Verhaltens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Partnerschaftstypen, den Einfluss von Mobilität auf das Privatleben, psychologische Stressfaktoren, Kommunikation als Mittel zur Konfliktlösung und die Problematik innerpartnerschaftlicher Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Stressbewältigung (Coping), Doppelkarrierepaare, Kommunikationsfähigkeit, partnerschaftliche Stabilität und arbeitsmarktbedingte Belastungen charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung der „Paartypen“ so wichtig für die Analyse?
Unterschiedliche Paartypen (wie das traditionelle vs. das fragmentierte Paar) reagieren unterschiedlich auf berufliche Belastungen, was spezifische, zielgruppengerechte Unterstützungsangebote seitens der Unternehmen erforderlich macht.
Welche Rolle spielen „Kommunikationstrainings“ laut der Arbeit?
Sie dienen als präventive oder intervenierende Maßnahme, um bei belasteten Paaren die Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktlösung zu verbessern und so die Gefahr einer Trennung oder psychischer Störungen zu verringern.
- Quote paper
- Andreas Jüttemann (Author), 2007, Doppelkarrierepaare, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147730