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Diploma Thesis, 2003, 203 Pages
Author: Marion Kaufmann
Subject: Communications: Print Media, Press
Details
Tags: Zwischen, Assimilation, Isolation, Leserschaft, Funktion, Perspektive, Presse, Ausland, Beispiel, Echo, Kanada, Grenz-Echo, Belgien
Year: 2003
Pages: 203
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20113-1
File size: 628 KB
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Excerpt (computer-generated)
Zwischen Assimilation und Isolation -
Leserschaft, Funktion und Perspektive deutschsprachiger Presse im Ausland
am Beispiel des "Echo" in Kanada und des
"Grenz-Echo" in Belgien
Diplomarbeit im Studiengang Germanistik/Schwerpunkt Journalistik in der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Verfasserin: Marion Kaufmann
24.03.2003
Inhaltsverzeichnis:
A. Einleitung ... 5
1. Forschungskontext ... 6
2. Aufbau der Arbeit ... 7
2. Methoden und Material ... 8
3. Danksagung ... 10
B. Theoretische Grundlagen ... 11
1. Begriffsdefinitionen ... 11
1.1 aus soziologischer Sicht ... 11
1.1.1 Minderheit ... 11
1.1.1.1 Sprachliche Minderheiten ... 12
1.1.1.2 Germans/Volksdeutsche/Reichsdeutsche ... 13
1.1.2 Assimilation ... 14
1.1.3 Integration ... 16
1.1.4 (kulturelle) Identität ... 17
1.2 aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ... 19
1.2.1 Auslandsdeutsche Presse/Volksdeutsche Presse ... 20
1.2.2 Emigranten- und Exilpublizistik ... 21
1.2.3 "Ethnic press" ... 22
1.2.4 Enklavenpublizistik und Minderheitenpresse ... 23
2. Die Integrations- und Identifikationsfunktion von Medien ... 24
2.1 Integration, Assimilation und interkulturelle Kommunikation ... 24
2.2 Kulturelle Identität und Medien ... 26
C. Historische Grundlagen ... 28
1. Kanada ... 28
1.1 Geschichte der deutschen Einwanderung nach Kanada ... 28
1.1.1 Beginn der deutschen Einwanderung nach Kanada ... 29
1.1.2 Der erste Weltkrieg als Wendepunkt ... 29
1.1.3 Einwanderung zwischen den Weltkriegen ... 30
1.1.4 Der Zweite Weltkrieg ... 32
1.1.5 Einwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute ... 33
1.2 Geschichte der deutschkanadischen Presse ... 34
1.2.1 Zeitungspioniere in Waterloo County ... 34
1.2.2 Die deutschsprachige Presse Westkanadas ... 36
1.2.3 Die deutschkanadische Presse seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ... 39
1.3 Der kanadische Multikulturalismus ... 41
2. Belgien ... 43
2.1 Geschichte der deutschsprachigen Minderheit Belgiens ... 43
2.1.1 Vor 1920: Eupen-Malmedy als Teil Preußens ... 43
2.1.2 Angliederung von Eupen-Malmedy an Belgien ... 44
2.1.3 Annexion und "Heim-ins-Reich"-Politik der Nationalsozialisten ... 45
2.1.4 Gründung der deutschsprachigen Gemeinschaft ... 46
2.2 Geschichte der deutschbelgischen Presse ... 47
2.2.1 Die Presse in Alt-Deutschbelgien ... 47
2.2.2 Der Pressekampf in Eupen-Malmedy ... 48
2.2.3 Neues Selbstverständnis der Minderheitenpresse ... 49
2.3 Der belgische Multikulturalismus ... 50
3. Zusammenfassung ... 51
D. Gegenstandsbeschreibung ... 53
1. Überblick über die deutschsprachige Presse im Ausland ... 53
2. Das "Echo" und das "Grenz-Echo" im Vergleich ... 53
2.1 Das Echo: Vom Flugblatt zur nationalen Monatszeitung ... 53
2.2 Das Grenz-Echo: Vom pro-belgischen Wochenblatt zur einzigen deutschsprachigen Tageszeitung in Belgien ... 55
3. Zusammenfassung ... 5
E. Die Leserschaft deutschsprachiger Presse im Ausland ... 58
1. Die Leserschaft deutschsprachiger Presse im Allgemeinen ... 58
2. Die Leserschaft von "Echo" und "Grenz-Echo" im Vergleich ... 59
2.1 Größe und Verbreitung der deutschsprachigen Minderheiten ... 61
2.2 Altersstruktur ... 62
2.3 Das kulturelle Gedächtnis und die Identität der Leserschaft ... 64
2.4 Geschlecht ... 68
2.5 Bildungs- und Berufsstruktur ... 69
2.6 Sprachkenntnisse ... 70
2.7 Leseverhalten und Lesegewohnheiten ... 72
3. Zusammenfassung ... 75
F. Funktionen deutschsprachiger Presse im Ausland ... 77
1. Allgemeine Funktionen deutschsprachiger Presse im Ausland ... 77
2. Das "Echo" und das "Grenz-Echo" im Vergleich ... 78
2.1 Quantitative Gewichtung der Themenkomplexe ... 78
2.2 Informations- und Servicefunktion ... 78
2.3 Unterhaltungsfunktion ... 80
2.4 Werbeträger für deutschsprachige Firmen ... 81
2.5 Die Zeitung als "Brücke zur Heimat" ... 82
2.5.1 Anteil der Berichterstattung über Deutschland ... 82
2.5.2 Das Deutschlandbild in der Berichterstattung ... 84
2.6 Integrationsfunktion in die neue Heimat ... 89
2.6.1 Anteil der Berichterstattung über das Residenzland ... 89
2.6.2 Das vermittelte Bild des Erscheinungslandes ... 90
2.7 Artikulationsfunktion für eine Minderheit ... 93
2.7.1 Fokussierung auf die lokale Perspektive in der Berichterstattung ... 93
2.7.2 Schaffung einer gruppeninternen Identität ... 95
2.7.3 Sprachrohr nach außen ... 100
2.7.4 Sprachrohr nach innen ... 104
3. Zusammenfassung ... 106
G. Perspektiven deutschsprachiger Presse im Ausland ... 108
1. Allgemeine Perspektiven deutschsprachiger Presse im Ausland ... 108
2. Die Perspektiven von "Echo" und "Grenz-Echo" im Vergleich ... 109
2.1 Stagnation der Leserschaft ... 109
2.1.1 Ansprechen der jungen Generation ... 109
2.1.2 Ausweitung auf andere Leserkreise ... 112
2.1.2.1 Leser aus dem Ausland ... 112
2.1.2.2 Geschäftsleute und Touristen ... 114
2.2 Schwierigkeiten in den Bereichen Personal und Organisation ... 117
2.3 Finanzielle Probleme ... 122
2.4 Konkurrenz durch anderen Medien ... 124
2.5 Kampf gegen Vorurteile ... 126
2.6 Minderheitenpublizistik in der modernen, multikulturellen Gesellschaft - ein Widerspruch? ... 128
2.6.1 Zwischen Assimilation und Isolation ... 128
2.6.2 Die Minderheitenpresse als Beitrag zur interkulturellen Kommunikation ... 129
3. Zusammenfassung ... 134
H. Resümee ... 135
Literaturverzeichnis ... 137
1. Bibliografie ... 137
2. Internetquellen ... 159
3. Artikel aus Echo und Grenz-Echo ... 160
3.1 Echo ... 160
3.2 Grenz-Echo: ... 161
Anhang ... 164
A. Einleitung
Als ich im September 2000 mein zweisemestriges Erasmusstudium an der Université de Liège antrat, ahnte ich noch nicht, dass ich damit bereits den Grundstein für meine nun vorliegende Diplomarbeit legte. Gleich in meinen ersten Wochen in Belgien wurde ich auf das Grenz-Echo, die einzige in Belgien erscheinende deutschsprachige Tageszeitung, aufmerksam. Gleichzeitig besuchte ich in meinem Nebenfach Politikwissenschaft Veranstaltungen von Prof. Marco Martiniello, Leiter des Centre d.étude des migrations de l.ethnicité (CEDEM) der Universität Lüttich. Dabei habe ich die Theorien von HUNTINGTON, GLAZER und MOYNIHAN kennen gelernt, die den Diskurs neu anregten und zeigten, dass Ethnizität und das Bestehen auf partikularen Identitäten, sich als ein geradezu modernes Phänomen erweist.1 Ich wurde darauf gestoßen, dass die deutschsprachigen Minderheiten in Kanada und Belgien die drittgrößten ethnischen Gruppen in zwei multikulturellen Ländern stellen, die jeweils von zwei dominierenden kulturellen Gruppen beherrscht werden: der Anglo-sächsischen und der französischstämmigen Gruppe in Kanada und den Flamen und Wallonen in Belgien. In beiden Ländern wurden die Konflikte zwischen diesen Gruppen in den 70er Jahren massiv und gewalttätig ausgetragen, was bis zu Separatismusbestrebungen führte. Doch ein massiver Unterschied besteht: Während Kanada ein typisches Einwanderungsland ist, ist die deutschsprachige Minderheit in Belgien durch eine Grenzverschiebung entstanden. Gibt es also einen Unterschied zwischen dem europäischen und dem transatlantischen Multikulturalismus und wie wirkt er sich auf die jeweils drittgrößten Bevölkerungsgruppen, die Deutschsprachigen, aus? Dieser Frage geht MARTINIELLO ansatzweise in seinem Buch Sortir des ghettos culturels nach. Er sucht darin Antworten auf die Frage, wie sich Minderheiten zwischen der Angst vor Assimilierung und der Gefahr der Selbstisolierung situieren. Ein Aspekt jedoch wurde dabei nie beleuchtet: der Einfluss deutschsprachiger Minderheitenmedien auf diese Prozesse. Während meines Praktikums beim Grenz-Echo im Juni 2001 hatte ich Gelegenheit, Antworten auf diese Frage zu finden. Im vergangenen Jahr bot sich mir schließlich die Chance, durch ein dreimonatiges Praktikum beim Echo, einer deutschsprachigen Monatszeitung in Montreal, auch die Situation in Übersee kennen zu lernen. Wie setzt sich die Leserschaft der beiden Zeitungen zusammen, welche Funktion erfüllen diese Zeitungen für ihre Leser, welche Zukunftschancen haben sie und welche Unterschiede ergeben sich hierbei für deutschsprachige Minderheiten in Europa und Übersee? Dies sind die Fragen, die mich dabei am meisten interessiert haben. Über allem standen – angeregt durch das Buch von MARTINIELLO – folgende Leitfragen: sind die beiden Zeitungen eher Ausdruck und Stifter einer exklusiven Gruppenidentität oder Beitrag zur Gesamtgesellschaft? Wie bewältigen sie die Gratwanderung zwischen Assimilation und Isolation?
1. Forschungskontext
Mit dieser Fragestellung steht diese Arbeit im besten Sinne in einem interdisziplinären Forschungskontext. Anthropologen, Politikwissenschaftler, Historiker und vor allem Soziologen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten des Minderheitenphänomens. Vor allem in den sog. Cultural Studies, aber auch in der gesamten Sprachlehrforschung ist in den letzten Jahren eine vermehrte Beschäftigung mit Minderheiten in Situationen gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit zu beobachten. 2
Die medien- bzw. kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit deutschsprachiger Presse im Ausland, Minderheitenmedien bzw. Medien in Minderheitensprachen ist hingegen marginal. Erst in den letzten Jahren ist vor allem in der österreichischen Kommunikationswissenschaft ein verstärktes Interesse an diesem Themenkomplex deutlich geworden. 3
Das Schlagwort „interkulturelle Kommunikation“, das Ende der 50er Jahre von dem Anthropologen Edward Hall in die Kommunikationsforschung eingeführt wurde, rückte in das Blickfeld des Forscherinteresses wobei hier vor allem die Situation von Minderheitenmedien in der Bundesrepublik bzw. die Integration von Ausländern in die deutsche Gesellschaft durch die Medien untersucht wurde.4 Abschlussarbeiten der letzten Jahre, die sich mit deutschsprachiger Presse im Ausland beschäftigen, beschränken sich zumeist auf die Darstellung der Situation in einem Land bzw. einer Zeitung. So hat EVA-MARIA SCHREINER (1994) die Situation in Brasilien, MICHAEL RUDDIGKEIT (1998) die deutschsprachige Presse Osteuropas, CARSTEN VON NAHMEN (2001) die deutschsprachigen Medien in Namibia und zuletzt MEIKE RESPONDEK (2002) den Aufbau in New York untersucht.
Durch einen Vergleich der Situation in einem europäischen und einem nordamerikanischen Land betrete ich somit Neuland, was auf den ersten Blick gewagt erscheinen mag. Die Situation der deutschsprachigen Minderheiten und ihrer Presse in Kanada und Belgien ist eine andere, so dass sich die Frage stellt, ob solch ein Vergleich überhaupt Sinn macht oder ob man nicht eher „Äpfel mit Birnen vergleicht“, wie Margareta Hauschild, Leiterin des Goethe-Instituts in Brüssel, Bedenken gegen mein Vorgehen hegte. Je mehr ich mich aber mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr hat sich für mich bestätigt, dass ein Vergleich der Situation in Kanada und Belgien keineswegs unsinnig ist, sondern im Gegenteil eine Blickrichtung ermöglicht, die gerade auf Grund der unterschiedlichen Ausgangsbasis in beiden Ländern wichtige Erkenntnisse zu Tage fördert.
2. Aufbau der Arbeit
Um die Leitfragen dieser Arbeit zu beantworten, werde ich zunächst in einem theoretischen Teil alle notwendigen Begriffe aus der Soziologie und Kommunikationswissenschaft klären, die in den Themenkreis „Minderheitenmedien“ gehören sowie kurz die Theorien zur Integrationsfunktion von Minderheitenmedien darstellen.
Dem folgt ein Abriss über die Geschichte der beiden deutschsprachigen Minderheiten, ihrer Medien sowie dem Multikulturalismuskonzept in beiden Ländern. Dieser Teil ist relativ ausführlich gehalten, weil er viele wichtige Aspekte zum analytischen Teil beiträgt. Um die heutige Leserschaft von Echo und Grenz-Echo verstehen zu können und zu begreifen, in welcher Tradition die beiden Zeitungen stehen, ist ein Blick zurück in die Geschichte unerlässlich. Darüber hinaus kann man aus Problemen, vor denen die deutschsprachige Presse in der Vergangenheit stand, für die heutige Situation lernen.
In der Gegenstandsbeschreibung wird zunächst ein Überblick über die deutschsprachige Presse im Ausland gegeben und anschließend die Gründung und die Geschichte der beiden Zeitungen umrissen. Auf genauere Angaben zur Mitarbeitersituation, Verbreitung und Organisation habe ich an dieser Stelle bewusst verzichtet, da sie bei der Analyse der Perspektiven genauer in Erscheinung treten werden.
Der anschließende analytische Teil besteht aus drei Kapiteln, in denen ich die Leserschaft, die Funktion und die Perspektive beider Zeitungen gegenüberstellen und die Zusammenhänge zwischen diesen drei Aspekten klären werde, so dass am Ende dieser Arbeit die oben genannten Leitfragen beantwortet werden können.
[...]
1 Vgl. Huntington (1996); Glazer (1997); Glazer/Moynihan (1976); Moynihan (1993).
2 Einen ausführlichen Überblick über das Forschungsfeld in verschiedenen Disziplinen liefern Luger (1994); Busch (1999b); Martiniello (1995), S. 7f.
3 Vgl. Luger/Renger (Hg.) (1994); Österreichische Gesellschaft für Kommunikationswissenschaft (Hg.) (1999); Kogoj (1998); Busch (1999a).
4 Vgl. z.B. Schatz/Holtz-Bacha/Nieland (Hg.) (2000); Hess-Lüttich (Hg.) (1992); Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (Hg.) (1994).
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