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Die Kriegserklärung in Pleiers "Garel von dem blühenden Tal" close

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Die Kriegserklärung in Pleiers "Garel von dem blühenden Tal"

Subtitle: Eine Untersuchung über mögliche Funktionen der fiktionalen Fehdeansage für die Realität im 13. Jh.

Termpaper, 2000, 21 Pages
Author: Wolfram Baier
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Arthurische Verhandlungen - Spielregeln der Gewalt im Artusroman des 13. Jh.
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Artusroman, Pleier, Garel, Fehde, Krieg
Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 34  Entries
Language: German
Archive No.: V1484
ISBN (E-book): 978-3-638-10920-8
ISBN (Book): 978-3-638-83681-4
File size: 213 KB
Notes :
Eine Untersuchung über Funktionen der Fehde für die Realität im 13. Jahrhundert. Methoden: literaturhistorisch, rezeptionsästhetisch, soziologisch-politisch, konflikt-historisch408 KB


Abstract

Wann hat der Pleier den Roman geschrieben und an welchem Fürstenhof oder vor welchen Adligen hat er ihn vorgetragen? Mit diesen Fragen hängen zwei miteinander verknüpfte Interpretationsansätze zusammen. Hier die rezeptionsästhetische Untersuchung des Spannungsverhältnisses zwischen Erwartungshorizont des Publikums, Funktion des Erzählten und Intention des Erzählers (Interaktion von Autor und Zuhörer), dort die soziologisch-politische Fragestellung, ob der Autor auf zeitgeschichtliche Ereignisse Bezug nimmt, und sich in seinem Werk gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln. Mit vorliegender Arbeit versuche ich, zur Klärung dieser Fragen beizutragen. Da Pleiers Dichtung in der Forschung sehr umstritten ist und ob der bisher erfolglosen genauen Einordnung in Raum und Zeit die Wissenschaft sich auf viele Annahmen und Vermutungen stützen muß, ist es schwierig, endgültige Antworten zu geben. Die für Artusromane ungewöhnliche Kriegserklärung im Garel dient als Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Die literarische Fehdeansage (Verse 219 bis 476) wird mit Hilfe der in der mediävistischen Geschichtsforschung gesammelten Erkenntnisse über Fehden und Konfliktverhalten interpretiert. Als Beispiel für das 13. Jh. berichte ich in einem Exkurs von einer realen Auseinandersetzung zwischen Ottokar II., König von Böhmen, und Bela IV., König von Ungarn, um die Steiermark im Jahre 1260. Auf eine direkte Gegenüberstellung der fiktionalen Fehde mit einer zeitgenössischen wird verzichtet, weil Quellen aus dem angenommenen Umfeld des Pleiers keine genügenden Vergleichsmomente liefern. Am Schluss beschäftige ich mich mit den möglichen Funktionen der literarischen Fehde für die Realität. Dabei überschneiden sich in einigen Punkten die Ergebnisse der rezeptionsästhetischen Deutung mit denen der soziologisch-politischen.


Excerpt (computer-generated)

Grundkurs C: Arthurische Verhandlungen - Spielregeln
der Gewalt im Artusroman des 13. Jahrhunderts

Sommersemester 2000
Humboldt-Universität zu Berlin

Die Kriegserklärung in Pleiers Garel von dem blühenden Tal

Eine Untersuchung über mögliche Funktionen der fiktionalen Fehdeansage
für die Realität im 13. Jh.

Verfasser:

Wolfram Baier

6. Fachsemester

Inhalt:

1. Einstieg 3

2. Forschungsstand 4

3. Die Kriegserklärung im Garel und in der historischen Mediävistik 7
3.1. Verse 219 bis 296: Ankunft des Boten und Empfang am Königshof 7
3.2. Verse 297 bis 326: Aufkündigung des Friedens und Ankündigung des Krieges 8
3.3. Verse 327 bis 476: Reaktion des Königs und Verhandlung mit dem Boten 11

Exkurs: Ein Beispiel aus dem Jahr 1260: Ottokar II. gegen Bela IV. - die Schlacht an der March bei Kroissenbrunn 13

4. Mögliche Funktionen der Kriegserklärung im Garel für die Realität 14

5. Schluß 17

Literaturverzeichnis 17

 

 

1. Einstieg

Der Artushof feiert wie jedes Jahr das Frühlingsfest in Lover vor der Stadt Dinazarun. In gewohnter Weise wird König Artus als milder und freigiebiger Herrscher charakterisiert. Auch einem fremden Ritter gegenüber muß er sein Versprechen einhalten, das zu geben, um was dieser bittet; der Fremde erhält wunschgemäß die Königin. Die besten Ritter der Tafelrunde machen sich auf die Verfolgung, um für Artus die Königin im Zweikampf zurückzugewinnen. Diese Eingangssituation ist aus Hartmanns Iwein bekannt, der Pleier nimmt das Thema fast unverändert wieder auf. Doch nun beginnt die eigentliche Handlung, der Held des Romans, Garel von dem blühenden Tal erscheint am Hof. Er will dem Entführer nachreiten, doch Artus bittet ihn zu bleiben. So wird Garel Zeuge einer Kriegserklärung eines riesenhaften Boten des Königs Ekunaver. Soweit der Einstieg in die Erzählung.1

Der Autor muß Strickers Daniel von dem blühenden Tal gekannt und die Absicht gehabt haben, sich von ihm zu distanzieren, denn im Gegensatz zu diesem Roman ist Garel ein korrekter arthurischer Name und das Erzählschema des Daniel wird in die werkübergreifende, gattungskonforme und dem Publikum bekannte Artuswelt eingebettet, indem z. B. der Pleier seine Erzählung in die Lücken von Hartmanns Iwein einfügt.2 Diesen Unterschied machen Mertens mit den Bezeichnungen ,,die Re-Arthurisierung des Daniel" und Kern mit ,,Der Garel als Anti-Daniel" deutlich.3

Aber wann hat der Pleier den Roman geschrieben und an welchem Fürstenhof oder vor welchen Adligen hat er ihn vorgetragen? Mit diesen Fragen hängen zwei miteinander verknüpfte Interpretationsansätze zusammen. Hier die rezeptionsästhetische Untersuchung des Spannungsverhältnisses zwischen Erwartungshorizont des Publikums, Funktion des Erzählten und Intention des Erzählers (Interaktion von Autor und Zuhörer), dort die soziologisch-politische Fragestellung, ob der Autor auf zeitgeschichtliche Ereignisse Bezug nimmt, und sich in seinem Werk gesellschaftliche Verhältnisse widerspiegeln.
Mit vorliegender Arbeit versuche ich, zur Klärung dieser Fragen beizutragen. Da Pleiers Dichtung in der Forschung sehr umstritten ist und ob der bisher erfolglosen genauen Einordnung in Raum und Zeit die Wissenschaft sich auf viele Annahmen und Vermutungen stützen muß (siehe Kapitel 2), ist es schwierig, endgültige Antworten zu geben. Die für Artusromane ungewöhnliche Kriegserklärung im Garel dient als Ausgangspunkt meiner Überlegungen. In Kapitel drei wird die literarische Fehdeansage (Verse 219 bis 476)4 mit Hilfe der in der mediävistischen Geschichtsforschung gesammelten Erkenntnisse über Fehden und Konfliktverhalten interpretiert. Als Beispiel für das 13. Jh. berichte ich in einem Exkurs von einer realen Auseinandersetzung zwischen Ottokar II., König von Böhmen, und Bela IV., König von Ungarn, um die Steiermark im Jahre 1260.5 Auf eine direkte Gegenüberstellung der fiktionalen Fehde mit einer zeitgenössischen wird verzichtet, weil Quellen aus dem angenommenen Umfeld des Pleiers keine genügenden Vergleichsmomente liefern. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den möglichen Funktionen der literarischen Fehde für die Realität. Dabei überschneiden sich in einigen Punkten die Ergebnisse der rezeptionsästhetischen Deutung mit denen der soziologisch-politischen.

2. Forschungsstand

Da über die Fehdeansage im Garel keine spezifischen literaturwissenschaftlichen Untersuchungen vorliegen, wird der literaturhistorische, rezeptionsästhetische, soziologisch-politische und konflikt-historische Forschungsstand, der für meine Untersuchung eine Rolle spielt, kurz umrissen.

Der Vorwurf der reinen Nachahmung der Klassiker ohne eigenständige Handschrift an den Pleier, der besonders in der älteren Forschung ausgesprochen wurde, wird in den jüngsten Untersuchungen weitgehend verneint.6 „Der Rückgriff auf vorgegebene Erzählmuster ist nicht als Epigonalität zu verstehen, sondern als bewußte Inszenierung ‘arthurischer Korrektheit’.“7 Das literaturwissenschaftliche Kernproblem des Garel sei, so Konsens in der Forschung, daß der Pleier mehr auf höfische Etikette und Zeremonien als auf Zusammenhänge, Charakterzeichnung und stringenten, vielschichtigen Handlungsaufbau geachtet habe.8 Welche Absichten, gerade im Bezug auf die Fehdeansage, hinter der „höfischen Überkorrektheit“ stecken, wird in Kapitel vier zu zeigen sein.

[...]


1 Ein interpretatorische Nacherzählung des gesamten Romans bietet Mertens (1998) S. 215-223, eine skizzierte Inhaltsangabe Gottzmann (1989) S.164ff. Die bibliographischen Angaben werden mit dem Nachnamen des Autors und Erscheinungsjahr der verwendeten Auflage angegeben. Die vollständigen Angaben sind dem Literaturverzeichnis am Schluß zu entnehmen.

2 Vgl. Kern (1981) S. 66-76 und (1992) S. 11-28, hier S. 21: ,,Die nachklassischen Romanciers sind bemüht, durch Imitation der klassischen Leitmuster und mehr noch durch Anbindung ihrer Werke an die Gattungstradition die Identität der von den klassischen Autoren grundgelegten Erzählwelt zu wahren," indem sie auf Personen aus dem bekannten Artussagenkreis an- oder neue Personen in verwandtschaftliche Beziehungen einknüpfen (z.B. ist Artus Garels Onkel), indem sie literarisch belegte Schauplätze wählen und Aktionen, Situationen, Konstellationen mit den Handlungen in früheren Romanen synchronisieren und alte Geschichten integrieren. Diese werkübergreifende Artuswelt ist den von Tolkien (Herr der Ringe), Rodenberry (Star Trek) oder Disney (Entenhausen) nicht unähnlich.

3 Mertens (1998) S. 215; Kern (1981) S. 158. Eine Gegenüberstellung mit Strickers Daniel bei Boor (1964) S. 184-197.

4 Textgrundlage ist die Ausgabe von Walz (1892).

5 Erst nach eigener abgeschlossener Recherche nach geeigneten Quellen erfuhr ich, daß M. Zimmermann (1988) in seinem Aufsatz diese Schlacht sogar in einen direkten Zusammenhang mit der Schlacht im Garel gesetzt hat.

4 Textgrundlage ist die Ausgabe von Walz (1892).

5 Erst nach eigener abgeschlossener Recherche nach geeigneten Quellen erfuhr ich, daß M. Zimmermann (1988) in seinem Aufsatz diese Schlacht sogar in einen direkten Zusammenhang mit der Schlacht im Garel gesetzt hat.

6 Vgl. Kern (1981) S. 32-36, der die 150jährige Forschung über den Pleier analytisch überprüft und die Ergebnisse hinterfragt, hier S. 35: „Die Quellenforschung wird als Instrument gehandhabt, den Pleier als Epigonen zu disqualifizieren und die These zu festigen, auf die Blütezeit der mittelalterlichen Dichtung sei eine Zeit des Verfalls gefolgt.“

7 Mertens (1998) S. 218.

8 Vgl. Knapp (1992) S. 169: „Das rechte moralische Verhalten erscheint gleichsam ritualisiert wie die Normen höfischen Benehmens, die bei jeder passenden Gelegenheit von den Akteuren der Handlung (...) übererfüllt werden.“


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