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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 26 Pages
Author: Wolfram Baier
Subject: History - World War I, Weimar Republic
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften)
Tags: Fritz Klein, DAZ, Verlagspolitik, Stresemann, Brüning
Year: 2000
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10921-5
ISBN (Book): 978-3-638-67614-4
File size: 193 KB
Eine Untersuchung über Abhängigkeiten eines Journalisten von Politik und Wirtschaft in der Weimarer Republik; Quellengrundlage: privates, nicht zugängliches Archiv
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Abstract
Fritz Klein arbeitete von 1925 bis 1933 als Chefredakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ), einem einflußreichen, besonders im Ausland beachteten Organ der Nationalkonservativen in der Weimarer Republik. Klein war Leitartikler und Auslandsberichterstatter von den großen Konferenzen der Zeit. Zu Lebzeiten war er eine herausragende Figur im Zeitungswesen, sein Kürzel ,,Dr. F.K." galt als ein Markenzeichen. Seine Verbindungen zu führenden Persönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Kultur machten ihn zu einem der angesehensten und zugleich streitbarsten publizierenden Journalisten der Republik. Dennoch gibt es bisher keine vollständige Bio- bzw. Monographie über die Person oder die Zeitung. Klein scheint in Vergessenheit geraten zu sein. In Lexika finden sich kaum Einträge, in der Fachliteratur über Journalismus und Zeitungswesen in der Weimarer Zeit ist höchstens der DAZ ein Kapitel gewidmet, die historische Forschung ist ungenügend und teilweise sogar fehlerhaft. Eine Diplomarbeit aus dem Jahre 1992 ist meines Wissens nach das einzige umfassendere Werk, wobei Berthold Neff den Schwerpunkt seiner Biographie auf Kleins Verhältnis zum Nationalsozialismus legt. Ein Grund für die lückenhafte Informationslage besteht wohl darin, daß nur wenige autobiographische und persönliche Zeugnisse erhalten geblieben sind und die Redaktionsprotokolle 1933 vom Nachfolger Kleins vernichtet wurden. Diese Arbeit beschäftigt sich ebenfalls nur mit einem Teilaspekt der Geschichte der DAZ und des Chefredakteurs. Auch werde ich mich in der Hauptsache auf Ereignisse der Jahre 1931 und 1932 beziehen. Die Ausgangsfrage meiner Unersuchung lautet: Welche Möglichkeiten und Zwänge journalistischen Arbeitens in der Weimarer Republik ergaben sich, wenn man von der Tatsache ausgeht, daß die DAZ zwischen 1922 und 1932 zwar nicht zensiert und verboten wurde, aber immer abhängig von den Interessen und Geldern Dritter war? Wie agiert und reagiert in diesem Spannungsfeld der Chefredakteur Fritz Klein? Als Ergebnis soll der Grad der Abhängigkeit Kleins von den Inhabern und Geldgebern der DAZ bestimmt und beurteilt werden. Gerade dieses Thema ist bis dato in der Forschung nur ansatzweise besprochen worden. Meine Untersuchungen stützen sich vor allem auf Briefe und persönliche Notizen Kleins aus den Jahren 1931 bis 1933, die mir dessen Sohn, der Historiker Fritz Klein dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.
Excerpt (computer-generated)
Hauptseminar: ,,Journalismus in der Weimarer Republik"
Thema: Wirtschaft und Presse
Unterthema: Wirtschaftliche Abhängigkeit von Journalisten
Humboldt-Universität zu Berlin
Sommersemester 2000
Fritz Klein, Chefredakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung
Eine Untersuchung über Abhängigkeiten eines Journalisten
von Politik und Wirtschaft in der Weimarer Republik
Verfasser:
Wolfram Baier
6. Fachsemester
Inhalt
1. Einleitung 03
2. Die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) und Fritz Klein 05
2.1. Die DAZ und ihre politische Ausrichtung in der Weimarer Republik 05
2.2. Zur Person Fritz Klein 06
3. Die Inhaberverhältnisse der DAZ 1920-1933 09
3.1. Die DAZ unter dem Einfluß der Politik 1924-27 09
3.2. Die DAZ unter dem Einfluß der Wirtschaft 1927-33 11
4. Fritz Klein - Akteur oder Spielball? Untersuchung der Abhängigkeit anhand von drei Beispielen aus den Jahren 1930-32 15
4.1. Unstimmigkeiten zwischen Klein und den Geldgebern der Zeitung wegen der Berichterstattung über Brüning 15
4.2. Klein betreibt zur Existenzsicherung der DAZ Verlagspolitik 19
4.3. Klein setzt sich entgegen seiner wirtschaftspolitischen Auffassung für Aufsichtsratsvorsitzenden des Verlags ein 21
5. Grad der Abhängigkeit Kleins von den Geldgebern 23
6. Schluß 25
Literaturverzeichnis 26
1. Einleitung
Fritz Klein arbeitete von 1925 bis 1933 als Chefredakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ), einem einflußreichen, besonders im Ausland beachteten Organ der National-konservativen in der Weimarer Republik. Klein war Leitartikler und Auslandsberichterstatter von den großen Konferenzen der Zeit. Zu Lebzeiten war er eine herausragende Figur im Zeitungswesen, sein Kürzel ,,Dr. F.K." galt als ein Markenzeichen. Seine Verbindungen zu führenden Persönlichkeiten in Politik, Wirtschaft und Kultur machten ihn zu einem der angesehensten und zugleich streitbarsten publizierenden Journalisten der Republik.
Dennoch gibt es bisher keine vollständige Bio- bzw. Monographie über die Person oder die Zeitung. Klein scheint in Vergessenheit geraten zu sein. In Lexika finden sich kaum Einträge, in der Fachliteratur über Journalismus und Zeitungswesen in der Weimarer Zeit ist höchstens der DAZ ein Kapitel gewidmet, die historische Forschung ist ungenügend und teilweise sogar fehlerhaft.1 Eine Diplomarbeit aus dem Jahre 1992 ist meines Wissens nach das einzige umfassendere Werk, wobei Berthold Neff den Schwerpunkt seiner Biographie auf Kleins Verhältnis zum Nationalsozialismus legt.2 Ein Grund für die lückenhafte Informationslage besteht wohl darin, daß nur wenige autobiographische und persönliche Zeugnisse erhalten geblieben sind und die Redaktionsprotokolle 1933 vom Nachfolger Kleins vernichtet wurden.
Diese Arbeit beschäftigt sich ebenfalls nur mit einem Teilaspekt der Geschichte der DAZ und des Chefredakteurs. Auch werde ich mich in der Hauptsache auf Ereignisse der Jahre 1931 und 1932 beziehen. Die Ausgangsfrage meiner Unersuchung lautet: Welche Möglichkeiten und Zwänge journalistischen Arbeitens in der Weimarer Republik ergaben sich, wenn man von der Tatsache ausgeht, daß die DAZ zwischen 1922 und 1932 zwar nicht zensiert und verboten wurde, aber immer abhängig von den Interessen und Geldern Dritter war? Wie agiert und reagiert in diesem Spannungsfeld der Chefredakteur Fritz Klein?
Als Ergebnis soll der Grad der Abhängigkeit Kleins von den Inhabern und Geldgebern der DAZ bestimmt und beurteilt werden. Gerade dieses Thema ist bis dato in der Forschung nur ansatzweise besprochen worden. Meine Untersuchungen stützen sich vor allem auf Briefe und persönliche Notizen Kleins aus den Jahren 1931 bis 1933, die mir dessen Sohn, der Historiker Fritz Klein dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.3
Im folgenden Kapitel werde ich erstens in einem Abriß die Geschichte der DAZ und ihre politische Ausrichtung vorstellen und zweitens die Person Fritz Klein, seine Arbeit, seine Weltsicht und seine Lebensumstände skizzieren. Kapitel drei wird die Inhaberverhältnisse der DAZ in der Weimarer Republik und die jeweiligen Interessen der Inhaber in zwei Abschnitten chronologisch vorstellen: Von 1924-27 die Geldgeber aus der Politik, von 1927-33 die aus der Wirtschaft. In Kapitel vier werde ich anhand von drei Beispielen aus den Jahren 1930-32 die Art und Weise von Kleins Abhängigkeit von Dritten und sein Handeln analysieren. Das fünfte Kapitel befaßt sich dann mit der Beurteilung der in Kapitel drei und vier herausgearbeiteten Ergebnisse, um den Grad der Abhängigkeit bzw. der persönlichen und redaktionellen Autonomie bestimmen zu können.
Wegen der unvollständigen Quellenlage und der dürftigen Forschungsliteratur speziell zu diesem Thema, war es notwendig, einige Zusammenhänge und Sachverhalte zu konstruieren.
2. Die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) und Fritz Klein
Ausgehend vom Urteil Kurt Koszyks, daß die DAZ die „Nahtstelle für die Beziehungen von Staat und Industrie in der Weimarer Republik“ und Fritz Klein der „Vertrauensmann der industriellen Kreise“ gewesen sei,4 werde ich kurz die Geschichte der DAZ und ihre politische Richtung vorstellen sowie das Leben und die Arbeit Fritz Kleins und seine Persönlichkeit skizzieren. Meine Ausführungen fußen dabei auf eine überblicksartige Durchsicht mehrerer Jahrgänge der DAZ, auf den Aufzeichnungen Fritz Kleins im Archiv F.K. und den Angaben in der Autobiographie seines Sohnes.5
2.1. Die DAZ und ihre politische Ausrichtung in der Weimarer Republik
Die Zeitung trug seit der Novemberrevolution den Titel Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ).6 Sie war die Nachfolgerin der 1861 gegründeten Norddeutschen Allgemeinen Zeitung und wurde von der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt herausgegeben. Im Kaiserreich wurde sie staatlich subventioniert und besaß den Charakter einer offiziösen Zeitung. Vor allem in den 1870ern galt sie als Sprachrohr Bismarcks. Politisch liberal-konservativ ausgerichtet, war sie immer auch wirtschafts- und unternehmerfreundlich.7
[...]
1 Beispielsweise ist bei Kurt Koszyks Kapitel über die DAZ im dritten Band ,,Deutsche Presse 1914-1945" (Berlin 1972) auffällig, daß sich seine Ausführungen zum Zeitraum 1927-32 fast gänzlich auf den sehr einseitig im Duktus der DDR-Geschichtswissenschaft geschriebenen Aufsatz ,,Die ,Deutsche Allgemeine Zeitung` und die Brüning Regierung. Zur Rolle der Großbourgeosie bei der Vorbereitung des Faschismus." von Wolfgang Ruge in der ZfG (16/1968, Heft 1) beziehen und Urteile und Zitate ohne Quellenangabe teilweise unverändert übernommen worden sind. In der publizistikwissenschaftlichen Untersuchung von Kareen M. Moores ,,Presse und Meinungsklima in der Weimarer Republik." (Diss. Mainz 1997) ist die Abfolge der Inhaberverhältnisse der DAZ (S.63) fehlerhaft. Zum Forschungsstand und zum Informationsdefizit vgl. die Arbeit von Neff (S.3-5), siehe Anm. 2.
2 Neff, Berthold: Fritz Klein (1895-1936). Der Weg eines Journalisten und konservativen Publizisten aus der Weimarer Republik ins Dritte Reich. Eine Biographie. Diplomarbeit München 1992. Über die Hälfte der Arbeit beschäftigt sich mit der der Auseinandersetzung Kleins mit dem Nationalsozialismus. Neff bietet aber zusätzlich einen ausführlichen biographischen Teil und einen vorzüglichen Anhang.
3 Im folgenden wird der Sohn mit Klein jun. zitiert; die Briefe, Notizen und Aufzeichnungen stammen aus dem persönlichen Nachlaß Kleins, dem Archiv F.K., das leider nicht vollständig erhalten ist.
4 Koszyk S.135: „Staatliche und industrielle Pressepolitik greifen in dieser Zeitung ineinander über und berühren gleichzeitig den Bereich der Parteipresse.“
5 Klein jun., Fritz: Drinnen und Draußen. Ein Historiker in der DDR. Erinnerungen. Frankfurt/M. 2000.
6 Das Ziel der Zeitung sei, so der damalige Chefredakteur Rudolf Cuno, „die Sammlung des deutschen Bürgertums für die Arbeit am Wiederaufbau dessen, was durch den verlorenen Krieg und all das Unglück, das er im Gefolge hatte, zerstört ward.“ Zitiert nach Klein jun.: Drinnen und Draußen, S.22.
7 Zur Geschichte der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung siehe Neff S.44-47.
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