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Alternative Finanzierungsformen für den deutschen Mittelstand

Autor: Andreas Dengler
Fach: Wirtschaft - Investition und Finanzierung

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Details

Kategorie: Studienarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 84
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 621 KB
Archivnummer: V14922
ISBN (E-Book): 978-3-638-20196-4

Textauszug (computergeneriert)

Alternative Finanzierungsformen für den deutschen Mittelstand

 

 

vorgelegt von: Andreas Dengler

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung 4

1.1 Definition des Begriffs „Mittelstand“  4
1.2 Die Relevanz kleiner und mittlerer Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland 7

2 Diagnose Mittelstand - Finanzierung im Umbruch 10

2.1 Derzeitige Finanzierungsstruktur im Mittelstand 10
2.2 Veränderung der Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten 14

3 Ausgewählte Finanzierungsalternativen zum klassischen Kredit (Aussenfinanzierung) 19

3.1 Überblick  19
3.2 Eigenkapital- / Beteiligungsfinanzierung 25

3.2.1 Private Equity / Venture Capital  25
3.2.2 IPO / Cold-IPO 33

3.3 Mezzanine-Finanzierungen  39

3.3.1 Nachrangdarlehen 39
3.3.2 Stille Beteiligung 41
3.3.3 Genussscheine  46
3.3.4 Wandel- und Optionsanleihen 50

3.4 Fremdfinanzierung  52

3.4.1 Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) 52
3.4.2 Schuldscheindarlehen 54
3.4.3 Leasing  56
3.4.4 Factoring  62
3.4.5 Asset-Backed-Securities (ABS)  65

3.5 Öffentliche Fördermittel  69

4 Fazit  77

5 Abbildungsverzeichnis 78

6 Quellenverzeichnis  79


 

1 Einführung

1.1 Definition des Begriffs „Mittelstand“

Kaum ein Tag vergeht an dem der Begriff Mittelstand nicht in der Presse zu lesen ist. Wer oder was ist aber der Mittelstand? Trotz der Alltäglichkeit des Begriffs ist es schwer ihn zu definieren. Für den Begriff Mittelstand gibt es keine gesetzliche oder allgemein gültige Definition. Da bei Diskussionen um die deutsche Wirtschaft jedoch kaum ein Schlagwort so häufig verwendet wird, ist es außerordentlich wichtig, nach der jeweils zugrunde liegenden Definition zu fragen. Hierzulande am bekanntesten und gebräuchlichsten sind die Definitionen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) sowie die der Europäischen Union (Kommission). Das IfM unterscheidet die Unternehmensgrößen klein (weniger als 9 Beschäftigte und weniger als eine Million Euro Jahresumsatz), mittel (10-499 Beschäftigte und 1 bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz) und groß (über 500 Beschäftigte und über 50 Millionen Euro Jahresumsatz). Zum Mittelstand gehören demnach alle Unternehmen die weniger als 500 Beschäftigte haben und deren Jahresumsatz unter 50 Millionen Euro liegt. Branchenbezogen gelten Unternehmen im Bereich Einzelhandel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie den Freie Berufe mit mehr als 12,5 Millionen Euro Umsatz bereits als Großbetriebe. Nach der Definition der Europäischen Union gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen alle Gesellschaften mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von höchstens 40 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von maximal 27 Millionen EUR. Zur weiteren Definition zieht die Europäische Kommission das Unabhängigkeitskriterium heran. Demnach dürfen kleine oder mittlere Unternehmen nicht zu 25% oder mehr des Kapitals oder der Stimmanteile im Besitz eines oder mehrerer Unternehmen stehen, die die Definition für kleine und

Abb. 1: [...]

mittlere Unternehmen nicht erfüllen. Dieser Schwellenwert kann allerdings überschritten werden, wenn das Unternehmen im Besitz von öffentlichen Beteiligungsgesellschaften, Risikokapitalgesellschaften oder institutionellen Anlegern steht und diese weder einzeln noch gemeinsam eine Kontrolle über das Unternehmen ausüben. Eine weitere Ausnahme besteht für den Fall, dass auf Grund der Kapitalstreuung nicht ermittelt werden kann, wer die Anteile hält, und das Unternehmen erklärt, dass es nach bestem Wissen davon ausgehen kann, dass es nicht zu 25% oder mehr seines Kapitals im Besitz eines oder mehrer Unternehmen steht, die die Definition für kleine und mittlere Unternehmen nicht erfüllen.1 Im Bereich der Mittelstandsförderung wird bei der quantitativen Abgrenzung teilweise auf höhere Schwellenwerte zurückgegriffen. So sind zum Beispiel im Mittelstandsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in der Regel alle Unternehmen antragsberechtigt, deren Umsatz 500 Millionen Euro nicht überschreitet. Zusatzbedingung ist allerdings, dass die Unternehmen sich mehrheitlich im Privatbesitz befinden. Die Bedingung der Unabhängigkeit bei der Definition der Europäischen Kommission, die Branchenbezogenheit bei der Bestimmung des IfM sowie das Kriterium des mehrheitlichen Privatbesitz im Mittelstandsprogramm der KfW deuten darauf hin, dass eine rein quantitative Definition den Begriff Mittelstand nicht hinreichend bestimmt. Nach wie vor gilt Ludwig Erhards vor gut 45 Jahren verkündete Einschätzung: „Wenn wir Mittelstand nur vom Materiellen her begreifen, wenn man Mittelstand sozusagen nur an der Steuertabelle ablesen kann..., dann ist dem Mittelstandsbegriff meiner Ansicht nach eine sehr gefährliche Wendung gegeben. Der Mittelstand kann materiell in seiner Bedeutung nicht voll ausgewogen werden, sondern er ist... viel stärker ausgeprägt durch eine Gesinnung und eine Haltung im gesellschaftswirtschaftlichen und politischen Prozess“.2 Zur besseren Definition des Begriffs Mittelstand müssen also noch qualitative Aspekte berücksichtigt werden. Insbesondere die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko sowie die verantwortliche Mitwirkung der Leitung an allen unternehmenspolitisch relevanten Entscheidungen sind hier als charakteristisch für den Mittelstand zu nennen. Aus der Einheit von Unternehmen und Eigentümer resultiert die unmittelbare Einwirkung der Leitung auf alle strategisch bedeutsamen Vorgänge und Entscheidungen im Unternehmen. Das hat Konsequenzen für die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Führung, die Art der Organisation, die Art der Entscheidungsfindung, die Finanzierung, das Verhalten am Markt und die Beziehung zwischen Unternehmen und Unternehmensumfeld. Unternehmen die diese Charakteristika aufweisen, sind regelmäßig Familienbetriebe in denen der Unternehmer eine zentrale Machtposition aufweist. Mittelständische Unternehmen weisen auch Besonderheiten in Bezug auf ihre Ziele auf. So sind sie beispielsweise nicht notwendigerweise wachstumsorientiert, sondern sind sich vielmehr, wie Ludwig Erhard 1956 schon erkannte, über ihre Bedeutung im gesellschafts-wirtschaftlichen und politischen Prozess im klaren. Der Mittelstand ist sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst. Eine Umfrage der Initiative Mind aus dem Jahr 20013 bestätigt diese Aussage. Die Umfrage hat hervorgebracht, dass sich sechs von zehn mittelständischen Unternehmen gegenüber der Gesellschaft stärker verantwortlich fühlen als andere Gesellschaftsgruppen. Das äußert sich u.a. in ihrem sozialen Engagement und dem Bestreben, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Mitunter determinieren die qualitativen Kriterien ein Unternehmen so entscheidend, dass quantitative Aspekte nahezu nachrangigen Charakter erhalten. Aus diesem Grund sind machen Autoren, wie beispielsweise Bamberger/Evers, dazu über gegangen, den Mittelstand ausschließlich nach qualitativen Kriterien zu definieren. Ebenso verzichten die Verbände der Wirtschaft auf eine starre quantitative Festschreibung des Mittelstandsbegriffs. Sie stellen lediglich fest: „Mittelstand ist eine Frage der Geisteshaltung, der Entscheidungsstrukturen und der Bereitschaft, unternehmerisches Risiko zu tragen“.4 Die Schwächen einer rein qualitativen Definition sind dagegen, das hierdurch relativ hohe Interpretationsfreiräume hinsichtlich der Differenzierung zwischen Großunternehmen und Mittelstand entstehen. Dadurch kommt die praktische Mittelstandspolitik bei der Gestaltung des Rechtsrahmens bzw. bei der Ausgestaltung bestimmter Förderprogramme nicht ohne eine größen-spezifische Festlegung aus. Es bleibt noch anzumerken, dass international betrachtet der Begriff Mittelstand nicht existiert. Die in Deutschland als Mittelstand bezeichneten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) werden international als „small and medium sized enterpreises“ (SME) betitelt und meist anhand einer Obergrenze der Mitarbeiterzahl kategorisiert. Dieser Schwellenwert variiert je nach Staat in der Regel zwischen 100 und 500 Beschäftigten. Der Begriff SME umfasst somit einen statistisch greifbaren Teil der Gesamtwirtschaft. Diesen rein quantitativen Bereich beinhaltet der in Deutschland gebräuchliche Begriff Mittelstand zwar ebenso, geht aber inhaltlich darüber hinaus und umfasst zusätzlich qualitative Aspekte.

1.2 Die Relevanz kleiner und mittlerer Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Die wirtschaftliche Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen steht heutzutage außer Zweifel. Ein Blick auf die Fakten genügt, um die hohe Relevanz des Mittelstandes für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu erkennen. So beschäftigen mittelständische Unternehmen hierzulande 72% aller Arbeitnehmer, tragen 49% zur Bruttowertschöpfung aller Unternehmen bei, erwirtschaften insgesamt 43% aller steuerpflichtigen Umsätze, bilden 83% aller Lehrlinge aus und tätigen zu guter letzt noch 46% der gesamten Bruttoinvestitionen. Nach der in Deutschland verwendeten Abgrenzung des IfM gab es im Jahr 2001 rund 3,3 Millionen mittel-ständische Unternehmen mit ungefähr 20 Millionen Beschäftigten. 99,7% aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen sind dem Mittelstand zuzurechnen. Insgesamt erwirtschaften diese Unternehmen über 1.800 Mrd. Euro an mehrwertsteuerpflichtigem Umsatz (gesamter mehrwertsteuerpflichtiger Umsatz in Deutschland: 4.153 Mrd. Euro)5. Die genaue Verteilung der Umsatzgrössen- und der Umsatzstruktur nach Umsatzgrössenklassen kann der Abbildung zwei entnommen werden.

Abb. 2: [...]

Nach diesen beeindruckenden Zahlen ist es nachvollziehbar, dass mittelständische Unternehmen im Zentrum vielfältiger politischer Interessen und Initiativen stehen. Die Vielzahl der Mittelstandsverbände und -vereinigungen ist hierfür ein deutlicher Beleg. Auch im Wahlkampf des Jahres 2002 war der deutsche Mittelstand ein zentrales Thema. Dem Mittelstand wird in jeder Volkswirtschaft ent-scheidende Bedeutung für Wachstum und Beschäftigung beigemessen. Kommt die Antriebskraft des Mittelstands ins Stocken, erleidet die inländische Konjunktur eine schwere Krise mit beachtlichen Konsequenzen auf alle Bereich der Gesellschaft. Derzeit droht in Deutschland eine Krise der kleinen und mittleren Unternehmen, da unter anderem ihre Finanzierungskraft unter den erschwerten Bedingungen der Banken leidet (Stichwort Basel II). Für Mittelständler ist es deshalb von großer Bedeutung, kreative Finanzierungsstrategien zu erschließen, um den neuen Marktanforderungen im Bereich ihrer Finanzen gerecht zu werden. Doch nicht nur im Bereich Finanzierung müssen sich die Mittelständler auf veränderte Bedingungen einstellen. Nie zuvor hat sich das wirtschaftliche Umfeld so schnell veränderte wie heute. Die Innovationszyklen in der Industrie werden immer kürzer, Produkte veralten schneller. Die Märkte wandeln sich und verlangen den Unternehmen völlig neue Strategien ab. Als weitere existenzielle Herausforderungen die den Mittelstand derzeit direkt betreffen bzw. belasten sind die Globalisierung, der Generationswechsel, die Deregulierung der Märkte und ihre Größe hinsichtlich zu erzielender Skaleneffekte zu nennen. So stehen zum Beispiel mittelständische Zulieferer von global tätigen Unternehmen unter enormen Druck, ihre Kunden weltweit zu bedienen und selbst außerhalb des deutschen Marktes international zu agieren. Die Deregulierung des deutschen und europäischen Markts hat zur Folge, dass immer mehr ausländische Wettbewerber in die Kernmärkte der deutschen mittelständischen Unternehmen drängen. Für den Mittelstand bleibt nur eine Konsequenz: Veränderung muss auch im Unternehmen stattfinden. Der zunehmenden Komplexität der Außenwelt müssen die Mittelständler mit neuen Strukturen und Strategien begegnen. Allerdings ist ihre Größe nicht ausschließlich ein Nachteil hinsichtlich der Skaleneffekte, sondern birgt auch den großen Vorteil, dass sie sich durch ihre überschaubare Größe flexibel und schnell auf neue Situationen einstellen können. Um eine Krise der kleinen und mittleren Unternehmen zu verhindern, ist letztlich auch die Bundesregierung gefordert Veränderungen in die Wege zu leiten. So sollte sie in Angriff nehmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt, bei den sozialen Sicherungssystemen und in der Steuerpolitik zu verbessern. Wie wichtig das den Mittelständlern ist kam beispielsweise bei einer Umfrage der KfW heraus, nach der 69% aller mittelständischen Unternehmen ihre Existenz durch zu hohe Abgaben und Steuern bedroht sehen. Erste Schritte hat die Regierung hier bereits getan, z.B. mit der Unternehmenssteuerreform, dennoch müssen zur Entlastung des Mittelstands noch viele weitere Reformen folgen. Mit den Vorhaben das Steuerrecht für Kleinstbetriebe radikal zu vereinfachen, die Buchführungspflichten zu reduzieren, die Bürokratie zu verringern, das Arbeitsrecht so zu verändern, dass Beschäftigungshemmnisse abgebaut werden, etc. wären weitere wichtige Schritte in die richtige Richtung getan. Es bleibt abzuwarten wie sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den kommenden Monaten ändern werden und was die Mittelständler von politischer Seite aus erwarten können. Eins ist allerdings klar, auch die Politik hat die große Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland erkannt und zeigt im eigenen Interesse Bereitschaft Veränderungen in die Wege zu leiten.

2 Diagnose Mittelstand - Finanzierung im Umbruch Anzahl der Insolvenzen

2.1 Derzeitige Finanzierungsstruktur im Mittelstand

[...]


1 Derzeit bereitet die Europäische Kommission eine Neufassung der Mittelstandsdefinition vor. Diese sieht voraussichtliche ein leichtes Anheben der Schwellenwerte vor.
2 Erhard, L. (1956): Mittelstandspolitik, in Rüstow, A. u.a.: Der mittelständische Unternehmer in der Sozialen Marktwirtschaft. Wortlaut der Vorträge auf der vierten Arbeitstagung der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft e.V. am 17.11.1955 in Bad Godesberg, Ludwigsburg, S. 54
3 vgl. Studie Mind 02 – Mittelstand in Deutschland
4 Deutscher Industrie- und Handelstag DIHT (Hrsg.) (1999): Mittelstand 2000plus, Berlin S. 5
5 IfM Bonn, Presseartiekl McKinsey: Der Mittelstand: Eine Säule der deutschen Wirtschaft, Anteil Mittelstand an der Gesamtwirtschaft, 2000

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