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Die Griechenland-Projektion in Götter, Helden und Wieland - Ein Versuch über Goethes Kritik an Wieland gemäß der Philosophie Herders

Scholarly Research Paper, 1999, 25 Pages
Author: Matthias Franke
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Research Paper
Year: 1999
Pages: 25
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V14955
ISBN (E-book): 978-3-638-20223-7

File size: 268 KB


Excerpt (computer-generated)

Die Griechenland-Projektion in Götter, Helden und Wieland -
Ein Versuch über Goethes Kritik an
Wieland gemäß der Philosophie Herders

 

 


von Matthias Franke

1 INHALT  1

2 VORWORT 2

3 EINLEITUNG

3.1 Wielands „Alceste“  3
3.2 Goethes „Götter, Helden und Wieland“  4
3.3 Herders Kritik des Klassizistischen  5

4 GOETHES FARCE UND HERDERS „GRIECHENLAND“-PROJEKTION

4.1 Kunst im Dienste der Nation

4.1.1 Herstellen einer deutschen Nation durch die Literatur  8
4.1.2 Nation als noch nicht vorhandenes Publikum 9
4.1.3 Nation als Modifizierung der absolutistischen Gesellschaftsstruktur  11

4.2 Imagination einer griechischen Antike 12

4.2.1 Genuß der schönen Künste 12
4.2.2 Moralität und Sittlichkeit 14
4.2.3 Religiosität in der Antike 16

4.3 Bevorzugung des Archaischen 17
4.4 Beziehung zwischen Deutschem und Griechischem  19

5 BEZIEHUNG ZWISCHEN GOETHE UND HERDER 21

6 LITERATUR 23



VORWORT

Wie es bei der Besprechung des Referatsthemas vereinbart worden ist, soll sich auch diese Hausarbeit mit einer „Griechenland“-Projektion des Sturm und Drangs auseinandersetzen. Die Beschränkung auf eine Interpretation von Goethes „Götter, Helden und Wieland“ mag dabei den Vorteil mit sich bringen, daß diese „Griechenland“-Projektion in ihrer Abgrenzung zu einer anderen betrachtet werden kann, die dem Sturm und Drang als klassizistisch zu gelten scheint. Um diese Untersuchung jedoch nicht auf die Tragweite eines zwar exemplarischen, doch einzelnen Textes zu beschränken, soll versucht werden, Anknüpfungspunkte und Verbindungen zur Philosophie Herders aufzuzeigen. Dadurch treten die Aspekte der „Griechland“-Projektion von „Götter, Helden und Wieland“ in den Vordergrund, welche für den gesamten Sturm und Drang bedeutsam sind. Voraussetzung für eine solche Vorgehensweise ist eine kurze Betrachtung des Werkes, von dem sich Goethes Farce abgrenzt, also Wielands Singspiel „Alceste“. Ebenso wird in der Einleitung die Entstehung von „Götter, Helden und Wieland“ betrachtet. Als ersten Verweis auf mögliche Bezüge zu Herders Philosophie wird in einem dritten Kapitel der Einleitung Herders Kritik am Klassizismus vorgestellt. Zur nachträglichen Absicherung des methodischen Ansatzes, der Goethes Sturm und Drang als in der Philosophie Herders programmatisch verankert ansieht, wird am Schluß der Arbeit deren zwischenmenschliche Beziehung zueinander in ihrer Bedeutung für die Beziehung zwischen dem Denken Herders und Goethes dargestellt. Im Hauptteil kann nun die Parallelität der Argumentation Herders zu derjenigen Goethes in „Götter, Helden und Wieland“ aufgezeigt werden. Dabei tritt vor allem der Aspekt einer Ausbildung deutschen Nationalbewußtseins in den Vordergrund, welcher die spezifischen Ausformungen der „Griechenland“-Projektion zum Beispiel mit ihren Präferenzen auf dem Archaiischen zu bedingen scheint. Bedeutsam ist diese Vorgehensweise für die Fälle, in denen Goethe noch immer als Nationaldichter gilt und die Funktionen seines Sturm und Drangs, welche die Nation betreffen, eben nicht analysiert werden, sondern wirksam bleiben:

„Ist es doch ein Höchstes, wenn ein Volk im Durchgang durch die Landschaft der Antike, im Aufblick zu der ragenden Größe ihrer urbildlichen Gestaltung, sich seiner Grundform und Eigenart, seiner Kräfte und Möglichkeiten bewußt wird (...)“1

3 EINLEITUNG

3.1 Wielands „Alceste“

Seit 1773 beschäftigt sich Christoph Martin Wieland mit dem Verlegen eines eigenen literarischen Journals „Der Teutsche Merkur“, das über politische, wissenschaftliche und künstlerische Tendenzen kritisch berichten soll. Neben dem „Deutschen Museum“ von H. Chr. Boie und Chr. K. Wilhelm von Dohm ist „Der Teutsche Merkur“ die bedeutendste Zeitschrift des späten 18. Jahrhunderts. Schon im ersten Heft seines Journals druckt Wieland die „Briefe an einen Freund über das deutsche Singspiel Alceste“, welche sein eigenes, erfolgreiches Bühnenwerk besprechen. Bei Alceste handelt es sich um eine deutschsprachige Oper in fünf Aufzügen mit der Musik von Anton Schweitzer, welche am 28.05.1773 vom Hoftheater Weimars erstmals aufgeführt wird.2 Einige Personen des mythologischen Handlungsgeflechts bei Euripides tauchen bei Wieland nicht auf, etwa Apoll und Admets Vater Pheres. Den Chor gibt Wieland auf, weil er meint, nicht genug Atem zu haben „mit dem griechischen Dichter um die Wette zu laufen“3. Das Spiel konzentriert sich auf Alceste, Admet, Herkules und Alcestes Schwester Parthania, die als Mittelsperson fungiert, mithin den Orakelspruch aus Delphi übergibt und Herkules zu dem Plan der Rettung Alcestes verhilft. Anstatt die Aufopferung der liebenden Ehefrau für Admet zur „weltkundigen Sache“ werden zu lassen, zeigt Wieland nur die Szene ihres einsamen Todes anstelle Admets. Erst jetzt schließt sich die Gesundung Admets an, so daß er vom Tod seiner Gattin zu spät erfährt. Damit ist er dem Vorwurf der Feigheit entzogen, der ihm in der Tragödie des Euripides von seinem Vater Pheres gemacht werden kann. Neben diese beiden idealisierten Figuren tritt Herkules als Versinnbildlichung eines tätigen, sittlichen Heldentums, das „für die Tugend alles thut, alles wagt“4. Dagegen erzielt Euripides durch das lautstarke Zechen des Herkules einen fast burlesken Gegensatz zur Tragik des Stoffes. Ähnliche Tendenzen einer idealisierenden Umgestaltung durch Wieland zeigen sich auch bezüglich der Intensität des Trauerns Admets um die - statt seiner selbst - verstorbene Gattin.5 „Alceste“ hat mit seiner Formstrenge innerhalb Wielands CEuvres wohl einen hohen Stellenwert. Möglicherweise sind Nachklänge der Alceste in Goethes Iphigenie nach- weisbar.6 Als Gestaltung eines Stoffes in Konkurrenz zu Euripides folgt es einer Programmatik, die Zeitgenossen eben nicht in eine antike Welt der Griechen einzuführen, sondern umgekehrt das Griechentum in die zeitgenössische Welt. Das geschieht folgerichtig nach einem Wertmaßstab, den Wieland selbst als gültig erachtet. Dabei zeigt sich nun der Gegensatz zu den Wertmaßstäben der Stürmer und Dränger. Das Singspiel, eine meist heitere Zwischenform von Oper und Lustspiel, fordert vom Autor eines Librettos das Raffen und Intensivieren des dramatischen Stoffes zugunsten einer Lyrik, die auf Effekte bezüglich der Emotionen des Publikums hoffen läßt. Dieses dramaturgische Ideal sieht Wieland in der Vorlage des Euripides also nicht realisiert und ruft so den Widerspruch Goethes hervor.7

3.2 Goethes „Götter, Helden und Wieland“

[...]


1 Beck, Adolf; Griechisch-Deutsche Begegnung. Das deutsche Griechenerlebnis im Sturm und Drang; Stuttgart; 1947; S. 16
2 Vgl. Kindlers neues Literaturlexikon; München; 1988
3 Wieland, Christoph Martin / hrsg. von Fritz Martini und Reinhard Döhl; Werke in 5 Bänden; München; 1969; Bd. III; S. 808
4 Ebd.; S. 89
5 Vgl. Kindlers neues Literaturlexikon; München; 1988
6 Vgl. Trunz, Erich; Kommentar; in: Goethe, Johann Wolfgang von / hrsg. von Erich Trunz; Werke; Hamburger Ausgabe in 14 Bänden; Hamburg; 10. Aufl.; 1982; Bd. IV; S. 556
7 Vgl. Kindlers neues Literaturlexikon; München; 1988


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