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Die Rolle des Passional Christi und Antichristi von Lucas Cranach d.Ä. in der Renaissance- und Reformationsepoche

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 26 Pages
Author: Didem Oktay
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 26
Grade: Gut
Language: German
Archive No.: V15013
ISBN (E-book): 978-3-638-20259-6
ISBN (Book): 978-3-638-64372-6
File size: 239 KB
Notes :
Diese Arbeit setzt sich im literaturhistorischen Sinne mit dem Kunstwerk des Bildhauers Lucas Cranach d.Ä. auseinander.


Abstract

Die hier vorliegende Analyse hat die Absicht, dem Leser den Lebensweg und das Schaffen des aus Oberfranken stammenden Künstlers Lucas Cranach d. Ä. vorzustellen. Neben biographischen Angaben zur Person und einem zusammengefassten Überblick über die religions - historischen Ereignissen aus der Zeit Cranachs, konzentriert sich dieser Text vor allem auf eines der bekanntesten Werke des Künstlers, auf das "Passional Christi und Antichristi" (bzw. in der lateinischen Ausgabe "Antithesis figurata vitae Christi et Antichristi"), das als erstes und einziges antipäpstliches "Passional" in der Kunst im Mai 1521 in Wittenberg erschien und die lutherisch - antipäpstliche Polemik thematisierte.


Excerpt (computer-generated)

„Die Rolle des
Passional Christi und Antichristi
von Lucas Cranach d. Ä.
in der Renaissance- und Reformationsepoche“

Referatsausarbeitung für das
Hauptseminar:
„Der Antichrist in der interkonfessionellen Polemik
des 16. Jahrhunderts“

Didem Oktay
WS 2002 / 2003

 

INHALTSVERZEICHNIS:

EINFÜHRUNG 1

1.0. Die Renaissance und ihre Kunst 2
1.1. Zum religionshistorischen Kontext der Renaissance Epoche 5
1.2. Die Biographie Cranachs 10

2.0. DAS PASSIONAL CHRISTI UND ANTICHRISTI 14
2.1. Rahmenbedingungen für die Entstehung 14
2.2. Die Gliederung 17
2.3. Die räumliche Symbolik der Bilder im Passional 18
2.4. Die Beziehung zwischen Bildern und Text 20
2.5. Literarische Einflüsse auf das Werk Cranachs 21

3.0. SCHLUSSWORT 23

4.0. LITERATURLISTE 24

 

EINFÜHRUNG:

Die hier vorliegende Arbeit hat die Absicht, dem Leser den Lebensweg und das Schaffen des aus Oberfranken stammenden Künstlers Lucas Cranach d.Ä. vorzustellen. Neben biographischen Angaben zur Person und einem zusammengefassten Überblick über die religions-historischen Ereignisse aus der Zeit Cranachs, konzentriert sich dieser Text vor allem auf eines der bekanntesten Werke des Künstlers, auf das Passional Christi und Antichristi1 (bzw. in der lateinischen Ausgabe “Antithesis figurata vitae Christi et Antichristi“), das als erstes und einziges antipäpstliches Passional in der Kunst im Mai 1521 in Wittenberg erschien2 und die lutherisch – antipäpstliche Polemik thematisierte.

In der Auseinandersetzung mit dem Passional wird weniger die Interpretation der einzelnen Bilder, die das Kunstwerk ausmachen, im Vordergrund stehen, als vielmehr die Einordnung der Rolle des Gesamtbildnisses in die reformatorischen Entwicklungen der damaligen Zeit. Hervorgehoben werden aber auch die kunsthistorischen Aspekte in Bezug auf die Gestaltung des Passionals, wie die Gliederung mit der Bedeutung von Außen- und Innenraum, die Beziehung zwischen Bildern und Text, und schließlich die Einflüsse aus der Literatur auf das Werk Zunächst richtet sich jedoch das Augenmerk auf die Kunst der Renaissance, um mit einem Abriss über die Entwicklung der Kunsthistorie in jener Epoche einen genaueren Einblick zu gewinnen. Anschließend setzt sich ein Kapitel mit den Grundzügen der Reformation auseinander, um schließlich auf Cranach selbst und seine Arbeit überzuleiten. Abgerundet wird diese Arbeit letztlich mit einigen Abschlussbemerkungen über die Bedeutung der lutherischen Bewegung für die Gesellschaft.

1.0. Die Renaissance und ihre Kunst:

Ihren Ausgang in Italien des 14. Jahrhunderts nehmend, vollzog sich die Renaissance als Kulturwende in sämtlichen Lebens- und Geistesbereichen vom Mittelalter zur Neuzeit, eingeleitet bzw. begleitet vom Humanismus und historisch verbunden mit der Reformation. Sie lässt sich zurückführen auf die Bewusstwerdung der Persönlichkeit und bedeutet Ausbildung eines neuen Lebensgefühls unter Rückbesinnung auf antike Überlieferungen und Streben nach objektiver Naturkenntnis. Mit der Einführung des Experiments begann das Zeitalter der Naturwissenschaften, der Technik (Buchdruck, Feuerwaffen, Uhren) und der Entdeckungen. Die humanistische Renaissance Bewegung war auf allen Schichten ausgeprägt, doch die Epoche vollzog ihre Schritte nicht auf allen Ebenen gleichzeitig. Am frühesten machte sich in der Kunst bemerkbar, relativ spät griff sie auf die Wissenschaft über, bis sie schließlich in der Theologie ihren Siegeszug feierte, wie man historischen Zeittafeln entnehmen kann.

In der Malerei fand die neue Weltsicht ihren Ausdruck zuerst in den Bildern Giottos. Felsen, Bäume und Vögel traten an die Stelle der leuchtenden Goldgründe, die bis dahin die Malerei beherrscht hatten. Zugleich gewannen die dargestellten Körper einen plastischen Wert. Sie wirkten ertastbar und stellten sich dem Betrachter als wirkliche, menschliche Körper dar, gerundet und in allen Formen dem menschlichen Vorbild treu. Das Eindringen der Natur in die Kunst Giottos bildete den Auftakt zu der um 1400 in der italienischen Malerei allgemein einsetzenden Menschen- und Landschaftsdarstellung nach der Wirklichkeit. Erst zaghaft, dann mit immer größerer Sicherheit gingen die Maler und Bildhauer daran, Elemente ihrer irdischen Umgebung mit religiösen Stoffen zu verbinden.3

Hildegard Schnabel zeichnet in ihrem Nachwort zum Passional Christi und Antichristi ein Bild von den Künstlern der Renaissance, welches aufzeigt, dass die Entwicklung in der Kunst dieser Epoche, weit mehr war als eine artistische Strömung, sondern stellvertretend stand für eine neue Ideologie:


Hauptanliegen der Künstler der Renaissance, die sich in fruchtbarer Auseinandersetzung mit den Vorbildern der Antike eigene ästhetische Positionen eroberten, war die Gestaltung des neuen Menschen in Aktion, in seinem produktiven, auf Veränderung gerichteten Verhältnis zur Natur wie zur Gesellschaft. Diese innerweltlichen, zutiefst humanistischen Ziele mussten – wenngleich sie sich noch weitgehend in Denkformen und Bildern ausdrückten, die von der christlichen Religion bereitgestellt waren – mit den herrschenden Feudalkräften und ihrer Ideologie in Konflikt geraten. Und so ist denn ein wesentliches Kriterium aller bedeutsamen Bildwerke dieser Epoche, die ihrem realen Klassinhalt nach eine bürgerliche Kunst war, antifeudale Tendenz, ihr kämpferisches Bekenntnis zu den zukunftsträchtigen Kräften der Geschichte und deren Zielvorstellungen. 4

In Bezug auf die Kunst entsprach die Darstellung nicht mehr nur einer Symbolik oder einer fest gefügten Hierarchie, wie es vorher üblich gewesen war, man entdeckte dagegen das perspektivische Zeichnen neu, um ein naturgetreues Abbild zu erzielen. Die benutzten Farben hatten einen Symbolwert und die Teile auf den Bildern, welche Proportionalität besaßen, spiegelten eine Selbstbezogenheit wider. Es wurden gleichzeitig Autonomie und ein Bezug zum Betrachter hergestellt, das bedeutet, die Werke waren nicht mehr in sich abgeschlossen.

[....]


1Schnabel, Hildegard Hg. Lucas Cranach d.Ä. Passional Christi und Antichristi. Berlin: Union Verlag, 1972.

2Groll, Karin. Das Passiona Christi und Antichristi von Lucas Cranach d.Ä.. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris: Peter Lang, 1990. S. 1.

3Das moderne Lexikon in zwanzig Bänden. Gütersloh, Berlin, München, Wien: Bertelsmann, 1973. Bd. 15. S. 341.

4Schnabel, Hildegard, Nachwort zum Passional Christi und Antichristi. S. 42.


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