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Scholary Paper (Seminar), 2001, 65 Pages
Authors: Natascha Finger, Gerlinde Weinzierl
Subject: Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Institut für Sportwissenschaften)
Tags: Bedeutung, Körper-, Bewegungserfahrungen, Entwicklung, Projektseminar, Bewegtes, Lernen, Grundschule
Year: 2001
Pages: 65
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 61 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-10934-5
File size: 212 KB
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Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich 21: Sportwissenschaften und Arbeitslehre
Institut für Sportwissenschaften
Projektseminar: ,,Bewegtes Lernen in der Grundschule"
Sommersemester 2001
Seminararbeit mit dem Thema:
Die Bedeutung von Körper- und Bewegungserfahrungen
für die kindliche Entwicklung
vorgelegt von
Gerlinde Tom
Inhaltsverzeichnis
1. Bewegung
1.1 Grundsätzliches zur Bewegung 3
1.2 Bewegung als anthropologisch begründbares Grundbedürfnis von Kindern 6
2. Sensomotorik
2.1 Sinne und Wahrnehmung 17
2.2 Entwicklung und Bedeutung der Wahrnehmung 19
3. Humanistisches Menschenbild
3.1 Beschreibung des der Arbeit zugrunde liegenden Menschenbildes 29
4. Bedeutungsaspekte der Bewegung für die Entwicklung von Kindern
4.1 Entwicklungsbegriff 32
4.2 Entwicklung der Persönlichkeit 44
4.3 Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung 44
4.4 Entwicklung des Selbstkonzepts 46
4.5 Gesundheit und Wohlbefinden 51
4.5.1 Emotionales Empfinden 51
4.5.2 Der körperlich- gesundheitliche Aspekt 56
4.6 Kognitive Entwicklung 59
4.7 Soziale Entwicklung 62
5. Literaturverzeichnis 64
1. Bewegung
1.1 Grundsätzliches zur Bewegung
Das sportwissenschaftliche Lexikon definiert Bewegung als ,,Ortsveränderung eines Körpers oder einzelner seiner Teile im Verhältnis zur Zeit" und erforscht vor allem die damit zusammenhängenden motorischen Bedingungen.1
Biologisch gesehen beruht aktive Bewegung auf ,,Energiefreisetzung durch den Stoffwechsel des Organismus"2
Wenn wir nun aber genauer hinsehen, stellen wir fest, dass die menschliche Bewegung nicht nur eine ,,Orts- und Lageveränderung" ist, sondern sie immer auch ihren Sinn und ihre Beweggründe hat.
Hiermit nähern wir uns nun der phänomenologischen Sichtweise, die ganzheitliche Bewegungshandlungen im Sinnzusammenhang des Lebens eines Menschen beschreibt und erklärt. Die Erlebnisgehalte der Bewegung, ihre Ausdruckskraft und ihr dynamischer Ablauf werden bei dieser Betrachtung eine größere Bedeutung beigemessen, als die physikalische Raum-Zeit-Korrelation.3
Bewegung ist aus dieser Sichtweise zum einen ,,Vermittlung zur Welt", wir wenden uns durch das Medium Bewegung der Welt - dazu gehören Situationen, Personen, Dinge-, zu; zum anderen ist sie ,,Wahrnehmung der Welt", wir erfahren, erleben und erkennen durch sie. Hierbei liefert uns die Haut, unsere kinästhetischen Sinne, unser Orts- und Gleichgewichtssinn, unser Sehen und Hören viele Eindrücke, Informationen, Erfahrungen und auch Einsichten über unsere Umwelt und über uns selbst im Zusammenhang mit ihr.4
,,Bewegung ist eine Art ,Doppel-Medium`, sie ist ein ,Organ` der Erfahrung und ein ,Instrument` der Gestaltung in einem; das heißt, sie ,vermittelt` uns an unsere Mit- und Umwelt und diese umgekehrt an uns."5
GRUPE weist darauf hin, dass Bewegung immer auch an kulturelle oder geschlechtsspezifische Werte geknüpft ist. MAUSS6 schreibt hierzu, dass sich Bewegungen im weiteren Sinne, wie Eß- und Schlafgewohnheiten, Geburts- und Liebestechniken, Gang und Haltung, in erkennbarer Weise zwischen einzelnen Kulturen unterscheiden.
Dass die Bewegung nichts Konstantes ist, haben Untersuchungen über geschichtliche Veränderungen der Bewegungen, die u.a. von NITSCHKE7 und EICHBERG8 durchgeführt wurden, gezeigt.9
Wie einleitend bereits angesprochen, beinhaltet die Bewegung aus phänomenologischer Sichtweise, von der wir ausgehen, immer eine Bedeutung und Sinn.
OMMO GRUPE unterscheidet, von der Alltagswirklichkeit des Menschen ausgehend, vier unterschiedliche Bedeutungsdimensionen von Bewegung:
1. Die instrumentelle Bedeutung
Mit seiner Bewegung kann der Mensch etwas erreichen, herstellen, ausdrücken, darstellen und durchsetzen, aber auch erfahren, erproben und verändern. ,,Bewegung wird im Alltag, im Sport, im Arbeitsleben und im sozialen Umgang mit anderen funktional und instrumentell benutzt, als eine Art ,Werkzeug`, um etwas zu erreichen, durchzusetzen, herzustellen."10
Die instrumentelle Bedeutung ist in einem gewissen Sinne für alle anderen Bewegungsbedeutungen grundlegend.
2. Die wahrnehmend -erfahrende Bedeutung (explorierend-erkundende Bedeutung)
Durch seine Bewegung erfährt der Mensch etwas über seine Körperlichkeit, über materiale Eigenschaften von Dingen und über Personen. Bewegung kann zu diesem Zweck bewußt instrumentell eingesetzt werden, der Erfahrungsgewinn kann aber auch eher beiläufig und zufällig erfolgen.
3. Die soziale Bedeutung
Die Bewegung ist in diesem Sinne ‚Vermittelndes Element‘ bei der Interaktion mit anderen. Für diese sozialen Beziehungen bietet in erster Linie unser leiblich-motorischer Apparat die Möglichkeit, in sozialen Situationen zu handeln, mit anderen Menschen umzugehen, Verbindungen zu ihnen aufzunehmen, aufrechtzuerhalten oder sie auch abzubrechen. Solche sozialen Bedeutungen der Bewegung besitzt man nicht so einfach, man muss sie lernen und man erwirbt sie durch die Bewegung.
4. Die personale Bedeutung
In seiner Bewegung und durch sie erlebt und erfährt sich der Mensch selbst, er kann sich entsprechend verändern und verwirklichen. Sie trägt dazu bei, sich selbst immer besser kennenzulernen.11
[...]
1 Vgl. Röthig, P. ,,Sportwissenschaftliches Lexikon", Schorndorf 1977
2 Vgl. Brockhaus GmbH ,,dtv-Lexikon", München 1999
3 Vgl. Größing, Stefan ,,Bewegungskultur und Bewegungserziehung", Schorndorf 1993, S. 82
4 Vgl. Grupe, Ommo: ,,Bewegung, Spiel und Leistung im Sport. Grundthemen der Sportanthropologie, Schorndorf 1982, S.72,73
5 Grupe, Ommo: ,,Bewegung, Spiel und Leistung im Sport. Grundthemen der Sportanthropologie, Schorndorf 1982, S.72
6 Mauss, M. ,,Die Techniken des Körpers". In: König, R./Schmalfuss, A. ,,Kulturanthropologie", Düsseldorf 1972, 91-108
7 Vgl. Nitschke, A. ,,Sport, Körpererfahrung und Formen der Gesellschaft" In: Sportpädagogk 4 (1980), 11-12
8 Vgl. Eichberg, H. ,,Leistung, Spannung, Geschwindigkeit. Sport und Tanz im gesellschaftlichen Wandel des 18./19. Jahrhunderts. Stuttgart 1978
9 Grupe, Ommo: ,,Bewegung, Spiel und Leistung im Sport. Grundthemen der Sportanthropologie, Schorndorf 1982, S.75
10 Zimmer, Renate ,,Handbuch der Bewegungserziehung", Freiburg im Breisgau 1993, S.14
11 Vgl. Zimmer, Renate „Handbuch der Bewegungserziehung“, Freiburg im Breisgau 1999, S.14 und Vgl. Grupe, Ommo: „Bewegung, Spiel und Leistung im Sport. Grundthemen der Sportanthropologie, Schorndorf 1982, S.84
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