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Termpaper, 2002, 31 Pages
Author: Tanja Vorderstemann
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Institut für Deutsche Sprache und Litertur II)
Tags: Erwerb, Gebärdensprache, Analyse, Gebärdenspracherwerbs, Spracherwerb, Lichte, Linguistik
Year: 2002
Pages: 31
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20316-6
ISBN (Book): 978-3-638-64379-5
File size: 272 KB
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Abstract
Wie alle Gebärdensprachen ist auch die Deutsche Gebärdensprache eine visuell-motorische Sprache. Sie besitzt ein differenziertes Regelsystem, das sich mit Hilfe von manuellen, sowie nicht-manuellen Mitteln ausdrückt. Ebenso wie die Lautsprachen unterliegen die Gebärdensprachen den gleichen sprachspezifischen Beschränkungen. In der Arbeit wird sowohl ihre grammatische Struktur und ihre Bildhaftigkeit dargestellt, als auch der Erwerb der Gebärdensprache - hinsichtlich Spracherwerb und Sprachverarbeitung - erläutert.
Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe – Universität Frankfurt am Main
Seminar: Spracherwerb im Lichte der modernen Linguistik
Semester: WS 2001/2002
Vorgelegt von:
Tanja Vorderstemann
Erwerb von Gebärdensprache
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 2
2. Grundzüge der Gebärdensprache
2.1 Modalität 3
2.2 Bildhaftigkeit 3-4
2.3 Die grammatischen Module 4-9
3. Erwerb von Gebärdensprache
3.1 Die Spracherwerbsfähigkeit 9-10
3.2 Bilingualismus in zwei Modalitäten 10
3.3 Die kritische Phase des Spracherwerbs 10-11
3.4 Babbeln 11
3.5 Wörter und Gebärden 12
3.6 Kombinationen von Gebärdenwörtern 12
3.7 Erwerb der phonologischen Einheiten 12
3.7.1 Erwerb der Handformen 13
3.7.2 Erwerb der Ausführungsstellen 13
3.7.3 Erwerb des Fingeralphabets 14
3.7.4 Die Sprachverarbeitung 14-15
3.8 Erwerb des Wortschatzes 15
3.9 Die Autonomie des Sprachsystems 15-18
3.10Studie von Ricke, Bettger &Klima 19-20
3.11Vom Lexikon zur Grammatik 20-23
3.12Grammatische Nutzung der Mimik 23-24
3.13Frühe Überlegenheit der Raumverarbeitung 25
4. Sprachliche Erfahrungen und Spracherwerb 25-26
5. Fazit 27
6. Literaturverzeichnis 28
1. Einleitung
In der Bundesrepublik gibt es schätzungsweise 600 000 stark Hörgeschädigte bzw. Gehörlose Menschen. Sie können Sprache nur über visualisierte Formen, wie beispielsweise die Schrift, das Ablesen vom Munde, dem Fingeralphabet und über die Gebärdensprache aufnehmen. Der Analyse des Gebärdenspracherwerbs gehörloser Kinder mit gehörlosen Eltern wurde in den letzten zehn Jahren immer mehr Interesse geschenkt. Die Kindersprachenforschung hat sich dabei besonders auf die Frage konzentriert, inwiefern sich der Erwerb der Gebärdensprache zum Lautsprachenerwerb hörender Kinder unterscheidet, oder etwa ähnelt. Durch diesen Vergleich versucht man die Strukturen und vor allem Lernprozesse eines frühen Spracherwerbs herauszufinden. Dazu liefern Volterra und Erting (1989) eine Zusammenstellung von Studien zur frühen kommunikativen Entwicklung hörender und gehörloser Kinder. Ebenfalls einen knappen Überblick darüber verschaffen uns Prillwitz 1988 und Boyes-Braem 1989. Ist Gehörlosigkeit ein Defizit? „Gehörlosigkeit ist ein sensorisches, jedoch kein kognitiv-sprachliches Defizit.“1 Früher ging man davon aus, wenn ein Mensch eine Lautstärke von 90-110 Dezibel nicht wahrnehmen kann, ist er taub. Die heutige Definition jedoch lautet, wenn eine Hörschädigung nicht mehr mit einem Hörgerät ausgeglichen werden kann, dann ist die betreffende Person gehörlos und folglich auf die Gebärdensprache angewiesen. Abbé de L Épeé gründete 1771 die erste Schule für Taubstumme in Paris, denn er wusste, dass die Gebärdensprache das natürlichste und eigentliche Ausdruckmittel der Gehörlosen sei. Die französische Schriftsprache verwendete er als Brücke zur Lautsprache, ebenso ein Handalphabet, das auf Pablo Bonet (1579-1633) zurückgeht.
An dem Taubstummenlehrerkongress 1880 in Mailand jedoch fiel ein Entschluss, der schwere Folgen hatte. Es sei an den Gehörlosenschulen im Unterricht lediglich die lautsprachorientierte Methode zu bevorzugen, ohne den Gebrauch von Gebärden. Daraufhin sah man die Gehörlosigkeit wieder als Defizit an und die Ausdruckskraft von Gebärdensprachen verlor an Ansehen. Bezeichnend dafür ist folgender Eintrag im Lexikon: „Das Gehör ist der Zeit und dem Werte nach das erste Mittel zur geistigen Bildung; denn die Vorstellung, die Gesicht und Gefühl geben, wirken nicht so tief auf die Seelen ein, wie die durch das Gehör erzeugten.“2 Diese Meinung wird auch heute noch im Bildungsbereich vertreten. Seit den 50er Jahren befasst sich die internationale Gebärdenforschung mit der Struktur der Gebärdensprache. 1972 erschienen die ersten Lehrmaterialien zur American Sign Language. Die intensive Erforschung der Deutschen Gebärden Sprache (DGS) begann erst in den 70er Jahren. Die Gründe dafür, warum die Forschung in der DGS so spät begonnen hat, sind auf den Mailänder Kongress zurückzuführen. Linguisten und Psychologen beschäftigen sich intensiv mit „der Beschreibung der amerikanischen Gebärdensprache“.3 Sie kamen zu der Erkenntnis, dass die American Sign Language (ASL) in ihrer Struktur und Leistungsfähigkeit ebenso ausgebaut ist, wie die amerikanische Lautsprache.
2. Grundzüge der Gebärdensprache
2.1. Modalität
Wie alle Gebärdensprachen ist auch die Deutsche Gebärdensprache eine visuell-motorische Sprache. Sie besitzt ein differenziertes Regelsystem, das
mit Hilfe von manuellen, sowie nicht-manuellen Mitteln sich ausdrückt. Ebenso wie die Lautsprachen unterliegen die Gebärdensprachen den gleichen sprachspezifischen Beschränkungen.
2.2. Bildhaftigkeit
In frühere Studien sah man die Ikonizität von Gebärden in Gebärdensprachen als eine wesentliche Eigenschaft der Gebärdensprachen an. Auch heute noch vertritt so mancher das Vorurteil, dass Gebärdensprache mit Pantomime gleichzusetzen sei.
[...]
1 Helen Leuninger S 229
2 Helen Leuninger, S 229
3 K.-H. Bauch, S2
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