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Handel und Wirtschaft im alten Griechenland

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1995, 20 Pages
Author: Kristian Seewald
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1995
Pages: 20
Grade: eins
Language: German
Archive No.: V15119
ISBN (E-book): 978-3-638-20334-0
ISBN (Book): 978-3-638-77771-1
File size: 265 KB
Notes :
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.


Abstract

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Thema "Handel und Wirtschaft im antiken Griechenland der klassischen Epoche". Ziel dieser Arbeit ist eine Darstellung der Handelsstruktur des antiken Griechenland zu geben und der Frage nachzugehen, inwieweit der Staat regulierend in das wirtschaftliche System eingriff. Die Arbeit ist in zwei Abschnitte untergliedert. Der erste Abschnitt befaßt sich mit Handel in allgemeiner Form, dem Handelssystem des antiken Griechenlands ( soweit man von System sprechen kann ), differenzierten Formen des Einzelhandels, sowie dem Import - und Exportgeschäft. Der zweite Abschnitt der Arbeit beschäftigt sich mit der staatlichen Regulation des Handels im antiken Griechenland. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Getreideimport , einem elementaren griechischen Grundnahrungsmittel der klassischen Epoche, das u. a. für den Athener Staat von immenser Bedeutung für die Grundnahrungsversorgung war. Anhand dieses Beispiels sollen exemplarisch die staatlichen Steuerungsmechanismen im Handelsgeschäft dargestellt werden. Die Ausführungen zur Handelspolitik beziehen sich im wesentlichen auf die Stadt Athen, was darin begründet liegt, daß auf Grund der Bedeutung Athens in der klassischen Epoche der griechischen Antike die Quellenlage eingehend erforscht ist, was eine fundierte Beurteilung ermöglicht. Auf die Problematik der Einordnung und Bewertung der Quellenlage soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, da die den Rahmen der Arbeit überschreiten würde. Diese Problematik wird im Zusammenhang mit der behandelten Thematik der einschlägigen Literatur ( Hasebroek, Andreades, Hopper ) erörtert.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar:
Hauptseminar antike Geschichte
Sommersemester 1995

 

Handel und Wirtschaft im antiken Griechenland der klassischen Epoche

 

 

Kristian Seewald
02. Semester
La. Germ., Geschi.,

 

Inhalt

1. Vorwort 1

2. Forschungsstand 1

3. Der Handel in der griechischen Staatsutopie 1

4. Handel in der griechischen Antike der klassischen Zeit
4. 1 Der Händler 2
4. 2 Gesellschaftliche Sichtweise des Handels 3
4. 3 Die Einstellung des Staates zu Handel und Händlern 4

5. Handelspolitik des antiken Griechenlands
5. 1 Zur Handelspolitik allgemein 5
5. 2 Handelspolitik im Dienste der Versorgung 5
5. 3 Handelspolitik im Dienste fiskalischer Interessen des Staates 6
5. 3. 1 Die ökonomische Tyrannis 6
5. 4 Zollpolitik der griechischen Polis 7
5. 5 Staatliche Handelspolitik 10

6. Importpolitik der griechischen Polis am Beispiel des Getreidehandels
6. 1 Allgemeine Darstellung 11
6. 2 Getreideimport - Einfuhrhöhe und Versorgungseffiziens 13
6. 3 Getreideimport - Regelung des Versorgungsmechanismus durch den Staat 13
6. 4 Die staatliche Lenkung des Getreidehandels in Athen 15

7. Schlußbemerkung 16

8. Literaturanhang 17

 

1. Vorwort

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Thema "Handel und Wirtschaft im antiken Griechenland der klassischen Epoche". Ziel dieser Arbeit ist eine Darstellung der Handelsstruktur des antiken Griechenland zu geben und der Frage nachzugehen, inwieweit der Staat regulierend in das wirtschaftliche System eingriff. Die Arbeit ist in zwei Abschnitte untergliedert. Der erste Abschnitt befaßt sich mit Handel in allgemeiner Form, dem Handelssystem des antiken Griechenlands ( soweit man von System sprechen kann ), differenzierten Formen des Einzelhandels, sowie dem Import - und Exportgeschäft. Der zweite Abschnitt der Arbeit beschäftigt sich mit der staatlichen Regulation des Handels im antiken Griechenland. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Getreideimport , einem elementaren griechischen Grundnahrungsmittel der klassischen Epoche, das u. a. für den Athener Staat von immenser Bedeutung für die Grundnahrungsversorgung war. Anhand dieses Beispiels sollen exemplarisch die staatlichen Steuerungsmechanismen im Handelsgeschäft dargestellt werden. Die Ausführungen zur Handelspolitik beziehen sich im wesentlichen auf die Stadt Athen, was darin begründet liegt, daß auf Grund der Bedeutung Athens in der klassischen Epoche der griechischen Antike die Quellenlage eingehend erforscht ist, was eine fundierte Beurteilung ermöglicht. Auf die Problematik der Einordnung und Bewertung der Quellenlage soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, da die den Rahmen der Arbeit überschreiten würde. Diese Problematik wird im Zusammenhang mit der behandelten Thematik der einschlägigen Literatur ( Hasebroek, Andreades, Hopper ) erörtert.

 

2. Forschungsstand

Die derzeitige Forschungslage läßt sich im wesentlichen in zwei Richtungen differenzieren. Der "moderne" Ansatz tendiert dahin, modernistische Wirtschaftsansätze auf die antike Wirtschaft zu projizieren, und dieser eine modernistische Wirtschaftshaltung zuzuschreiben. Der Ansatz sieht in der wirtschaftlichen Erscheinung des antiken Griechenlands ein Spiegelbild1 der modernen Wirtschaft. Dies gilt insbesondere für die wirtschaftliche Entwicklung des vierten und fünften vorchristlichen Jahrhunderts, in die, von diesem Ansatz ausgehend, eine Volkswirtschaft bei dominierender Stellung der Industrie interpretiert wurde. Der zweite Ansatz steht dem ersteren konträr gegenüber, er postuliert eine Primitivität der antiken Wirtschaft, die über den Status einer geschlossenen Hauswirtschaft2 im wesentlichen nicht hinauswuchs. Diese beiden Theorien existierten bis in die vierziger Jahre gleichberechtigt nebeneinander, dann begann die modernistische Theorie ihren Status durch wissenschaftliche Analyse zu verlieren, so daß in neuerer Zeit die Theorie der "wirtschaftlichen Primitivität" der antiken Welt sich durchsetzte.

 

3. Der Handel in der griechischen Staatsutopie

Die geographischen Verhältnisse sind ein Grund dafür, daß der Idealstaat der Antike ein Agrikulturstaat war, in dem Handel und Gewerbe eine nur untergeordnete Rolle einnahmen, indem das Vollbürgertum als Träger von Handel und Gewerbe nicht ( nur in existentiellen Ausnahmen, siehe Kapitel 3 ) in Erscheinung trat. Für die griechische Gesellschaft waren Handel und Gewerbe Mittel zur Existenzsicherung im elementaren Sinne. Daß geläufigste Beispiel ist der athenische Getreideimport zur Sicherung der Getreidespenden an die arme und notleidende Bevölkerung Athens. Der Idealvollbürger sollte von allem Gewinnstreben losgelöst sein, und von vornherein vom fiskalischen Handelsgeschäft abgehalten werden. Dies sollte durch ein sogenanntes "Landwirtsrentnertum" geschehen, losgelöst von allen fiskalischen Elementen eines Handelswesens. Die Trennung zwischen "Rentnertum" und "Banausentum" gelangte im platonischen "zweitbesten Staate" zur Durchführung, und zwar in der Form, daß die gewerbetreibende Bevölkerungsschicht einschließlich Sklaven und Metoiken aus dem eigentlichen Staatenverband ausgeschlossen wurde, ebenso die städtisch - gewerbliche Schicht. Nur die bäuerliche Existenz darf mit den Bürgern unmittelbar zusammenleben, da die bürgerliche Schicht ihrer zur Nahrungsversorgung bedarf. Um Warenumsatz zu erreichen, werden sog. " Fremdmärkte " errichtet, wobei der Konsum begrenzt wird, jeder Bürger nur den tatsächlich benötigten Bedarf erwerben soll. Die eingesetzte Geldwährung dient dabei nur dem Tausch, sie besitzt keine wirkliche Bedeutung und ist außerhalb dieser Fremdmärkte wertlos. Diese Utopie gilt für den Vollbürger, während der "banausische" Bürger sich weitgehend selbst überlassen bleibt. Dieser Utopiegedanke besteht lediglich in der Beschaffung der notwendigen Güter, die die rentenabhängigen Vollbürger benötigen.

[...]


1 Hasebroek, J.: Staat und Handel im Antike Griechenland. S. VII.

2 ebenda.


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