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Novalis' "Hymnen an die Nacht" unter Berücksichtigung seiner Dichtungskonzeption des magischen Idealismus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 26 Pages
Author: Kerstin Bielert
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 26
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V15123
ISBN (E-book): 978-3-638-20338-8

File size: 403 KB


Excerpt (computer-generated)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Germanistisches Seminar
Wintersemester 2001/2002
Hauptseminar: Europäische Romantik

Novalis‘ „Hymnen an die Nacht“ unter Berücksichtigung
seiner Dichtungskonzeption des magischen Idealismus

Kerstin Bielert

 

Inhalt

0. Einleitung 1

1. Zur Dichtungskonzeption des magischen Idealismus 2
1.1 Die Theorie Kants als Basisgedanke 2
1.2 Fichtes Weiterentwicklung des Basisgedanken Kants 4
1.3 Novalis‘ magischer Idealismus 6

2. Die „Hymnen an die Nacht“ 9
2.1 Allgemeine Überlegungen 9
2.2 Die „Hymnen an die Nacht“ unter Berücksichtigung des magischen Idealismus 12

3. Zusammenfassung 23

4. Bibliographie 24

 

0. Einleitung

Novalis, geboren als Freiherr Friedrich von Hardenberg am 2. Mai 1772 auf Schloß Oberwiederstedt im damaligen Kursachsen, war neben Schelling, Tieck und den Gebrüdern Schlegel der bedeutendste Schriftsteller der deutschen Romantik. Hardenberg beschäftigte sich mit Kant und Fichte und erforschte ihre Philosophien, welche er weiterentwickelte. Dies nahm deutlichen Einfluß auf seine Schriften. Jedoch blieben die meisten seiner verfaßten Gedichte unvollendet. In meiner Arbeit werde ich die „Hymnen an die Nacht“, die Ereignisse und Entwicklungen zwischen 1797 und 1799/1800 veranschaulichen, von welchen Novalis stark beeinflußt wurde, untersuchen. Diese waren der Tod seiner Braut Sophie von Kühn und die Verlobung mit Julie von Charpentier, die Freiberger Zeit mit ihren neuen Gedanken über die Zusammenhänge von Geist und Natur, Immanenz und Transzendenz, die Selbstverständigung über die Religion und außerdem Novalis‘ engagierte und erfolgreiche Berufstätigkeit1.

Wie bereits erwähnt, erweiterte Novalis – sein selbstgewähltes Pseudonym bedeutet soviel wie „von Roden“ oder „der Neuland Bestellende“2 – Kants und Fichtes philosophische Gedanken bezüglich des sogenannten „traszendentalen Idealismus“. Dieses Neuland, das Novalis hierbei betrat, nannte er magischen Idealismus, den ich, bevor ich auf sein Werk „Hymnen an die Nacht“ zu sprechen komme, im ersten Teil meiner Arbeit in den wichtigsten Zügen erläutern werde.

1. Die Dichtungskonzeption des „magischen Idealismus“

1.1 Die Theorie Kants als Basisgedanke


Die Verwandlung der gegenständlichen Natur in eine nicht vorauszunehmende unabsehbare Fülle von Selbstbegegnungen des Geistes durch Poesie ist das Wesen des magischen Idealismus.3

Diese Definition von Karl Heinz Volkmann-Schluck bringt die Komplexität des magischen Idealismus auf einen Nenner, doch es bedarf einer ausführlicheren Erklärung, um mit dieser besonderen Dichtungskonzeption weiter arbeiten zu können. Um den von Novalis geprägten Begriff auszuführen, ist es jedoch notwendig, kurz auf die Theorien Kants und Fichtes einzugehen, deren Gedanken der Ausgangspunkt für Novalis Weiterentwicklung waren. Auch Kurzke sagt hierzu: „Novalis als Philosophen kann man nur verstehen, wenn man ein wenigstens fragmentarisches Verständnis der Transzendentalphilosophie Kants und Fichtes hat.“4

Kant prägte den Begriff der Transzendentalphilosophie, er machte Unterscheidungen zwischen ‚transzendental‘ und transzendent‘: „Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit der Erkenntnisart von Gegenständen, insofern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.“5 Nach Kant bedeutet ‚transzendent‘ somit ‚wirklichkeitsübersteigend‘, also alles, was nicht Gegenstand einer Erfahrung sein kann, sondern jede Erfahrung übersteigt.6 Der Begriff ‚transzendental‘ hingegen steht für ‚erkenntnisermöglichend‘. 7 Wenn Kant nun von der transzendentalen Erkenntnis spricht, ist damit die Erkenntnis der Erkenntnis gemeint; diese sucht nun nach der Möglichkeit einer Beziehung von Subjekt und Objekt, wie sie als erkenntnisermöglichende Beziehung, d.h. Vorstellung – Gegenstand, gedacht werden kann.8 Kurzke erklärt hierzu:

[....]


1  vgl. Uerlings, Herbert. Novalis. Stuttgart: Reclam, 1998; S.128.
2  vgl. Uerlings: Novalis; S. 44.
3  Volkmann-Schluck, Karl Heinz. Novalis‘ magischer Idealismus. In: Die deutsche Romantik. Poetik, Formen und Motive. hrsg. von Hans Steffen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1967, S. 48.
4  Kurzke, Hermann. Novalis. München: Verlag C.H. Beck, 1988, S. 32.
5  vgl. Heine, Roland. Transzendentalpoesie: Studien zu Friedrich Schlegel, Novalis und E.T.A. Hoffmann. 2. Aufl. Bonn: Bouvier, 1985, S. 43f.
6  vgl. ebd., S. 44.
7  vgl. ebd.
8  vgl. ebd.


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