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Der Westen gegen den Rest - Huntingtons Dichotomie auf dem Prüfstand

Seminararbeit, 2000, 31 Seiten
Autor: Henning Meyer
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Details

Veranstaltung: Proseminar Pol. Theorie und Ideengeschichte (Krieg und Frieden)
Institution/Hochschule: Universität Trier (Politikwissenschaft)
Tags: Westen, Rest, Huntingtons, Dichotomie, Prüfstand, Proseminar, Theorie, Ideengeschichte, Frieden)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 31
Note: noch sehr gut (1,3)
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V15185
ISBN (E-Book): 978-3-638-20376-0

Dateigröße: 408 KB
Anmerkungen :
Die Hausarbeit wurde zwar im Rahmen eines Theorieseminars angefertigt, ist jedoch gleichermaßen im Fachteil "Internationale Beziehungen" relevant. Samuel Huntingtons "Clash of Civilizations" ist auch heute noch in aller Munde. Die Diskussion um den "Kampf der Kulturen" erlebte gerade nach dem 11. September 2001 eine neue Intensität.



Textauszug (computergeneriert)

 „Der Westen gegen den Rest“;
Huntingtons Dichotomie auf dem Prüfstand

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 1

II. “The West and the Rest” Huntingtons Zweiteilung auf einen Blick 3

1. Die ausschlaggebende Bruchlinie der Makroebene 3
2. Die drei relevanten Streitfragen 5

III. Methodische Defizite 8

IV. Der Westen gegen den Rest zwischen Anspruch und Wirklichkeit 10

1. Der Westen - ein völlig homogener Akteur? 10

1.1 Kulturelle Dynamik 10
1.2 Wertedifferenzen und europäisches Selbstbewusstsein 11

2. Der konfuzianische Akteur 14

2.1 China und sein außenpolitisches Umfeld 14
2.2 Der Westen und China 16

3. Die islamische Gefahr 19

4. Gibt es eine konfuzianisch-islamsiche Koalition? 21

V. Schlussfolgerungen 22

VI. Anhang 23

VII. Literaurverzeichnis 27

 

 

I. Einleitung 

Mit seinem in der amerikanischen Außenpolitikbibel „Foreign Affairs“ erschienenen Aufsatz „The Clash of Civilizations?“ und dem später veröffentlichten Buch „The Clash of Civilizations“1 hat Samuel P. Huntington eine große sicherheitspolitische Diskussion eröffnet. Sein Werk war der erste Versuch, die Welt nach dem Ende des Kalten Krieges in ein Konfliktschema zu zwängen. Wenn es Huntingtons Absicht war, im Zuge der Diskussion in aller Munde zu sein, so hat er dies sicherlich geschafft. Nicht geschafft hat er, ein anwendbares Schema zu entwickeln, das heutige und zukünftige Konfliktszenarien erklären kann; zumindest wenn man seinen Kritikern Glauben schenkt. Erste Verwirrungen in Deutschland entstanden durch die problematische Übersetzung des Buches, da die anglikanischen Begriffe „civilization“ und „culture“ nicht ihrem deutschen Pendant „Zivilisation“ und „Kultur“ entsprechen. Mit Umschreibungen wie Hochkultur, Zivilisation, Kulturkreise, usw. wurde der Schlüsselbegriff des Werkes „civilization“ nicht immer glücklich übersetzt.2 Die Übersetzungsprobleme sind jedoch nicht primär ursächlich für die kontroverse Diskussion, die der „Kampf der Kulturen“ entfacht hat. Vielmehr erwies sich die Theorie selbst als Stein des Anstoßes. Ziel dieses Aufsatzes ist es, eine der Kernthesen der Kulturknall-Theorie, die Dichotomie des „Westens gegen den Rest“, auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen. Dieses Kapitel bildet das Herzstück und ist somit von besonderer Bedeutung für die Bewertung der Theorie als Ganzes. Einleitend werde ich die Huntington’sche Argumentation im Kapitel „Der Westen gegen den Rest“ vorstellen. Dabei wird die bedeutendste zivilisatorische Bruchlinie skizziert und die drei relevanten Streitfragen dargestellt. Unter der Unterschrift „Methodische Defizite“ beleuchte ich Huntingtons unzulängliches Forschungsvorgehen näher. Die größte Bedeutung wird im Folgenden der Falsifikation von Einzelaussagen beigemessen, die der Validitätsprüfung des ganzen Kapitels dient. Insbesondere soll geklärt werden, ob die neuen „Schreckgespenster“ der westlichen Welt, der Islam und der „Konfuzianismus“ (was immer das sein mag) zurecht zu den neuen Feinden des Westens erklärt wurden. Besondere Beachtung finden im Rahmen dieses Aufsatzes die Kritikansätze von Harald Müller, Leiter der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), der sich zumindest in Deutschland als hartnäckiger Kritiker Huntingtons profiliert hat.

II. “The West and the Rest” Huntingtons Zweiteilung auf einen Blick

1. Die ausschlaggebende Bruchlinie der Makroebene

Im vierten Kapitel seines Buches unterscheidet Huntington Streitfragen und Konflikte auf der Mikroebene von solchen auf der Makroebene. Der Islam ist auf der Mikroebene durch seine „blutigen Grenzen“ der dominante Akteur, wohingegen die Dichotomie des Westens gegen den Rest auf der Makroebene den Kampf der Kulturen dominieren wird. Nach der Huntington’schen Auffassung ist die Verteilung des globalen Einflusses ein Nullsummenspiel, in dem der Westen mit seinem Kernstaat USA in jüngster Zeit mehr und mehr an Anteilen verliert. Der entstehende Konflikt zwischen dem Rest der Welt und dem westlichen Kulturhegemon wird verstärkt durch dessen ausgeprägtes Sendungsbewusstsein, das zu einem beträchtlichen Teil durch den Sieg der „freien Welt“ im Kalten Krieg entstanden ist. Westlicher Universalismus und Kulturimperialismus sind die Schlagworte des Widerstandes, der sich in den -mit liberaler Demokratie, freien Märkten, Menschenrechten, Individualismus und Rechtstaatlichkeit- zu bekehrenden Kulturkreisen regt.3 Die westliche Kultur ist mit einer auf Seiten des Rests prädominaten Koalition zwischen dem Islam und dem konfuzianischen China konfrontiert, die sich anschickt, einen Gegenpol zur Hegemonie des Westens zu bilden.4 Die Staaten Lateinamerikas und Afrikas befinden sich in einem speziellen Einflussbereich des Westens: Lateinamerika ist inzwischen soweit domestiziert, dass sich Huntington nicht sicher ist, ob hier noch eine eigene Kultur vorliegt, oder ob das christlich-westliche System bereits adaptiert worden ist. Desweiteren ist diese Region -und vor allem auch Afrika- in einer wirtschaftlichen Dependenzposition, so dass in den Beziehungen zu diesen Gebieten keine großen Konfliktlinien zu erwarten sind.

Andere wichtigen Regionalmächte wie z.B. Russland5, Japan und Indien sind nach der dichotomen Theorie Pendlerstaaten, die von den beiden Polen hin und her gerissen werden, sich aber in der entscheidenden Zeit zu einem der beiden Zentren hin orientieren werden. Thematisch gründet die Konfrontation auf der unterschiedlichen Auffassung bezüglich dreier Streitfragen. Differenzen im Bereich der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen und dem Versuch Demokratie und Menschenrechte westlicher Prägung in andere Länder zu transplantieren sowie die für den Westen ungünstigen demographischen Veränderungen führen zu der besagten Konstellation.6 Im Folgenden werden die Kernpunkte dieser Streitfragen kurz dargelegt.

[...]


1 Bemerkenswert ist, dass im Titel des drei Jahre später veröffentlichten Buches das Fragezeichen verschwunden ist.
2 vgl. Huntington, Samuel P.: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21.n Jahrhundert, München 1996, S. 14.
3 vgl. Samuel Huntington, 1996, S. 294-296.
4 vgl. Huntington, Samuel P.: The Clash of Civilizations?, in: Foreign Affairs, No. 2/1993, S. 41.
5 In der modernen amerikanischen Politikwissenschaft wird Russland als Haupterbe der Sowjetunion üblicherweise nur noch als Regionalmacht eingestuft (vgl. hierzu auch: Brzezinski, Zbigniew: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Frankfurt 1999.)
6 vgl. Samuel Huntington, 1996, S. 294-296.


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