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Béla Bartóks Sechstes Streichquartett

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 38 Pages
Author: Julian Redlin
Subject: Musicology

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1999
Pages: 38
Grade: 2+
Language: German
Archive No.: V15206
ISBN (E-book): 978-3-638-20394-4

File size: 284 KB


Excerpt (computer-generated)

Béla Bartóks Sechstes Streichquartett

 


vorgelegt von Julian Pages

Inhalt

I. Einleitung 2

II. Umstände der Entstehung 2

III. Elemente der Komposition 5

1. Motivik 5
2. Intervallik 6
3. Polyphonie  6
4. Harmonik  7
5. Rhythmik und Metrik  10
6. Form 11

IV. Das Werk im historischen Kontext  12

V. Die Sätze und Methoden ihrer Proportionierung 14

1. Ritornell 14
2. 1. Satz 16
3. 2. Satz 18
4. 3. Satz 19
5. 4. Satz 21

VI. Ergebnisse  24

VII. Nachtrag 25

VIII. Literaturverzeichnis  26

IX. Anhang 27

 


I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit, die im Rahmen eines Seminars entstand, das sich mit den Streichquartetten Béla Bartóks beschäftigte, widmet sich seinem sechsten und letzten Quartett. Ihr Ziel ist, in Anlehnung an die in Monographien zur Verfügung stehende Literatur, zunächst den Weg der Entstehung des Werkes nachzuvollziehen. Ausgehend von der relativ frühen Arbeit Roswitha Traimers zu den Streichquartetten Bartóks sollen dann die Grundprinzipien der Bartókschen Komposition anhand der von ihr ausgewählten Beispiele aus dem Sechsten Streichquartett dargelegt werden. Das nächste Kapitel stellt das Werk in den Kontext von Bartóks eigenem Schaffen und gibt einen knappen Abriß der von Hartmut Fladt beobachteten Bezüge zu den Streichquartetten Beethovens. Der analytische Teil der Arbeit betrachtet die Entwicklung des Ritornells im Verlauf des Werkes und handelt die einzelnen Sätze ab. Für den Kopfsatz verzichtet der Verfasser dabei auf die Untersuchung des musikalischen Satzes, hierzu sei auf Hartmut Fladts Arbeit zu den Sonatensätzen in den Streichquartetten Béla Bartóks verwiesen. Das Augenmerk liegt statt dessen auf den mathematisch-esoterischen Methoden der formalen Gestaltung, die die Anlage des ersten Satzes bestimmen und in der verwendeten Literatur für das VI. Quartett noch nicht beschrieben worden sind. Neben den Büchern der bereits erwähnten beiden Autoren, eher allgemein gehaltenen Darstellungen von Béla Bartóks Leben und Werk und Untersuchungen speziell zur Tonalität in seinem Schaffen, lag insbesondere die ausführliche Analyse der Bartókschen Streichquartette von János Kárpáti bei der Abfassung der vorliegenden Arbeit zugrunde.

II. Umstände der Entstehung

Béla Bartok befand sich im Hochsommer 1939 in der im „Kriegsfieber“1 liegenden Schweiz. Die Pässe wurden mit Panzersperren gesichert, es gab Straßensperren und viele weitere Unannehmlichkeiten, die Bartók angstvolle Gedanken bereiteten. Ablenkung konnte er in seiner Arbeit finden, der er in der Abgeschiedenheit des modern eingerichteten Chalets von Paul Sacher, seinem Auftraggeber, in Saanen nachging. Die Sachers ließen es ihm dort an nichts fehlen, aus Bern wurde sogar ein Klavier für ihn gebracht. Unter diesen günstigen Bedingungen, die er so nie wieder in Europa erleben sollte, schrieb Bartók das letzte Werk für Sacher und sein Basler Kammerorchester. Das Divertimento, ein Stück von ungefähr 25 Minuten, vollendete er in nur 15 Tagen. Das nächste Auftragswerk war ein Streichquartett für das „Neue Ungarische Quartett“ unter Zoltán Székely.

Ende August unterbrach Bartók die Arbeit am Streichquartett und kehrte heim nach Ungarn. Hier mußte er mit ansehen, wie sich die Gesundheit seiner Mutter zunehmend verschlechterte. Gegen Ende September hatte er bereits die drei ersten Sätze seines Sechsten Streichquartetts komponiert, als er gewahr wurde, daß der Auftraggeber des Stückes sich nicht mehr bei ihm meldete. Bevor Bartók das Werk im November vollendete, wie aus dem Datum auf dem Manuskript hervorgeht, hatte er offenbar den ursprünglichen Plan verworfen, die Komposition mit einem schnellen volkstümlichen Finalsatz zu schließen.2 Ein Tanzfinale hatte Bartók schon im Divertimento komponiert und damit die düstere Stimmung des zweiten Satzes ausgeglichen, der als eine Kriegsvision gedeutet worden ist.3 Aus denselben Skizzen läßt sich auch die sorgfältige Arbeit an den Ritornell-Melodien nachvollziehen, die bis zu ihrer endgültigen Form in mannigfachen Entwürfen zu Papier gebracht worden sind. Sei es nun, daß sich die vorliegende Gestalt des letzten Satzes, die so außerordentlich von der Melodie des Ritornells bestimmt wird, zwangsläufig in der laufend zunehmenden Bedeutung dieser Melodie gründet, oder sei es, daß es die äußeren Umstände in Bartóks Leben waren, die das Anschlagen eines volkstümlichen Tons ihm unmöglich machten, beide Möglichkeiten einer Erklärung des Wandels in der Konzeption des Sechsten Streichquartetts sind denkbar. Bartóks Mutter erlag schließlich im Dezember ihrer Krankheit. Damit gab es für ihn keine Verpflichtung zum Ausharren mehr. Béla Bartók verließ Europa und machte Anfang 1940 zusammen mit József Szigeti eine Konzertreise durch die Vereinigten Staaten von Amerika, auf der er sich eine Position für die Zeit seiner Emigration zu sichern suchte. Ein Angebot, am Curtis Institute of Music Kompositionsunterricht zu geben, lehnte er ab. Statt dessen nahm er auf Anregung Jenö Antals, einem Mitglied des Róth- Quartetts, Kontakt zur Columbia University auf und erhielt eine gutdotierte Anstellung als „Visiting Assistent in Music“. Nach der Konzerttournee, die in der Kritik zum Teil auf Unverständnis stieß,5 kehrte Bartók im Mai nach Ungarn zurück. Da sich die Möglichkeiten zum Verlassen des Landes laufend verschlechterten, wurde der Beginn der Ausreise auf den Oktober 1940 festgesetzt. Bis dahin waren noch unter großen Schwierigkeiten die nötigen Papiere, insbesondere die Transitvisa durch Italien, Frankreich und Spanien zu besorgen. Am Sonntag, dem 8. Oktober fand Béla Bartóks Abschiedskonzert im großen Saal der Musikakademie zu Budapest statt. Er spielte Bachs A-Dur- Konzert und seine Frau das F-Dur-Konzert von Mozart. Danach folgten Mozarts Konzert für zwei Klaviere und schließlich einige Stücke aus dem Mikrokosmos, die Bartók allein vortrug. Es war dies sein letztes Konzert in der Alten Welt. Die Bartóks reisten mit der Eisenbahn über Mailand nach Genf, wo sie einen Omnibus nach Barcelona nahmen, und dann mit der Eisenbahn nach Lissabon weiterfuhren. Von hier war die Überfahrt auf einem amerikanischen Frachter gebucht worden. Von ihren amerikanischen Freunden und Verehrern erfuhren die Bartóks in der Neuen Welt viel Hilfe und Unterstützung. Da die Frage der Existenz für Bartók aber von der Aufführung eines neuen Werkes abhing und er in den ersten Jahren des Exils nicht komponieren konnte, war er genötigt, das Sechste Streichquartett einem anderen Quartett zur Auffüh- Halsey Stevens, sind zunächst Uhde und Stevens selbst, des weiteren auch János Kárpáti, Bartók’s String Quartets, Corvina, S. 245., der allerdings auch die Gegenansicht zu bedenken gibt, daß die Düsternis in Bartóks Musik in Verbindung mit Ereignissen zu sehen ist, wie dem Tod seiner Mutter oder der drohenden Kriegsgefahr, wie es die Autoren Lajos Lesznai und Tibor Tallián unterstreichen. rung anzubieten, als dem ursprünglich zur Widmung vorgesehenen. So ergab es sich, daß das Kolisch-Quartett Bartóks letztes Streichquartett in New York am 20. Januar 1941 uraufführte und nun Widmungsträger ist.

III. Elemente der Komposition

1. Motivik

 [...]


1 Béla Bartók an seinen Sohn im Brief vom 18. August 1939, in János Demény (Hrsg.), Béla Bartók. Briefe, Corvina 1973, Bd. 2, S. 151 f., Nr. 283
2 Die im New Yorker Bartók-Archiv aufbewahrten Skizzen wurden von John Vinton und Benjamin Suchoff näher untersucht
3 Tibor Tallián, Béla Bartók. Sein Leben und Werk, Corvina 1988, S. 240
4 In der Literatur finden sich Verfechter beider Ansichten. Autoren, die die Meinung vertreten, „daß äußere Ereignisse wenig Einfluß auf den Charakter der Kunstwerke haben“, so die bei Jürgen Uhde, Béla Bartók (=Köpfe des 20. Jahrhunderts, Bd. 11), Berlin 1959, S. 78, nicht näher nachgewiesene Bemerkung
5 Mit Szigeti zusammen gab Bartók in New York die erste Rhapsodie (1928) und die zweite Violinsonate (1922). Der Kritiker der New York Times fand die Rhapsodie hübsch, aber die Sonate unverständlich. „Die Themen und Rhythmen sind kratzig, und die letzten angenehmen Klänge sind ausdrücklich eliminiert. Es gibt zwar stimmungsvolle Momente, aber sie werden gleich wieder unterbrochen, als wenn Gemütsbewegung etwas wäre, was man möglichst vermeiden müßte.“ Jürgen Uhde, Béla Bartók (=Köpfe des 20. Jahrhunderts, Bd. 11), Berlin 1959, S. 80


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