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Examination Thesis, 2002, 123 Pages
Author: Silke-Katrin Kunze
Subject: English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Englische Studien und ihre Fachdidaktik)
Tags: Mehrsprachigkeitsdidaktik, Beitrag, Fremdsprachendidaktik, Kolloquium
Year: 2002
Pages: 123
Grade: 1,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20464-4
ISBN (Book): 978-3-638-69924-2
File size: 552 KB
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Abstract
Der Titel dieser Arbeit ist als Frage formuliert und die folgenden Ausführungen sollen deutlich machen, warum die Antwort nur JA sein kann! Im sich mehr und mehr vereinigenden Europa müssen Fremdsprachenkenntnisse so trainiert werden, daß ein Schüler sich zu helfen weiß, wenn er plötzlich einer multikulturellen Gruppe begegnet und verschiedene, auch ihm fremde Sprachen an sein Ohr dringen. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik ist eine Bereicherung für die Fremdsprachendidaktik und sollte der europäischen Zukunft zuliebe in den traditionellen Fremdsprachenunterricht Einzug halten. Nach einem ersten theoretischen Teil, der in verschiedene Aspekte der Mehrsprachigkeitsdidaktik Einsicht nehmen wird, gehen die Teile zwei und drei auf einen eigens konzipierten Fragebogen ein - im zweiten Teil auf seine Intention und Evaluierung und im dritten auf die Interpretation der Ergebnisse, denen Meinungen aus Theorie und Praxis gegenübergestellt werden. Im Anhang befinden sich neben dem Fragebogen und den Fragebogenergebnissen zum einen Desiderata für die Lehreraus- und -fortbildung, zum anderen ein kleiner Katalog mit der Wunschvorstellung für eine zukünftige Mehrsprachigkeitsdidaktik sowie eine Folie, mit der die Befragten über das Vorhaben der Verfasserin informiert wurden. Die Zielgruppen dieser Arbeit sind zuallererst die Lehrpersonen der Lehreraus- und -fortbildung und Lehrpersonen der fremdsprachlichen Fächer an Schulen und Universitäten, aber auch Schüler, die gemeinsam beispielsweise einen Diskurs zum Thema mehrsprachiger Unterricht führen könnten. Immerhin ziehen sie alle an einem Strang - Schule soll Spaß machen, aber jeder soll auch Freude an seiner Aufgabe haben. Der vierseitige Fragebogen wurde mit Hilfe der Aufsätze im Buch "Mehrsprachigkeitsdidaktik" (F.-J. Meißner und Marcus Reinfried, Hg., 1998) erstellt. Dieses Werk nimmt die Vorreiterrolle im von ihm abgedeckten Bereich ein, sodaß zwar im gleichen Zeitraum noch dieser oder jener andere Aufsatz gelesen wurde, diese aber keine Fragen aufwarfen, die hätten erkennen lassen können, inwiefern das Lernen einer 2., 3. oder gar 4. Fremdsprache von der (den) vorgelernten Fremdsprache(n) beeinflußt wird. Im Nachhinein hat es sich ergeben, daß die Auswertung zwei weitere Bereiche umfaßt: 1. eingegangene Kritiken und Hinweise und 2. welche Fremdsprachen einige Befragte an der Universität, im Fachsprachenzentrum, belegt haben.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Anglistik / Amerikanistik
Wissenschaftliche Hausarbeit
"Mehrsprachigkeitsdidaktik" als Beitrag zur Fremdsprachendidaktik?
Wissenschaftliche Arbeit
im Fach Englisch
Lehramt an Gymnasien
eingereicht von
Kunze, Silke-Katrin
Radebeul, 30. September 2002
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung ... 3
Basis: Der Themenkreis "Mehrsprachigkeitsdidaktik"
Terminologische Vorbemerkungen ... 6
Europäischer Kontext ... 9
Nationaler Kontext ... 10
Schulischer Kontext ... 12
Lehrerrolle ... 14
Schülerrolle ... 16
Zwei und mehr Schulfremdsprachen ... 18
Abwechslung vom Schulfremdsprachenalltag ... 20
Ausblick: Perspektiven ... 23
Empirie: Intention und Evaluierung einer Umfrage
Statistische Daten zur Person ... 26
Statistische Daten zur Sprachlernbiographie ... 27
Einschätzung von Lernerfahrungen ... 29
Theorie vs. Praxis: Interpretation der Fragebogenergebnisse
Statistische Daten zur Person ... 36
Statistische Daten zur Sprachlernbiographie ... 38
Einschätzung von Lernerfahrungen ... 44
Schlussbetrachtung ... 62
Anhang
Desiderata an die Lehreraus- und -fortbildung ... 64
Katalog: Wunschvorstellung für eine zukünftige MSKD ... 65
Folie ... 67
Fragebogen ... 68
Fragebogenergebnisse im Überblick ... 71
Bibliographie ... 119
Einleitung
"Wer zwey oder drey verschiedener Arten Breye zugleich in einer eintzigen Pfanne kochet / machet eine sehr übel schmeckende Olla podrida; wer gantz allein / zwey- oder drey / auf verschiedenen (wil nit sagen / entgegenen) Spuren lauffende Hasen erlauffen wil; der fängt den einen nicht / und läst den andern lauffen. Chi due lepri caccia, l′una non piglia, e l′altra lascia," (Beck-Busse 1995: 193)
sagte Matthiae Kramer 1709 in einer Vorrede, die augenblicklich in zweierlei Hinsicht in das Thema dieser Wissenschaftlichen Arbeit einzuführen imstande ist: Erstens enthält sie die romanische "Fremdsprache" Spanisch und zweitens ist sie "mehrsprachig" verfaßt. Beide Bezeichnungen befinden sich im Titel << "Mehrsprachigkeitsdidaktik" als Beitrag zur Fremdsprachendidaktik? >>. Da bereits 1709 in dieser Form abgefaßt, dürfte dies der rechte Platz für einen kleinen Exkurs in die Geschichte der Fremdsprachen sein: Danach ist mehrsprachiges Lernen keine Erfindung der Neuzeit, sondern fand schon in früheren Jahrhunderten statt. Im 16. und 17. Jahrhundert existierte ein europäisches Druck- und Verlagswesen, sodaß 1617 eine viersprachige (Englisch - Französisch - Lateinisch - Spanisch) Ausgabe der Janua linguarum veröffentlicht wurde, die auf der gleichnamigen lateinisch-spanischen Ausgabe des englischen Jesuiten William Bath beruhte. 1624 wurde in Straßburg das Englische durch das Deutsche ausgetauscht. Zu damaliger Zeit galt das Verfassen mehrsprachiger Grammatiken und Vokabularien als normal. Sie wurden extra so angelegt, daß diese oder jene Sprache ausgetauscht oder hinzugefügt werden konnte. (vgl. Weller 1998: 70)
Seit ein paar Jahren nun gibt es den Begriff der "Mehrsprachigkeitsdidaktik", der von Franz-Joseph Meißner maßgeblich geprägt wurde, wie der Leser noch erkennen wird. Heutzutage sind die Technik und Elektronik so weit, daß man Musik erzeugen kann, ohne etwas vom Keyboardspielen verstehen zu müssen. Möchte man aber ganz traditionell auf einem Klavier spielen können, muß man dafür mehrere Jahre üben. Mit der Fremdsprachenbeherrschung ist das nicht viel anders. Der Fremdsprachenunterricht einer Sprache, wird er separat von den anderen Fremdsprachenfächern gelehrt, kann ungewollt Langeweile aufkommen lassen. Deshalb werden immer mehr Stimmen laut, die für einen mehrsprachigen Ansatz plädieren. Kein Wunder, kann es doch unter Umständen zusätzliche Motivation verschaffen, wenn der Lehrer beispielsweise seine Schüler in verschiedenen Sprachen begrüßt.
Ausgangspunkt für die Konzeption einer Mehrsprachigkeitsdidaktik durch F.-J. Meißner und Albert Barrera-Vidal, war die "lexikalische und strukturelle Verzahnung beim Erlernen romanischer Sprachen". (Reinfried 1998: 28) Die romanischen Sprachen bildeten somit das erste Zahnrad im Getriebe, das den Mühlstein ins Rollen brachte, doch können jederzeit weitere Sprachgruppen und -familien eingebaut werden. Dieses sprachliche Bild spielt auf die Motivation für das Thema der vorliegenden Arbeit an, die genau dieselbe ist, die Hans Glinz zu seinen "Grammatiken im Vergleich. Deutsch - Französisch - Englisch - Latein. Formen - Bedeutungen - Verstehen" von 1994 inspiriert hat:
"Das Bedürfnis, die in den deutschsprachigen Schulen gelehrten Sprachen systematisch aufeinander zu beziehen, mindestens die häufigsten unter ihnen, und die besten Wege für ihre Erlernung und bewuSSte Handhabung zu zeigen, fühlte ich vom Beginn meiner Lehrertätigkeit an (und schon seinerzeit als Schüler)." (Glinz 1994: XI)
Der Titel dieser Arbeit ist als Frage formuliert und die folgenden Ausführungen sollen deutlich machen, warum die Antwort nur JA sein kann! Im sich mehr und mehr vereinigenden Europa müssen Fremdsprachenkenntnisse so trainiert werden, daß ein Schüler sich zu helfen weiß, wenn er plötzlich einer multikulturellen Gruppe begegnet und verschiedene, auch ihm fremde Sprachen an sein Ohr dringen. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik ist eine Bereicherung für die Fremdsprachendidaktik und sollte der europäischen Zukunft zuliebe in den traditionellen Fremdsprachenunterricht Einzug halten.
Nach einem ersten theoretischen Teil, der in verschiedene Aspekte der Mehrsprachigkeitsdidaktik Einsicht nehmen wird, gehen die Teile zwei und drei auf einen eigens konzipierten Fragebogen ein - im zweiten Teil auf seine Intention und Evaluierung und im dritten auf die Interpretation der Ergebnisse, denen Meinungen aus Theorie und Praxis gegenübergestellt werden. Im Anhang befinden sich neben dem Fragebogen und den Fragebogenergebnissen zum einen Desiderata für die Lehreraus- und -fortbildung, zum anderen ein kleiner Katalog mit der Wunschvorstellung für eine zukünftige Mehrsprachigkeitsdidaktik sowie eine Folie, mit der die Befragten über das Vorhaben der Verfasserin informiert wurden. Die Zielgruppen dieser Arbeit sind zuallererst die Lehrpersonen der Lehreraus- und -fortbildung und Lehrpersonen der fremdsprachlichen Fächer an Schulen und Universitäten, aber auch Schüler, die gemeinsam beispielsweise einen Diskurs zum Thema mehrsprachiger Unterricht führen könnten. Immerhin ziehen sie alle an einem Strang - Schule soll Spaß machen, aber jeder soll auch Freude an seiner Aufgabe haben.
Der vierseitige Fragebogen wurde mit Hilfe der Aufsätze im Buch "Mehrsprachigkeitsdidaktik" (F.-J. Meißner und Marcus Reinfried, Hg., 1998) erstellt. Dieses Werk nimmt die Vorreiterrolle im von ihm abgedeckten Bereich ein, sodaß zwar im gleichen Zeitraum noch dieser oder jener andere Aufsatz gelesen wurde, diese aber keine Fragen aufwarfen, die hätten erkennen lassen können, inwiefern das Lernen einer 2., 3. oder gar 4. Fremdsprache von der (den) vorgelernten Fremdsprache(n) beeinflußt wird. Im Nachhinein hat es sich ergeben, daß die Auswertung zwei weitere Bereiche umfaßt: 1. eingegangene Kritiken und Hinweise und 2. welche Fremdsprachen einige Befragte an der Universität, im Fachsprachenzentrum, belegt haben.
An dieser Stelle noch ein Hinweis zu den "Fragebogenergebnissen im Überblick" (s. S. 71): Es ist das erste Mal in der Gesamtstudienzeit der Verfasserin, daß sie sich mit dem Programm "Excel" eingehender beschäftigt hat. Im Sinne der Übersichtlichkeit enthält jedes Diagramm eine Legende mit den genauen Ergebnissen, sodaß Grafik und Legende die gleiche Aussage treffen. (Das auch für den Fall, daß aufgrund eines zu großen Zahlenunterschieds das Diagramm mehr oder weniger gut zu erkennen ist.) Die Verfasserin war bestrebt, sich jeweils für eine geeignete Form der Darstellung zu entscheiden, und man möge ihr die Variation nachsehen, die nicht zuletzt dem Zweck dienen soll, dem Schüler zu demonstrieren, welche Möglichkeiten der Präsentation das Programm bietet, denn wie heißt es doch so schön: "Non scholae, sed vitae discimus. - Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir." (Büchmann 1937: 424)
Basis: Der Themenkreis "Mehrsprachigkeitsdidaktik"
Terminologische Vorbemerkungen
Wer kennt ihn nicht, den Spruch: "Das weiß doch jedes Kind!"? Nicht nur oft gehört, sondern auch auf folgendes Beispiel zutreffend, weiß "jedes Kind", daß der Erwerb einer Fremdsprache zwangsläufig auf der Basis der eigenen Muttersprache erfolgt. (Vom bilingualen Kind vielleicht einmal abgesehen.) Im Gegensatz dazu ist weder allen jüngeren noch älteren Menschen die Bedeutung der drei Begriffe "Fremdsprachendidaktik", "Plurilinguismus" und "Mehrsprachigkeitsdidaktik" bekannt, die hier zunächst einer Beschreibung bedürfen, da sie eng mit dem Titel dieser Arbeit verwoben sind.
"Fremdsprachendidaktik ist die Wissenschaft vom Lehren und Lernen fremder Sprachen in jeglichem institutionellen Zusammenhang: in Vorschulen, Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung." (Christ / Hüllen 1995: 1) Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Fremdsprachenlehrkörper, den Schülern, dem Lehren und Lernen fremder Sprachen sowie der interkulturellen Komponente im Fremdsprachenunterricht. Das Verständnis der Fremdsprachendidaktik als wissenschaftliche Disziplin hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr gewandelt: Wandte sie sich im 19. Jahrhundert primär der Vermittlung von Fremdsprachenunterricht an Gymnasien und Realschulen zu, so traten im 20. Jahrhundert ihre Inhalte in sämtlichen Schulformen in den Vordergrund (Methodik vs. Didaktik). In den erstgenannten Zeitraum fällt auch die Entstehung einzelner Fachdidaktiken aus der Gesamtheit der Fremdsprachendidaktik. Der Terminus an sich stammt aus den 50er Jahren und ersetzte Bezeichnungen wie "Didaktik der neueren Sprachen" und "Neusprachendidaktik", die sich aufgrund ihrer Vorreiterrolle damals noch als Didaktik des Englischen und Französischen verstanden. Seitdem ist das schulische Fremdsprachenangebot einem ständigen Änderungsprozeß ausgesetzt. Um ihren Untersuchungsfeldern gerecht zu werden, muß sie natürlich andere Wissenschaften mit einbeziehen, so z. B. die Erziehungswissenschaft und die Lernpsychologie. (vgl. ebd.: 1-5)
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