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Opportunistische Konjunkturzyklen bei rationalen Erwartungen

Scholary Paper (Seminar), 2003, 25 Pages
Author: Stephan Wolter
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 25
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V15378
ISBN (E-book): 978-3-638-20499-6

File size: 281 KB
Notes :
Überblick über mögliche Konjunkturzyklen, Spezialisierung auf Oppurtunistische Zyklen bei rationalen Erwartungen in Modellen von: Barro/Gordon, Persson/Tabellini, Rogoff, Rogoff/Siebert, Verweis auf weitere Modelle, Kritische Würdigung, extrem gute Literaturarbeit.



Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre
-Makroökonomik-
Seminararbeit im Rahmen des
AVWL - Seminars im Sommersemester 2003
Konjunkturtheorie

Die Theorie opportunistischer Konjunkturzyklen bei
rationalen Erwartungen

Stephan Wolter

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Theorie der politische Konjunkturzyklen  1

3 Modellrahmen opportunistisch-rationaler Konjunkturzyklen  3
3.1 Modellmechanismus: Zusammenhang zwischen Ökonomie und Wahlergebnis  3
3.2 Politisches und ökonomisches System im Grundmodell  4

4 Herleitung opportunistisch- rationaler Konjunkturzyklen  6
4.1 Lösung des statischen Spiels  6
4.2 Dynamisches Spiel mit Reputationsmechanismus  8
4.3 Signalspiele und Kompetenzzyklen  10
4.3.1 Erweiterung des Grundmodells  11
4.3.2 Signalgleichgewichte und daraus resultierende Konjunkturzyklen  12
4.3.2.1 Separierendes Gleichgewicht  13
4.3.2.2 Poolendes Gleichgewicht  15

5 Kritische Bemerkungen  16
5.1 Modellformulierung  16
5.2 Empirische Evidenz  18

6 Zusammenfassung und Ausblick  19

Literaturverzeichnis  20

 

1 Einleitung

Sieg (2000, S. 1 f.) zeigt anhand empirischer Forschung für Deutschland, dass einer regierungsnahen Zentralbank gerade zu den wahlstrategisch günstigsten Zeitpunkten die Geldmenge "aus dem Ruder läuft" und so ein wirtschaftlicher Aufschwung stimuliert wird. In diesem Sinne macht Buchanan (1989, S. 933) in seiner Nobellesung auf die Möglichkeit aufmerksam, dass Politiker nicht nur zum Wohle des Volkes agieren, sondern dass sie bei ihren Handlungen auch oder gerade eigene Interessen verfolgen: "Die Ökonomen sollen aufhören, politischen Rat zu erteilen, als wären sie bei einem wohlwollenden Despoten beschäftigt. Stattdessen sollten sie den Rahmen ins Auge fassen, in dem politische Entscheidungen gefällt werden."

Diese Seminararbeit betrachtet dabei insbesondere das opportunistische Ziel der im Amt befindlichen Regierung, wiedergewählt zu werden. Selbst wenn die Wähler rational agieren, sie also die Intentionen der Regierung erkennen, können eigennutzorientierte Eingriffe der Regierung in die wirtschaftliche Entwicklung unter noch zu klärenden Umständen zur Erzeugung politisch initiierter Konjunkturzyklen führen. Wesentlich für die Theorie ist dafür die Einbeziehung der Spieltheorie. In der Interaktion von Wähler und Regierung finden sich Reputations- und Signalgleichgewichte, die regelmäßige wirtschaftliche Schwankungen erklären.

Die Theorie hält zur Beschreibung politischer Konjunkturzyklen mehrere Ansätze bereit, welche man anhand der Ausgestaltung der Erwartungsbildungshypothese und der Zielfunktion der Politiker voneinander abgrenzen kann. Diese Ansätze werden im 2. Kapitel in grober Form beschrieben. Das opportunistische Erklärungsmodell unter rationalen Erwartungen soll dann vertieft werden. In Kapitel 3 werden dazu der Zusammenhang zwischen Ökonomie und Wahlergebnis allgemein betrachtet und anschließend die konkreten Grundlagen für eine mögliches Modell erarbeitet, welches im 4. Kapitel durch Lösung und Interpretation mit unterschiedlichen Annahmen und Erweiterungen auf die Erklärbarkeit von Konjunkturzyklen hin untersucht wird.1 Der kritische Blick auf die ökonomische und politische Modellstruktur sowie auf die Ergebnisse eröffnet sich in Kapitel 5. Darin wird auch auf die empirische Evidenz eingegangen. Im letzten Kaptitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und wird ein Fazit gezogen. Das 6. Kapitel enthält abschließend zudem einige ausblickende Bemerkungen, in denen vor allem auf die Notwendigkeit weiterer Forschungsarbeiten hingewiesen wird.

2 Theorie der politische Konjunkturzyklen

Nach Tichy (1994, S. 12) ist die Literatur zu einer grundlegenden Übereinstimmung hinsichtlich Definition und Erscheinungsformen der Konjunkturzyklen gekommen. Wenig Übereinstimmungbesteht aber darüber, welche Ursachen die beobachteten wirtschaftlichen Schwankungen haben.2 Die in dieser Arbeit unterstellte Erklärungsform für Konjunkturzyklen ist die bewusste, zielorientierte und eigennützig motivierte3 Verursachung wirtschaftlicher Schwankungen durch das Verhalten der Regierung. Politische Konjunkturzyklen4 werden in diesem Sinne nach Scheuerle (1999, S.2) und Frey (1976, S. 95) als (zusätzliche) von der Regierung bewusst ausgelöste wirtschaftliche Schwankungen definiert.

Innerhalb der politischen Konjunkturzyklustheorie lassen sich grundsätzlich zwei Ansätze unterscheiden, die in der Formulierung der Nutzen- bzw. Zielfunktion der Regierung Berücksichtigung finden. Erfährt die Regierung einen großen Nutzen aus der Regierungstätigkeit, steht das Wiederwahlinteresse im Vordergrund. Eine Regierung wird in diesem Zusammenhang versuchen, in Wahljahren eine besonders günstig zu beurteilende Wirtschaftslage zu erzeugen, die zu einer maximalen Wählerstimmenzahl führt. In Anlehnung an Nordhaus (1989) wird diese Form erzeugter politischer Konjunkturzyklen als opportunistisch bezeichnet. Ist im Gegensatz dazu die Umsetzung ideologischer Ziele, also die Durchsetzung parteispezifischer Wirtschaftspolitik von besonderer Bedeutung, spricht man von ideologischen Konjunkturzyklen.5 Eine Mischung beider Ansätze, wie z.B. Kirchengässner (1984) oder Frey/ Schneider (1979) untersuchen, ist ebenfalls denkbar.

Sowohl bei den Modellen der opportunistischen wie auch der ideologischen Schule differenziert man zusätzlich jeweils nach Art der Erwartungsbildung.

[....]


1 Aus platztechnischen Gründen wird in dieser Arbeit auf die graphischen Lösung nur verwiesen. Für Kap 4.1 findet man sie bei Scheuerle (1999, S. 84 ff.), für Kap. 4.2 in Scheuerle (1999, S. 92 und S. 99) und für Kap. 4.3 bei Scheuerle (1999, S. 124 ff. und S. 129 ff.)

2 Tichy (1994, Kap 2.2) gibt eine Ubersicht uber mogliche Ursachen, aus denen Konjunkturschwankungen resultieren.

3 Die Abgrenzung erfolgt hier zu unbewusst erzeugten Konjunkturzyklen, welche vor allem von den modernen Monetaristen, wie z.B. Brunner (1973), vertreten werden. Zusatzliche konjunkturelle Schwankungen werden dabei unbewusst aus Unfahigkeit seitens der Regierung, eine angemessene Stabilisierungspolitik durchzufuhren, erzeugt.

4 Der Begriff des ′politischen Konjunkturzyklus′ wird ublicherweise auf Kalecki (1943) zuruckgefuhrt. In seinem Modell bezeichnet er mit dem ′Political Business Cycle′ Konjunkturzyklen, die durch das Verhalten der Politiker ausgelost werden. Sein Modellrahmen und das unterstellte Demokratieverstandnis unterscheiden sich allerdings fundamental von den in der neueren Literatur und in dieser Arbeit dargestellten Ansatzen.

5 Die daraus resultierenden Modelle heisen Klientel- oder Partisanenmodelle; zum Begriff siehe Kirchengassner (1996, S. 402).


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