Scholary Paper (Seminar), 2003, 29 Pages
Author: Thomas Oliver Schindler
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: LMU Munich (Fakultät für alte Geschichte)
Tags: Heilkulte, Attika, Proseminar, Einführung, Religionsgeschichte, Kult, Gesellschaft, Athen
Year: 2003
Pages: 29
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-20507-8
ISBN (Book): 978-3-638-69144-4
File size: 412 KB
Eine sehr umfassende Arbeit über alle griechischen Heilkulte der archaischen, klassischen und hellenistischen Zeit - mit Außnahme des berühmten Asklepios, der nur in Bezug auf die anderen Heilgötter /-heroen behandelt wird. Der Grund dafür. Unzählige Abhandlungen befassen sich mit Asklepios; die restlichen Heiler fanden dagegen bis jetzt kaum Beachtung.
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Abstract
Wohlergehen und Gesundheit sind selbstredend seit Menschengedenken zentrale Bedürfnisse und haben als solche trotz des immensen medizinischen Fortschritts bis in die heutige Zeit Einzug in allen Weltreligionen. Folglich konnte auch in der griechischen Antike die damals aufkommende ärztliche Wissenschaft mit ihrem Instrumentarium und ihrem theoretischen Wissen nur bis zu einem gewissen Grade Hilfe bringen und nicht alle Hoffnungen der Betroffenen erfüllen . So blieb diesen oft nur der spirituelle Beistand göttlicher Wesen, die sich ihrer Leiden annahmen. Obwohl im damaligen Verständnis der Griechen jedes überirdische Wesen aufgrund seiner göttlichen Kräfte heilen konnte , wurden auch ohne große Notsituationen ständig Spezialisten und ‚göttliche Ärzte‘ gebraucht. Eben jene heilbringende Gottheiten und ihre Beziehung zu den Notleidenden sind das zentrale Thema dieser Arbeit. Emily Kearns schreibt passend hierzu: „We are essentially concerned with the individual hero, specialising in cures, to whom the individual turns in cases of need“.
Excerpt (computer-generated)
Heilkulte in Attika
Thomas Schindler
Inhaltsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Heros Iatros 6
2.1. Name und Herkunft 6
2.2. Ausdehnung und lokale Varianten in Attika 7
3. Amynos 8
3.1. Name, Herkunft und Umfeld 9
3.2. Ausdehnung des Amynoskultes 10
4. Amphiaraos 11
4.1. Name und Mythos 13
4.2 Kultische Heilung 13
4.3. Ausdehnung und Umfeld 15
5. Zeus Meilichios 16
5.1. Name 17
5.2. Ausdehnung und Umfeld 18
6. Zeus Hypsistos 19
6.1. Name und Herkunft 20
6.2. Ausdehnung und Umfeld 21
7. Allgemeine Heilgottheiten 21
7.1. Apollon 22
7.2. Herakles 23
7.3. Athena 24
8. Frauen- und Geburtsgottheiten 25
9. Zusammenfassung 26
10. Anhang 28
11. Quellen- und Literaturverzeichnis 28
11.1. Quellenverzeichnis 28
11.2. Literaturverzeichnis 29
1. Einleitung
Wohlergehen und Gesundheit sind selbstredend seit Menschengedenken zentrale Bedürfnisse und haben als solche trotz des immensen medizinischen Fortschritts bis in die heutige Zeit Einzug in allen Weltreligionen. Folglich konnte auch in der griechischen Antike die damals aufkommende ärztliche Wissenschaft mit ihrem Instrumentarium und ihrem theoretischen Wissen nur bis zu einem gewissen Grade Hilfe bringen und nicht alle Hoffnungen der Betroffenen erfüllen1. So blieb diesen oft nur der spirituelle Beistand göttlicher Wesen, die sich ihrer Leiden annahmen. Obwohl im damaligen Verständnis der Griechen jedes überirdische Wesen aufgrund seiner göttlichen Kräfte heilen konnte2, wurden auch ohne große Notsituationen ständig Spezialisten und ‚göttliche Ärzte‘ gebraucht. Eben jene heilbringende Gottheiten und ihre Beziehung zu den Notleidenden sind das zentrale Thema dieser Arbeit. Emily Kearns schreibt passend hierzu: „We are essentially concerned with the individual hero, specialising in cures, to whom the individual turns in cases of need.“3 „Die vorstellung des heilung verleihenden gottes war im späten altertum vorzugsweise und ist […] an Asklepios geknüpft “4, in dieser Arbeit wird der bereits gut erforschte ‚Vorzeige- Heilgott‘ Asklepios aber keine eigene Rolle spielen, sondern nur im Bezug auf die anderen, kleineren Heilkulte auftreten. Besonderer Augenmerk liegt also auf den übrigen, unbekannteren Heilkulten: Heros Iatros und seine Varianten, Amynos, Amphiaraos, Zeus Meilichios und Zeus Hypsistos, welche jeweils in eigenen Abschnitten und hauptsächlich örtlich begrenzt auf Athen und Attika untersucht werden. Zusätzlich werden allgemeine Gottheiten, bezeichnenderweise Apollon, Herakles und Athena, sowie die spezialisierten Frauen- und Geburtsheilgöttinen, wie beispielsweise Artemis oder Eileithyia, kurz behandelt. Zu den erwähnten Heilkulten stützt sich die verwendete Quellenbasis der Literatur vorwiegend auf zufällige Erwähnungen, z.B. bei Plutrachs‘ Erzählungen, Euripides‘ Theaterstücken und den Reden des Demosthenes, oder auf Landschaftsbeschreibungen und Geschichtswerke, wie von Pausanias und Thukydides, aber auch spätere, römische Autoren, so Solinus und Pomponius Mela, werden herangezogen. Keine dieser Quellen hat jedoch die Beschreibung der Heilkulte an sich als Thema, meist werden nur hintergründig Gebäude, Kunstwerke und die Existenz von Festen und Bräuchen dieser Kulte erwähnt. Um wirklich aufschlußreich zu sein, müssen sie mit den reichen archäologischen und epigraphischen Überresten, welche den Großteil der Quellen für Heilkulte stellen, kombiniert betrachtet werden.
Zum Überblick über die bisherige Forschungslage wird ältere Sekundärliteratur, zu der vor allem Hermann Usener5 und Ferdinand Kutsch6 zählt, sowie neuere Werke, wie von Antje Krug7, Kevin Michael Purday8, Björn Forsén9 oder Emily Kearns10, verwendet. Auch bei den verwendeten Überblickswerken, wie dem ‚neuen Pauly‘, dem ‚Lexikon der Alten Welt‘ oder ‚Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft‘ sind Altersunterschiede teils bewußt gewählt.
Das 5. Jahrhundert v. Chr., aber auch seine Vorzeit, ist als zeitlicher Rahmen der Untersuchung besonders interessant: Die athenischen Seuchen von 430 – 428 und 427 – 426 v. Chr.11 in Kombination mit häufigen Erdbeben, die Sizilische Expedition, der Peloponnesische Krieg und das traumatische Kriegsende 404 v. Chr. versetzen Athen in einen Schockzustand. Allgemeine Hilflosigkeit aufgrund von nicht ausreichender medizinischen Versorgung und schätzungsweise 70.000 – 80.000 Tote desillusionierten die Athener; in den Augen vieler hatten die traditionellen Staatsgötter des Olymps versagt12. Jedoch ist es für eine wandelbare Religion, wie es die der alten Griechen war, signifikant, daß immer dann neue Kulte entstehen, wenn das ‚Herkömmliche‘ die seelischen Bedürfnisse der Menschen nicht mehr befriedigen kann. Genauso erging es zu dieser Zeit dem ‚herkömmlichen‘ griechischen Götterglauben: Die olympischen Götter wurden auf dem Gebiet der Heilung durch die Neueinführung des Asklepioskults rasch verdrängt. Diese bedeutende Funktion als Heilgott wurde Asklepios aber erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. verliehen, denn ursprünglich war er als Lichtgott gedacht13. Die Ankunft des Asklepios wird im allgemeinen auf 420 v. Chr. datiert, kurz nach dem Nikiasfrieden des Peloponnesischen Krieges. „Hatten die Athener vordem keinen heilgott angerufen, nicht einmal zur pestzeit [ca. 430 – 428 v. Chr.]?“14
2. Heros Iatros
[...]
1 Antje Krug: Heilkunst und Heilkult. Medizin in der Antike. München 1985, S. 120.
2 Emily Kearns: The heros of Attica. (BICS Suppl. 57) London 1989, S. 14 f.
3 Ebd.
4 Hermann Usener: Götternamen. Versuch einer Lehre von der religiösen Begriffsbildung. 3. unveränd. Aufl., Frankfurt/Main 1948, S. 148.
5 Usener: Götternamen.
6 Ferdinand Kutsch: Attische Heilgötter und Heilheroen. Gießen 1913.
7 Krug: Heilkunst.
8 Kevin Michael Purday: Minor healing cults within Athens and its environs. Diss. Southampton 1987.
9 Forsén, Björn: griechische Gliederweihungen, Eine Untersuchung zu ihrer Typologie und ihrer religions- und sozialgeschichtlichen Bedeutung. Helsinki 1996, S. 56.
10 Kearns: Heros of Attica.
11 Diese Seuchen sind in der Literatur mit Pest bezeichnet, aber wahrscheinlicher sei laut Purday Typhus. Purday: Minor healing cults .S. 6 ff.
12 Ebd.
13 Usener: Götternamen. S. 148.
14 Ebd.
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