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Die Position William Pitts im englisch-amerikanischen Konflikt

Termpaper, 2000, 18 Pages
Author: Magister Joachim Pahl
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization

Details

Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 18
Grade: befriedigend
Language: German
Archive No.: V15417
ISBN (E-book): 978-3-638-20528-3
ISBN (Book): 978-3-638-77136-8
File size: 185 KB

Abstract

Zu Beginn des Jahres 1775 hatten sich die Konflikte zwischen den Amerikanern und den sie vertretenden Assemblies auf der einen sowie dem englischen Parlament auf der anderen Seite dermaßen zugespitzt, daß beide Parteien nicht umhinkonnten, eine Entscheidung darüber anzustreben, wie das Verhältnis zueinander aussehen sollte. Der zentrale Konfliktpunkt war die Frage, wo die Steuerhoheit liegen solle: beim englischen Parlament oder bei den amerikanische Provinzregierungen, die sich auf den Grundsatz beriefen, daß kein englischer Bürger ohne seine Zustimmung besteuert werden dürfe. Die Krise schwelte schon seit zwölf Jahren, mit einigen Koflikthöhepunkten, als die Amerikaner den Handel mit dem Mutterland boykottierten und kleinere Scharmützel anzettelten, nun jedoch hatte die Regierung in England ein ganzes Heer geschickt, das dem Unfuge steuern sollte. Damit hatte die Auseinandersetzung eine neue Qualität erhalten, war aus dem Konflikt eine militärische Konfrontation geworden. In dieser Lage meldete sich William Pitt vom Altenteil zurück, der Grandseigneur der britischen Imperialpolitik und unbestritten ein Fachmann des Außenamtes mit hohen Verdiensten. Die Person Pitts wird in der Historiographie weitgehend übereinstimmend beschrieben. Er war ein auf den König und das Empire verpflichteter Stratege und Pragmatiker, der den nationalen Führer und Volkstribun1 mit bisweilen theatralischen Posen darzustellen verstand2, auch war er ein Anwalt des Parlamentes und des Reiches, nicht jedoch ein Parteiführer3, denn für die in Parteien auftretenden Kungeleien hatte er nur Zorn und Verachtung übrig4 Er versammelte deshalb auch keine Parteiungen um sich5, war aber ein Mann, an den jeder sich gern wendete im Falle einer Krise6. Die gemeinsame Basis aller Beteiligten bestand wie schon vor zwölf Jahren darin, daß die Zugehörigkeit der amerikanischen Kolonien zum Empire noch von niemandem ernsthaft in Frage gestellt wurde. Wie diese Oberhoheit des Mutterlandes allerdings auszusehen habe, welche Bereiche sie umfassen solle und wer an der mißlichen Lage der englischsprachigen Welt wohl schuld sei, darüber gab es im Parlament einen variantenreichen Dissens, der an zwei Reden Pitts sowie beigefügten Protokollen erläutert werden soll, die die Quellenbasis darstellen.


Excerpt (computer-generated)

Die Position William Pitts 1775

 


Joachim Pahl

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Unterschiede zwischen den Reden

Pitts Darstellung der Situation

Pitts Prognosen

Pitts Vorschläge

Schlußbetrachtung

Literatur

Mögliche Literatur



Einleitung

Zu Beginn des Jahres 1775 hatten sich die Konflikte zwischen den Amerikanern und den sie vertretenden Assemblies auf der einen sowie dem englischen Parlament auf der anderen Seite dermaßen zugespitzt, daß beide Parteien nicht umhinkonnten, eine Entscheidung darüber anzustreben, wie das Verhältnis zueinander aussehen sollte. Der zentrale Konfliktpunkt war die Frage, wo die Steuerhoheit liegen solle: beim englischen Parlament oder bei den amerikanische Provinzregierungen, die sich auf den Grundsatz beriefen, daß kein englischer Bürger ohne seine Zustimmung besteuert werden dürfe. Die Krise schwelte schon seit zwölf Jahren, mit einigen Koflikthöhepunkten, als die Amerikaner den Handel mit dem Mutterland boykottierten und kleinere Scharmützel anzettelten, nun jedoch hatte die Regierung in England ein ganzes Heer geschickt, das dem Unfuge steuern sollte. Damit hatte die Auseinandersetzung eine neue Qualität erhalten, war aus dem Konflikt eine militärische Konfrontation geworden. In dieser Lage meldete sich William Pitt vom Altenteil zurück, der Grandseigneur der britischen Imperialpolitik und unbestritten ein Fachmann des Außenamtes mit hohen Verdiensten. Die Person Pitts wird in der Historiographie weitgehend übereinstimmend beschrieben. Er war ein auf den König und das Empire verpflichteter Stratege und Pragmatiker, der den nationalen Führer und Volkstribun1 mit bisweilen theatralischen Posen darzustellen verstand2, auch war er ein Anwalt des Parlamentes und des Reiches, nicht jedoch ein Parteiführer3, denn für die in Parteien auftretenden Kungeleien hatte er nur Zorn und Verachtung übrig4 Er versammelte deshalb auch keine Parteiungen um sich5, war aber ein Mann, an den jeder sich gern wendete im Falle einer Krise6. Die gemeinsame Basis aller Beteiligten bestand wie schon vor zwölf Jahren darin, daß die Zugehörigkeit der amerikanischen Kolonien zum Empire noch von niemandem ernsthaft in Frage gestellt wurde. Wie diese Oberhoheit des Mutterlandes allerdings auszusehen habe, welche Bereiche sie umfassen solle und wer an der mißlichen Lage der englischsprachigen Welt wohl schuld sei, darüber gab es im Parlament einen variantenreichen Dissens, der an zwei Reden Pitts sowie beigefügten Protokollen erläutert werden soll, die die Quellenbasis darstellen. Da es im englischen Parlament nicht erlaubt war, mitzustenographieren7, ist man auf Gedächtnisprotokolle oder nachträglich erstellte Aufzeichnungen Beteiligter angewiesen, soweit ein Redemanuskript nicht existiert. Der vorliegende Text wurde zuerst 1779 von Hugh Boyd herausgegeben, einem Juristen und Kolonialbeamten, der nicht durch weitere Aktivitäten, politischer oder anderer Natur, auf sich aufmerksam gemacht hat. Daß das Protokoll teilweise paraphrasiert, teils aber in direkter Rede geschrieben ist, kann darauf hindeuten, daß es aus mehreren Quellen zusammengesetzt ist. Denkbar wäre auch die Erklärung, daß die Form der ersten Person bisweilen gewählt worden ist, um die bekannte Pitt‘sche Rhetorik besser zur Geltung kommen zu lassen. Der erstgenannten Möglichkeit dürfte jedoch der Vorzug zu geben sein, da umgekehrt auch in den Redetext einige Stellen mit indirekter Rede eingeflossen sind. Zuverlässigkeit und Quellenwert der vorliegenden Texte sind also nicht besser, aber auch nicht schlechter als bei anderen Parlamentsreden dieser Zeit. Die Thematik soll durch die Erörterung von vier Hauptfragen angegangen werden:

1. Wie und warum unterscheiden sich die beiden Reden?
2. Wie beschreibt Pitt die gegenwärtige Lage?
3. Was erwartet er für den Fall, daß das englische Parlament nicht umdenkt?
4. Welche Vorschläge unterbreitet Pitt?

Unterschiede zwischen den Reden:

[...]


1 Kluxen, S. 367
2 Bowl, S. 373
3 Keller, S. 601
4 Trevelyan, S.614
5 Kluxen, S.363f.
6 Morgan, Birth, S. 29
7 Anm.: Die Unterredungen im Parlament wurden als Privatgespräche angesehen, deren Veröffentlichung als Indiskretion betrachtet worden wäre, s. Willcox, William B., The Papers of Benjamin Franklin, Vol 21, New Haven und London 1978, S. 478


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