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Hauptseminararbeit, 2003, 34 Seiten
Autor: Sarah Freund
Fach: Pädagogik - Reformpädagogik
Details
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld (FB Pädagogik)
Tags: Altersmischung, Konzept, Chancen, Reformpädagogik, Beispiel, Laborschule
Jahr: 2003
Seiten: 34
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-20642-6
ISBN (Buch): 978-3-638-64402-0
Dateigröße: 276 KB
Die Hausarbeit bezieht sich auf Altersmischung und behandelt als beispielhaften Schwerpunkt die Laborschule.
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Zusammenfassung / Abstract
Jedes Kind ist anders. Warum stecken wir dann Kinder gleichen Alters in eine Klasse? Damit wir sie pädagogisch doch gleich behandeln können? Diese Fragen werden in der bildungspolitischen Landschaft nach PISA heiß diskutiert. Ist Altersmischung ein Rezept, dass der Heterogenität von Schulklassen gerecht wird? Aber auch kritische Stimmen werden laut: Altersmischung sei ein Rückschritt in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Sollen Kinder lieber mit Bussen zu Schulzentren gebracht werden? Was ist Rückschritt, was ist Fortschritt? Gehorcht Altersmischung der Not oder bietet es der Pädagogik eine neue Chance? Die Diskussion läuft. Die zentralen Fragen in dieser Hausarbeit sind: Wie beurteilen Pädagogen die Altersmischung? Wie sieht ein mögliches Lösungsmodell für auftretende Probleme aus? Zuerst werden verschiedene Formen der Altersmischung dargestellt und bewertet. Danach wird Altersmischung in der Pädagogik Maria Montessoris vorgestellt. Ihre Überlegungen geben noch heute Impulse für altersgemischten Unterricht, ihre Ergebnisse stellen noch immer die Grundlage für eine Bewertung aus heutiger Sicht dar. Dann wird das Modell der Altersmischung an der Laborschule dargestellt. Damit verbunden wird nach pädagogischen Gründen gesucht, die Hartmut von Hentig zur Einführung der Altersmischung in die Laborschule veranlassten. Im Anschluss daran wird das Konzept Altersmischung kritisch untersucht: Empirische Vergleichuntersuchungen von Hans- Günther Roßbach (1997) und S. Veemann (1997) können zwischen jahrgangshomogenen und jahrgangsheterogenen Klassen keine gravierenden Unterschiede feststellen. Die Beurteilungen von Praktikern und Wissenschaftlern der Pädagogik geben ein eindeutigeres Bild ab. Vor allem im sozialen Bereich bietet die Altersmischung Chancen: Sie fördert v.a., dass die Verschiedenheit der Kinder akzeptiert wird. Dann wird ein spezielles Problem der Altersmischung an der Laborschule exemplarisch beschrieben. Auch der Lösungsversuch, ein Schulentwicklungsprozess, wird nachvollzogen.
Textauszug (computergeneriert)
Altersmischung: Ein problematisches Konzept
oder ein Konzept mit Chancen?
Sarah Charlotte Freund
Inhalt:
1. Einleitung 1
2. Gründzüge der Altersmischung
2.1 Formen der Altersmischung 2
2.2 Altersgemischtes Lernen in der Idee Montessoris 6
2.3 Altersmischung an der Laborschule 9
3. Kritik an der Altersmischung
3.1 Vergleich Jahrgangshomogenität und Jahrgangsheterogenität 11
3.2 Vorteile und Nachteile 13
4. Der Schulversuch an der Laborschule
4.1 Die ersten drei Phasen 18
4.2 Der aktuelle Stand 21
5. Schlussbemerkung 24
6. Anhang
Literatur
1. Einleitung
Jedes Kind ist anders. Warum stecken wir dann Kinder gleichen Alters in eine Klasse? Damit wir sie pädagogisch doch gleich behandeln können? Diese provokante Aussage kann man heute überall lesen. In vielen Gegenden Deutschlands soll gespart werden, Schulschließungen stehen auf der Tagesordnung. Klassen sollen zusammengelegt und altersgemischt unterrichtet werden. Kritische Stimmen werden laut: Altersmischung sei ein Rückschritt in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Sollen Kinder lieber mit Bussen zu Schulzentren gebracht werden? Was ist Rückschritt, was ist Fortschritt? Ist Altersmischung der Not gehorchend oder bietet es der Pädagogik eine neue Chance? Die Diskussion läuft. Die zentralen Fragen in dieser Hausarbeit sind: Wie beurteilen Pädagogen die Altersmischung? Wie sieht ein mögliches Lösungsmodell für auftretende Probleme aus?
Zuerst werden die verschiedenen Formen der Altersmischung dargestellt und bewertet. Danach wird die Altersmischung in der Pädagogik Maria Montessoris vorgestellt. Ihre Überlegungen geben noch heute Impulse für altersgemischten Unterricht, ihre Ergebnisse stellen häufig die Grundlage für eine Bewertung dieses Unterrichtskonzepts dar. Ihre Erkenntnisse werden dargestellt und aus heutiger Sicht überprüft. Dann wird das Modell der Altersmischung an der Laborschule dargestellt. Damit verbunden wird nach pädagogischen Gründen gesucht, die Hartmut von Hentig zur Einführung der Altersmischung in die Laborschule veranlassten. Im Anschluss daran wird das Konzept Altersmischung kritisch untersucht: Empirische Vergleichuntersuchungen von Hans- Günther Roßbach (1997) und S. Veemann (1997) können zwischen jahrgangshomogenen und jahrgangsheterogenen Klassen keine gravierenden Unterschiede feststellen. Die Beurteilungen von Praktikern und Wissenschaftlern der Pädagogik geben ein eindeutigeres Bild ab. Vor allem im sozialen Bereich bietet die Altersmischung Chancen: Sie fördert v.a., dass die Verschiedenheit der Kinder akzeptiert wird. Dann wird ein spezielles Problem der Altersmischung an der Laborschule exemplarisch beschrieben. Auch der Lösungsversuch, ein Schulentwicklungsprozess, wird bis zum Ende des Schuljahres 2000/01 nachvollzogen. Ein Interview mit Irene- Demmer- Dieckmann (2001) liefert hierfür die grundlegenden Informationen. Ob der erprobte Lösungsweg erfolgreich ist, wird erst am Ende des Versuchs 2005 entschieden werden können. Im Fazit wird festgestellt, dass Jahrgangsmischung durchaus sinnvoll ist, und auch überwiegend so bewertet wird. Um Altersmischung pädagogisch sinnvoll einzusetzen, müssen aber neue Unterrichtsmethoden entwickelt werden, Lehrer müssen zusätzliche Kompetenzen erwerben. Außerdem kann Altersmischung nur ein Teil einer "Pädagogik der Vielfalt" bzw. eines verbesserten Schulsystems sein.
2. Grundzüge der Altersmischung
2.1 Formen der Altersmischung
Es gibt sehr viele Formen und Variationen der Altersmischung. Je nach Akzentuierung kann sich der Unterricht in jahrgangsheterogenen Klassen sehr unterschiedlich darstellen. Im folgenden werden einige verschiedene Formen vorgestellt und bewertet. An ihnen soll die Vielfalt jahrgangsheterogenen Unterrichts gezeigt werden. Damit verbunden ist aber auch, dass jede dieser Formen gleichermaßen Chancen und Probleme aufwirft, so dass von Fall zu Fall entschieden werden muss, welche Gestalt der Altersmischung zu einer Schule passt bzw. am Sinnvollsten ist. Generell eignen sich einige Formen mehr als andere.
Veemann (1995) unterscheidet zwischen "multigrade classes" (jahrgangskombinierten Klassen) und "multi- age classes" (altersgemischten Klassen). In den "multigrade classes" werden Schüler aus zwei oder mehr Jahrgangsstufen in einem Raum gleichzeitig unterrichtet. Die Gründe zur Einrichtung von "multigrade classes" sind v. a. administrativer Natur (z. B. sinkende Schülerzahlen in ländlichen Gemeinden). Bei dieser Form fehlt darum fast immer der pädagogische Hintergrund, Chancen, die die Altersmischung bieten kann, werden oft nicht genutzt. In "multi- age classes" werden Kinder verschiedenen Alters und verschiedener Jahrgangsstufen absichtlich gemischt, weil sich davon pädagogische Vorteile versprochen werden. Ein besonderes Kennzeichen dieser Klassen ist, dass in ihnen sehr viel Wert auf die Individualisierung der Lernprozesse gelegt wird. Weil in "multi- age classes" pädagogische Hintergründe berücksichtigt werden, sind sie allgemein den "multigrade classes" vorzuziehen.
Die Begriffe "nongraded schools" und "nongraded programs" bezeichnen eine grundsätzlichere Aufhebung der Jahrgangsstruktur im Unterricht. Die Schüler werden entsprechend ihres Leistungsstands (und nicht des Alters) gruppiert und durchlaufen die Schule in ihrem individuellen Tempo. Doch dieses Konzept bezieht sich weitgehend auf die Bildung von leistungshomogenen Gruppen und weniger auf die Nutzung von leistungsmäßigen Unterschieden in altersgemischten Lerngruppen. Jahrgangsheterogener Unterricht kann auch danach unterschieden werden, wie viele Stunden altersgemischt unterrichtet werden, und ob alle Fächer oder nur bestimmte Fächer jahrgangsheterogen unterrichtet werden. Im weiteren werden nur die Modelle vorgestellt, die aus pädagogischen Motiven die Altersmischung befürworten. In der Literatur tauchen immer wieder einige Modelle unter einem Begriff auf, der sich für ein bestimmtes Modell etabliert hat. Die häufigsten Modelle werden im folgenden beschrieben:
a) Das Eingangsstufenmodell:
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