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Hauptseminararbeit, 2003, 42 Seiten
Autor: Henning Radermacher
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Universität Bern (Historisches Institut)
Tags: Flugschriftenautorin, Argula, Grumbach, Laienflugschriften, Reformation
Jahr: 2003
Seiten: 42
Note: gut - sehr gut
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-20657-0
Dateigröße: 844 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Die Flugschriftenautorin Argula von Grumbach
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 4
2 FORSCHUNGSSTAND – ARGULA VON GRUMBACH IM SPIEGEL DER LITERATUR 5
3 LAIENFLUGSCHRIFTEN DER FRÜHEN REFORMATION 9
4 FRAUEN IN DER REFORMATION 10
4.1 Die Bedeutung der Reformation für Frauen 10
4.2 Publizierende Frauen der Reformationszeit 12
4.2.1 Katharina Zell 14
4.2.2 Ursula Weida 15
5 ARGULA VON GRUMBACH 16
5.1 Biographie 16
5.2 Die Flugschriften 20
5.2.1 „Wie eyn Christliche / fraw des adels" 20
5.2.2 „Ein Christennliche schrifft / einer erbarn frawen vom Adel" 22
5.2.3 „An ein Ersamen / Weysen Radt der stat / Ingolstat / ain sandt / brieff" 24
5.2.4 „Ermanung an den / Durchleuchtigen hochge / bornen fürsten und hern / herren Johannsen“ 25
5.2.5 „Dem Durchleuchtigisten / Hochgebornen Fursten und her= / ren / Herrn Friederichen" 25
5.2.6 „An den Edlen / vnd gestrengen her / ren / Adam von Thering“ 26
5.2.7 „Ein Sendbrieff ... / An die / von Regenßburg" 28
5.2.8 „Eyn Antwort in / Gedichtßweiß“ 29
5.3 Die Theologie Argula von Grumbachs 30
5.3.1 Bibelzitate 30
5.3.2 Sola Scriptura 31
5.3.3 Katholische Kirche 32
5.3.4 Martin Luther 32
5.3.5 Laienautoren 33
5.3.6 Propheten 33
5.3.7 Endzeiterwartung 34
5.3.8 Leidensbereitschaft 34
5.3.9 Gegenüber Gott – Mensch 35
5.3.10 Zusammenfassung 35
6 QUELLEN 37
7 BIBLIOGRAPHIE 38
1 Einleitung
Argula von Grumbach (1492-ca. 1568), geborene von Stauff, war die erste Frau, die sich mit Flugschriften für die Reformation an die Öffentlichkeit wandte. Was sie als Flugschriftenautorin von anderen Autoren der Reformation abhebt, ist ihre Herkunft: Sie war eine Frau des Laienstandes von adeliger Abstammung. Sie setzte sich für die causa Lutheri ein und vertrat wie Luther das ‚Sola Scriptura’-Prinzip. Damit stand für sie ausser Frage, dass auch Laien (und Frauen) berechtigt waren, sich öffentlich für die Reformation einzusetzen. Argula von Grumbach war bereit, ihr persönliches Glück zurückzustellen und liess sich auch durch hartnäckigen Widerstand nicht von ihrem Eintreten für das Bekenntnis abbringen. Ihre acht Flugschriften erreichten grosse Auflagen, und sie mag ihren Teil dazu beigetragen haben, dass zahlreiche Laien, besonders Frauen, den Weg zur reformatorischen Erkenntnis gefunden haben. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Literatur immer wieder mit ihr auseinandergesetzt. Entweder wurde von ihr ein der Abschreckung dienendes negatives Bild gezeichnet, oder man stellte sie als grosses Vorbild dar.1 Engelhardt schreibt 1860 über sie: „Sie gehört zu den edlen Seelen, welche hienieden unter Thränen, aber mit starkem Muthe und getrostem Aufblicke zum Herrn Samen der Ewigkeit gesäet haben. Ihnen gilt die Verheissung, dass sie dort mit Freuden ernten werden.“2 Schon reformatorische Zeitgenossen waren von ihrem Engagement angetan. So schreibt z.B. Johann Eberlin von Günzburg 1523 in einem Brief, es sei „eine wunderbarliche schickung Gottes, [...] das viel weybsbild sich so fast bemuehen mit lesen heyliger schrifft, und [...] sich begeben in grosse gfar, ehe sie wolten Gottes wort leugnen oder schwygen“ Zu „eym ehrlichenn werckzeug“ habe Gott „die Edle frawen Argula von Grumbach“ erwählt.3
In der vorliegenden Seminararbeit widme ich mich vor allem den Flugschriften Argula von Grumbachs und ihrem Reformationsverständnis, werde aber auch kurz auf ihr Leben und die Bedeutung der Reformation für die Frauen der damaligen Zeit, sowie publizierende Frauen in der Reformation im allgemeinen eingehen.
2 Forschungsstand – Argula von Grumbach im Spiegel der Literatur
Nicht nur reformatorische Zeitgenossen wie Günzburg, Hubmaier, Lotzer, Osiander4 und natürlich Luther selbst5 äusserten sich wohlwollend über Argula, auch in historischen Werken fand sie im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Beachtung. Doch es waren vorerst fast ausschliesslich Pietisten, welche sich ihrer erinnerten. Im 1572 erschienenen ‚Historien der Martyrer’6 wird Argula von Grumbach viel Platz eingeräumt. Dadurch, dass sie mit ihren Publikationen ihr Leben riskiert habe, gebühre ihr ein Platz unter Gottes Zeugen und Märtyrern, vor allem auch aufgrund ihres Trostes und der Ermutigung für das weibliche Geschlecht.7 So auch 1688 bei Seckendorff8 und 1730 bei Salig, welcher sie als grosse Liebhaberin der Wahrheit und der Lehre Luthers bezeichnet und von ihrem tiefen Glauben beeindruckt ist.9 Galt es, ihr Tun zu verurteilen, wurde sie als abschreckendes Beispiel einer untugendhaften, unbescheidenen Frau dargestellt, wie in dem leider verlorengegangenen Lustspiel „Argula von Grumbach“ Anton Nagels, welches gegen 1700 erschienen sein soll.10
Die erste Biographie erscheint 1737, geschrieben von dem Württembergischen Prediger Georg Rieger.11 Er preist sie als ‚Bayerische Deborah’ und sieht ihre Frömmigkeit als Vorbild für die damaligen Frauen. Dieses Werk ist das erste in einer Reihe romantischer, unkritischer Biographien, welche wenig zum historischen Wissen über Argula von Grumbach beitragen.12 Die bekannteste darunter ist wohl die 1860 erschienene von Engelhardt.13 Eine unvollständige Edition Argulas Schriften erscheint 1845.14
Die moderne Forschung basiert hauptsächlich auf drei Aufsätzen von Kolde von 190515, welche sich sehr stark an Argula von Grumbachs Flugschriften orientieren. Während des Dritten Reiches pries Maria Heinsius Argulas Mut, sich gegen die damaligen Geschlechterverhältnisse zu wehren in ihrem Aufsatz ‚Das Bekenntnis der Frau Argula von Grumbach’16 und später auch in ihrem Buch über Frauen der Reformationszeit.17 Wichtig sind auch zwei Aufsätze von Robert Stupperich18, in welchen er auch auf die (Überbewertung der) Bedeutung der Reformation für die Frau eingeht und – für den englischsprachigen Raum – das Werk über Frauen der Reformation von Roland Bainton,19 welches Matheson allerdings als „a hurried piece of work, full of inaccuracies“ bezeichnet.20 In den letzten Jahren erschienen gleich mehrere Aufsätze und Monographien, welche sich mit Argula von Grumbach beschäftigen. So zum Beispiel Kurt Erich Schöndorfs ‚Argula von Grumbach, eine Verfasserin von Flugschriften in der Reformationszeit’21, zwei Aufsätze von Irmgard Bizzel22, eine bisher nicht publizierte Dissertation von Karin Wolff mit dem Titel ‚Argula von Grumbach und ihre reformatorischen Flugschriften’23 und Merry Wiesners‚ ‚Women’s Response to the Reformation’24. 1992 erschien eine umfangreiche Monographie von Silke Halbach, welche eine tiefe Auseinandersetzung mit sowohl Argula von Grumbachs Leben und Werk, als auch mit der über sie erschienen Literatur bietet25. Leider enthält sie keine vollständige Edition von Argulas Flugschriften.
[...]
1 vgl. HALBACH, SILKE, Argula von Grumbach als Verfasserin reformatischer Flugschriften, Frankfurt 1992, S. 13
2 ENGELHARDT, EDUARD, Argula von Grumbach, die Bayerische Tabea, Nürnberg 1860, S. 134
3 vgl. HALBACH, Argula, S. 9
4 MATHESON, PETER, Argula von Grumbach : A woman’s voice in the reformation, Edinburgh 1995, S. 47
5 Es gibt allerdings keinen Beweis, dass Luther je eine Flugschrift Argulas gelesen hat.
6 RABUS, LUDOVICUS, Historien der Martyrer. Ander Theil, Strassburg 1572, S. 348-383
7 ebd. S. 375, vgl. auch MATHESON, Argula, S. 47
8 SECKENDORFF, VEIT LUDWIG VON, Commentarius historicus et apologeticus de Lutheranismo, Frankfurt/Leipzig 1688, S. 320
9 SALIG, CHRISTIAN, Historie der Augspurgischen Confession, Halle 1730, S. 263
10 HALBACH, SILKE, Argula von Grumbach als Verfasserin reformatischer Flugschriften, Frankfurt 1992, S. 9
11 RIEGER, GEORG, Das Leben Argulae von Grumbach, gebohrner von Stauffen, Als Einer Jüngerin Jesu, Zeugin der Wahrheit, und Freundin Lutheri, Stuttgart 1737
12 MATHESON, Argula, S. 49
13 ENGELHARDT, Argula
14 PISTORIUS, HERMANN ALEXANDER, Frau Argula von Grumbach geborene von Stauffen und ihr Kampf mit der Universtät zu Ingolstadt, Magdeburg 1845
15 KOLDE, THEODOR, Arcasius Seehofer und Argula von Grumbach, in: Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte 11, S. 49-77, 97-124, 149-188
16 HEINSIUS, MARIA, Das Bekenntnis der Frau Argula von Grumbach, in: Christliche Wehrkraft 34, München 1936
17 „Die Reformationszeit trägt ein ausgesprochen männliches Gepräge. So hart ist das Ringen um die letzten Glaubensfragen, dass nur Frauen von starker geistiger Selbständigkeit und tapferem Mut es wagen durften ein Wort mit in die Wagschale zu werfen, - Frauen von der Art der Argula von Grumbach.“ HEINSIUS, MARIA, Das unüberwindliche Wort. Frauen der Reformationszeit, München 1951, S. 134
18 STUPPERICH, ROBERT, Die Frau in der Publizistik der Reformation, in: Archiv für Kulturgeschichte 37, 1955, S. 204-233 und ders., Eine Frau kämpft für die Reformation. Das Leben der Argula von Grumbach, in: Zeitwende: Die Neue Furche 27, 1956, S. 576-681
19 BAINTON, ROLAND, Women of the Reformation in Germany and Italy, Minneapolis, 1972, S. 97-109, siehe auch ders., Frauen der Reformation. Von Katharina von Bora bis Anna Zwingli, Gütersloh 1995, S. 103-119
20 MATHESON, Argula, S. 51
21 In: Osloer Beiträge zur Germanistik 8, 1983, S. 182-202
22 BIZZEL, IRMGARD, Argula von Grumbach und Johannes Landshut. Zu einer Kontroverse des Jahres 1524, und Der Sendbrief Argula von Grumbachs an die Universität Ingolstadt (1523) in zwei redaktionellen Bearbeitungen. In: Gutenberg Jahrbuch 61, 1986, S. 201-207 und 62, 1987, S. 169-173
23 vgl. MATHESON, Argula, S. 51
24 In: PO-CHIA HSIA, RONNIE (HG.), The German people and the Reformation, London 1988, S. 148-171
25 HALBACH, Argula
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