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Das Leitbild der Landwirtschaft im schulischen Unterricht

Diploma Thesis, 1999, 100 Pages
Author: Claudia Busch
Subject: Agrarian Studies

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 1999
Pages: 100
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V15737
ISBN (E-book): 978-3-638-20763-8

File size: 444 KB
Notes :
Die Arbeit gibt einen detaillierten Einblick in die Bedeutung der Landwirtschaft in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Um die Bedeutung dieses Themas in der Gegenwart zu überprüfen, werden 15- bis 17-jährige Schüler verschiedener Schulformen nach ihrer Einstellung zur Landwirtschaft befragt. Ausblicke, wie eine Auseinandersetzung mit Landwirtschaft in dieser Altersgruppe aussehen könnte, runden die Arbeit ab.



Excerpt (computer-generated)

 

Das Leitbild der Landwirtschaft im schulischen Unterricht

überarbeitete Fassung der
Diplomarbeit an der
Universität-Gesamthochschule Kassel
Fachbereich Landwirtschaft, Internationale Agrarentwicklung
und Ökologische Umweltsicherung

von

Claudia Busch

Sommersemester 1999

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 6

Methode ... 7

I. Das Problem ... 8
1. Der Mensch in der Natur ... 8
1.1. Der Begriff "Natur" ... 8
1.2. Der Mensch als Naturwesen ... 9
1.3. Die Emanzipation von der Natur ... 11
1.4. Die Unzerstörbarkeit der Natur ... 13
1.5. Vorteile einer distanzierten Haltung ... 14

II. Hindernisse ... 15
2. Das Menschenbild ... 15
3. Die separate Stellung der Ökologie ... 17
4. Wertänderungen ... 19
4.1. Die Zielgröße der Umwelterziehung ... 20
4.2. Nachhaltigkeit ... 21

III. Eine mögliche Lösung ... 23
5. Landwirtschaft - Kultivierung der Natur ... 23
5.1. Die Funktion der Landwirtschaft ... 23
5.2. Landwirtschaft im sozialen und ökologischen Umfeld ... 25
5.3. Das Bild der Landwirtschaft ... 26
5.4. Landwirtschaft als Ort der Umweltbildung ... 27
5.4.1. Das System Landwirtschaft ... 27
5.4.2. Handlungskonsequenzen ... 28
5.4.3. Der Mensch in der Landwirtschaft ... 29

IV. Die Realität ... 30
6. Die Bedeutung der Schule ... 30
6.1. Kinder und Natur ... 30
6.2. Relevanz von frühen Prägungen ... 31
7. Jugendliche heute ... 31
7.1. Umweltbewußtsein von Jugendlichen ... 31
7.2. Jugendliche im Prozeß der Nachhaltigkeit ... 32
8. Charakterisierung der befragten Schulen ... 33
8.1. Die Gesamtschule ... 33
8.2. Das Gymnasium ... 33
8.3. Die Offene Schule ... 34
8.4. Die Freie Waldorfschule ... 35
8.5. Gegenüberstellung ... 36
9. Der Unterricht ... 36
9.1. Rahmenrichtlinien des Landes Hessen ... 36
9.1.1. Allgemeine Grundlegung ... 37
9.1.2. Besondere Bildungs- und Erziehungsaufgaben der Schule ... 37
9.1.3. Rahmenpläne einzelner Fächer der Sekundarstufe I ... 39
9.2. Das Bild der Landwirtschaft in Schulbüchern ... 42
9.3. Der Lehrplan der Freien Waldorfschule ... 46
10. Die Umfrage ... 48
10.1. Der Fragebogen ... 49
11. Das Bild von Landwirtschaft ... 51
11.1. Das Bild in der Gesamtschule ... 52
11.2 Das Bild im Gymnasium ... 55
11.3. Das Bild in der Offenen Schule ... 57
11.4. Das Bild in der Waldorfschule ... 59
11.5. Zusammenfassung ... 62
11.6. Weitere Untersuchungskriterien ... 62
11.6.1. Schulbesuch in anderen Ländern ... 62
11.6.2. Wohnsitz auf dem Land ... 63
11.6.3. Besuch anderer Lernorte ... 64
11.6.4. Praktische Erfahrungen ... 64
11.6.5. Besuch eines Schulbauernhofes ... 64
11.6.6. Ausnahmen ... 65

V. Zukunft ... 69
12. Prägungen ... 69
12.1. Der Einfluß der Medien ... 69
12.2. Der Einfluß des Elternhauses ... 69
12.3. Prägungen in den einzelnen Schulen ... 70
13. Einstellungen ... 71
13.1. Der Einfluß der schulischen Werthaltung ... 71
14. Ansatzpunkte ... 71
14.1. Veränderungen im Unterricht ... 72
14.1.1. Die Rolle des Menschen ... 72
14.1.2. Vergleichende Betrachtung ... 73
14.1.3. Regionaler Bezug ... 73
14.1.4. Altersgerechtes Lernen ... 74
14.1.5. Standpunkt ... 74
14.2. Einwendungen ... 74
14.2.1. Wertbestimmung ... 74
15. Bildung statt Erziehung ... 75
15.1. Das Lernen lernen ... 76
15.2. Handlungsfähigkeit von Jugendlichen ... 78
16. Vorschläge ... 79
16.1. Versuchshof Frankenhausen ... 79
16.2. Biosphärenreservat Rhön ... 81
16.3. Dorfschule Kierspe ... 81
16.4. Weitere Alternativen ... 82

VII. Schlußbetrachtung ... 83

VI. Zusammenfassung ... 84

VIII. Literaturverzeichnis ... 85
A. Autorenverzeichnis ... 85
B. Zeitschriften und Zeitungen ... 89

 

Einleitung
Unzählige Berichte sind in den letzten Jahren aufgetaucht, die sich mit dem Verhältnis des Menschen1 zu seiner sogenannten Umwelt beschäftigen2. Es ist wohl deutlich bewußt, daß der momentane Umgang mit natürlichen Ressourcen, der von den Industriegesellschaften ausgeübt wird, nicht weitergeführt und erst recht nicht als Handlungsmuster in andere Länder übernommen werden kann, wenn die Menschheit als Ganzes überleben will.

Das Wort ”Umweltschutz” ist inzwischen in aller Munde, und immer wieder tauchen neue Schriften auf, die ein anderes Agieren zwingend notwendig erfordern. Die Forschung im Bereich der Ökologie läßt dabei nichts zu wünschen übrig. Wir wissen Bescheid über die Zerstörung der Ozonschicht, karzinogene Stoffe, Artenschwund, Müllberge und vieles mehr. Gerade in Deutschland ist das Wissen um ökologische Zusammenhänge und um Alternativen zum herkömmlichen Lebensstandard relativ hoch. Die Anzahl der Lösungsvorschläge, die ein weites Spektrum umfassen, wächst. Trotzdem scheint sich an der Gesamtsituation nichts zu ändern. Allein ein latent schlechtes Gewissen angesichts des Bewußtseins, das der hiesige Umgang mit Ressourcen verschwenderisch ist, macht sich breit und hat verschiedene Verhaltensmuster zur Folge. Diese reichen von einem völligen Verleugnen der Relevanz dieser Problematik über ein Ohnmachtsgefühl angesichts der globalen Krise, dem Einfordern schärferer Gesetze bis hin zu dem Versuch, den gesellschaftlichen Pfad auszuschlagen und das individuelle Leben umweltfreundlicher zu gestalten3.

Der moderne Mensch gefährdet seine eigene Existenz, nicht nur, indem er nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlagen entzieht, sondern indem er Lebensarten pflegt, die bereits seine eigene Gesundheit untergraben. Ein solches Verhalten wird oft auch als "Entfremdung" des Menschen von seinen eigentlichen Bedürfnissen bezeichnet.


Die äußere Unabhängigkeit des Menschen von der Natur zieht eine Zerstörung nach sich, die diese Unabhängigkeit selbst wieder in Frage stellt.4

Die Beziehung des Menschen zur Natur scheint nachhaltig gestört zu sein. Er kann weder die eigenen natürlichen Ansprüche erfüllen noch den Schaden an seiner natürlichen Umwelt vermeiden.

Ansätze zu einer Änderung dieser Lage gibt es insbesondere in der Pädagogik viele. Auch diese Arbeit hat es sich zum Vorsatz gemacht, Wege innerhalb der Bildung zu beschreiben, die an der oben beschriebenen Problematik etwas ändern könnten. Zu diesem Zweck soll das Verhältnis des Menschen zur Natur zunächst genau definiert werden, um sich die Ausgangslage bewußt zu machen (Abschnitt I).

Im folgenden wird ein Blick auf die vorherrschende Umwelterziehung geworfen. Dabei sollen Hindernisse beschrieben werden, die einer Änderung der momentanen Lage im Weg stehen (Abschnitt II).

Die Beschäftigung mit Landwirtschaft wird als möglicher Ausweg genannt. Zu diesem Zweck wird die Bedeutung der Landwirtschaft und ihre besondere Eignung zur Gestaltung einer anderen Mensch- Natur-Beziehung dargestellt (Abschnitt III).

Eine Analyse der schulischen Realität dient wiederum dazu, sich den momentanen Stand der Einstellungen zur Umwelt bewußt zu machen. Vor allem das vorherrschende Bild von Landwirtschaft wird mit Hilfe einer Umfrage unter Schülern und Schülerinnen konturiert (Abschnitt IV). Dabei ist in erster Linie der Vergleich verschiedener pädagogischer Konzepte von Bedeutung, um
Schlußfolgerungen bezüglich der geeigneten Art von Bildung treffen zu können (Abschnitt V).

Methode
Die Ausführungen zur Mensch-Natur-Beziehung und zur Stellung von Landwirtschaft in den ersten Abschnitten bewegen sich in einem theoretischen Rahmen und wurde in reiner Literaturarbeit erstellt. Die Beschäftigung mit Literatur nimmt auch im vierten Abschnitt breiten Raum ein.

Zur Analyse der schulischen Situation wurde zusätzlich eine Umfrage in je zwei Klassen vier Kasseler Schulen durchgeführt. Die Wahl fiel dabei auf Kassel, weil hier die Möglichkeit gegeben war, konzeptionell unterschiedliche Schulen zu betrachten, deren Besucherinnen und Besucher dennoch in derselben Gegend aufgewachsen sind und also von ihr geprägt wurden.

Die konkrete Auswahl unter 25 möglichen allgemeinbildenden Schulen fiel auf die in Kap. 8. beschriebenen vier, weil sie zum einen den Anforderungen der Verfasserin entsprachen, aber auch, weil viele andere Schulen aufgrund eigener Überforderungen durch Umfragen der nahe gelegenen Universität abgesagt hatten oder einen sehr formalen Weg einschlagen wollten, der zeitlich im Rahmen der Anfertigung einer Diplomarbeit nicht zu schaffen gewesen wäre.

Die vier untersuchten Schulen sollten folgende Bereiche abdecken:

  • eine Gesamtschule als typisch hessische Bildungseinrichtung;
  • ein Gymnasium, um den Einfluß eines höheren Bildungsniveaus festzustellen;
  • eine Versuchsschule, um den Einfluß projektorientierten Lernens herauszufinden;
  • eine Waldorfschule, als nicht staatliche Schule mit einem deutlich anderen Konzept, das in der pädagogischen Landschaft allerdings großen Raum einnimmt und zusätzlich der Beschäftigung mit Landwirtschaft einen besonderen Stellenwert einräumt.

Im persönlichen Gespräch mit einem Lehrer oder einer Lehrerin der jeweiligen Schule wurde dabei der Termin der Umfrage festgesetzt. Dafür waren jeweils 20 bis 30 Minuten pro Klasse geplant. Nach einer kurzen Einführung, in der vor allem die Bitte im Vordergrund stand, individuell zu arbeiten, und darauf hingewiesen wurde, daß es nicht darum gehe, Kenntnisse abzufragen, wurde in den Klassen ein Fragebogen verteilt, der sowohl offene als auch geschlossene Fragen beinhaltete (vgl. Kap. 10.1.). Anschließend war kurz Zeit für ein Gespräch über Landwirtschaft. Eine weitere Diskussion war in fast allen Schulen von den Lehrern und Lehrerinnen nicht gewünscht, da sie mit dem geplanten Unterrichtsstoff weitermachen wollten. Auch für ein persönliches Gespräch blieb meistens kaum Zeit. Daher gab es wenig Gelegenheit, innerhalb der Schule mehr über den von ihr durchgeführten Unterricht zu erfahren. Ein Blick in typische Schulbücher der hessischen Schulen war in der Gesamtschule Witzenhausen möglich, so daß Abschnitt IV in dieser Hinsicht noch ergänzt werden konnte.

Die Auswertung des Fragebogens erfolgte mit SPSS. In einer abschließenden Diskussion werden die Ergebnisse mit der in den Abschnitten I und II dargestellten Problematik zusammengeführt, um daraus einen Ausblick auf möglicherweise notwendige Veränderungen im Unterricht gewinnen zu können.

[...]


1 Obwohl oft generalisierend vom "Menschen" die Rede ist, werden in dieser Arbeit damit hauptsächlich die Bewohnerinnen und Bewohner hochindustrialisierter Staaten abendländischer Kultur bezeichnet.

2 vgl. MEADOWS, D. et al.: Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Stuttgart 1994; HAUFF, V. (Hrsg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Greven 1987; BUND/MISEREOR (Hrsg.): Zukunftsfähiges Deutschland. Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung. Basel 1996

3 vgl. POFERL, A.; BRAND, K.-W.: Umweltbewußtsein und Umwelthandeln im Alltag. In: DIECKHOFF, K.-H.; ROTH, J. (Hrsg.): Umweltkrise als Bildungschance. Tutzinger Stiftung zur Förderung der Umweltbildung. München 1996, S. 62ff.

4 SAMHAMMER, T.: Die hervorragende pädagogische Aufgabe einer lebendigen Landwirtschaft im Hinblick auf ein neues Naturverständnis. Diplomarbeit Universität-Gesamthochschule Kassel, FB 11, Wintersemester 1998/1999, S.9


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